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Prof. Alois Schmid

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"Die wittelsbachische Antwort auf Martin Luther: Bayern wird ein katholischer Konfessionsstaat" Vortrag von und mit Prof. Alois Schmid

Wechselvolle Geschichte der Evangelischen Kirche

Pfarrerin Susanne Kim dankte Dr. Christine Gottfriedsen Bild: Pfarrerin Susanne Kim (li) dankte Dr. Christine Gottfriedsen für den Vortrag. (Foto: erö)

Bogen. (erö) Der Förderverein für Kultur und Forschung Bogen-Oberalteich hat auch Forschung auf seine Fahnen geschrieben. So fand zum Lutherjahr 2017, auch auf Inititative der evangelischen Kirchengemeinde Bogen, im Kulturforum Oberalteich ein Vortrag zum Thema "Die evangelische Kirche im Donau-Dekanat Regensburg 1542 bis 2017" statt. Die überwiegende Mehrheit der Bewohner von Regensburg und seiner weiteren Umgebung ist heute katholisch. Dennoch war Regensburg von 1542 bis 1802 eine evangelische Freie Reichsstadt, erklärte die Referentin Dr. Christine Gottfriedsen, Leiterin des evangelischen Kirchenarchivs in Regensburg. Im 16. Jahrhundert habe es mehrere evangelische Gemeinden in der Region gegeben, die aber auf Dauer keinen Bestand gehabt hätten. Zahlreiche Neugründungen von evangelischen Gemeinden folgten im 19. und 20. Jahrhundert in Folge der Industrialisierung und der Flüchtlingsströme nach 1945. Diese wechselvolle, aber wenig bekannte Geschichte wurde in diesem Vortrag in den Blick genommen.

Der Buchdruck und die zahlreichen Studenten hätten zur Verbreitung von Luthers Gedankengut und der evangelischen Lehre entscheidend beigetragen, sagte Gottfriedsen. Im Mittelpunkt stand Luthers Forderung vom "Priestertum aller Gläubigen", Unterschiede zwischen Geistlichen und Laien wollte er aufheben. Reichsfreiherren wie Bernhardi von Stauff (1521) befürworteten evangelische Predigten, die sich mehr an der Bibel und dem Abendmahl mit Brot und Wein für alle orientierten. Selbst katholische Geistliche übernahmen Gedanken aus Martin Luthers Schriften. Doch das passte der geistlichen Obrigkeit Regensburgs nicht. Pfarrer vom Land, die "falsch" predigten, wurden kurzerhand eingekerkert. Gottfriedsen erwähnte Georg Röhrner, der als erster evangelischer Geistlicher 1540 viele Predigten Luthers protokolliert habe. Auch der berühmte Aventinus, Johann Georg Turmair aus Abensberg, sei in Kontakt mit Luther gewesen.

Unzählige Gläubige hätten sich von der neuen Lehre angezogen gefühlt, berichtete Gottfriedsen. In den Gemeinden wurde gemeinsam in Luthers Bibel gelesen; die Menschen hatten Sehnsucht nach Zuspruch und Hilfe in ihrem schweren Leben. Als die Marienwallfahrt in Regensburg schwächer wurde, versiegte auch der Geldstrom, die Gegensätze zwischen dem katholischen Kaiser und dem evangelischen Rat der Stadt vertieften sich. Die Hoffnung auf Einigung strittiger Fragen beim Konzil erfüllte sich nicht. Gottfriedsen berichtete von evangelischen Territorien in der Pfalz und Kurpfalz, aber auch vom harten Durchgreifen der Katholiken gegen die Verkünder der neuen Lehre in Straubing: 1563 mussste der evangelische Ratsherr Ulrich Schmidl die Stadt verlassen und ließ sich in Regensburg nieder. Viele evangelische Gläubige aus Österreich wanderten nach Regensburg aus. Mit dem Augsburger Religionsfrieden 1555 gab es hier zwei gleichberechtigte Glaubensrichtungen und mehrere Herrschaftsbereiche. Gottfriedsen erzählte vom gutnachbarlichen Verhältnis der Konfessionen, man besuchte gegenseitig die Gottesdienste, es gab einen gemischt-konfessionellen Chor. Evangelische Gesandte brachten Glanz und internationales Flair in die Stadt.

Um 1700 habe es aber wieder mehr Katholiken als Protestanten in Regensburg gegeben, wobei die liberale Oberschicht evangelisch, die sozial Schwächeren mehr katholisch waren. 350 Jahre, bis gegen 1900, sei in Regensburg die Stadtspitze evangelisch gewesen, obwohl der Anteil der Katholiken höher war. Gottfriedsen schlug einen Bogen von der Gegenreformation, als evangelische Prediger der Stadt verwiesen wurden, über den Rationalismus mit Reduzierung der Anzahl von Geistlichen und Feiertagen, bis zum 20. Jahrhundert mit dem Nationalismus und den Flüchtlingsströmen nach dem 2. Weltkrieg. Katholische Kirchen seien für evangelische Christen geöffnet und seelsorgerische Aufgaben von katholischen Geistlichen übernommen worden. Neben dem Donau-Dekanat Regensburg wurden in Landshut und Passau weitere Dekanate eingerichtet. "Heute prägt ein ökumenisches Miteinander das kirchliche Leben in Regensburg und den Regionen", schloss Gottfriedsen.

Dem schloss sich der Dank von Pfarrerin Susanne Kim und eine kurze Diskussion an.