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Prof. Alois Schmid

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"Die wittelsbachische Antwort auf Martin Luther: Bayern wird ein katholischer Konfessionsstaat" Vortrag von und mit Prof. Alois Schmid

Kunstwerk

Oberalteich: Steffi Denk brillierte

Pressebild swinging christmas mit steffi denk und flexible friends Bild: Steffi Denk begeisterte bei ihrem Konzert im Kulturforum die Besucher.

Steffi Denk als geiziges, bösartiges Ekelpaket, wie Charles Dickens seine Romanfigur beschrieb, konnte man im Musical „Scrooge“ erleben. Steffi Denk als temperamentvolle Jazz- und Soulsängerin kennt nicht nur ihr Fankreis schon lange. Steffi Denk als Weltenbummlerin im Reich der Musik, bis hin zum Schlager zeugt von der großen musikalischen Bandbreite der Künstlerin. Und nicht zuletzt, Steffi Denk als Publikumsmagnet: Mühelos vermochte sie den Saal des Kulturforums Oberalteich zu füllen, und dies nicht etwa an einem Wochenende, sogar an einem Werktag! Dies mit einem Programm, welches wiederum eine andere Seite Steffi Denks zeigte: „Swinging Christmas“, ein Weihnachtskonzert mit größtenteils bekannten Songs für diese Zeit, denen Steffi Denk ihre ganz persönliche künstlerische Note verlieh. Geben wir es zu: Gar manche, vor allem amerikanische Weihnachtslieder haben, zumindest in unseren Ohren, einen mehr oder weniger kitschigen Touch. Nicht so bei Steffi Denk! Sie „singt“ die Lieder nicht, sie „swingt“ sie. Wesentlich trägt hierzu ihre Band, die „Flexible Friends“ bei. Musiker, Meister auf ihren Instrumenten, die das berühmte „Feeling“ für „swinging Rhythm“ haben: Martin „Möpl“ Jungmayer, Saxofon, Norbert Ziegler, Klavier und Trompete, Michael „Scotty“ Gottwald, Drums, Markus Fritsch, Bass.

Viele Jahre spielen diese Musiker zusammen und das ist deutlich zu hören! Ein aufeinander eingespieltes Team, in welchem jeder die Spielweise des anderen bis ins kleinste Detail kennt, spielt einfach stimmiger als eine rasch zusammengewürfelte Gruppe. Dies nicht nur in Bezug auf die Instrumentalisten untereinander, sondern in besonderem Maße in der Begleitung der Sängerin. Hier passte einfach alles perfekt zusammen: Einsätze, Feinheiten des Rhythmus und dynamischer Abstufungen -und, nicht zu vergessen, der Hörer spürte, dass hier Musiker und Sängerin mit Freude zusammenspielten und den Abend in seiner Gesamtheit zu einem Kunstwerk gestalteten.

Theodor Auer

 Zeitungsbericht: "Swinging Christmas"

Veit-Höser-Ensemble begeisterte die Zuhörer

Oberalteich: Konzert in Klosterkirche

Pressebild Veit-Hoeser-Ensemble Das Veit-Höser-Ensemble trug im Kulturforum in Oberalteich Chormusik der Renaissance vor. (Foto: erö)

Heinrich Schütz (1585-1672), Giovanni Palestrina (1525-1594), Jacob Arcadelt (1505-1568), diese alten Meister der Renaissance-Musik kennt jeder, jedenfalls einige Kompositionen von ihnen. Aber Pierre Certon (1500-1572), Juan Del Uncina (1468-1529), Marco Ingegneri (1545-1592), da ist schon vertieftes Musikgeschichtswissen gefordert.

Das bekannte Veit-Höser-Ensemble unter der Leitung von Michael Kovacs erfüllte den herrlichen Kirchenraum der Klosterkirche Oberalteich mit A-cappella-Werken dieser und anderer Komponisten des 16. Jahrhunderts mit ebenso herrlichem Gesang. Einmal mehr stellten Michael Kovacs, Tenor, Martina Kovacs, Sopran, Wolfgang Neumeier, Bass, und Svenja Neumeier, Alt, ihre hohe Gesangskunst unter Beweis. Keineswegs geht es bei der Interpretation der Musik der Renaissance ausschließlich um die Schönheit, die Strahlkraft der Stimmen, wie bei Musik beispielsweise des 19. Jahrhunderts. Vielmehr geht es hier um Klarheit der Stimmen und äußerste Präzision, vor allem bezüglich der Einsätze.

In dem komplizierten polyphonen Geflecht, Palestrinas „Sicut servus, desiderat ad fontes“ sei hier als Beispiel genannt, genügt ein einziger verpasster Einsatz, um das ganze Werk zu „kippen“, die Architektur zum Einstürzen zu bringen. Natürlich passiert das einem so aufeinander abgestimmten, aufeinander hörenden Ensemble wie dem „Veit-Höser- Ensemble“ nie. Für den Hörer höchst angenehm, da den harmonischen Fluss nicht störend, ist die perfekt aneinander angeglichene Lautstärke dieses Ensembles. Nichts stört bei dieser Art reiner A-cappella- Musik mehr als das „Vorpreschen“ einer Stimme, wie man es leider oft bei anderen „Alte Musik“- Gruppierungen erleben muss. Musik des 16. Jahrhunderts bis hinein ins 17. Jahrhundert ist die Apotheose der polyphonen Harmonie. An diese Prämisse hielt sich das Veit-Höser-Ensemble mit seiner Interpretationskunst.

Aus zwei Teilen setzte sich das Programm des vom Förderverein für Kultur und Forschung Bogen-Oberalteich veranstalteten Konzerts zusammen: einem Teil mit geistlicher Renaissance-Musik, das „Halleluja“ von Heinrich Schütz, „Christus factus est“ von Felice Anerio, „Also hat Gott die Welt geliebt“ von Melchior Franck, ein „Ave Maria“ des Sängers an der Sixtinischen Kapelle in Rom, Jacob Arcadelt, seien hier genannt, und einem weltlichen Teil. Arcadelt leitete mit einem Werk voller „Swing“, um es modern auszudrücken, „Margot labourez les vignes“ zum weltlichen Teil des Konzertes über. „Innsbruck, ich muss dich lassen“ ist kein Stück der „volkstümlichen Musik“ unserer Tage, sondern stammt aus dem späten 15. Jahrhundert von Heinrich Isaac. „Of all the birds that i do know“ von John Bartlet (um 1610) vertrat die englische Madrigalkunst. Reicher, absolut gerechtfertigter Applaus belohnte das „Veit-Höser-Ensemble“ für seine Kunst des polyphonen Gesangs aus der Renaissance.

Theodor Auer

 Zeitungsbericht: Veit-Hoeser-Ensemble

Sage hat immer ein Ausrufezeichen

Oberalteich: Josef Fendl stellte skurile Überlieferungen vor
Pressebild Josef Fendl 
Geschichtenerzähler Josef Fendl referierte über die Sage. (Foto: erö)


(erö) Eine Märchen-, nein Sagenstunde vom Feinsten bot Josef Fendl – Geschichtsforscher, Geschichtenerzähler und Autor – seinen gespannt lauschenden Zuhörern beim zweiten Literaturabend des Fördervereins für Kultur und Forschung im Kulturforum Bogen/Oberalteich. Als Sprüchemacher im besten Sinn hatte Hans Neueder vom veranstaltenden Kulturförderverein Josef Fendl angekündigt. Und die Zuhörer wurden nicht enttäuscht. Denn Josef Fendl hat immer eine Menge zu erzählen.

So erinnerte er gleich zu Beginn an das traurige Schicksal der Agnes Bernauer, die am 12. Oktober 1435 bei Hornstorf in der Donau ertränkt wurde. Doch an diesem Abend ging es um Anderes, um das Wesen und die Poesie der Sage. Nein, eine Märchenstunde bot Josef Fendl seinen Zuhörern nicht, „denn die Sage ist verortet, an Namen und Orte gebunden. Das Ereignis könnte so oder ähnlich passiert sein. Das erhöht die Glaubwürdigkeit“, sagt Fendl.

Demgegenüber handelt ein Märchen in unbestimmter Zeit und an unbestimmtem Ort. Eine Legende dagegen betrifft immer etwas Heiliges. Diese Erklärungen untermalt Fendl auf seine gewohnt unterhaltsame Weise mit den schönsten Beispielen aus seinem reichen Schatz an Sagen aus dem vorderen Bayerischen Wald und vielen bekannten Namen. Unerklärliches ist meistens dabei, wie die Geschichte vom Mönch, der dem Vogel der Ewigkeit lauscht und erst nach Jahrhunderten ins inzwischen fremd gewordene Kloster zurückkehrt. Oder viele Geschichten vom unheimlichen „Hörndlmeier“ mit seinem grünen Hütl, der so gern mit leichtsinnigen Madeln tanzt. Versteht sich, dass so ein Tanz für die Dirn nicht gut ausgeht. Fendl erzählt von früher, als im Dämmerlicht von Kerze oder Petroleumlampe die Geistergeschichten gediehen, von Totenwachen, als Gebet, Trauer und Brotzeit zusammengehörten. Eingestreut werden gleichsam nebenbei so trockene Fragen wie: „Woant ma bei eich scho vom Haus weg oder erst am Grab?“ Fendl erzählt aus der eigenen Kinderzeit, als die Kinder meist nur im Winter zur Schule gingen und ein Scheit Holz zum Unterricht mitbringen mussten. Er bringt, in schönstem Bayerisch natürlich, Sagen von Hexen, Zauberern, von unheimlichen Mühlen, - „das sind Stätten der Umwandlung“ - Kapellen oder Marterl.

Er deutet Orts- und Hausnamen und stellt klar: „Sagen wenden sich gegen das Falsche und für das Gute. Deshalb haben sie hinten immer ein Ausrufezeichen.“ Und dieses Ausrufezeichen macht Fendl dann mit erhobenem Zeigefinger deutlich. Im Laufe des Abends rutscht ihm die Brille immer mehr auf die Nasenspitze, seine Stimme wird tiefer, die Spannung steigt.

Skurriles wie die Geschichte von der Mühle, wo der Teufel Rossäpfel mahlte, während der Müller im Wirtshaus saß, wechselt ab mit Lustigem vom Pfarrer in Bodenmais, der seine Schäfchen daheim besuchte und zur Abschreckung Teufelsgeschichten erzählte. Es gibt Sagen gegen unmäßiges Fluchen, gegen Kartenspielen zur Unzeit, gegen Habgier, Hartherzigkeit, Missgunst, Neid und andere, allzu menschliche Eigenschaften. Erzählen tut sie Fendl voller Liebenswürdigkeit und mit einem Augenzwinkern, auch wenn er am Schluss wieder warnend den Zeigefinger hebt. Denn hinten hat ja jede Sage ein Ausrufezeichen...

 Zeitungsbericht: Vortrag von Josef Fendl

Vortrag über den Baierweg

Oberalteich: Der böhmisch-bayerische Fernweg ist älter als sein Name
Prof. Dietrich Manske 

(erö) Dass der Baierweg, ein vor- und frühgeschichtlicher Fernweg von Nordwestböhmen an die Donau, schon in spätneolithischer Zeit bestand, zeigte Professor Dr. Dietrich J. Manske, emeritierter Professor für Regional- und Kulturgeografie an der Uni Regensburg, beim Vortragsabend im Kulturforum Oberalteich auf. Interessant auch die Tatsache, dass das ostbayerische Grenzgebirge bereits in dieser Zeit bis in Höhen von 750 bis 800 Metern von einer halbnomadisch wirtschaftenden Bevölkerung als Weide und Waldweide genutzt wurde. „Dieses Gebiet war wohl zu keiner Zeit ein undurchdringliches Waldgebirge“, so Manske.

Manske beschäftigte sich zunächst mit dem Verlauf der Route, die nicht auf das heute noch sogenannte Altstraßenstück zwischen Viechtach und Sankt Englmar beschränkt war. Annahmen, dass der Weg von Prag nach Rom führte, seien allerdings nicht haltbar. In Sankt Englmar spaltete sich die Route in einen Südost- und einen Südwest- Ast auf und verzweigte sich weiter südlich in mehrere Trassen. Die Benutzer gingen zu Fuß und mieden daher Umwege. Als Transportgut wäre böhmisches Kupfer und Silber gegen bayerisches Salz denkbar, wie Josef Fendl vermute, sagte Manske. Typische Wegbegleiter dieser Altstraßen seien Flur- und Wegkreuze, weithin sichtbare Bäume, gemauerte Martern und Kirchenpatrozinien gewesen. Galgenberge sollten als Abschreckung dienen. Überraschend sei die Vielzahl von vor- und frühgeschichtlichen, archäologischen Funden entlang der Route wie Hufeisen, Pfeilspitzen oder Teile einer Urne, schilderte Manske. „Diese Funde säumen in auffälligerweise alle Trassen des Baierwegsystems und beweisen, dass dieser Raum mindestens seit dem Spätneolithikum begangen worden ist.“ Es entwickelte sich ein Saumweghandel über größere Entfernungen, zunächst per Fuß, später mit zweirädrigen Wagen.

Windgeschützte Quellmulden mit frischem Wasser dienten als Rastplätze und entwickelten sich später zu Etappenorten. Am Beispiel Meinstorf, wo Tonscherben der Schnurkeramik aus der Zeit von 2800 bis 2600 vor Christus gefunden wurden, machte Manske deutlich, wie aus einer Quellmuldenlage ein Etappenort zur Versorgung der Fernreisenden wurde.

Manske ging noch einmal auf den Namen „Baierweg“ ein, der frühestens in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts nach Christus entstanden sein kann. Damit ist der Fernweg wesentlich älter als sein Name.

Abschließend ging er auf die zeitliche Zuordnung der Baierweg-Äste im regionalgeschichtlichen Zusammenhang und die Reduzierung des Namens auf den Abschnitt Viechtach- Sankt Englmar ein. Ende des 10., Anfang des 11. Jahrhunderts habe schließlich das römische Straßennetz seine Bedeutung verloren und neue Bezugspunkte entstanden. Der Südwest-Ast über Windberg sei wichtiger geworden.

Für schwierige Streckenabschnitte seien Umgehungstrassen gefunden und weniger beschwerliche Routen befahren worden. Der Fernverkehr habe sich in die Stallwanger und Cham-Further Senke verlagert.

 Zeitungsbericht: Vortrag Prof. Manske 

Ein Zuckerl


Pressebild Ostbayerisches Jugendorchester 
Das „Ostbayerische Jugendorchester“ begeisterte die Zuhörer in der Barockkirche Oberalteich. (Foto: erö)

„Ich glaube“, so der Komponist des Werkes Schöpfungslied, Nikolaus Brass, „dass es gesellschaftlich nach wie vor das herrschende Verhalten ist, zu separieren, auszuschließen. Die Strukturen sind nach wie vor exklusive. Man will homogene Gruppen bilden und mit denen vorankommen. Für eine gedeihliche gesellschaftliche Zukunft könnte das Prinzip der Inklusion viel bewirken.“ Im Konzert des Ostbayerischen Jugendorchesters wurde diese „Inklusion“ modellhaft verwirklicht: Im „Schöpfungslied“ von Nikolaus Brass, eine Anlehnung an den „Sonnengesang“ des Franz von Asissi wirkte der Chor der Cabrini-Schule, eine Einrichtung für geistig behinderte Jugendliche in Offenstetten bei Abensberg mit. Das Ergebnis war keineswegs nur respektabel, vielmehr eine Leistung, die gar manchem Laienchor zur Ehre gereicht hätte. Der Orchesterpart wurde souverän vom Ostbayerischen Jugendorchester unter Leitung von Hermann Seitz gestaltet.

In der Zusammenarbeit dieses Orchesters mit dem Chor der Cabrini-Schule wurden Brücken gebaut zwischen Menschen mit unterschiedlichem Lebensbedingungen. Wie antwortete doch vor Jahrzehnten ein international renommierter Facharzt auf einen arroganten Kommentar eines Ignoranten: „In unserer Einrichtung befinden sich nur Kranke, dieVerrückten laufen draußen rum“! Wie recht er doch hatte! Bildete das „Schöpfungslied“ von Nikolaus Brass den geistigen Mittelpunkt des Konzertes in der sehr gut besuchten Klosterkirche in Oberalteich, so war das musikalische Kernstück des Ostbayerischen Jugendorchesters die Sinfonie Nr. 104 von Joseph Haydn, die letzte der sogenannten „Londoner Sinfonien“, die Haydn während seines Triumphalen Aufenthalts in England komponierte. In dieser Sinfonie verband Haydn melodische Volkstümlichkeit mit Ausblicken auf die sinfonische Zukunft, wie sie später bei Beethoven zur vollen Blüte emporwuchs. Mit satten Klangfarben, nicht überschnellem Tempi interpretierte das Ostbayerische Jugendorchester unter Hermann Seitz dieses Werk, ganz im Sinne des Komponisten.

Das Präludium Nr. 4 aus dem „Wohltemperierten Klavier“. Wie wunderschön und geistvoll klingt diese Komposition von Johann Sebastian Bach auf dem Cembalo oder dem Klavier. Johann Joseph Abert (1832 - 1915), wird schon gewusst haben was er tat, als er dieses Werk für Holz- und Blechbläser und Streicher „romantisierte“. Es war halt damals Mode! Das Ostbayerische Jugendorchester jedenfalls vermochte auch dieser Bearbeitung durch seine Musizierkunst klangschöne Aspekte abzugewinnen.

Ein ganz besonderes „Zuckerl“ offerierte dieses Orchester mit einem Lieblingsstück für jedes Publikum auf der ganzen Welt, dem 2. Satz, das Largo aus Antonin Dvoraks „Sinfonie aus der neuen Welt“. Das Englishhorn-Solo wurde äußerst gefühlvoll, „zu Herzen gehend“ intoniert und eingerahmt vom hervorragend, mit Elan gespielten Ostbayerischen Jugendorchester. Besonders gefielen die Übergänge von den verträumten Englishhorn Passagen zu den beschwingten Orchesterparts. Brücken gebaut hat das Ostbayerische Jugendorchester nicht nur zu dem Cabrini-Chor aus Offenstetten, sondern auch zu den Herzen des Publikums. Der langanhaltende Applaus war mehr als gerechtfertigt.

Theodor Auer

 Zeitungsbericht: Ostbayerisches Jugendorchester

Bravourös


Anna Gebhardt 

Große Kunst konnten die Besucher der vergangenen Konzerte an der Orgel der Wallfahrtskirche auf dem Bogenberg erleben. Berühmte, international bekannte Organisten wie Dr. Wilkes aus Berlin oder Raymond O’ Donnel aus Galway in Irland begeisterten mit ihrem Orgelspiel. Doch diesmal war es anders. Statt Herren gesetzten Alters saß eine sehr junge Dame, Anna Gebhardt, an der anspruchsvollen Orgel. Noch Schülerin am Anton-Bruckner-Gymnasium, bei Waltraud Götz–Rigaud, Orgel, Stefan Mutz, Querflöte, und Carola Unger, Klavier, errang sie bereits einen ersten Preis auf Bundesebene im Fach Orgel.

So konnten die Konzertbesucher auf dem Bogenberg gespannt sein, auf welcher Ebene die Orgelspielkunst von Anna Gebhardt im Vergleich zu den vorgenannten Künstlern, dem Orgelspiel ja noch im Gedächtnis ist, angesiedelt ist. Orgelspiel ist mehr, als den Notentext herunterzuspielen, es ist Kommunikation im wahrsten Sinne mit dem Instrument, feinste Dynamikunterschiede herauszuarbeiten, Klangfarben sinnvoll einzusetzen, vor allem aber das polyphone Geflecht durchhörbar, die Stimme verfolgbar zu gestalten, der Komposition Ausdruck zu verleihen. Um das Resümee vorwegzunehmen: Anna Gebhardt erfüllte in den gehörten Werken diese Ansprüche bravourös!

Mancher wird nun einwenden, die junge Dame wird sich halt einfachere Kompositionen für Schüler ausgesucht haben. Weit gefehlt: Was da im Programmheft stand, würde einen Musikhochschulabsolventen zur Ehre gereichen! Das festliche Präludium in g-moll von Dietrich Buxtehude eröffnete das Konzert. Drei Schübler-Choralvorspiele von Johann Sebastian Bach zeigten das Orgelspiel von Anna Gebhardt von der, zu tiefen musikalischen Empfindungen fähigen Seite. Vor allem „Meine Seele erhebt den Herrn“ BWV 648 spielte die Organistin extrem ausdrucksstark. Frisch zupackend BWV 647 „Wer nur den lieben Gott lässt walten“. Das vielfach zu hörende Concerto in a-moll BWV 593, eine Bearbeitung Johann Sebastian Bachs nach Vivaldi begeisterte nach einem energiegeladenen ersten Satz mit der Interpretation des Adagios; betont langsam, die melodischgesangliche Seite Bachs verdeutlichend, Anna Gebhardt erlag nicht, wie manch andere Organisten der Versuchung, während dieses Satzes stetig schneller zu werden.

Das fantastische, ein Tor in eine andere Klangwelt aufstoßende Werk von Franz Liszt, Präludium und Fuge über B-A-C-H bildete den Höhepunkt des gut besuchten Konzertes auf dem Bogenberg. Meditative Momente wechseln ab Fortissimo-Steigerungen, bei den Bässen schwierige Pedalarbeit. Anna Gebhardt meisterte alle spieltechnischen Probleme in großartigster Weise, so als existierten sie gar nicht! Ein weiteres in seinen Strukturen keinesfalls einfaches Werk von Olivier Messiaen „Dieu parmi nous“, „Gott unter uns“ aus seinem Weihnachtszyklus beendete dieses, zweifellos den Höhepunkt der diesjährigen Orgelmusikreihe bildende Konzert in der Wallfahrtskirche auf dem Bogenberg. Selbst einem, wegen des jugendlichen Alters der Organistin, voreingenommenen Skeptiker, wird eines nach diesem Konzert klar sein: Alle Signale für eine Karriere in der Musik stehen für Anna Gebhardt auf „grün“!

Theodor Auer

 Zeitungsbericht: Konzert mit Anna Gebhardt

Einfach außergewöhnlich


Pressebild Uta Hielscher und Prof. Siegfried Mauser 

Außergewöhnliche Zeit, außergewöhnliche Künstler, außergewöhnliches Programm, so lässt sich in Stichpunkten das Konzert im Rahmen des Kulturwald-Festivals im Kulturforum Oberalteich umschreiben. Wie schon der Name sagt: Matinee, also Vormittagskonzert, was jedenfalls in unserer Region nicht allzu häufig ist. Nichtsdestotrotz war der Saal des Kulturforums in Oberalteich sehr gut besucht. Verständlich, wer lässt sich schon ein Konzert mit Professor Dr. Siegfried Mauser entgehen.

Siegfried Mauser am Flügel war jedoch nicht das einzige Highlight, eine weitere, hervorragende Pianistin, Uta Hielscher, hatte Professor Mauser mitgebracht, dazu einen großartigen Violinsolisten, Nachum Erlich, der auch das Kammerorchester der staatlichen Hochschule für Musik, Karlsruhe, leitete. Da sage noch jemand, in der Provinz sei nichts geboten! Über die Qualität dieser drei Solisten und des Orchesters braucht nicht lange diskutiert zu werden, sind sie doch über jeden Zweifel erhaben. Besonders hervorzuheben, eine höchst ausdrucksstarke Sängerin: Anna Lena Denk. Selten hörte man die berühmte Gretchen-Vertonung aus Goethes Faust „Meine Ruh ist hin, mein Herz ist schwer und Frieden find ich nimmermehr“ mit dermaßen intensivem, sich dramatisch steigerndem Vortrag, verbunden mit voller, klangschöner Stimme.

Zugegeben, für einen Bachkenner, welcher zeitgenössische Interpretationen, die sich weitgehend an historischer Aufführungspraxis orientieren, waren die stark romantisierenden Bearbeitungen zweier Bachkonzerte durchaus gewöhnungsbedürftig. Zu sehr hat man den heute vermeintlich als authentisch geltenden Bach in den Ohren. Doch bemüht man sich, alle Vorurteile hinter sich lassend, in die Max-Reger-Bearbeitungen, vor allem des c-Moll-Konzertes, intensiv hineinzuhören, entdeckt man ganz neue Einblicke in den Kosmos Bach’scher Musik. Bach, wie er in der Zeit des Übergangs von der Spätromantik zur Moderne verstanden wurde. Wesentlich erleichtert wurde dieses Verstehen durch die kurze aber prägnante Einführung durch Professor Mauser. Sowohl der Hörer als auch der Ausführende muss sich bewusst sein, dass historisierende Bachbearbeitungen dem „echten“ Bach diametral entgegenstehen. Andererseits werden gerade die dramatischen und melodiösen Facetten der Musik Johann Sebastian Bachs besonders durch die Bearbeitungen Max Regers in besonderem Maße hervorgehoben. Besonders reizvoll, der Einsatz von zwei Klavieren, die das Klanggeschehen nicht nur auflockerten, sondern die wellenförmig voranschreitenden Steigerungen miterlebbar, mitfühlbar machten. Uta Hielscher und Siegfried Mauser bildeten mit ihren beiden Flügeln eine vollendete Symbiose, getragen von der Violinkunst Nachum Erlichs und dem sehr präzise und klangschön spielenden Kammerorchester der Hochschule für Musik in Karlsruhe. Johann Sebastian Bach und Max Reger, erlebt aus ganz anderen Blickwinkeln: Eine klangschöne und musikhistorisch hochinteressante Matinee des Kulturwald-Musikfestivals und des Kulturforums Bogen-Oberalteich.

Theodor Auer

 Zeitungsbericht: Konzert fuer zwei Klaviere

Konzert an Rieger-Orgel

Raymond O'Donnell 

Die Freunde der Orgelmusik auf dem Bogenberg feierten mit dem Förderverein für Kultur und Forschung Bogen-Oberalteich dieses Jubiläum mit dem Konzert eines Meisterinterpreten aus Irland. Raymond O'Donell ist neben seiner Lehrtätigkeit Organist an der Kathedrale von Galway. Das höchst anspruchsvolle Programm umfasste Werke von Hindemith, Liszt, Bach und Howells. Strahlender, selten gehörter Glanzpunkt war die "Evocation de la Chapelle Sixtine" von Franz Liszt.

Musik, ursprünglich ausschließlich zur Verwendung in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan bestimmt, daher nie vervielfältigt, kopierte sie Mozart aus dem Gedächtnis, nachdem er sie nur einmal gehört hatte. Teile dieser Niederschrift setzte Liszt in Verbindung mit anderen Kompositionen für die Sixtinische Kapelle in seine eigene Musiksprache um. Aus mystischem Dunkel lässt in zartester Spielweise O'Donell das wunderbare Flötenmotiv in himmlische Sphären aufsteigen. Lebhaft, aneinandergereiht kurze Motive, die alsbald von einem zweiten Thema abgelöst werden, der 1. Satz aus Paul Hindemiths Sonate Nr. 1 Tastend, suchend, könnte man diesen Satz auffassen. Traumlandschaften, schemenhaft aus weiter Ferne, fast schwermütig, der 2. Satz. Raymond O'Donell verliert den rechten Pfad, erweckt nie den Eindruck, sich in den langsamen Tempi zu verlieren, den Zusammenhang außer Acht zu lassen. "Die Füße des Organisten, endlich befreit von der Tyrannei des Basses, bringen nun selbst das Thema zum Erklingen, genauso exakt und genauso makellos wie mit den Händen". So fasste die Grande Dame des Orgelspiels, Marie Claire Alain, eine der Lehrerinnen von Raymond O'Donell die sechs Triosonaten von Johann Sebastian Bach zusammen. Die Interpretation von O'Donell der c-Moll-Triosonate von Johann Sebastian Bach ließ sowohl in der Manual- als auch in der Pedalkunst keine Wünsche offen.

Wie es sich Bach sicher vorgestellt hatte und praktizierte, war kein spieltechnischer Unterschied zwischen Pedal- und Manualarbeit festzustellen. Ein anspruchsvolles, auf höchstem interpretatorischen Niveau angesiedeltes Orgelkonzert in der Wallfahrtskirche auf dem Bogenberg.

Theodor Auer

Eine besondere Sprechstunde

Oberalteich: Band Dr. Jazz gastierte im Kulturforum
Dr. Jazz 

(erö) In solch eine „Abendsprechstunde“ wie das Sommerkonzert mit Dr. Jazz im Kulturforum Oberalteich geht jeder gerne, denn da swingt und jazzt es, was das Zeug hält. Ein Sommerkonzert wurde es zwar wegen der ungünstigen Witterung nicht, aber heiß wurde es den Zuhörern durch die swingende Musik von Dr. Jazz allemal.

Siegfried Späth, stellvertretender Vorsitzender des Kulturfördervereins, begrüßte die Gäste und forderte mit „Hey doc, give me jazz“ zum Musizieren auf. Und schon ging's los mit Dixie und Jazz, mit Blues und Swing, mit bekannten Jazz-Balladen in Erinnerung an Louis Armstrong und andere Jazzgrößen. Dr. Andreas Promesberger führte durch das Programm, erzählte Wissenswertes über die Geschichte des Jazz und Erstaunliches: dass Jazz und Rumba sich vertragen und Blues und der Liebestraum von Franz Liszt gemeinsame Harmoniefolgen besitzen. Oder von Woody Allens Begeisterung für das Klarinettenspiel. Die Zuhörer ließen sich in den tiefen Süden Amerikas entführen, in die Basen Street von New Orleans, an den Mississippi und den Swany River. Schier unerschöpflich ist das Repertoire von Dr. Jazz, das die acht Musiker ohne Noten anscheinend aus dem Ärmel schütteln. Dr. Jazz spielt eine Musik, die jung geblieben ist und Erinnerungen weckt an große Musiker wie Duke Ellington, Count Basey, Steven Forster oder Benny Goodman. Aber auch an Jazz in München, an die legendären „Hot Dogs“, die in den 50er Jahren in Deutschland Furore machten. Wer erinnert sich nicht an die verjazzte Hot Dogs-Version von Karl Valentins „Oide Rittersleit`“, die „Ritter“ Waldemar Artmann auf echt valentinsche Weise vorsang, extra für die Bogener und ihre Grafen von Bogen. Nicht fehlen durften so zu Herzen gehende Songs wie „When you`re smiling“ oder der Dauerbrenner der 60er Jahre „Ice cream, juice cream“. Schöne Soli waren von Klarinette, Trompete, Posaune, Bass und Schlagzeug zu hören und wurden vom Publikum dankbar beklatscht. Das Tempo steigerte sich immer mehr, kaum ein Zuhörer konnte ruhig auf seinem Platz sitzen bleiben. Zum guten Schluss bedankte sich die Band beim Publikum mit ihrer Erkennungsmelodie „Hello doctor, give me jazz“ nach einem Song von King Oliver.

Und als Zuckerl gab's noch Louis Armstrongs „Oh when the saints go marching in“ von Dr. Helmut Münich (Klarinette und Gesang), Dr. Max Kanzlsperger (Piano), Dr. Andreas Promesberger (Posaune), Werner Güntner (Bass), Waldemar Artmann (Kornett, Trompete und Gesang), Klaus Kohlmeier (Schlagzeug), Dr. Fritz Vogt (Banjo und Gitarre) und Günther Kraus (Tuba).

Organist der Extraklasse

Bogenberg: Dr. Wilkes brillierte

Das ist Timing! Direkt aus Berlin kommend, 40 Minuten vor Konzertbeginn, ist er in der Wallfahrtskirche auf dem Bogenberg eingetroffen. Andrzej Mielewczyk, ursprünglich für das Orgelkonzert vorgesehen, musste aufgrund einer Verletzung absagen. Als Ersatz sprang kurzfristig Dr. Florian Wilkes, Organist an der Sankt-Hedwigs-Kathedrale in Berlin, ein. Doch der etwas negative Beigeschmack des Wortes „Ersatz“ ist bei Dr. Wilkes absolut fehl am Platz. Die Besucher auf dem Bogenberg erlebten einen Organisten der Extraklasse mit einem hochinteressanten Programm: Johann Sebastian Bach und Johannes Brahms!

Brahms, der Meister der sinfonischen Sätze und der Kammermusik, hat der denn auch für Orgel komponiert, wird sich mancher fragen. Doch der hat! Erste Vorstudien in seiner Jugendzeit und dann im Alter, kurz vor seinem Tod, einige Präludien und Fugen, vor allem aber Choralvorspiele hat er komponiert. Seine eigene, in den Sinfonien aber auch im Liedschaffen manifestierte Tonsprache, hat Brahms in Orgelwerken hinter sich gelassen, er orientiert sich an alten Meistern, besonders Bach. In feinsinniger, durchdachter Ausarbeitung präsentierte Dr. Florian Wilkes die unter dem Titel „Elf Choralvorspiele“ op. posthum 122 zusammengefassten relativ, wie bei Choralvorspielen üblich, kurzen Werke, die den Klangfarbenreichtum der Rieger-Orgel aufleuchten ließen.

Die „Pièce d’ Orgue, BWV 572, eine dreiteilige Fantasie von Johann Sebastian Bach, eröffnete das Orgelkonzert. Besonders hervorzuheben bei dieser Komposition der 1. Satz „Trés vitement“ mit seinen Echos und das fünfstimmige „Grave“. Für seine Bewerbung in Hamburg, die leider vergebens war, schrieb Johann Sebastian Bach die Fantasie und Fuge g-Moll BWV 542, wie Dr. Wilkes in seinem kurzen Vorwort ausführte. Eine der mutigsten, vor Bach nie gewagten Kompositionen der Orgelliteratur, wechselnd von Einstimmigkeit zur Mehrstimmigkeit durch unterschiedlichste Tonarten chromatisch schreitend.

Zum Abschluss des fulminanten Konzertes Bachs „Superhit“, die Toccata und Fuge d-Moll, BWV 565. Dr. Wilkes vermochte durch seine Kunst auch bei diesem allbekannten Werk neue, interessante Aspekte zu setzen. Bewundernswert bei allen Stücken dieses Orgelnachmittags, der in Zusammenarbeit mit dem Förderverein für Kultur und Forschung Bogen-Oberalteich veranstaltet wurde, die exakte Durchhörbarkeit der Stimmen im Spiel von Dr. Florian Wilkes. Selbst bei Fortissimo-Abschnitten mündete nichts in undefiniertem „Klangbrei“, alle Stimmen blieben in klarster Reinheit nachvollziehbar.

Theodor Auer

Zeitungsbericht: Orgelkonzert von Dr. Florian Wilkes

Liederabend mit Andrea Oswald


Andrea Oswald mit Siwoung Song - 1 

Immer wieder ziehen die Verantwortlichen des Fördervereins für Kultur und Forschung Bogen-Oberalteich unter ihren Vorsitzenden Dr. Dionys Daller echte "Schmankerl" an Land. Zu diesen Leckerbissen in Sachen Musik gehört auf jeden Fall der Liederabend mit der Sopranistin Andrea Oswald und dem Bariton Siwoung Song im sehr gut besuchten Saal des Kulturforums. Andrea Oswald konnten Freunde erlesener, kultivierter Gesangskunst schon mehrmals in Straubing hören, so im Rittersaal zusammen mit der Kammersängerin Professorin Sima. Bereits bei diesem ersten Konzert fiel die in Wien studierende gebürtige Straubingerin durch ihre sehr schöne Stimme und ihr musikalisches Einfühlungsvermögen auf. Im Vergleich zu damals ist in ihrem Liederabend im Kulturforum ihre Stimme noch geschmeidiger, ihre emotionale Ausdrucksfähigkeit noch intensiver geworden.

Kernpunkt des Liederabends in Oberalteich waren Liedvertonungen von Franz Schubert, Robert Schumann, Claude Debussy und Hugo Wolf. Alles Komponisten, welche den tiefen Sinn der Gedichte von Goethe, Heinrich Heine, Brentano, ihre verschiedenen Ebenen, Romantik auf der einen, psychologische Tiefenschau und auch Sarkasmus (Heine) auf der anderen Seite voll erfassten und in Musik umsetzten. Wobei insbesondere der Klavierpart von hoher Aussagekraft ist. Mit Volker Nemmer hatte Andrea Oswald mehr als einen "Klavierbegleiter", vielmehr einen Pianisten, der durch sein durchdachtes Spiel mit all seinen Phrasierungen das Unausgesprochene, den Text zwischen den Zeilen offenbarte. Neben den Vertonungen von Heinrich Heine durch Robert Schumann waren sichelich Claude Debussys "Clair De Lune" aus den Fetes Galantes, Aquarelles No. 1 aus Ariettes Obliees ein Höhepunkt des Abends. Mit noch tieferem Gefühl, verbunden mit klarster französischer Aussprache und kultivierter Stimme kann man diese musikalischen Preziosen nicht singen! Doch Andrea Oswald beherrscht auch die fröhlich leichte Seite: Robert Stolz, den letzten der Wiener Operetten-Dynastien mit seinen "Im Prater blüh'n wieder die Bäume" und "Mein Liebeslied muss ein Walzer sein", sang die junge Künstlerin mit der Beschwingtheit, die diesen Ohrwürmern eigen ist. Ein Hinweis auf die Bandbreite und das rasche "Umschalten" vom schwierigen Kunstlied zum leichtfüßigen Metier.

Das gibt es doch nicht! Ein Süd-Koreaner, in Seoul geboren, singt Lieder aus Schuberts "Winterreise" in so völlig akzentfreiem Deutsch, dass er sich von keienm bei uns Gebürtigen unterscheidet! Außer: Er singt wesentlich besser als gar mancher einheimische Bariton. So eine weiche, überaus melodische Stimme hört man selten! Eine Stimme, die jedoch nicht in Wohlklang stecken bleibt, sich in der Schönheit des Gesanges selbst genügt, sondern die auch zu aufwühlenden dramatischen Steigerungen fähig ist. Andrea Oswald und Siwoung Song, zwei Künstler, die zu großer Hoffnung auf Karriere Anlass geben.

Theodor Auer
Andrea Oswald mit Siwoung Song - 2 Andrea Oswald mit Siwoung Song - 3 Andrea Oswald mit Siwoung Song - 4 Andrea Oswald mit Siwoung Song - 5 

„Luz amoi“


Pressebild  „Luz amoi“ begeisterten im Kulturforum. (Foto: erö)

„Also, dann luzd ma amoi“, was Stefan Pellmaier, Stefanie Pellmaier, Manuela Schwarz, Nick Hogl und Johannes Czernik unter dem Bandnamen „Luz amoi“ zu bieten haben. Für Nichtbayern: Luz amoi heißt auf Hochdeutsch „Hör mal zu“. Der Rückschluss: Name der Gruppe bayerischer Dialekt, ergo Musik der Band Volksmusik oder volkstümliche Musik, ist zwar logisch, greift aber bei „Luz amoi“ viel zu kurz. Die Texte, teils original Volksgut, zum größten Teil jedoch eigene Schöpfungen werden in Dialekt gesungen, die Musik aber darf man als erfrischend exotisch bezeichnen. Exotisch, im positiven Sinn, die Zusammenstellung der Instrumente: Violine paart sich mit Gitarre,Trommel, Marimbaphon, Harfe, Hackbrett verschmelzen trotz ihrer völlig unterschiedlichen Klangcharaktere zu einer Einheit. Es gehört schon Mut dazu, dieses bunte Kaleidoskop aus Instrumenten miteinander zu kombinieren. Ist aber Mut mit hohem musikalischen Können und über alle Zweifel erhabenes beherrschen der Instrumente vorhanden, entsteht aus vermeintlich altbekanntem Neues, Spannendes. Neuen Wein in alte Schläuche gefüllt, die aber aufgrund musikalischem „Know hows“ nicht platzen, die Musik nicht in Chaos versinkt.

So sind die Instrumente keineswegs wild zusammengewürfelt, sie geben den Stücken neue, charakteristische Farben. So schimmert in den alten Tänzen wie Zwiefacher oder Polka lateinamerikanischer Flair durch. Der bayerische Defiliermarsch, einst beim Einzug von Franz Josef Strauß in die Wahlkampfarenen gespielt, wird unter den Händen von „Luz amoi“ zu einem Zigeunermusik-Gypsy. Salsa und Zwiefacher vermählen sich. Das alles nicht etwa als Verballhornung vielmehr wirklich Neues schaffendes, mit neuem Schwung, mit neuem „drive“. Bayerische Musik verbunden mit irischer Folklore, auch das würde ein Klammer der Städtepartnerschaft Straubing-Tuam bilden. Bayern und Afrika, zwar beide schwarz, aber doch mit leicht unterschiedlichen Kulturen, vor in der Musik, „Luz amoi“ schafft auch hier ein musikalisch Ganzes zu bilden.

„Luz amoi verpackt traditionelle Volksmusik in ein neues, modernes Gewand“, steht im Beiheft dieser Band. Dem ist nichts hinzuzufügen, außer dem Kommentar einer Konzertbesucherin im gut besuchten Kulturforum Oberalteich: „I bin ganz begeistert, wirklich ganz schee“!

TheodorAuer

 Zeitungsbericht: Luz amoi

Ein großes Talent

Pressebild Alexander Maria Wagner 
Einen interessanten Klavierabend bot Alexander Maria Wagner im Kulturforum Oberalteich. (Foto: erö)


Das darf doch nicht wahr sein! Da wagt sich ein 16-Jähriger an eines der sowohl spieltechnisch als auch in seinem architektonischen Aufbau und seinem geistigen, ja mystischen Inhalt anspruchsvollsten Klavierwerke der Klaviergeschichte. Gewiss, die enormen technischen Anforderungen können von einem entsprechend begabten Jugendlichen mit großer Übung gerade noch bewältigt werden, aber der Sonate in h-Moll von Franz Liszt jenen philosophischen Tiefgang zu geben, aus dem diese Komposition lebt, ist doch mehr Pianistengrößen mit jahrzehntelanger intensiver Beschäftigung mit dem Metier Klavierkunst und Hermeneutik vorbehalten.

Mit diesem, durchaus begründeten Vorurteil besuchte der Rezensent das Konzert von Alexander Maria Wagner im Kulturforum Oberalteich. Doch am Ende der h-Moll-Sonate fiel mir, wie man in salopper Umgangssprache so schön sagt, die Kinnlade runter: Das gibt es doch nicht, dass ein Domspatzen-Gymnasiast aus Cham diese anspruchsvollste Sonate, vor der selbst altgediente Klavierkünstler kapitulieren, mit solcher Perfektion, mit solchem, die harmonischen Strukturen erfassenden und mit Geist beseelenden Durchblick bewältigen kann, das Ganze verbunden mit Klangschönheit des Anschlags und wohldosierter Emotion!

In Japan die Atomkatastrophe, vor 25 Jahren Tschernobyl. Ein aktuelles Thema, doch kann man über den Titel einer Klavierkomposition „Die Kinder von Tschernobyl“ durchaus streiten. Nicht jedoch über die Qualität dieser Komposition von Alexander Maria Wagner, die Anlass zu größter Hoffnung auf eine Komponisten-Karriere gibt. Der formale Aufbau dieses Werkes ist von Logik geprägt und in sich harmonisch geschlossen. Wie durchaus in dem jugendlichen Alter des Komponisten zu erwarten gewesen wäre, absolut kein fortissimo-Sturm- und Drang-Monstrum, vielmehr behutsam – leise mit feinen Nuancen, im Bass jedoch kräftig, voller Emotionalität. Wieso im Anschluss an diese empfindsame Komposition von Alexander Maria Wagner unbedingt George Gershwin folgen musste, ist nicht ganz klar, wahrscheinlich sollten die drei Preludes zur auflockernden Entspannung dienen.

Auf jeden Fall hat das Kulturforum Oberalteich mit seinem Vorsitzenden Dr. Dionys Daller mit dem neuen Bereich, Nachwuchskünstler zu fördern, mit dem jungen Komponisten und Pianisten Alexander Maria Wagner einem großen Talent, von dem sicher in Zukunft viel zu hören sein wird, die ersten Schritte auf die Bühne ermöglicht.

Theodor Auer

 Zeitungsbericht: Klavierkonzert mit Nachwuchskünstler Alexander Maria Wagner

Die Grafen von Bogen in Böhmen

Vortrag von Historiker Dr. Frantisek Kubú im Kulturforum

Vortrag - Die Grafen von Bogen
Historiker Dr. Kubú aus Böhmen sprach über die Grafen von Bogen in Böhmen.
 
(ho) Mit dem Wirken der Grafen von Bogen beschäftigte sich in einem Vortrag im Kulturforum Oberalteich der Historiker Dr. Frantisek Kubú. Dr. Kubú ging auf die wichtige Rolle der Grafen von Bogen im 12. und 13. Jahrhundert für die böhmische Geschichte ein, auf einem Gebiet, das bisher aus politischen Gründen noch wenig erforscht ist. Erst nach der Wende habe dieses Forschungsgebiet mehr unter die Lupe genommen werden dürfen.

Das Wirken der Grafen von Bogen in Böhmen sei ein umstrittenes Thema der Geschichtsschreibung. Die Bogener Grafen haben die Entwicklung des böhmischen Staates auf dem Höhepunkt ihrer Macht stark beeinflusst, aber Umfang und Bedeutung des Bogener Besitzes in Böhmen seien bis heute noch unklar, so der Historiker. Die geschichtlichen Quellen, sagte er, seien sehr spärlich und unzuverlässig. Heute werde angenommen, dass die Grafen von Bogen seit dem 12. Jahrhundert mit der Kolonisation des Böhmerwaldes angefangen haben, grenzte er doch unmittelbar an ihr Herrschaftsgebiet – zwischen den Städten Neuern und Winterberg sei das gewesen. Aber die Meinungen der deutschen und tschechischen Historiker gingen zum Teil weit auseinander, so Kubú.

Enge Verbindungen mit Böhmen

Der böhmische Herzog Bretoslav hatte 1094 Luitgard aus Bayern, die Schwester des Grafen Albert, geheiratet. 1124 heiratete Friedrich IV. von Bogen die älteste Tochter des Herzogs Vladislev I. Die wichtigste Verbindung der Premysliden und der Grafen von Bogen sei eindeutig die Ehe des Bogener Grafen Albert IV. mit Ludmilla gewesen, denn Ludmilla hatte hochrangige Verwandte. Ihre Mutter war die Tochter des ungarischen Königs Geisa II., ihre Großmutter stammte aus dem Hause der Babenberger. Mit dieser Heirat seien die Bogener noch näher in Verbindung mit der herrschenden mitteleuropäischen Aristokratie getreten.


Schüttenhofen war der Mittelpunkt

Nach dem Tode von Albert heiratete die junge Witwe Ludmilla in zweiter Ehe um 1204 den bayerischen Herzog Ludwig I. In der Folgezeit waren die Grafen von Bogen in verschiedene Kriege in Böhmen verwickelt.

Sicherer Mittelpunkt des Besitzes der Grafen von Bogen in Böhmen seien der Ort Schüttenhofen und etliche Dörfer rund herum gewesen, während andere Burgen und Orte erst nach dem Aussterben der Grafen von Bogen im Jahre 1242 entstanden seien. Das Bogener Erbe habe Herzog Otto II. von Bayern übernommen. Damit hatten die guten Beziehungen geendet; denn auch die Böhmen erhoben Anspruch auf die Besitztümer der Bogener Grafen. Bis 1271 konnte sich der bayerische Herzog den Besitz von Schüttenhofen mindestens theoretisch noch erhalten. Bayern hat später auf die Rechte in Schüttenhofen verzichtet. Dafür erhoben die Böhmen keine Ansprüche mehr auf das Gebiet zwischen Donau und Böhmerwald.

Als Zeuge des Wirkens der Grafen von Bogen in Böhmen blieb ein Kranz kleiner Kirchen rund um Schüttenhofen erhalten. Die Kirche in Albrechtsried, die dem Kloster in Windberg gehörte, war bis 1803 im Besitz von Windberg. Für die genauere Erforschung des Bogener Besitzes fehlen die Quellen, sagte Dr. Kubú. Hierbei müssten andere Quellen der Geschichtsschreibung helfen, wie Archäologie, Kunst- und Baugeschichte, Burgenforschung und Numismatik.


 Zeitungsbericht: Vortrag - Die Grafen von Bogen in Boehmen

faschingskonzert-vhg-orchester 

Ein buntes Bild boten die maskierten Musikanten des großen Orchesters unter der Leitung von Doris Köppel. (Fotos: erö)

Beschwingte Stimmung

Bogen: Faschingskonzert war ein Augen- und Ohrenschmaus

(erö) Einen heiteren Faschingsabend mit viel Musik und Kunst bescherte das große Orchester des Veit-Höser-Gymnasiums zum zehnjährigen Jubiläum seinem begeisterten Fanpublikum im Kulturforum Oberalteich. Es herrschte beschwingte Stimmung bei den maskierten jungen Musikanten und den kostümierten Zuhörern, am Dirigentenpult schwang Oberstudienrätin Doris Köppel mit Elefantenmaske den Taktstock. Eingeladen hatte der Förderverein für Kultur und Forschung, für den sich Tatjana Daller als Bettelmönch präsentierte. Durch das umfangreiche Programm führten junge Musiker wie Dominik Zankl, der nicht nur gekonnt Posaune blies, sondern charmant plaudernd den Abend eröffnete. Im Mittelpunkt des Abends stand „Der Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saen in der Bearbeitung von S. Taupe (siehe unten stehende Musikkritik von Theodor Auer). Bezaubernde Arbeiten des Leistungskurses Kunst, auf die weiße Wand hinter dem Orchester projiziert, begleiteten die Musik: Da gab es gefährliche und traurige Löwen, einen bunten Elefant, den stolzen Hahn inmitten seiner Hühner, ein Esel bleckte die Zähne und eine Schildkröte tanzte. So wurde der Abend zu einem fulminanten Ohren- und Augenschmaus.

In der Pause war Bildende Kunst auf der Galerie angesagt. Organisiert von den beiden Kunsterziehern Eva Tyroller-Köstlbacher und Edgar Stein waren interessante Facharbeiten des Leistungskurses K 13, dem letzten Jahrgang des neunjährigen Gymnasiums, ausgestellt. Bemerkenswert sind diese Arbeiten und zeugen davon, dass im Veit-Höser-Gymnasium auch die Förderung von musischen Talenten groß geschrieben wird. Da waren einmal Puppen von Barbara Graf, kostbare, kleine Kunstwerke, Paul Klee nachempfunden. Barbara Graf experimentiert hier mit den verschiedensten Materialien wie Abfall oder Knochen, jeder Schritt dokumentiert in einer Mappe. Überraschend auch die Arbeitsreihe von handgeschöpftem Papier aus Maiskolbenblättern, Brennnesseln oder Weinblättern von Ramona Hornberger. Daneben der Entwurf für ein gewaltiges Bühnenbild von Tatjana Kranz, ein geheimnisvolles Triptychon in Grün und Blau. Barbara Hilmer zeigte Arbeiten in Pop Art à la Lichtenstein, und Alexandra Bachl setzte sich mit der Mosaiktechnik auseinander und schuf einen bunten Mosaik-Dinosaurier. Interessant auch die Illustrationen zu Marie Antoinette von Alexandra Murasch. Besondere Aufmerksamkeit fand die Bilderreihe „Stillleben und Portraits des 20. Jahrhunderts“ von Josef Köstlbacher. Reife Arbeiten in feiner, ausgefeilter Technik.

Den „Radetzky-Marsch“ als Zugabe gespielt

Oberalteich: Faschingskonzert

Papa, Mama, Onkel, Tante, alle waren im Kulturforum Oberalteich um Biene Maja, Zigeunermädchen, Zirkusdirektoren, Harlekine, Piraten und Bananen, Leoparden und Matrosen zu sehen. Doch dies ist nur die eine, die unwesentliche Seite die Töchter und Söhne, Nichten und Neffen in Faschingskostümen zu sehen, der eigentliche Grund, der den Saal des Kulturforums füllte, war, die Gymnasiasten des Veit-Höser-Gymnasiums zu hören, den Ergebnissen langen, intensiven Übens mit Bewundern zu lauschen. Bewunderung vor allem deshalb, da es keine Selbstverständlichkeit ist, aus Schülerinnen und Schülern eines nichtmusischen Gymnasiums derart veritable Leistungen im Reich der Musik herauszuholen. Ein fürchterliches Buch einer noch fürchterlichen Mutter avanciert zur Zeit in den USA zum Bestseller: Kinder müssten mit extremen Drill erzogen werden, auch im Fach Musik! Hoffentlich fliegen, nach Erreichen der Volljährigkeit diesen Erziehern die Instrumente um die Ohren, auch wenn’s ein Klavier ist! Den genau entgegengesetzten Weg beschreibt seit zehn Jahren Oberstudienrätin Doris Köppel mit den Methoden ihrer Musikerziehung: Sie vermittelt den Schülerinnen und Schülern Freude an der Musik, Spaß selbst Musik zu machen und lässt auf diese Weise Liebe zu Musik wachsen. Frau Köppels Art der Musikerziehung fand einmal mehr Bestätigung im diesjährigen Konzert des Veit-Höser-Gymnasiums. Eine Bearbeitung des ursprünglich für Klavier geschriebenen „Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saens stand im Mittelpunkt. Majestätischen Schritts betrat der Löwe die imaginäre Bühne, langsam, altersweise hoben die Schildkröten ihre Beinchen zum Tanz, der Hahn hatte alle Mühe, in das Gegakere seiner Hennen Ordnung zu bringen, pizzicato - gezupft hüpften die Känguruhs, mal von hinten, mal von der Seite, der Ruf des Kuckucks, die Filsilien klapperten mit ihren versteinerten Knochen, die quirligen Fische im Aquarium, intoniert am Klavier. Wirklich schön zuzuhören, wie das große Orchester des VHG nicht nur die Tiere, ihre Stimmen und Bewegungen nachahmte, sondern ihnen Leben und Charakter verlieh, wie gut die Schülerinnen und Schüler ihre Instrumente beherrschten, auf das Dirigat achtend harmonisch zusammenspielten. Kurzweilig wurden die einzelnen Sätze des „Karneval der Tiere“ von Elena Wenninger, Herbert Graf und Gregor Simmich kommentiert. An dieser Stelle sollten nuneigentlich alle, fast 50 Mitwirkenden des Konzertes aufgezählt werden. Eltern,Verwandte und Freunde hätten ihre Freude daran, doch halten wir es wie bei großen Orchestern aus den Weltstädten der Musik: Erwähnt werden doch auch nur die Dirigenten und Solisten: Am Klavier im „Karneval der Tiere“, Konstanze Daller und Magdalena Daller, im Pop Concerto, Lisa Wenninger. Die Dirigenten: Gregor Simmich, Arne Simmich, Dominik Zankl, Sascha Hanko, im Brass Rock, Hannah Eickmeyer, Bodypercussion und Boomwhacker, Sebastian Pleischl. Nicht nur der „Karneval der Tiere“ war bei diesem Konzert geboten, sondern nach der Pause gehobene Unterhaltungsmusik, hervorragend und mit sichtbarem Spaß intoniert: „Theo Simpsons“, Brass Rock, Rushhour, Calming down, Homerun, ein Pop Concerto, der „Maxglaner Zigeunermarsch“ und eine „Bohemian Rhapsodie“ von Freddy Mercury. Wer meint, „An der schönen blauen Donau“, die „Tritsch-Tratsch-Polka“ von Johann Strauß, sei einfach zu spielen, versuche mal, echte Wiener Intonation, Phrasierung und Rhythmus zusammenzubringen. Das große Orchester des Veit-Höser-Gymnasiums unter der Leitung von Doris Köppel schaffte dies mit Bravour! Das sichtlich begeisterte Publikum forderte vom Orchester des VHG und dessen musikalischer Leiterin, Doris Köppel, noch eine Zugabe: den „Radetzky-Marsch“.

Theodor Auer

 Zeitungsbericht: Faschingskonzert VHG-Orchester

blechschaden-2011 Faschingsmäßig kostümiert präsentierte sich „Blechschaden“ im Kulturforum Oberalteich. (Foto: erö)

Kunst in jeder Richtung

Oberalteich: „Blechschaden“-Konzert

Manche Menschen sieht man gern kommen, manche sieht man noch lieber gehen! Bob Ross, der kleine Schotte mit dem großen Humor und sein Orchester gehören zweifelsfrei zu der ersten Kategorie. Bereits zum dritten Mal erfreuten die Blechbläser aus den Reihen der Münchner Philharmoniker die Besucher im ausverkauften Kulturforum Oberalteich.

Der große Besucherandrang verwundert nicht, ist doch die Gruppe um Bob Ross mit dem Namen „Blechschaden“ seit 27 Jahren Synonym für erstklassige Interpretation, verpackt in augenzwinkernden Witz und launigen Spaß. Keinesfalls darf man „Blechschaden“ mit dem Begriff Faschingsband abqualifizieren. Tummeln sich doch in diesem Genre oftmals Pseudomusiker, die ihr mangelndes Können durch billigen Klamauk zu vertuschen suchen. Bob Ross und seine Blechbläser plus Schlagzeug stellen hier das genaue Gegenteil dar: Exaktheit in den Einsätzen, sauberste Intonation, klarster Bläserton und Virtuosität an den Instrumenten, wie man sie von Mitgliedern der Münchner Philharmoniker erwarten darf, verbunden mit doch recht mutigen Arrangements. Wer käme schon auf die Idee, Bachs „Superhit“, die Toccata in D-Moll für Orgel mit Blechblasinstrumenten und Schlagzeug zu spielen? Was dabei herauskam, war kein billiger Scherz, sondern eine beeindruckende neue Sichtweise außerhalb eingefahrener Hörgewohnheiten. Zu welch leisen, schmelzenden Klängen Trompeten fähig sind, zeigte das berühmte Adagio, eigentlich für Streicher komponiert, von Albinoni, das sich allmählich, wohldosiert zu Fortelautstärke, steigerte. Auch sehr kurze Notenwerte lassen sich auf Blechblasinstrumenten verwirklichen, wie in der „Pizzicato Polka“ von Johann Strauß oder im berühmten „Hummelflug“ von Rimski-Korsakow.Sehr behutsam, den Charakter des Werkes nicht zerstörend, spielte „Blechschaden“ die Canzona Septimi Toni, „der Sepp und der Toni“ vom Venezianer Gabrieli in der Übersetzung von Bob Ross. Der Weise kommt aus lichten Bergeshöhen zum Volk herab, einem Sonnenaufgang gleich, und verkündet seine Lehren: Bombastisch und strahlend beginnt Richard Strauß seine symphonische Dichtung „Also sprach Zarathustra“. Ebenso sonnengleißend die Interpretation durch Bob Ross und seine Mannen. Dietrich Buxtehude, der große Meister aus Lübeck, Vorbild für viele Orgelwerke des jungen Johann Sebastian Bach, geht nahtlos über in ein englisches Volkslied, „Pink Panther“ in einem „Zwiefachen“, Duke Ellington mit „Caravan“ gibt John Lennon und Paul McCartney im „Norwegian Wood“ die Hand, dazwischen ein Tango.

Dass solche Zusammenstellungen Sinn machen, so abenteuerlich sie auch sein mögen, kann nur in der Kunst von „Blechschaden“ liegen, die in jeder Stilrichtung von Barock, Romantik, Volksmusik, Blues und Big Band zu Hause sind. Verständlich, dass „Blechschaden“ erst nach vier Zugaben vom Publikum freigegeben wurde!

Theodor Auer
 Zeitungsbericht: Faschingskonzert mit Blechschaden

jahreshauptversammlung_2011 

Zur Einstimmung auf die Mitgliederversammlung des Kulturfördervereins gab Vorsitzender Dr. Dionys Daller mit Tochter Christina ein kleines Konzert.

Jahreshauptversammlung des Vereins - Vortrag von Kreisheimatpfleger Hans Neueder

Jetzt stehen auch Orgelkonzerte auf dem Programm

Sehr stilvoll begann die Jahreshauptversammlung des Fördervereins für Kultur und Forschung im Kulturforum Oberalteich: Vorsitzender Dr. Dionys Daller am Klavier und Tochter Christina an der Geige stimmten mit einem Concertino A-Moll von Rieding auf den Abend ein. Auch die Kultur kam nicht zu kurz: Kreisheimatpfleger Hans Neueder berichtete Wissenswertes über Schulspiele im Kloster Oberalteich. Der Kulturförderverein hat derzeit 367 Mitglieder, fünf Neumitglieder konnten im vergangenen Jahr gewonnen werden. Mit einer Schweigeminute wurde dreier verstorbener Mitglieder gedacht.

Wir sind zufrieden mit der Beteiligung an Veranstaltungen wie Konzerten und Vorträgen, erklärte Vorsitzender Dr. Dionys Daller in seinem Rückblick. Veranstaltungen mit hochkarätigen Künstlern gerieten allerdings gelegentlich zu einer Zitterpartie. „Wir sind ein Verein und können uns keine finanziellen Verluste leisten“, so Daller. Deshalb werde man künftig mehr jüngere regionale und überregionale Künstlerinnen und Künstler verpflichten. „Auf jeden Fall geht es auf dem hohen Niveau wie bisher weiter“. Der Rückblick Dallers, der vor einem Jahr den Gründer und langjährigen Vorsitzenden des Kulturfördervereins Dr. Rudolf Gehles ablöste, war auch bestimmt vom Dank für ein Jahr Unterstützung: Durch Ehefrau Tatjana Daller, die sich mit ihm in die Aufgaben des Vorsitzenden teilt und die Kontakte zu den Künstlern und die Organisation der Veranstaltungen weitgehend übernommen hat. Gedankt wurde auch der gesamten Vorstandschaft sowie allen Helfern und Sponsoren.

Zufriedenstellend zeigte sich der Kassenbericht von Schatzmeister Dr. Martin Kreuzer. Trotz erheblicher Mehrausgaben für Honorare, Plakate und ein Buchprojekt schreibt der Verein schwarze Zahlen. Die Kassenprüfer Markus Mühlbauer und Willi Bugl bescheinigten eine ordnungsgemäße Kassenführung, die Vorstandschaft konnte entlastet werden. Tatjana Daller stellte das umfangreiche neue Programm vor. Nach dem Neujahrskonzert mit vollem Saal stehen das Faschingskonzert mit Blechschaden (20. Februar) und das große Konzert des Veit-Höser-Gymnasiums am 3. März an. Neu ist die Zusammenarbeit mit dem Organisten Stefan Frank, so Tatjana Daller. Zwei Orgelkonzerte in der Wallfahrtskirche auf dem Bogenberg sind am 8. Mai und 3. Juli, sind vorgesehen. Der junge Pianist Alexander Maria Wagner aus Cham wird sich im April mit Werken von Liszt und eigenen Kompositionen präsentieren, und am 7. Mai wird das Ensemble „Luz amoi“ mit „Überall dahoam“ einen Abend mit Gefühl und Schwung gestalten. Am 4. Juni gibt es einen sommerlich heiteren Liederabend mit der Straubingerin Andrea Oswald, begleitet von dem Bariton Siwoung Song und Volker Nemmer am Klavier. Den Abschluss der Konzerte macht Dr. Jazz am 2. Juli mit einem Sommerkonzert. Auch ein Vortrag steht auf dem Programm: Der Historiker Dr. Frantisek Kubu wird am 23. März über die „Grafen von Bogen in Böhmen“ referieren.

Das Programm für das zweite Halbjahr steht weitgehend fest. Es umfasst unter anderem eine Matinee, ein Konzert mit dem Ostbayerischen Jugendorchester und einen Vortrag über den Baier-Weg im September, einen Vortrag mit Josef Fendl im Oktober und einen Liederabend mit dem Veit-Höser-Ensemble und geistlicher Vokalmusik im November. Das traditionelle Weihnachtskonzert wird diesmal die Gruppe Steffi Denk und Friends mit einem Christmas-Special bestreiten. „Ein Weihnachtskonzert der anderen Art“, so Tatjana Daller. Fest steht auch der Termin für das Neujahrskonzert 2012: Am 6. Januar wird wieder das Niederbayerische Kammerorchester unter der Leitung von Gerald Huber konzertieren.

Interessant war der bebilderte Kurzvortrag von Kreisheimatpfleger Hans Neueder über Singspiele in Oberalteich. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts führten die Klosterschüler alljährlich am Wahltag und Namenstag des Abtes Singspiele in meist lateinischer Sprache auf. Insgesamt 14 dieser Spiele seien bekannt, eines davon zu Ehren des Abtes Dominicus Perger in deutscher Sprache und mit einem Inhaltsverzeichnis versehen, so Neueder. Im Titel versteckten sich Chronographen, die auf das Jahr der Aufführung hinweisen. Inhaltlich handelte es sich meist um Themen aus der Antike, um Liebesdramen und eheliche Treue. Und immer war das Singspiel der Verherrlichung des jeweiligen Abtes gewidmet. Aufführungsort war der Festsaal des ehemaligen Klosters, angesprochen wurden überwiegend gelehrte Gäste. Dazu gab es eine instrumentale Begleitung und Chorgesang der Klosterschüler.

Elisabeth Röhn

fuehrung_klosterkirche_windberg 

Zahlreich waren die Besucher, die sich von Abt Hermann Josef Kugler durch die Klosterkirche führen ließen.

Ein Kleinod kirchlicher Kunst

Die Klosterkirche Windberg ist eine Weihnachtskirche

Die Kloster- und Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt Windberg gehört unbestritten zu den Kleinoden kirchlicher Kunst in unserer Region, wie Dr. Dionys Daller, Vorsitzender des Fördervereins für Kultur und Forschung Oberalteich, treffend bemerkte. Welche Schätze und Kostbarkeiten die Kirche jedoch im Einzelnen birgt, erschließt sich dem Betrachter erst durch eine eingehende Führung. So auch den zahlreichen Besuchern, die der Einladung des Fördervereins gefolgt waren und sich von Abt Hermann Josef Kugler in die Geschichte der Klosterkirche und des Ordens der Prämonstratenser einführen ließen. Nur wenige Dokumente gebe es über die Gründung von Kloster und Kirche, so Abt Herman Josef. Belegt sei die Weihe von Altären durch eine Urkunde von 1142. Zu dieser Zeit habe in Windberg eine kleine Priestergemeinschaft bestanden, die für das Seelenheil der Grafen von Bogen gebetet und Verwaltungsarbeit für ihn verrichtet habe. Später schloss sich dieser Priestergemeinschaft der von Norbert von Xanten um 1120 gegründete Orden der Prämonstratenser an. Abt war Gebhard von Edenburg (1141 bis 1191), der hier eine bedeutende Schreibschule gründete. Der gut erhaltene romanische Kirchenbau aus dem 12. Jahrhundert besitzt zwei bemerkenswerte Portale, das Hauptportal ziert eine Marienfigur mit Apfel und Jesuskind als Symbol der „neuen Eva“, eingerahmt von dem knienden Kirchenstifter Graf Albrecht und der „Mutter Kirche“. Zahlreiche Umgestaltungen musste das Kircheninnere erfahren, berichtete Abt Hermann Josef. Von der Gotik sei nur noch das Gewölbe geblieben, das im Rahmen der Barockisierung im 18. Jahrhundert unter Abt Strehling mit Fresken versehen wurde. Dieser Abt gestaltete den Kircheninnenraum als „Tempel für Maria, die Königin der Sterne“ und, weitergehend, für Jesus Christus den „Stern aus Jakobs Stamm“. Die eindrucksvollen Darstellungen der Deckenfresken mit Szenen aus der Weihnachtsgeschichte weisen darauf hin, dass die Marienkirche eine „Weihnachtskirche“ ist, sagte Abt Hermann Josef. Die kleineren Seitenfresken verewigen Heilige und Selige aus dem Orden.

Eine kunstgeschichtliche Kostbarkeit sind die vier Seitenaltäre von Mathias Obermayr. Sie erzählen bildlich die Geschichte der Heiligen und sind wie eine Bühne mit Kulissen, Bühnenbild und Figuren gestaltet, berichtete Abt Hermann Josef. Er machte auf viele unbekannte Details aufmerksam: Was der Blitz auf das Rad und die vielen Bücher auf dem Altar der heiligen Katharina bedeuten und warum am Altar des heiligen Sabinus ein Ochse an einer Säule hervorlugt. Sehr bemerkenswert auch das reich mit Intarsien eingelegte Chorgestühl, das wie die reich verzierten Schränke der Sakristei von dem Laienbruder Fortunatus Simon stammt. Eine Kostbarkeit ist der romanische Taufbrunnen, in dem die Kinder in früherer Zeit ganz untergetaucht wurden. Abschließend führte Abt Hermann Josef die Besucher in den Kapitelsaal des Klosters, früher ein Versammlungsraum, wo täglich ein Kapitel der Ordensregel des Augustinus verlesen wurde und die Wahl des Abtes stattfand. Die Deckenfresken mit der Übergabe der Ordensregel an den heiligen Norbert weisen noch heute darauf hin. Kaum vorstellbar, dass hier einmal der Sudkessel einer Brauerei stand. Denn nach der Säkularisation verfiel das Kloster, und in den Räumen war zeitweise eine Brauerei untergebracht. Erst 1923 kamen die Prämonstratenser nach Windberg zurück und führen heute eine Ordensgemeinschaft mit 20 Brüdern. Der Orden ist in der Jugendbildung aktiv, betreut sechs Pfarreien und arbeitet in den Sonderbereichen der Seelsorge in Gefängnis, Bundespolizei und Militär.

Elisabeth Röhn

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GROß WAR DIE MUSIKALISCHE BANDBREITE, die das niederbayerische Kammerorchester im Kulturforum in Oberalteich absolvierte: beschwingt leichte Musik aus der Feder der „Strauß-Dynastie“ über Verdi und Mozart bis zum Höhepunkt des Abends, Ludwig van Beethoven. (Foto: erö)





Fulminanter Jahresbeginn

Wie ließe sich das neue Jahr besser beginnen: Eine hübsche, junge Dame, die mit Goldkehlchen bekannte, immer wieder gern gehörte Lieder und Arien singt, ein Orchester mit einem Dirigenten, welchen die Freude und Lust am Spiel anzusehen und anzuhören ist und ein Pianist, der beim Erklimmen der Karriereleiter weit oben steht und mit einem Glanzpunkt der Klavierliteratur aufwartet! Die Besucher im vollbesetzten Kulturforum Oberalteich konnten diesen fulminanten Jahresbeginn mit Begeisterung erleben, die am tosenden Applaus abzulesen war. Olivier Tardy, langjähriger, gern gesehener Gast im Kulturforum dirigierte mit dem ihm eigenen Elan, verbunden mit Feinfühligkeit und vermochte das niederbayerische Kammerorchester, bestehend aus größtenteils bekannten Künstlern aus Straubing und weiterer Umgebung, zu höchster Leistung zu führen, was jedoch für jemanden, der dieses Orchester kennt, nicht verwunderlich war. Groß die musikalische Bandbreite, die das niederbayerische Kammerorchester absolvierte: beschwingt leichte Musik aus der Feder der „Strauß-Dynastie“ über Verdi und Mozart bis zum Höhepunkt des Abends, Ludwig van Beethoven. Stets stand Exaktheit und schöner, kammermusikalischer Klang, der jedoch bei aller detailverliebter Durchhörbarkeit niemals „dünn“ wirkte.

Eine glückliche Entscheidung, die junge Sopranistin Bele Kumberger für dieses Neujahrskonzert zu gewinnen. Mit welch fröhlicher Ausgelassenheit sang die Künstlerin das "Schwipslied“ aus der Operette „Eine Nacht in Venedig“ von Johann Strauß, mit einem (leeren) Sektglas in der Hand. Etwas ernster aus Guiseppe Verdis Rigoletto, die Arie der Gilda, in, für Mozart-Arien typischer Klanggestaltung, „Saltro 'che lacrime“ aus Titus. Schöner Belcantogesang „O mio babbino caro“ von Giacomo Puccini mit genussvoller Begleitung von Streichern und Harfe. Einen interpretatorischen Leckerbissen schenkte Bele Kumberger als Zugabe: „Meine Lippen die küssen so heiß“, schade, dass der Rezensent seinen Platz nicht auf der Bühne hat!

Das Klavierkonzert Nr. 5 Es-Dur op. 73, ein Glanzpunkt im Schaffen Beethovens, bildete den Höhepunkt des Konzertes im Kulturforum Oberalteich. Elementare Energie, der Beginn des 1. Satzes: Ein Akkord des vollen Orchesters in Tonika, Subdominante und Dominante, dreimal eine überaus kraftvolle Kadenz durch den Pianisten. Nach einem aufwärtsstürmenden chromatischen Lauf eröffnet der Pianist ruhig, in Piano, das Hauptthema. Feierlich, in sich gekehrt, das Adagio un poco moto durch die Streicher, in das der Pianist mit größter melodischer Ausdruckskraft einstimmt. Fast unbemerkt geht des „H“ des Fagotts in das „B“ der Hörner über, welches nach leisem Übergang das Klavier in einem großartigen Solo zu Beginn des Hauptthemas des Schlusssatzes aufnimmt. Dies alles ist gespickt mit höchsten pianistischen Schwierigkeiten, die Gerold Huber jun. so perfekt meisterte, als handelte es sich um einfachste Klavierübungen. Welches Können ist erforderlich, diese Klippen mit solcher Selbstverständlichkeit zu meistern! Doch es wäre absolut einseitig, die pianistische Kunst Gerold Hubers auf das Technische zu beschränken. Noch höheren Stellenwert hatte die musikalisch-schlüssige, bis ins Detail durchdachte Interpretation des gesamten Werkes, verbunden mit brillantem und höchst feinsinnigem Anschlag, der diesem Klavierkonzert sein ihm innewohnendes Spannungsfeld

zwischen lyrisch-feierlichem Pianogesang und unbändiger Expressivität verlieh.

Theodor Auer

 Zeitungsbericht: Neujahrskonzert 2011