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Prof. Alois Schmid

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"Die wittelsbachische Antwort auf Martin Luther: Bayern wird ein katholischer Konfessionsstaat" Vortrag von und mit Prof. Alois Schmid

Gold für die Ohren

Oberalteich: Benefiz-Konzert mit „Ostbayern Brass“

Weihnachtskonzert 2015 Bild 1: „Ostbayern Brass“ versetzte sein Publikum in weihnachtliche Stimmung. (Fotos: hab)

(hab) Original „Ostbayern Brass“ hat es am Sonntag in der Pfarrkirche in Oberalteich gegeben. Brass, das heißt Blech; Blech, das zu Gold wurde, nicht nur im Schein des vergoldeten barockisierten Altarraums der Klosterkirche. Gold strahlte von den Blechinstrumenten des Bläserquintetts „Ostbayern Brass“ und wurde dabei zu Gold für die Ohren des Publikums.

Der Verein für Kultur und Forschung Bogen-Oberalteich hat ein Benefizkonzert organisiert und Musikfreunde aller Generationen genossen es, sich am Spätnachmittag des dritten Advents in vorweihnachtliche musikalische Stimmung versetzen zu lassen.

Dabei entsprach das Repertoire voll und ganz den fünf Vollblutmusikern Dominik Glöbl (Trompete), Michael Wallner (Euphonium), Franz Eisenschink (Posaune) und Richard Stadler (Tuba), die seit ihrer Zeit in der Schul-Big-Band am Anton-Bruckner-Gymnasium zusammen musizieren. Georg Friedrich Händel, Micheal Praetorius, Heinrich Schütz, Felix Mendelsohn Bartholdy und Anton Bruckner waren es, die mit Weisen wie „Tochter Zion“ oder „Es ist ein Ros‘ entsprungen“ die Virtuosität der Musiker forderte. Bekannte Weihnachtsweisen wie „Zu Bethlehem geboren“, „Maria durch ein Dornwald ging“ oder „Süßer die Glocken nie klingen“ fanden eine stimmige Interpretation, wobei aber auch die eigenwillige Kreativität der Bläser deutlich wurde, wenn sie in eigenen Arrangements den klassischen Klängen Souliges, Schwunghaftes hinzusetzten. Teilweise erinnerte dies gar an ihre rotzfreche und selbstbewusste Art, die sie unverwechselbar als „Bayerische Löwen“ kennzeichnet.

Bild 2: Die drei Alphörner rundeten mit dumpfen, feierlichen Tönen das Konzert ab.Weihnachtskonzert 2015 

Abgewechselt wurden die klassischen und an Moderne angelehnten Weisen durch Traditionelles der bayerischen Heimat. Feierlich tragend versetzte der Andachtsjodler den weitläufigen Kirchenraum und damit nicht nur das Publikum, sondern auch die Musiker in eine entsprechende Vorweihnachtsstimmung. Am Schluss stand eine Bearbeitung der Volksweise „Es wird scho glei dumpa!“ von Richard Stadler.

Drei Alphörner, gespielt von Dominik Glöbl, Michael Wallner und Richard Stadler, rundeten das Traditionelle ab und verliehen in ihren dumpfen Klängen dem Raum eine würdige Feierlichkeit. Diese Akustik nutzte man schließlich zum Abschluss für einen voluminanten klassischen Lobpreis von Bartholdy, bevor man leise, getragen, gefühlvoll entlassen wurde.


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Enorme Bandbreite musikalischen Ausdrucks

Oberalteich: Posaunenquartett Opus 4

Opus4 Wenn die Posaunen erschallen, kommt entweder das Ende der Welt, oder es beginnt die Weihnachtszeit. Keines von beiden tritt jedoch zwingend ein, wenn das Posaunenquartett „Opus 4“ ihre Instrumente schmettern lässt. Doch auch das Wort „schmettern“, wie bei Posauentönen oft gebraucht, ist bei Jörg Richter, Dirk Lehmann, beide vom weltberühmten Gewandhaus Orchester Leipzig, Wolfram Kuhnt, Bassposaunist der Staatskapelle Halle und Stephan Meiner fehl am Platz:

Die vier Musiker lassen ihre Instrumente in feinster, differenzierter Tongebung singen, von strahlend bis zärtlich weich. Diffizile dynamische Abstufungen tragen zu einem eindringlichen, berührenden Interpretationserlebnis bei, zu welchem auch die Tatsache zählt, dass die Instrumente in ihren unterschiedlichen Tonlagen von ein und derselben Instrumentenbaufirma stammen und daher homogene Klangcharakteristika haben. Besonders begeisternd war der erste Teil des Abends mit Musik aus der Renaissance- und Barockzeit, teils Originalkompositionen für Posaunen, teils Bearbeitungen von Werken, die ursprünglich für andere Instrumente geschrieben wurden. Die Arrangements dieser Kompositionen für Posaunen waren durchdacht und wahrten den Charakter der Originale, ja, sie ließen in manchen Stücken Details sogar noch deutlicher erkennen und nachvollziehen als die ursprünglichen Notentexte. So konnte man Johann Sebastian Bachs „Superhit“, die Toccata und Fuge, d-Moll BWV 585, für Orgel komponiert und bisher ausschließlich auf diesem Instrument zu hören, in der kunstvollen Bearbeitung für vier Posaunen aus einem ganz anderen Blickwinkel erleben.

Die immensen Schwierigkeiten der Interpretation besonders der Fuge durch Blasinstrumente stellten für „Opus 4“ kein Problem dar. Das Emporsteigen der Seele, ausgedrückt in treppenartig aufsteigenden Tonschritten in „Meine Seele erhebt den Herrn“, dem deutschen Text des Magnificats von Heinrich Schütz, im Urtext komponiert für Männerchor, konnte in der Version für Posaunen deutlich nachvollzogen werden.

Claudio Monteverdis „Gloria“ von 1641 ließ die Pracht der Musik der Renaissancezeit erhaben erstrahlen. Von Ideenreichtum strotzend war die fünfsätzige Suite des außerhalb von Fachkreisen wenig bekannten Meisters Claude Gervaise aus dem 16. Jahrhundert, wunderschön der zweite Satz, nach alter Manier der Renaissance und auch noch der folgenden Frühbarockzeit, die Echowirkungen des dritten Satzes dieser Suite. Don Carlo de Gesualdo (1516 bis 1613), der große Meister der Madrigalkunst und Thomas Luis de Victoria rundeten ein Programm ab, das die Herzen von Liebhabern Alter Musik höher schlagen ließ – nicht nur aufgrund der Werke, sondern auch durch die Posaunenspielkunst von Jörg Richter, Dirk Lehmann, Wolfram Kuhnt und Stephan Meiner.

Im wahrsten Sinne des Wortes beschwingt war nach der Pause Musik des 20. Jahrhunderts zu hören, ein Beispiel der Vielseitigkeit des Posaunenquartetts „Opus 4“. Allem voran Shakespeares „Romeo und Julia“ in der Sprache und in der Welt um 1950 spielend: „West Side Story“ von Leonard Bernstein. Das Medley aus diesem Musical, arrangiert von Daniel Sutton beeindruckte vor allem durch die äußerst gefühlvolle Bearbeitung des berühmten „Maria“.

Mit Augenzwinkern gespielt, aber nichtsdestotrotz kunstvoll, war eine Kaffeestunde mit Anna Magdalena Bach, eine Komposition speziell für „Opus 4“ von Bernhard Krol (1920 bis 2013). Natürlich durften in einem Musikprogramm des 20. Jahrhunderts George Gershwin und Irving Berlin (Alexanders Regtime Band) nicht fehlen.

Musik aus fünf Jahrhunderten: „Opus 4“ zeigten im Konzert des Vereins Kultur und Forschung im Saal des Kulturforums Oberalteich die enorme Bandbreite musikalischen Ausdrucks kunstvollen Posaunenspiels.

Theodor Auer

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Ausschreibung

Der Förderverein für Kultur und Forschung Oberalteich e.V. hat es sich seit seiner Gründung zur Aufgabe gemacht, neben der Erforschung der näheren Region rund um Oberalteich und der Organisation hochwertiger kultureller Veranstaltungen für die breite Bevölkerung insbesondere auch junge Künstler zu fördern. Gerade die Vermittlung von Kunst und Kultur bzw. die Motivation, sich damit zu beschäftigen ist dem Vorstand unseres Fördervereins ein großes Anliegen.

Der Verein schreibt daher über die Schulen des Landkreises Straubing-Bogen den 1. Oberalteicher Förderpreis als Jugendförderpreis aus. Er ist mit 500 Euro dotiert und richtet sich an junge Nachwuchskünstler aus den Bereichen Musik, gestalterische Kunst oder Theater, aber auch an Nachwuchsforscher unserer schönen Heimat, z.B. in Geschichte, Landeskunde oder Brauchtum. Wir möchten damit die eigenständige Beschäftigung vielfältiger kultureller Art herausheben und fördern.

Das Werk oder die Arbeit soll in schriftlicher Form auf maximal 10 bis 15 Seiten dargestellt sein, gerne nehmen wir Film- oder Tonaufnahmen an. Die Bewerbung soll von einem Kenner der Arbeit als Paten unterstützt werden.

Die Bewerbungen / Anträge sind bitte bis Ende April 2016 bei der Schriftführerin, Frau Angela Günzkofer, einzureichen (Adresse: Straubinger Straße 6, 94327 Bogen). Die Bewertung erfolgt zusammen mit vom Vorstand des Fördervereins eingesetzten Fachleuten bis zum Beginn des nächsten Schuljahres. Im Rahmen der Mitgliederversammlung des Fördervereins wollen wir den Preis öffentlichkeitswirksam übergeben.

Die Vergabe des Förderpreises erfolgt unter Ausschluss des Rechtsweges.
Es besteht kein Rechtsanspruch auf den Förderpreis.

gez. Dr. Dionys Daller

Evergreens wieder belebt

Oberalteich: Romy Börner

Romy Börner mit den Bel Amis Konzert in Oberalteich mit Romy Börner: Die Sängerin Romy Börner begeisterte mit ihren „Bel Amis“ Norbert Ziegler, Markus Fritsch und Oliver Hien mit Evergreens. (Foto: erö)

Schwung brachte Romy Börner mit ihrem Ensemble in den Saal des Kulturforums Oberalteich, mit Musik, so meint man, die längst ihren Schwung verloren hat. Nur wer ausschließlich die Titel liest, kann zu dieser Meinung kommen. Hört jemand, selbst wenn er kein Musikfan ist, Chansons und Schlager aus den 20er, 30er, 40er Jahren, wird er, vielleicht ohne es zu merken, mitsummen. Kaum jemand hat die „gute alte Zeit“, die in Wirklichkeit alles andere als „gut“ war, noch miterlebt, doch wie damals, als diese Schlager und Chansons geschrieben wurden, die die Menschen aus der oftmals tristen Realität in die Traumwelt des Films und des Revuetheaters führten, so führen sie auch heute, in wesentlich besserer Zeit, aus dem Alltagsstress heraus. „Kauf dir einen bunten Luftballon“, „Eine Nacht voller Seligkeit“, „Der Wind hat mir ein Lied erzählt“; vielleicht wissen noch Einige, dass diese Lieder nicht für sich alleine komponiert wurden, sondern wesentlicher Bestandteil in Filmen waren, deren Inhalt, da doch sehr unbedeutend, mit Recht längst vergessen ist. Doch war es interessant, wie in charmanter Weise Romy Börner Hinweise auf diese Filme gab: Die alte Geschichte vom Tellerwäscher, der Millionär wurde, es gar bis zum Minister brachte, ein Märchen, das in hoffnungsloser Zeit Hoffnung geben sollte. Der Titelsong aus diesem Film: „Du hast Glück bei den Fraun, Bel Ami, du bist nicht schön, aber galant, Bel Ami, du bist nicht klug, aber charmant, Bel Ami“, sogar der Text ist heute noch allgemein geläufig! Es muss etwas dran sein an diesen Schlagern, das sie zu Evergreens werden ließ. Romy Börner schlüpfte nicht nur durch ihre Plüsch-Stola, damals „Boa“ genannt, in diese Filmwelt, vielmehr gab sie mit ihrer schönen, ausdrucksstarken Stimme den Evergreens neues Leben. Mit Norbert Ziegler, Piano, Oliver Hien, Violine, und Markus Fritsch fand Romy Börner hochkarätige Musiker, die voll und ganz auf den Interpretationsstil der damaligen Zeit eingingen und trotzdem den Songs eine eigene Note verliehen. Spitze, das Solo mit Klavier und Bass von Norbert Ziegler und Markus Fritsch! Das bekannte „Karussell“ kann man durchaus als eigene Bearbeitung bezeichnen, welche dem Original in Schwung und Frische haushoch überlegen war. Mit „Für mich solls rote Rosen regnen“ und „Tapetenwechsel“, die wohlbekannten Chansons aus dem reichhaltigen Repertoire von Hildegard Knef, zeigte Romy Börner, dass diese Lieder nicht nur mit der charakteristischen Knef-Stimme gut klingen, sondern auch mit wohltuend melodischer Stimme. Beeindruckend die Interpretation Romy Börners von Lale Andersons „Lili Marlen“! Es wäre zu wünschen, dass die CD von Romy Börner mit Norbert Ziegler, Oliver Hien und Markus Fritsch vielen Chansonfreunden wunderschöne Stunden bei Kerzenschein bescheren würde!

Theodor Auer

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Die Zeit der Bajuwaren

Oberalteich: Vortrag im Kulturforum über Reihengräberfeld

Willi Goetz Vortrag Reihengräberfeld: Hobbyarchäologe Willi Goetz referierte über das bajuwarische Reihengräberfeld in Straßkirchen. (Foto: erö)

(erö) Mit hörbarer Begeisterung berichtete Willi Goetz, Schulamtsdirektor a. D. und Hobbyarchäologe aus Straßkirchen, im Kulturforum Bogen-Oberalteich über die sechs langen Jahre der Ausgrabungsarbeiten eines bajuwarischen Reihengräberfeldes in seinem Garten. Veranstalter war der Förderverein für Kultur und Forschung Bogen-Oberalteich, dessen Vertreter Hans Neueder in den Vortrag einführte und Fachliteratur zum Thema Bajuwaren vorstellte. Zunächst definierte Goetz die Bajuwaren als „Bevölkerung Oberbayerns, von Teilen Niederbayerns, der Oberpfalz, Österreichs und Südtirols vom 6. bis Ende 8. Jahrhunderts unter der Herrschaft der Agilolfinger Herzöge“ (Haas-Gebhard). Unter „Baju varii“ seien wahrscheinlich „Bewohner, Krieger, Menschen aus Baia“ zu verstehen.

Mit Bildern und Karten machte Goetz die Lage der Ausgrabungen deutlich, die von 1988 bis 1993 auf einem Areal in der Ortsmitte von Straßkirchen vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege durchgeführt wurden. Unermüdlich und mit größtem Fingerspitzengefühl habe Grabungsleiter Otto Karl gearbeitet, sagte Goetz. Nach Ausführungen über Ausgrabungen früherer Epochen, über die Christianisierung, über erste Nennungen der Bajuwaren, über Häuser, Höfe und Dörfer, die Vielfalt der Landwirtschaft, das Aussehen der Bajuwaren, ihre Sprache, Handwerkskunst und Waffen erwähnte Goetz den Fund eines rechteckigen, hölzernen Gebäudes, womöglich einer Kapelle, die mit dem Totenkult in funktionalem Zusammenhang gestanden habe.

402 Gräber, darunter mehr als hundert Kindergräber, mit 405 Bestatteten aus der bajuwarischen Phase, konnten auf dem Gräberfeld geborgen werden. Trotz zahlreicher Grabraube fanden sich neben den Skeletten eine Menge Objekte wie Schmuck, Waffen und Geräte des Alltags. In seinem anschaulich mit Bildern gestalteten Vortrag schilderte Goetz kurzweilig den Ablauf der Grabungen und die Freude über die zahlreichen Entdeckungen. Interessante Schlüsse seien gezogen worden: so habe die Säuglingssterblichkeit überraschend niedrig gelegen, vermutlich wegen guter hygienischer Verhältnisse und einer langen Stillzeit. Interessant auch die Grabbeigaben schon für Kinder: Mädchen wurden mit Geräten zur Textilherstellung, Jungen mit kleinen Waffen begraben. Anthropologen wie Kerstin Kreuz sei es gelungen, von den Skeletten auf Abstammung und Arbeitsweise, auf Ernährung und Krankheiten der Menschen wie Karies und Arthrose zu schließen. Die Männer waren bis 1,80 Meter, die Frauen 1,62 Meter groß, die Kinder meist gut ernährt. Winzige Textilreste beweisen, dass die Menschen schon damals Stoffe aus Indien und China besaßen.

Da die Funde lange Zeit unrestauriert in München in der archäologischen Staatssammlung lagerten, wurde Goetz noch einmal aktiv: Er sammelte, unterstützt von der Gemeinde Straßkirchen und dem damaligen Bürgermeister Eduard Grotz, mehr als 52000 Euro zu Restaurierung und Erhalt des Schatzes. Ein Teil dieser Funde ist bereits restauriert und in einer Sonderausstellung bis Anfang Oktober im Gäubodenmuseum in Straubing zu sehen. Zur Freude aller Beteiligten wurde abseits des Gräberfeldes das unberaubte Doppelgrab eines jungen Adelspaares gefunden mit kostbaren Grabbeigaben wie Wurfaxt und Kamm, mit reich verzierten, goldenen Fibeln und einem Tischmesser, mit Perlen aus Glas, Bernstein und Meerschaum und zwei einzigartigen, gläsernen „Rüsselbechern“.

Mit diesen Abbildungen der verschiedensten Grabbeigaben ließ Goetz die Zeit der Bajuwaren lebendig werden: Geräte wie ein Hobel, Messer, Pinzette und Kämme, Schilde, Kurz- und Langschwerter, Fibeln, Ringe und Perlen seien gefunden worden, besonders geformte Keramik wurde entdeckt. Der Fundkomplex in Straßkirchen, der nur einen kleinen Teil des tatsächlichen Gräberfeldes umfasst, bestätige die kunsthistorische Bedeutung der Ausgrabung und lasse den Schluss zu, „dass im Gäuboden die Wiege der Bajuwaren stand“, sagte Goetz. Dem schloss sich eine lebhafte Diskussion an.


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Kammermusik auf höchster Ebene

Oberalteich: Kontrasteicher Musikabend im Kulturforum

Ute Hielscher Beethoven’sche, Grenzen sprengende Urkraft, die es vermag, Unvereinbares zusammenzuschmieden, die tiefe Gefühlswelt von Brahms, die mit dem Begriff Romantik nur unzureichend umschrieben ist, der die Herzen erfreuende Wohlklang der Musik von Mendelssohn Bartholdy trafen sich im Rahmen der Kulturwald-Festspiele im Kulturforum Oberalteich zu einem, wie bereits aus der Auswahl der Komponisten hervorgeht, äußerst kontrastreichen Kammermusikabend, welcher ohne Übertreibung zur Spitze der Darbietungen im Kulturforum Oberalteich zu zählen ist. Spitze, die sich nicht in der Programmauswahl, Johannes Brahms, Violinsonate Nr. 1, op. 78, Ludwig van Beethoven, Sonate für Klavier und Violoncello, op. 102 Nr. 2, und Felix Mendelssohn Bartholdy, Trio für Klavier, Violine und Violoncello op. 49, manifestiert, sondern sich in besonderer Weise auf die Leistungen der Künstler, Professor Gottfried Schneider, Violine, Uta Hielscher, Klavier, und Sebastian Hess, Violoncello, bezieht.

Versucht man, Beethovens Werk über seine drei Schaffensperioden hinweg zu analysieren, so lässt sich vor allem zwischen der mittleren und letzten Periode eine sich steigernde Hinwendung von der strengen architektonischen Form, der alles untergeordnet wurde, zur freien Formgestaltung feststellen, natürlich unter Beibehaltung Beethoven’scher kraftvoller Musiksprache, die sich deutlich im Allegro con brio der Cellosonate op. 102, Nr. 2 äußerte. Nie hat der Rezensent den 2. Satz, das Adagio molto sentimento d’affetto, in so großartiger Interpretation wie durch Sebastian Hess, Violoncello, und Uta Hielscher am Klavier gehört: Voller Spannung, zugleich jedoch in leisen Tönen, in sich selbst ruhend, Kunst, die übliche Interpretationen, auch solche auf CD-Aufnahmen, weit hinter sich lässt. An einen ruhig dahinfließenden Strom mit sanften Wellen erinnert der 1. Satz der Violinsonate Nr. 1, op. 78 von Johannes Brahms, ein Fluss, der seine Kraft am Ende dieses Vivace ma non troppo voll entfaltet. Durch alle drei Sätze hindurch erscheint das Grundthema, eine liedhafte Urzelle, betrachtet aus unterschiedlichen Perspektiven. Gottfried Schneider malte mit seiner Violine ein fantastisches Gemälde aus Musik, eine Welt voller Gefühl, was keinesfalls mit Sentimentalität verwechselt werden darf. Ein Zitat aus der Arie der Sieglinde in Richard Wagners Oper „Die Walküre“ kam mir bei der Interpretation des 2. Satzes, dem Adagio, durch Gottfried Schneider und Uta Hielscher in den Sinn: „Tränen und Trost zugleich!“

Das vollendete Zusammenspiel der Klavierkunst von Uta Hielscher, das sich nicht nur in Exaktheit, sondern in besonderer Weise im musikalischen Ausdruck und im Einklang mit den dynamischen Steigerungen äußerte, zeigte diese sowohl bei Brahms, Beethoven als auch Mendelssohn Bartholdy als hervorragende Pianistin, die voll im innersten Wesen dieser Werke aufging. Uta Hielscher, Gottfried Schneider und Sebastian Hess zeigten im Trio op. 49 von Mendelssohn Bartholdy wie Klavier, Violoncello und Violine ineinander aufgehen, zu einem Ganzen verschmelzen unter Wahrung des jeweiligen ureigensten Charakters, bezogen nicht nur auf die Klangfarben und Tonerzeugung der Instrumente. Dieses ineinander Aufgehen mit gleicher interpretatorischen Aussage ließ das Trio op. 49 zu einem wahren Genuss werden. Kammermusik auf höchster Ebene, so lässt sich das Konzert der Kulturwald-Festspiele treffend bezeichnen.

Theodor Auer

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Wohlklingende Klarheit

Oberalteich: Liederabend mit Gerold Huber und Andrea Höcht

Gerold Huber und Andrea Höcht Die beiden Künstler begeisterten ihr Publikum. (Foto: erö)

Vergnügten sich in der lauen Sommernacht viele an den Kiesweihern und an den Grillöfen im heimischen Garten, bereiteten Andrea Höcht-Willén und Gerold Huber junior den zahlreichen Besuchern im Kulturforum Oberalteich ein Vergnügen ganz besonderer Art: einen Liederabend der Extraklasse.

Der Mikrokosmos des Kunstliedes stellt an die Interpreten höchste Ansprüche, wie durch eine Lupe errichteten Komponisten und Dichter Empfindungswelten, welche Andrea Höcht-Willén und Gerold Huber mit Seele erfüllten. Wohlklingende Klarheit, ohne jegliche Härte, tiefe Ausdrucksfähigkeit prädestinieren die Stimme geradezu für das Kunstlied, obwohl diese Stimme, wie der zweite Teil des Abends und die künstlerische Vita von Andrea Höcht-Willén zeigte, ein sehr weites musikalisches Terrain abdeckt. Keinesfalls darf man dem Irrtum verfallen, dass das Kunstlied, wie wir ihm vor allem in der Romantik begegnen, die „kleine Schwester“ der Oper oder des Oratoriums sei, vielmehr sind diese, oftmals kurzen Miniaturen in einem Atemzug mit den großen Werken der Musikgeschichte zu nennen. Schubert, Schumann, Loewe, Mahler, um nur einige zu nennen, nahmen als Grundlage ihrer Kompositionen bevorzugt Dichtungen der berühmten Schriftsteller der Klassik, besonders aber auch der Romantik. Ließ Goethe die Vertonung des „Erlkönigs“, die ihm Franz Schubert zusandte, unbeachtet liegen, so erkannte auch er in hohem Alter, dass die Fassung in Liedform dem Feinsinn seiner Dichtung nicht abträglich war.

In sechs Liedern von Robert Schumann und in anderer Tonsprache vier Gustav-Mahler-Liedern lotete Andrea Höcht-Willén nicht nur die Texte akribisch aus, sie versah die Lieder mit großem Reichtum an Farbnuancen nicht nur oberflächlich durch ex- oder introvertierte Stimmbildung, sondern vor allem feindurchdachte dynamische Abstufungen auf engstem Raum und dem wohlüberlegt eingesetzten, wandlungsfähigen Timbre ihrer Stimme.

Wer Gerold Huber jun. als Klavierpartner, der Ausdruck „Klavierbegleiter“ ist bei diesem Künstler fehl am Platz, gewonnen hat, ist sich bewusst, dass der Klavierpart nichts mit bloßer Gesangsbegleitung zu tun hat, sondern ein eigenes, tiefer schürfendes Leben bezüglich der Deutung des Liedtextes und dessen Harmonik führt, bei vielen Kompositionen das Gesungene aus anderen Perspektiven beleuchtet. Nicht etwa, dass sich der Klavierpart vom Liedvortrag löst, vielmehr bleibt er auf das Engste damit verbunden, doch feinste Differenzen im Anschlag, in der Betonung bewirken Unterschiede in der Aussage. Dies mag durchaus auch mal augenzwinkernd gemeint sein, sehnsuchtsvoll Traurigem etwas den Schimmer von Leichtigkeit verleihen, oder aber auch umgekehrt. Gerold Huber jun. gilt nicht nur wegen dieser Kunst als einer der ganz Großen seines Faches. Ist die Heimat des Kunstliedes Deutschland, so konnten sich Andrea Höcht-Willén und Gerold Huber jun. einen Ausflug ins amerikanische Fach in Form von Songs von Cole Porter nicht verkneifen.

Palette der Extreme: „Surabaya Jonny“ von Kurt Weill! Spitzenklasse die Interpretation durch Andrea Höcht-Willén, das Wechselbad der Gefühle tiefen Hasses und trotzdem unzerstörbarer Liebe. Von tiefen Gefühlen geprägt, „Wanderers Nachtlied“ von Hans Erich Pfitzner. Ganz leise, pianissimo ließ die Sopranistin den Schluss dieses Liedes ausklingen: „Süßer Friede, komm, ach komm in meine Brust“! Andrea Höcht-Willén und Gerold Huber jun. schenkten dem begeisterten Publikum einen Abend, der die Hörer sicher in keiner Sekunde an „Outdoor“-Sommerabendaktivitäten denken ließ.

Theodor Auer

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Lange Wunschliste beim Kulturgespräch

Förderverein Kultur und Forschung feiert 20-jähriges Jubiläum im Kulturforum

Oberalteicher Kulturgespräch Foto: Beim ersten Oberalteicher Kulturgespräch diskutierten (von links) Landrat Josef Laumer, Bürgermeister Franz Schedlbauer,
Dr. Dionys Daller, Vorsitzender des Fördervereins für Kultur und Forschung, der Historiker Helmut Erwert sowie Kreisheimatpfleger
Hans Neueder. (Foto: erö)

Oberalteich. (erö) 20 Jahre besteht der Förderverein für Kultur und Forschung Bogen-Oberalteich. Für das Jubiläumsjahr habe man statt einer Festschrift oder eines festlichen Konzertes die Diskussionsform eines Kulturgespräches im Kulturforum gewählt, erklärte Vorsitzender Dr. Dionys Daller beim ersten Kulturgespräch mit Vertretern aus Politik, Kultur, Bildung und Wirtschaft sowie kunst- und kulturinteressierten Bürgern.

Kreisheimatpfleger Hans Neueder und der Historiker Helmut Erwert trugen Anregungen, Wünsche und Vorschläge zu mehr Kultur im Landkreis vor und luden zur Diskussion ein. Doch zunächst hatten Bürgermeister Franz Schedlbauer (Bogen) und Landrat Josef Laumer das Wort. Schedlbauer erinnerte an die Anfänge im Getreidespeicher auf der ehemaligen Klosteranlage und stellte klar: Ohne den Förderverein sei der Betrieb des Kulturforums nicht möglich. Großartige Veranstaltungen hätten das Kulturforum mit Leben und Besuchern erfüllt. Er wünschte, in leer stehenden Räumen des ehemaligen Klosters ein zentrales Kreisarchiv einzurichten. Die Kulturschätze im Landkreis sollten weiterhin geborgen und gezeigt werden, um Menschen zu begeistern, meinte Landrat Josef Laumer unter anderem und bot dem Förderverein weiter die Unterstützung des Landkreises an.

20 Jahre Geschichte
Dr. Daller machte einen Streifzug durch 20 Jahre Vereinsgeschichte, die mit dem verfallenen Getreidespeicher begann und mit Siegfried Späth und Hans Wührl, die Mittel für die Sanierung beschafften, weiterging. Es ergab sich die Notwendigkeit, einen eigenen Förderverein zu gründen. Im Oktober 1995 fand unter der Leitung des damaligen Kreisarchäologen Karl Böhm und Stadtrat Siegfried Späth die konstituierende Sitzung mit Professor Peter Schauer als 1. Vorsitzenden statt. Sein Nachfolger, Dr. Rudolf Gehles, prägte mit unglaublichem Engagement, durch Beharrlichkeit, Ideen und feines Gespür für Kunst und Kultur den Verein, in dem Musik eine zunehmende Rolle spielte. 200 Konzerte, 90 Vorträge, 20 Theatervorstellungen und zehn Exkursionen und Ausstellungen seien veranstaltet worden. Nicht zu vergessen die Vortragsreihe „Das Leben in Klöstern“ von Hans Neueder.

Hans Neueder und Helmut Erwert eröffneten die Diskussion, definierten den Begriff Kultur im weitesten Sinne als „die Pflege geistiger und materieller Werte“ und unterschieden zwischen Kulturorganisatoren, Kulturförderern und den Kulturschaffenden, die in Vereinen, Schulen, mit Gleichgesinnten oder am Schreibtisch Kultur betreiben. Als innere Verpflichtung zum Wohl der Gesellschaft und meist ehrenamtlich. Ein Ziel des Vereins sei die Förderung der Forschung, sozusagen als „Erinnerungskultur“, in Oberalteich eine historische Verpflichtung. Im Landkreis werde in zahlreichen Institutionen, Vereinen und Medien diese Heimatkultur gepflegt. Trotzdem bleiben noch Wünsche offen, betonten die Referenten:

„Landkreis-Gedächtnis“
Anlaufstellen in Sachen Kultur auf dem flachen Land; ein Kulturkreisrat, ein Stadtrat für Kultur in der Stadt Bogen; ein Forum unter dem Stichwort „Politik trifft Kultur – Kultur trifft Politik“ oder „Verwaltung trifft Kultur“ zur besseren Vernetzung und um das kulturelle Profil von Gemeinden zu diskutieren und zu verfeinern. Ein Kreistagsmitglied oder ein Kulturverwaltungsrat könnte die Vermittlerrolle spielen. Dem im Raum stehenden Wunsch nach einem Kreisarchiv schlossen sich die Referenten an.

Wünschenswert sei auch die Möglichkeit, von Kreisarchäologe Dr. Husty angesprochen, besondere archäologische Funde und das entsprechende Schriftgut in gemeindlichen Rathäusern auszustellen. Für den Schatz an heimatkundlicher Literatur könnte eine Datenbank mit Suchmaschine geschaffen werden und über die Internetplattform Idowa der Mediengruppe Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung als eigenes digitales Landkreis-Gedächtnis, zu dem jeder Bewohner Zugang hat, laufen.

500 Euro ausgelobt
Wünschenswert sei ein Kulturtreff und, wie in Amberg, eine Kultur- Tafel, wo neben Lebensmitteln auch Freikarten für kulturelle Veranstaltungen vergeben werden. Nicht zuletzt sollte auch die Schriftkultur, oft mühsam und zeitraubend, mehr gewürdigt werden. Der Förderverein geht mit gutem Beispiel voran und stiftet künftig 500 Euro für „auffallende kulturelle Tätigkeiten“.

In der Diskussion fand der Wunsch nach einem zentralen Kreisarchiv in Oberalteich für die 37 Landkreisgemeinden allgemein große Zustimmung: Bei Landrat Laumer – „ein Planungsansatz ist vorhanden“, bei Bürgermeister Schedlbauer, der das Archiv in den alten Wohnungen des ehemaligen Klosters unterbringen will, bei Museumsleiterin Barbara Michal, die sich eine Vernetzung mit dem Kreisheimatmuseum wünscht. Dem hielt Altlandrat Ingo Weiß entgegen, dass es bereits kulturelle Einrichtungen im Landkreis gebe wie den Kreisarchäologen, das Archivdepot, das Landkreisbuch und die Josef-Schlicht-Medaille. Bernhard Suttner regte einen Literaturpreis für Schüler an und Laumer erinnerte an den Bayerischen Heimattag, der demnächst in Bogen stattfinden wird. Ernst Hinsken wünschte sich mehr Power für bereits bestehende kulturelle Einrichtungen wie den Kulturausschuss des Landkreises. Unbeantwortet blieb neben vielen anderen auch die zentrale Frage von Daller: „Wie können wir wieder mehr junge Leute in kulturelle Veranstaltungen bringen?“. Neueder stellte klar: „Wir haben nur Wünsche und Vorschläge vorgetragen, keine Forderungen gestellt.“

Thema Kreisarchiv
Beim Empfang mit Fingerfood und Getränken wurde deutlich, dass die Diskussion nicht wesentlich über das wie, wo und wann eines Kreisarchivs und bestehende Einrichtungen im Landkreis hinausgegangen war. Viele Anregungen wie etwa zur Hinführung der Jugend zu Kultur, zur besseren Vernetzung von kulturellen Einrichtungen mit Ideenträgern, Initiativen mit Bildungseinrichtungen wie Schulen oder die Idee einer Kulturtafel zur Literaturförderung und die bessere Darstellung von Kultur in den Medien hätten nicht ausreichend Raum gefunden. Über die Fortsetzung des Kulturgespräches werde nachgedacht.


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Kulturförderverein auf Pilgerreise in Haindling

Exkursion Haindling Bild: Exkursion Kulturverein: Vor der historischen Kirchenanlage in Haindling erzählte Bürgerfrau "Leni" Interessantes über die Wallfahrt.

(erö) "Die Kirchenanlage von Haindling im Labertal ist immer einen Besuch wert", betonte Kreisheimatpfleger und Vorstandsmitglied des Fördervereins für Kultur und Forschung Oberalteich im Rahmen einer Exkursion nach Haindling. Als mittelalterliche Bürgerin "Leni" lud Angela Ramsauer die Besucher auf eine Pilgerreise ein und berichtete in bunten Bildern von der langen Geschichte der Haindlinger Wallfahrt, von den Schweden und Franzosen, die die Gegend traktierten, von den Lutheranern, die den Haindlingern gar ihre Mutter Gottes abspenstig machen wollten. Bei den Wallfahrten sei es nicht nur um das Seelenheil der Pilger gegangen. Es wurde auch an das Wohl des Leibes gedacht, erzählte Leni. Für viele Menschen sei eine Wallfahrt die einzige Möglichkeit gewesen, einmal aus ihrem Dorf herauszukommen und Sorgen auf dem Weg mit anderen zu teilen.

Bürgerfrau "Leni erzählte von den Anfängen der Haindlinger Wallfahrt im 14./15. Jahrhundert, - die übrigens 150 Jahre älter ist als die Wallfahrt nach Altötting, - vom Ablass, der Schuld tilgt, und den im 15. Jahrhundert 17 Kardinäle für Haindling gewährten, von den beiden Kirchen auf dem ehemaligen Thingplatz, von vielen Stiftungen für die Wallfahrt und der steigenden Zahl von Kaplänen, die sich um die Wallfahrer kümmerten. Die etwas höher liegende Kreuzkirche von 1480, die heute als Kriegergedächtniskirche dient, sei nie fertiggestellt worden. Sehenswert das schöne Chorgewölbe und der kostbare Renaissance-Altar mit Kreuzigungsgruppe.

Die eigentliche Wallfahrtskirche Zu unserer Lieben Frau von Haindling mit dem Gnadenbild der Himmelskönigin und dem Kind am rechten Seitenaltar wurde 1719 in barocker Pracht errichtet und 1721 vom Fürstabt von Sankt Emeram in Regensburg geweiht. In der Kirche wird neben der Muttergottes auch die Dreifaltigkeit verehrt. Mit Votivbildern und Symbolen drückten die Gläuben Dank oder Bitte um Anhörung ihrer Sorgen aus. Hans Neueder wies auf eine Verbindung zwischen Haindling und Oberalteich hin: In beiden Kirchen befinden sich Malereien von Anton März.

Anschließend besuchte die Gruppe den ehemaligen Haindlinger Eiskeller, der von einem eigenen Förderverein seit zehn Jahren vor dem Verfall gerettet und an den Wochenenden als Café und Laden geführt wird.

Große Oper, vielfältige Kunst

Bogen: VHG-Orchester präsentiert „Figaros Hochzeit“ – Auch Ausstellung zu bewundern

VHG Orchester Bild 1: Das große Schulorchester des VHG mit Leiterin Doris Köppel.

(erö) Über ein volles Haus konnten sich die Beteiligten des 13. Schülerkonzerts des Veit-Höser-Gymnasiums (VHG) zum Frühlingsanfang im Saal des Kulturforums Oberalteich freuen. Die Leitung hatte Doris Köppel. Unüberhörbar fröhlich war auch der von Miriam Liebl geleitete Unterstufenchor.

Unterstufenchor Bild 2: Sehr lebendig präsentierte sich der Unterstufenchor. (Fotos: erö)

Neben den musikalischen Genüssen waren auf der Galerie herausragende Schülerarbeiten der Jahrgangsstufen fünf bis zwölf von der Fachschaft Kunst ausgestellt. Damit wurde einmal mehr die fächerübergreifende Zusammenarbeit von Kunst und Musik deutlich gemacht. Besonders erfreulich: Wieder schwangen junge Orchestermitglieder den Taktstock und moderierten gekonnt das Programm. Veranstalter war der Förderverein für Kultur und Forschung Bogen-Oberalteich, der das Orchester schon seit vielen Jahren unterstützt.

Freude, aber auch ein wenig Wehmut war im Spiel, als Schulleiter Helmut Dietl die scheidenden Abiturienten aus dem Orchester verabschiedete und ihr Engagement würdigte. Verabschiedet wurden Julia Baumann (Klarinette), Christina Obermeier (Querflöte), Veronika Waas (Violine) und Benedikt Weinzierl (Trompete).

Interessante Bilder 1 Interessante Bilder 2 Bild 3 und 4: Interessante Bilder gab es bei der Kunstausstellung zu bewundern.

Der erste Teil des Abends stand ganz im Zeichen der Mozart-Oper „Die Hochzeit des Figaro“. Moderatorin Sarah führte locker moderierend in das Stück ein, erinnerte an unendlich viele Probenstunden und machte neugierig auf die Musik. Eine Schülergruppe schlüpfte zum besseren Verständnis der Handlung in die Rollen der Hauptpersonen. Begleitend zum Orchester wurden Bilder aus der Fachschaft Kunst an die Wand projiziert – unter anderem ein Brautpaar unterm Rosenbogen, eine Aufforderung zum Tanz oder Figaros Fenstersprung.Schwerpunkte der Ausstellung

waren Arbeiten für den Europäischen Wettbewerb zum Thema „Wasser ist Leben“, „was wir von den Entwicklungsländern lernen können“ und vom Raiffeisenmalwettbewerb „Immer online – immer unterwegs“. Daneben gab es Architektur-Modelle und Bilder mit perspektivischer Darstellung von Inneneinrichtung. Nicht zu vergessen bildliche Szenen aus „Die Hochzeit des Figaro“ und bebilderte kunstvoll handgeschriebene Texte über Stilrichtungen wie Barock, Klassizismus oder Expressionismus.

Das Orchesterkonzert ist das Highlight des Schuljahres, waren sich Schulleitung, Orchesterleitung und Musiker einig. „Es ist erstaunlich, was man gemeinsam erreichen kann. Dieser Weg macht Spaß“, sagte Doris Köppel. Helmut Dietl konnte nur zustimmen: „Ihr habt Musik gelebt.“


pdfZeitungsbericht: Große Oper, vielfältige Kunst

Faszination Herz

Dr. med. Dionys Daller referierte über Kardiologie

Dr. Dionys Daller Oberalteich. (el) Das Herz als „Innerstes“ des Menschen übt auf die Menschheit seit jeher große Faszination aus und hat bis in die Zeit der modernen High-Tech-Medizin nichts davon eingebüßt. Dies wurde deutlich am Mittwochabend im Kulturforum Oberalteich: Chefarzt Dr. med. Dionys Daller von der Klinik Bogen referierte über die Geschichte der Kardiologie.

„Schon die Babylonier beschrieben um 600 vor Christus das Aussetzen des Herzschlags“, blickte der Referent zurück. Die wissenschaftlichen Methoden des Beobachtens fanden auch Anwendung in der griechischen Antike. Die daraus abgeleiteten Theorien seien erstaunlich fortschrittlich und schon teils „recht nahe dran an heutigen Erkenntnissen“, stellte Dr. Daller fest.

Die wissenschaftliche Erforschung des Herzens wich zunehmend einer Phase der Mystifizierung und Tabuisierung – begünstigt von den Religionen, die den „Sitz der Seele“ als „unberührbar“ propagierten und das Herz dem wissenschaftlichen Erfahrungshorizont entzogen. Das Vakuum füllten „der Glaube und eben auch der Aberglaube“, schilderte der Referent.

Wiederbelebt wurde die wissenschaftliche Erforschung erst wieder in der Renaissance im 16. Jahrhundert. Mit den Methoden der sogenannten „Vivisektion“, also dem Sezieren bei lebendigem Leib, stillten Wissenschaftler ihre Neugier und gewannen zentrale Erkenntnisse über den Kreislauf.

Als „Geburtsstunde der Kardiologie“ bezeichnete Dr. Daller die Zeit von William Harvey (1628) und Marcello Malpighi. „Erst 1896 brach der Frankfurter Louis Rehn das Tabu, das Herz sei unberührbar“, berichtete Daller. Rehn öffnete den Brustkorb und übernähte eine Stichwunde am Herzen eines Gärtnergesellen, der den Eingriff überlebte. „Man muss wissen, dass derartige Verletzungen in dieser Zeit als absolut tödlich galten“, fügte der Kardiologe hinzu.

Damit sei laut Dr. Daller der Weg geebnet worden für die Entwicklung neuer Techniken, die bis heute Bestand haben und immer weiter verfeinert werden.

Erstmals führte 1929 Werner Forßmann im Selbstversuch über eine Vene einen Schlauch ein bis zum rechten Vorhof. Es folgte 1977 die erste Ballondehnung und 1986 der erste Stent. Ake Senning implantierte 1958 erstmals einem Patienten ein kompaktes Gerät, bestehend aus einem in einer leeren Schuhcremedose gegossenen Prototypen mit einfachen Bauteilen.

Weiterentwickelt wurden die implantierbaren Schrittmacher und auch Defibrillatoren bis hin zu den heutigen High-Tech-Implantaten. „Speziellere Entwicklungen fanden in ‚meiner Zeit’ statt“, blickte Dr. Daller zurück, was ihm auch ein Thema für seine Doktorarbeit bescherte.

Abschließend reflektierte der Chefarzt am Bogener Klinikum, was die Neuentwicklungen der vergangenen 50 Jahre konkret gebracht haben.


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Programm begeisterte die Zuhörer

Oberalteich: Swing&Klassik-Schlossensemble spielte im Kulturforum

Svenja Kruse mti dem Schlossensemble Fahren nach einem Konzert die Besucher mit dem Gefühl nach Hause, einen schönen Abend erlebt zu haben, spielt neben der künstlerischen Leistung auch die Gestaltung des Programms eine entscheidende Rolle. Ist dies bei abendfüllenden Werken kein Problem, so kann aus einer Ansammlung kurzer Stücke schnell wüstes Durcheinander aus Sicht der Hörer entstehen. Das Swing&Klassik-Schlossensemble ließ dieser Problematik während des gesamten Konzerts im Kulturforum Oberalteich keinen Platz. Drei Komponenten schweißten die Vielzahl der Programmpunkte zusammen: Das gemeinsame Thema „Liebe“, die Aufeinanderfolge der Kompositionen, pendelnd zwischen intimer Poesie und Expressivität, gar manches Mal auch mit zwinkerndem Auge, und die kurzen, charmanten Einführungen durch die Sopranistin des Abends, Sevenja Kruse. Eine wirklich großartige Violinistin zählt zum Swing&Klassik-Schlossensemble: Heike Fischer. Im allbekannten Menuett von Luigi Boccherini zeigte Heike Fischer ihre schwungvolle Seite, große Klasse der „Second Waltz“ von Dimitri Schostakovich. Unerlässlich bei einem Gesangsabend ist die Klavierbegleitung. Gefühlvoll ging Eberhard Geyer auf die Interpretationskunst von Svenja Kruse ein. Im „Türkischen Marsch“ von Wolfgang Amadeus Mozart konnte Eberhard Geyer als Solist seine Fingerfertigkeit unter Beweis stellen.

Musical, Swing, ohne Percussion kaum vorstellbar. Gerhard Putz bildete, nie aufdringlich, mit seinem Schlagzeug die rhythmische Grundlage. Unverzichtbare Säule des Musiklebens, Werner Güntner mit seinem virtuosen Kontrabassspiel. Das Publikum im Kulturforum durfte Werner Güntner auch als Komponisten feiern. Sein „Ständchen in D“ passte mit seiner anheimelnden, doch auch beschwingten Melodie treffend zum Thema des Abends „Liebe“. Die Gesangskunst von Svenja Kruse überzeugte nicht nur durch die Klarheit ihrer Sopranstimme, vielmehr setzte sie die Qualitäten ihrer Stimme in der gesamten Bandbreite des Ausdrucks wohlüberlegt, den Texten entsprechend, ein, so dass die Künstlerin das Thema „Liebe“ in vielerlei Facetten glaubhaft „rüberzubringen“ vermochte. Wie weit sind kompositorisch und vor allem die Gefühlswelt betreffend die Arie des Cherubino aus „Figaros Hochzeit“ von Mozart vom sehnsuchtsvoll-romantischen „Lied an den Mond“ aus Antonin Dvoraks „Rusalka“ entfernt. Ob Puccinis Arie „O mio babbino caro“ oder Charles Gounods „Juwelenarie“, die die liebeerweckende Wirkung kostbarer Geschenke bei manchen Damen besingt – in all der Breite dieser Stilrichtungen zeigte sich Svenja Kruse als souveräne Interpretin, die ihre Stimme perfekt den jeweiligen Musikstilen anzupassen vermochte. Diese große gesangliche Anpassungsfähigkeit dehnte Svenja Kruse bis in das Musical- und Swingfach aus sowie Songs aus den 20er- und 30er Jahren. „Alle Männer sind Verbrecher“ oder „Kann denn Liebe Sünde sein“ sein hier nur als Beispiele erwähnt. Nicht zuletzt machten das Zusammenspiel der Instrumentalisten untereinander und ihre gefühlvolle Begleitung der Sopranistin das Konzert im Kulturforum zu einem Abend, von dem die Besucher auf der Nachhausefahrt sagen konnten: Wirklich schön war’s.

Theodor Auer
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Exkursionen, Vorträge und wieder viel Musik

Kultur-Förderverein stellte neues Programm vor – Kulturgespräch geplant

Bogen/Oberalteich. (erö)
Zum stilvollen Auftakt der Mitgliederversammlung des Fördervereins für Kultur und Forschung Bogen-Oberalteich im Kulturforum Oberalteich setzte sich Vorsitzender Dr. Dionys Daller an den Flügel und spielte den heiteren „Golliwogg`s Cake Walk“ von Claude Debussy. Auch die Kultur kam nicht zu kurz: Kreisheimatpfleger und Vorstandsmitglied Hans Neueder berichtete in Bild und Wort Interessantes und Wissenswertes über die Brandkatastrophe im Dezember 1886 im Klosterhof Oberalteich.

Der Förderverein hat derzeit 348 Mitglieder, sechs Neumitglieder kamen hinzu. Ein besonderes Anliegen des Förderverein gemäß der Satzung sei die Förderung kultureller Projekte oder junger Orchester, betonte Daller. Daher habe man das Jugendorchester aus Kinshasa, das 2013 zusammen mit dem Niederbayerischen Jugendorchester in der Kirche Oberalteich gastierte, finanziell unterstützt.

Aus Berichten des Straubinger Tagblattes zitierte Kreisheimatpfleger Hans Neueder, Verantwortlicher für das Vortragsprogramm, von der Brandkatastrophe im Kloster- und Konventhof Oberalteich, als im Dezember 1886 auf dem Dachboden, vermutlich durch eine vergessene Kerze, nachts ein Feuer ausbrach. Dank des wagemutigen Einsatzes von Feuerwehrmännern der umliegenden Wehren konnten alle Bewohner gerettet werden, Pfarrhaus und Pfarrkirche blieben verschont. Die Gesamtschadenssumme habe sich auf 56000 Mark belaufen.

Weitaus erfreulichere Nachrichten bot der Rückblick von Tatjana Daller. Sie ist Programmgestalterin, Ideengeberin und wichtigste Kontaktperson für Künstler und Akteure und managte das gesamte Musikprogramm. Sie erinnerte unter anderem an erfolgreiche Veranstaltungen wie „Swing for Kids“ mit Steffi Denk, an Lieder- und Klavierabende, das traditionelle Frühlingskonzert des Veit-Höser-Gymnasiums mit Kunstausstellung, an die sehr gut besuchte Exkursion in die Bibliothek des Karmelitenklosters in Straubing sowie der Landesausstellung „Ludwig der Bayer“ und das Sonderkonzert im August mit Benjamin Bruns und Gerold Huber.

Weitere Höhepunkte waren der Auftritt des Ostbayerischen Jugendorchesters mit der Geigerin Anne Maria Wehrmeyer, ein Adventskonzert und das traditionelle Neujahrskonzert mit dem Niederbayerischen Kammerorchester und Gerold Huber. Er begeisterte mit dem feurigen 4. Klavierkonzert von Beethoven. Viel Applaus gab es auch für den jungen Bariton Simon Tischler mit Arien aus der Zauberflöte und Don Giovanni. Nicht zu vergessen der Vortrag von Historiker Helmut Erwert zur deutschen Nachkriegsgeschichte.

Kulturgespräch im April

Auch auf das neue Programm im Kulturforum darf man sich freuen. Als Geschenk zum Valentinstag eigne sich das Konzert „Ich bin verliebt“ am Samstag, 21. Februar mit dem Sünchinger Schlossensemble und der Sängerin Svenja Kruse, meinte Tatjana Daller. Im März hält Dr. Dionys Daller, Kardiologe und Chefarzt der Klinik Bogen, einen Vortrag über die Geschichte der Kardiologie. Am 26. März steht dann das Frühlingskonzert des Veit-Höser-Gymnasiums mit Melodien aus Mozarts „Hochzeit des Figaro“ auf dem Programm. Dazu zeigen die Schüler der Kunstkurse ihre besten Arbeiten. Am 18. April geht es nach Haindling, wo Hans Neueder über die Marienwallfahrt berichten wird. Aus Anlass des 20-jährigen Bestehens des Kulturfördervereins wird am 22. April das 1. Oberalteicher Kulturgespräch unter der Leitung von Hans Neueder und Helmut Erwert angeboten.

Im Juli wird vor der Sommerpause ein Liederabend mit Andrea Höcht und Gerold Huber veranstaltet und im September ist in Kooperation mit Kulturwald-Festspiele Bayerischer Wald um 18 Uhr ein Kammermusikkonzert geplant. Am 23. September wird Willi Goetz von den Bajuwaren in Bayern berichten und im Oktober wird das Romy-Börner-Quartett mit Evergreens zu hören sein. Im November kommt „Opus4“ mit Bläsern des Leipziger Gewandhausorchesters und einem Posaunenkonzert nach Oberalteich und am 13. Dezember darf man sich auf das festliche Weihnachtkonzert mit der „Ostbayern Brass“ (Bayerische Löwen) als Benefizveranstaltung in der Pfarrkirche freuen. Das Neujahrskonzert mit dem Niederbayerischen Kammerorchester unter der Leitung von Olivier Tardy und Gerold Huber ist auf den 2. Januar festgesetzt.

Nach diesem vielversprechenden Ausblick hatte Schatzmeister Martin Kreuzer das Wort: Mit einer Satzungsänderung wurde die Gemeinnützigkeit von zweckgebundenen Mitteln neu geregelt.


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Höchst niveauvoll

Gerold Huber jun. Bild 1: Pianist Gerold Huber jun. brillierte mit dem Klavierkonzert in G-Dur von Ludwig van Beethoven. (Foto: erö)

Lyrik oder Prosa, der geschriebene Text bildet nur das Grundgerüst, Energie, Spannung wird dem Geschriebenen erst verliehen, wenn die Wörter ausgesprochen werden. Selbst aufrüttelnde Gedanken verfliegen ungeachtet, werden die Sätze monoton heruntergeleiert; welche Fülle an Leben wird ihnen verliehen, werden sie beispielsweise von einem Schauspieler vorgetragen. Viel mehr noch trifft dies auf die Musik zu. Der Notentext kann nur das Skelett sein, Geist und Sinn wird einer Komposition erst durch die Interpretation geschenkt.

Unterschiedlichste Auffassungen lassen sich besonders an großen Werken der Musikliteratur nachvollziehen, wurden diese doch von einer Vielzahl bedeutender Künstler auf Tonträger eingespielt oder lassen sich nicht selten live erleben. Das dritte, vierte und fünfte Klavierkonzert von Ludwig van Beethoven gehören zu jenen, weit über ihre Epoche hinaus reichenden, wegweisenden Werken die zwar in erster Linie den Geist des Komponisten widerspiegeln, jedoch auch den Interpreten weitem Raum lassen, eigene Gedanken, eigenes Verstehen in ihre Interpretation einfließen zu lassen, natürlich ohne den geschriebenen Notentext zu verlassen.

Simon Tischler Bild 2: Mit Arien aus der Zauberflöte und aus Don Giovanni begeisterte der Bassbariton Simon Tischler. (Foto: erö)

Von einem, mit internationalem Renommee bedachten Pianisten wie Gerold Huber jun. durfte das Publikum des Neujahrskonzertes des Fördervereins für Kultur und Forschung Bogen-Oberalteich nicht nur eine durchdachte, technisch auf höchstem Niveau gespielte Interpretation des 4. Klavierkonzertes von Ludwig van Beethoven erwarten, sondern darüber hinaus die für Beethoven typische Vereinigung logischer Notwendigkeiten und gefühlsbetonten Erzählens mit der er, besonders in den langsamen Sätzen bereits der Epoche der Romantik vorgriff. Huber jun. erfüllte weit mehr als diese Erwartungen: Die meisterhafte Verbindung von extrovertiertem Ausdruck und in sich gekehrtem, intimen Gesang des Klaviers brachte tiefe Schichten Beethovenscher kompositorischer Kunst ins Bewusstsein der Hörer im voll besetzten Saal des Kulturforums Oberalteich. Wer dieses Orchester des öfteren erleben durfte, durfte vom Niederbayerischen Kammerorchester hervorragende Leistung erwarten. Doch bei diesem Neujahrskonzert übertrafen sich die Musikerinnen und Musiker selbst. Voll und ganz gingen sie, unter der bewährten Leitung von Oliver Tardy, auf die Intentionen Gerold Huber jun. ein, verbunden mit größter Exaktheit des Zusammenspiels.

Auch bei, in Anführungszeichen „leichten“ Werken, wie Mozarts „Linzer Sinfonie“ KV 425 ist akribische Genauigkeit unerlässlich, soll der heitere, sorglose Charakter dieser Sinfonie nicht gestört, ja zerstört werden. Wie in der Sinfonie KV 385, genannt „Haffner Sinfonie“ sind die Reminiszenzen an Mozarts Freund Joseph Haydn unüberhörbar. Ein wohlüberlegter Einstieg in das Jahr 2015, welcher die Schönheiten des Seins heraufbeschwören soll. Das Niederbayerische Kammerorchester schälte die heiteren Seiten des Lebens mit der „Linzer Sinfonie“ in besonderer Weise hervor. „Der Vogelfänger bin ich ja“, „Ein Mädchen oder Weibchen wünscht Papageno sich“, wem sind diese „Hits“ aus Mozarts „Zauberflöte“ nicht geläufig?

Simon Tischler sang Arien mit seiner sehr guten Tenorstimme mit der Sangesfreude und Unbekümmertheit, wie es in Mozarts Absicht lag. Die beiden Arien „Ah pietà, Signori miei“ und das berühmte „Madamina“, beide aus Mozarts Oper „Don Giovanni“ versah Simon Tischler mit der ausgeklügelten Mischung von Ernst und Heiterkeit, wie es diese Oper mit ihrem tragischem Ausgang erfordert.

Das Neujahrskonzert im Kulturforum Oberalteich, war mit Gerold Huber jun., Simon Tischler und dem Niederbayerischen Kammerorchester unter Oliver Tardy ein höchst Niveauvoller Einstieg in das Jahr 2015!

Theodor Auer

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