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Prof. Alois Schmid

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"Die wittelsbachische Antwort auf Martin Luther: Bayern wird ein katholischer Konfessionsstaat" Vortrag von und mit Prof. Alois Schmid

Ein Haltepunkt im Zeitenstrom

Oberalteich: Vortrag im Kulturforum – „Gab niemals mehr Bräuche als heute“

Professor Daniel Drascek Der Regensburger Professor Daniel Drascek sprach im Kulturforum über winterliche Brauchkulturen. (Foto: erö)

Im kleinen Kreis, aber mit sehr interessierten Zuhörern, fand der Vortrag zum Thema „Winterliche Brauchkulturen – zur kulturgeschichtlichen Bedeutung der Bräuche zwischen Martinstag und Epiphanie“ im Kulturforum Bogen-Oberalteich statt. Referent war Professor Dr. Daniel Drascek vom Lehrstuhl für vergleichende Kulturwissenschaft an der Universität Regensburg, eingeladen hatte der Förderverein für Kultur und Forschung Bogen-Oberalteich.

Gefragt wurde: „Was steckt hinter unseren Bräuchen zwischen Sankt Martinstag und Dreikönig?“ und „Hat diese Brauchtums-Kultur heute keine Bedeutung mehr?“ Die Antwort Drasceks war eindeutig: „Bräuche sorgen mit ihrer festen, zeitlichen Bindung bis heute für eine zyklische Strukturierung im Jahresablauf und sind ein wichtiger Bestandteil unseres Kulturerbes.“ Entgegen der allgemeinen Meinung habe es niemals mehr Bräuche gegeben als heute, betonte Drascek. Brauchtum sei das, was einen Tag von anderen unterscheide, ein Haltepunkt im Zeitenstrom. Wichtig sei auch der Wiederholungsfaktor.

Drascek wies auf die Zusammenhänge zwischen den kirchlichen Festen Weihnachten, Epiphanias und Ostern hin: Vor den Fastentagen seien beispielsweise noch einmal viele fette Speisen gegessen; der Brauch des Laternengehens zu Martini gehe auf die biblische Aufforderung „sein Licht leuchten zu lassen“ zurück. Falsch sei die Annahme, dass die meisten Bräuche bis in die germanische oder keltische Zeit zurückgehen. Neuere Forschungen hätten gezeigt, dass die frühneuzeitlichen Bräuche fast alle christlich geprägt waren und gezielt auf die beiden Hochfeste Ostern und Weihnachten Bezug nehmen. Durch den Prozess der Modernisierung sei allerdings die kulturgeschichtliche Bedeutung von Bräuchen weitgehend in Vergessenheit geraten.

Drascek machte deutlich, dass der Nikolaus, im 13. Jahrhundert der „Superheilige“, im Kern zu Weihnachten führt, und dass die Bescherung ursprünglich am Nikolaustag stattfand. Was sich in vielen Heiligenlegenden und Nikolausspielen bis heute spiegele. Gegenfiguren waren Teufel, Hexen und der Tod. Im Lauf der Aufklärung wurden derartige Spiele verboten. Noch später wurde der Heilige profanisiert bis hin zum „Herrn Winter“ mit Bart, Sack und Rute. Auch zum Brauch des Weihnachtsbaumes gab es Wissenswertes zu hören: Bereits im 6. Jahrhundert sind Ausgaben für einen Baum belegt, der am 24. Dezember als Paradies- und Sündenbaum geschmückt und am 25. Dezember schon wieder abgeschüttelt wurde. „Denn da kam Christus, das Licht, in die Welt.“

Im 18. Jahrhundert erhielt der Christbaum eine neue Definition als Geschenkfest der Adeligen, weg von der Geschenktradition des heiligen Nikolaus, berichtete Drascek. Heute sei der Weihnachtsbaum eine Chiffre für die moderne Konsumgesellschaft und habe sogar als acht Millionen Euro teurer Christbaum in einem Hotel-Palast der Arabischen Emirate einen Platz gefunden.


(erö)

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Gitarre und Piano

Oberalteich: Neuland auf 236 Saiten

Chris Gall und Andreas Dombert Bild: Neuland - Mit einem ungewöhnlichen Jazz-Konzert überraschten Chris Gall (Piano) und Andreas Dombert (Gitarre) ihre Zuhörer. (Foto: erö)

Üblich bestehen Jazzformationen aus Bass, Piano, Saxofon. Die grundverschiedenen Klangcharakteristika dieser Instrumente verleihen dieser Stilrichtung ihr typisches Flair. Ähnelt sich der Ton von Instrumenten, fehlt die spannungserzeugende Komponente, so jedenfalls ist der logische Gedankengang. Piano und Gitarre erzeugen Schwingungen durch Anschlagen, die Gitarre durch Zupfen von Saiten. Die Tonbildung ist bei beiden Instrumenten ähnlich, so ist bei der Kombination von Gitarre und Klavier gewisse Skepsis betreffend der klanglichen Gestaltungsmöglichkeiten angesagt. So ungewöhnlich die Verbindung Klavier und Gitarre ist, so ungewöhnlich ist die Musik, die die beiden Künstler Andreas Dombert und Chris Gall in den Saal des Kulturforums Oberalteich zauberten. Bildete Jazz in erweitertem Sinne zwar die Grundlage der Stücke, so überschritten die beiden Musiker dieses Genre durch ihre, bis auf wenige Ausnahmen, Eigenkompositionen. Keineswegs vermischten sie verschiedene Stilrichtungen zu etwas Undefinierbarem, vielmehr schufen sie mit ihren Stückes wirklich Neues. Waren bei der ersten Komposition ganz entfernt leise Anklänge an den Beginn des ersten Teils des „Wohltemperierten Klaviers“ von Bach wahrzunehmen, im weiteren Verlauf mit Jazz-Elementen, so lag bei weiteren Stücken die klassische Sonatenform zugrunde, wobei vielmals die Reihenfolge der Tempi geändert wurde: langsam – schnell – langsam, die den Kompositionen in sich selbst ruhenden Ausdruck verlieh. Faszinierend, wie sich Gitarre und Klavier miteinander verwoben, verschmolzen. Musik, die sowohl zum Träumen einlud, als auch die Möglichkeit bot, das dichte Klanggewebe mit seinen vielen Überraschungen zu verfolgen.

In den 60er-Jahren entstand eine neue Kompositionstechnik, die Minimalmusic, die nicht mit den üblichen Tonschritten arbeitet, sondern mit kleinsten Veränderungen der Töne. Dadurch wachsen aus kaum wahrnehmbaren Veränderungen neue, kaum vorhersehbare klangliche Gebilde. Angelehnt an Minimalmusic spielte Andreas Dombert durch kleine Veränderung der Akkorde auf seiner Gitarre eine hochinteressante Eigenkomposition. Mut zum Experimentieren bewiesen Chris Gall und Andreas Dombert ebenfalls mit einem Stück, dessen Basis auf nur einem Ton auf der Gitarre ruhte, begleitet von Melodiefragmenten auf dem Piano.

„Neuland auf 236 Saiten“ lautete der Titel des Konzerts: Nicht nur die Kombination Gitarre und Piano war Neuland, besonders auch die intellektuell durchdachten Kompositionen. Nicht zuletzt war es das großartige Können von Chris Gall auf dem Flügel und Andreas Dombert mit der Gitarre, das den Abend im Kulturforum Oberalteich zu etwas ganz Besonderem werden ließ.

Theodor Auer

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Große Bandbreite

Luis Berra und Laura Ottilie Niebauer Luis Berra und Laura Ottilie Niebauer begeisterten die Zuhörer.

Chicago, Los Angeles, New Orleans – untrennbar sind diese Städte mit der Musik verbunden, die als typisch amerikanisch seit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts um die Welt ging. Unberücksichtigt bleibt bei dieser verallgemeinernden Bezeichnung die große Bandbreite der Stile. Sie differieren genau so weit wie die Entfernungen dieser Orte zueinander. Zu einer Reise durch die USA luden Laura Ottilie Niebauer und Luis Berra im Kulturforum Oberalteich ein.

Die fantastische Stimme von Laura Ottilie Niebauer, die in ihrer Expressivität nicht nur für dieses Musikgenre, sondern besonders auch für die Welt des Musicals geschaffen ist, begeisterte in Oberalteich die Zuhörer. Mit ihrer ausdrucksstarken Stimme, gepaart mit passender Gestik durchschritt die junge Künstlerin unterschiedliche Stilrichtungen des englischsprachigen Fachs.

Ihre wandlungsfähige Stimme reichte von leicht rauchigem Jazz, bis zu Balladen, die sie mit glockenreinem Timbre sang. Die äußerst klare englische Artikulation gestaltete die Texte für die Hörer nachvollziehbar. Luis Berra war weit mehr als Klavierbegleiter, er interpretierte die Songs mit eigenem Stil: kein typisches Jazzkeller-Pianogeklimper, vielmehr europäischer, wohlklingender Flügelklang. Feinsinnige Phrasierungen und hervorragende Anschlagtechnik ließen Jazz, Blues, Musical in neuem, melodischen Licht erstrahlen. Die große Palette des Abends reichte von Ella Fitzgerald bis zum diesjährigen Literatur-Nobelpreisträger Bob Dylan. Wiederhören gab es mit Bekanntem, „Big Spender“, „Autum leaves“ „Georgia of my mind“, „Funny honey“ und natürlich „There is a house in New Orleans“. Ein Abstecher in das deutschsprachige Musical mit „Ich gehör nur mir“ aus „Sissi“ rundete den Abend im Kulturforum Oberalteich ab, der durch die Stimme und Gesangskunst von Laura Ottilie Niebauer und das großartige Klavierspiel von Luis Berra begeisterte.

Theodor Auer

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Sternstunde: „Orient trifft Okzident“

Oberalteich: Dialog in der Sprache der Musik geführt – Große Ausdruckskraft

Orient trifft Okzident 1 Bild 1: Hermann Seitz dirigierte das Ostbayerische Jugendorchester und den Chor aus Amaan. (Fotos: erö)

Die Betonung des Konzertes des Bayerischen Jugendorchesters mit dem Titel „Orient trifft Okzident“, Morgenland trifft Abendland, lag auf dem Wort „trifft“. Treffen darf nicht mit Aufeinandertreffen in Sinne von Konfrontation verwechselt werden, letzteres ist mehr für einfach strukturierte Geister, treffen bedeutet, den Anderen kennenlernen, in seine Gedankenwelt einzudringen, dadurch ihn zu verstehen. War früher der Orient, der Nahe Osten am „Ende der Welt“, so ist er heute greifbar nahe; ein Grund mehr, sich im wahrsten Sinne des Wortes zu „treffen“.

Orient trifft Okzident 2 Bild 2: Der jordanische Komponist und Sänger Rebal Al-Khodari gründete den Chor aus Amaan.

Einen interessanten Weg, sprachliche Hürden zu überwinden, fand das Ostbayerische Jungenorchester unter der Leitung von Herrmann Seitz in der Basilika Oberalteich mit einem Dialog in der Sprache der Musik. Als Gäste hatte das Orchester den Amaan-Chor aus Jordanien mit seinem Leiter und Sänger Rebal Al-Khodari und die libanesische Sängerin und Komponistin Lara Molaeb geladen.

Treffen bedeutet aufeinander zugehen, so beschränkte sich der Amaan-Chor nicht auf arabische Liedkunst, sondern begab sich mit dem Gelehrten und Weltreisenden Ibn Battuto aus dem 14. Jahrhundert auf eine Reise, die dieser Forschungsreisende aus Marokko zu seiner Zeit nicht besuchte, und adaptierte die frühe Musik Deutschlands, Spaniens, auch Chinas.

Orient trifft Okzident 3 Bild 3: Die Sängerin Lara Molaeb aus dem Libanon begeisterte mit arabischen Liedern.

Der Chor nahm auf diese Weise aus jedem, musikalisch bereisten Land ein Lied mit und ließ Lieder in Arabisch im Stil, wie sie im Mittelalter geklungen haben mögen. Dieser Austausch beschränkte sich nicht auf Chormusik, Lara Molaeb sang mit einfühlsamer, ausdrucksvoller Stimme eigene Lieder in arabischer Sprache von Liebe, aber auch von der Situation die derzeit in Syrien herrscht: „Wie konnte die Dunkelheit das Licht erdrosseln? Wie konnte das Wasser sich zu Feuer verwandeln. Schlaf Baby, bleib schläfrig, träume schöne Träume, wenn du aufwachst und siehst, was geschieht, wirst du geschockt sein, dass überall in Syrien Blut ist!“ Klanglich interessant das Zusammenspiel der Oud, ein arabisches Instrument zur Familie der Lauten gehörend, und Streichinstrumenten aus unserem Kulturkreis. Auch hier wieder dieses überschreitende aufeinander Zugehen in der allumfassenden Sprache der Musik.

Orient trifft Okzident 4 Bild 4: Der junge Oud-Spieler mit einem Teil des jordanischen Chors.

Ein Klanggemälde aus sanften Pastelltönen, durchzogen von grellleuchtenden Farbblitzen die „Petite Suite“ von Claude Debussy. Klangliche Farbschattierungen, die einen stetig vorwärtsströmenden Fluss entstehen lassen, in dem sich Licht und Farben, mal deutlich, mal schemenhaft, spiegeln.

Herrmann Seitz hat mit seinem Ostbayerischen Jugendorchester dieses Debussy typische Kolorit in feinsinnigster Weise getroffen. In meinen Gedanken begann ich schon nach den ersten Takten der 5. Sinfonie von Ludwig van Beethoven einen Verriss über die Interpretation durch das Jugendorchester zu formulieren, doch dann kam die große Überraschung: Nach dem ersten Drittel des ersten Satzes legte das Orchester einen „roten Schalter um“.

Was am Anfang doch sehr undifferenziert, unakzentuiert, ganz und gar nicht Beethovenscher Kompositionsart entsprach, verwandelte das Ostbayerische Jugendorchester nun in einen energiegeladenen, klardifferenzierten Vulkanausbruch von großer Ausdruckskraft. Sicher wird dieses Konzert des Amaan-Chores aus Jordanien und vom Ostbayerischen Jugendorchester, Orient trifft Okzident, als Sternstunde in Oberalteich in Erinnerung bleiben.

Theodor Auer


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Duorecital

Oberalteich: Duo begeisterte

Duorecital Bild links: Vollendeter Genuss - Die junge Geigerin Anne Maria Wehrmeyer, begleitet am Flügel von der Pianistin Anastasia Zorina, begeisterte mit Musik von Klassik bis zu Romantik. (Foto: erö)

Aufgabe wahrer Beethoven-Interpretation, vor allem seines Sonatenwerkes, ist es, in die tieferen Schichten dieser Werke einzudringen, deren Aussagen und Intentionen bestmöglich zu ergründen. Die geistig-philosophischen Aspekte offenbaren sich nicht beim Note für Note abspielen vom Blatt. Das Vertrautmachen mit der Musiksprache Beethovens, unter der Fülle der Eingebungen, gar deren scheinbarer Leichtigkeit, die bei Beethoven nie Selbstzweck sind, den tiefen Sinn zu offenbaren, ist Grundlage guten, durchdachten Beethovenspiels. Das Alter der Interpreten spielt hierbei eine untergeordnete Rolle, wichtiger ist das Hinführen der Künstler zu den Geheimnissen Beethovenscher Kunst und seiner Musiksprache durch hochkarätige Lehrmeister. Mit „Duorecital“, Anne Maria Wehrmeyer und Anastasia Zorina, erlebten die Besucher des Kulturforums Oberalteich zwei Künstlerinnen, die trotz ihrer Jugend nicht nur das technische Können mitbrachten, vielmehr auch die geistige Dimension der Sonate op. 12 Nr 3, Es-Dur von Ludwig van Beethoven voll zum Ausdruck brachten. Wohldurchdacht das Gegeneinander der Motive, das Hinzufügen neuer Gedanken in der Durchführung, die Leichtfüßigkeit der Coda. Der Expressivität des Allegro con spirito stand das, in den wesentlichen Teilen melodisch-zarte, friedvolle Adagio con molto espressione gegenüber, das zunächst vom Klavier angestimmt, dann von der Violine übernommen wird. Durch nichts wurde das perfekte Zusammenspiel von Klavier und Violine gestört, keines der beiden Instrumente drängte sich störend in den Vordergrund. Mit welch spielerischer Leichtigkeit und feindosiertem Anschlag das Klavierspiel von Anastasia Zorina! Bis ins feinste Detail mit dem Violinspiel Anne Maria Wehrmeyers, nicht nur in den Einsätzen, besonders in den Betonungen und der Ausdruckskraft wirklich fantastisch abgestimmt.

Volle Farbenpracht der Romantik entfalteten Anne Maria Wehrmeyer und Anastasia Zorina in der Sonate op 45 von Edvard Grieg. Der Satzbezeichnung „Romanze“ machte Anne Maria Wehrmeyer alle Ehre! Selten hört man diesen Mittelteil der Sonate mit so viel Gefühl gespielt, ohne dass die Künstlerin jedoch in das Sentimentale abrutschte. Voller Gegensätzlichkeit der musikalischen Charaktere die „Fantasie über Themen aus der Oper „Der goldene Hahn“ von Rimsky – Korsakov, komponiert von Efrem Ziumabalist. Wie in Edvard Griegs Sonate glänzte auch in diesem Werk Anne Maria Wehrmeyer mit fantastischem Violinspiel, voller Ausdruckskraft und reinster Tongebung, das gesamte Spektrum der Giuseppe Testore Geige aus Mailand, um 1710 gebaut, umfassend. Dies bezieht sich nicht nur auf die, bis in höchste Höhen reichende phänomenale Klarheit der Tongebung, bewundernswert vor allem der Farbenreichtum, den Anne Maria Wehrmeyer dem Instrument entlockte. Der Konzertabend im Kulturforum Oberalteich mit dem Duorecital war für Musikkenner und Liebhaber ein vollendeter Genuss!

Theodor Auer


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Erinnerung an Coloman

Kultur-Förderverein suchte „Raritäten“ auf

Exkurs Lenzing - Welchenberg Coloman, der auf seiner Reise ins Heilige Land an der Donau Station machte, kam nur bis Österreich. (Foto: erö)

Oberalteich. (erö) Kreisheimatpfleger Hans Neueder, Vorstandsmitglied beim Förderverein für Kultur und Forsching Bogen-Oberalteich, hatte nicht zu viel versprochen, als er zu einer Exkursion unter dem Motto „Raritäten“ nach Lenzing und Welchenberg eingeladen hatte. Als erstes gab es die Kapelle Sankt Coloman in Lenzing in der Gemeinde Welchenberg am Donau-Radweg zu sehen. Sie gehört zum Lenzhof und ist nicht zugänglich. Für die Exkursion wurden die Türen geöffnet, und der Blick fiel auf den Altar des heiligen Coloman.

Coloman soll ein irischer oder schottischer Wanderprediger gewesen sein, der im 11. Jahrhundert auf seiner Pilgerreise ins Heilige Land an der Donau Station gemacht hat, berichtete Neueder. Die Wallfahrt von Coloman endete allerdings in Niederösterreich, wo er als „Spion“ gehängt wurde. Zahlreiche Wunder führten 1244 zu seiner Heiligsprechung. Bis heute wird er als Schutzpatron der Reisenden, bei Krankheiten und Nöten angerufen. Er ist mit Attributen wie Pilgerstab und Muschel, aber auch mit seinen Folterwerkzeugen abgebildet. Weitere Raritäten sind die fast lebensgroßen, barocken Figuren von Sankt Sebastian und Sankt Florian neben dem Hauptaltar. Der Kirchenbau stammt aus dem 13./14. Jahrhundert und wird seit Generationen von der Familie des Lenzbauern betreut.

Weitere Stationen waren die Schlossruine und die Mauritiuskirche in Welchenberg. Von der Burg der Welchenberger Hofmarksherren, Ministerialen der Grafen von Bogen und auf einem Stich Michael Wenigs von 1637 dargestellt, ist heute nichts mehr zu sehen, hier herrscht Wildnis. Nach der Aufgabe des Schlosses 1803 wurden Steine und Ziegel für den Kirchen- und Hausbau verwendet. Aber in Sankt Mauritius, heute Filialkirche der Pfarrei Oberwinkling, finden sich viele Raritäten: das Deckengemälde mit den Heiligen Mauritius, Petrus und Benedikt, darunter das Stifterehepaar Johann und Katharina von Pürching, Herren von Welchenberg, die ihren Besitz im 17. Jahrhundert dem Kloster Oberalteich vermachten. Der Märtyrertod von Sankt Mauritius ist im Langhaus dargestellt, das Altarblatt zeigt ihn als christlichen Legionär der thebäischen Legion, über dem Engel thronen. Das Bild wurde 1745 von der Mauritiusbruderschaft bestellt und von dem Straubinger Josef Anton Merz gemalt. Bis heute ist Mauritius Schutzheiliger von Oberalteich. Eine Seltenheit sind die 16 Grabplatten und Epitaphe im Mittelgang und in der Vorhall. Nach der Exkursion lud Bürgermeister Ludwig Waas zu einer Brotzeit ins Dorfgemeinschaftshaus ein.


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Verbindung von Musik und Kunst

Bogen: Frühlingskonzert des Veit-Höser-Gymnasiums mit Kunstausstellung

Bild links: Frühlingskonzert des VHG Beim Final Countdown mit Schulorchester und Unterstufenchor durfte auch das Publikum mitklatschen, patschen und rufen. (Fotos: erö)

(erö) Eine wundersame Musikreise mit „Peer Gynt“ ins Land der Trolle bot in diesem Jahr das Veit-Höser-Schulorchester unter der Leitung von Doris Köppel (siehe auch die Musikrezension von Theodor Auer). Das Besondere: Die Suite wurde mit magischen, märchenhaften Schülerarbeiten aus der Fachschaft Kunst auf der großen Leinwand hinter dem Orchester untermalt. In der Pause waren die Zuhörer eingeladen, auf der Galerie die Ausstellung von weiteren Arbeiten aus der Fachschaft Kunst zu besuchen. Damit wurde einmal mehr die fächerübergreifende Zusammenarbeit von Kunst und Musik gezeigt. Eingeladen hatte der Förderverein für Kultur und Forschung Oberalteich, dessen Vertreterin Tatjana Daller sich freute, mit dem Förderverein das Orchester unterstützen zu dürfen. Am Ende des erfolgreichen Abends schwang ein wenig Wehmut mit: Der Stellvertretende Schulleiter Fritz Achatz verabschiedete sechs junge Musiker aus dem Orchester, die mit dem Abitur die Schule beenden. Gedankt wurde auch dem scheidenden „Techniker“ Jonas. Das Veit-Höser-Gymnasium sei stolz auf seine begabten jungen Künstler und Lehrkräfte wie Doris Köppel, Miriam Liebl, Leiterin des Unterstufenchors, sowie die beiden Fachschaftsleiter Kunst Ines Wiegandt und Edgar Stein, betonte Achatz.

Bild rechts: Frühlingskonzert des VHG mit Kunstausstellung Dieses Bild trägt den Titel „Ich erhebe meine Stimme“.

Sehenswert wieder die kleine, aber feine Kunstausstellung der Schüler. Ein Querschnitt der Arbeiten eines Schuljahres, der leider nur an einem Abend einem ausgesuchten Publikum präsentiert wird. Neben ausdrucksstarken Impressionen zu Edvard Griegs „Peer Gynt“-Suite aus den 10. Klassen waren von Schülern der 5. Klassen detailgetreu ausgeführte Bleistiftzeichnungen wie „Gruselnacht“ oder „Fische“ in Tusche und Feder zu sehen. Die 6. Klassen zeigten zum Thema „Schriftgestaltung“ bunte Comics mit der weitgehend vergessenen Sütterlinschrift. Die 7. Klassen nahmen mit kolorierten Linolschnitten und sozialkritischen Aussagen am europäischen Wettbewerb teil: „Ich bin, wie ich bin“ oder „Mobbing, nicht mit mir!“. Da gab es das Bild einer Frau, der brutal der Mund verschlossen wird. Appell: „Ich erhebe meine Stimme!“, oder die bewegende Darstellung zu einem aktuellen Thema „Cybermobbing – nur ein harmloser Streich?“. Mit dem Bleistift hatten die 8. Klassen zum Thema „Fluchtpunktperspektivische Stadträume“ gearbeitet. Die elften Klassen präsentierten sich mit bunt-bemalten Objekten kritisch zum Thema „GENiales Essen, MARSchverpflegung“, und die Klassen 12 bewiesen ihre Kreativität mit Architekturmodellen, die auf den Prinzipien organischer oder funktionaler Architektur beruhen. Zum Schluss ein großes Dankeschön von Doris Köppel an ihr Orchester: „Die Orchester sind das Highlight des Jahres“.

Jugend fordern, nicht nur fördern

Bogen: Schüler gaben Konzert

Ein erfahrener Pädagoge formulierte seine Erkenntnis so: „Jugend muss nicht nur gefördert, sie will auch gefordert werden“! Fordern und herausfordern bringt jedoch nur dann gute Ergebnisse, wenn Jugendliche in dem Geforderten einen Sinn erkennen. Wenn das Ganze auch noch Spaß macht, um so besser. Den Besuchern des Frühlingskonzertes des Veit-Höser-Gymnasiums war bereits bei der Lektüre des Programms klar, dass Oberstudienrätin Doris Köppel und ihre Musikkollegin Miriam Liebl, hohe Anforderungen an die Schüler stellten. Während des Konzertes im voll besetzten Saal des Kulturforums Oberalteich konnte das Publikum miterleben, wie großartig es den beiden Musikpädagoginnen gelungen ist, die Gymnasiasten nicht nur zu fördern, vielmehr diesen, was gerade bei Musik ungeheuer wichtig ist, Spaß und Freude an der Musik zu vermitteln – bei einigen vielleicht sogar ein Pflänzchen der Liebe zur Musik zu pflanzen, welches ein Leben lang heranwachsen und gedeihen kann. Selbst wenn es nur im privaten Bereich erblühen würde, wäre es eine große Bereicherung für das Leben. Jedem Fernsehzuschauer werden die Titelmusiken zu „Tatort“, „Ein Fall für zwei“ oder auch die Filmmusik zu „Das Boot“ und der „Flug mit dem Glücksdrachen“ bekannt sein. Klaus Doldinger, der diese Stücke schrieb, baute eine Anzahl musikalischer Klippen in seine Kompositionen welche die Schüler, vor allem aber Hannah Eickmeyer, die das Dirigat und die Einstudierung innehatte, mit großer Bravour bewältigten. Hoch her ging es im „Final Countdown“, ein Titel welcher zugleich die musikalische Extrovertiertheit des Stückes in sich trägt. Das Orchester zeigte auch in diesem Stück sein Vermögen guten Zusammenspiels. Miriam Liebl studierte speziell für den Unterstufenchor aus dem Mary-Poppins-Film den allseits bekannte Zungenbrecher„Supercalifragilisticexpialigetisch“ ein sowie das ruhigere „Walking on Sunshine“. Ein Konzert des Veit-Höser-Gymnasiums ohne Boomwhacker, undenkbar! Erstaunlich welch rhythmisch anspruchsvolle Percussion-Musik mit diesen unterschiedlich langen Kunststoffröhren verwirklichen lässt, vorausgesetzt die Akteure besitzen das nötige Gefühl für Timing und Rhythmus, was die Schüler einmal mehr bewiesen. Überraschend gutklingend, die Kombination Boomwhaker und Orchester im „Boomwhakers on Stage“ von Benoit Chantry.

Durchaus professionell führten Mathias Galgon und Hannah Eickmeyer durch das Programm. Auch das Publikum wurde zum Mitmachen animiert. Mathias Galgon gab einen Kurzunterricht in Body-Percussion, dem die Besucher bereitwillig und sogar in Takt bleibend folgten. Das Können der jungen Musiker erschöpfte sich jedoch keinesfalls nur auf Rock-, Pop- und Filmmusik: eine anspruchsvolle Bearbeitung der Peer Gynth-Suiten von Edvard Grieg. Die Schauspielmusik nach dem Roman von Henrik Ibsen charakterisiert wie kaum ein anderes Werk von Grieg die Stimmung Norwegens, das Fernweh des alten Seefahrer-Volkes wider. Nicht umsonst wurde Peer Gynth in seiner spätromantischen Gefühlswelt zum Sinnbild Norwegens. In Peer Gynths eigener Welt zwischen Traum und Wirklichkeit fing das Orchester nicht nur die Seelenzustände, sondern zugleich auch die Stimmung Norwegischer Landschaft mit ihren Troll-Mythen ein. Was durch durchdachte Aufteilung der Instrumentengruppen fließende Dynamik-Übergänge hervorragend gelang. Unter der Leitung von Doris Köppel zeichnete das Orchester des Veit-Höser-Gymnasiums ein ausdrucksvolles und sehr detailreiches Gemälde in zarten Farben. Einmal mehr bewiesen die Schüler mit ihren Musiklehrkräften, allen voran Doris Köppel, welche die Einstudierung und die Gesamtleitung innehatte und Miriam Liebl ihre Kompetenz, auch als nicht musisches Gymnasium anspruchsvolle Musik mit großem musikalischen Spektrum mit Können und Freude, Herz und Elan zu geben.

Theodor Auer


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Siedler schon in der Jungsteinzeit

Oberalteich: Kreisarchäologe Dr. Husty über den Salchinger Pfingstberg

Salchinger Pfingsberg (erö) Hochinteressant und spannend war der Vortrag von Kreisarchäologe Dr. Ludwig Husty im Kulturforum Oberalteich. Er referierte eine Stunde lang frei über „25000 Jahre Kulturgeschichte am Salchinger Pfingstberg“.

Veranstalter war der Förderverein für Kultur und Forschung Bogen-Oberalteich. Vorstandsmitglied Hans Neueder informierte vorab über die nächsten Veranstaltungen: am Donnerstag, 17. März, Frühlingskonzert des Veit-Höser-Gymnasiums; am Samstag, 30. April, Exkursion nach Welchenberg „Raritäten“; am 11. Mai Vortrag von Professorin Anne Beer über die Ergebnisse der Projektarbeiten zu möglichen baulichen Veränderungen der historischen Klosteranlage Oberalteich und deren Nutzung.

Der Salchinger Pfingstberg gehört zu den wenigen Plätzen im Landkreis, an denen durch Funde die Anwesenheit unserer Vorfahren im Landkreis Straubing-Bogen bis in die Jungsteinzeit zurückverfolgt werden können, sagte Husty. Er malte zunächst ein Bild von der letzten Eiszeit, als die Gletscher von Norden weit nach Süden reichten und die Landschaft von einer Tundra mit Permafrostboden bedeckt war. Unwirtliche Lebensbedingungen für die damaligen Menschen, die als Jäger auf riesigen Entfernungen in Altbayern unterwegs gewesen seien, so Husty. Mit der Sesshaftwerdung der Menschen ab dem Neolithikum sei eine Siedlungsdynamik entstanden, von der bis heute viele Bodendenkmäler zeugten.

Husty schilderte die Schwierigkeiten der archäologischen Ausgrabungen in dem Neubaugebiet in Salching. Die Hinterlassenschaften der jungpaläolithischen Station hätten vermutlich durch die starke Erosion sehr abgenommen. Zwei Siedlungsschwerpunkte galt es zu untersuchen: einmal am Fuß und zum anderen auf dem Hochplateau des Pfingstberges. 500 Funde seien zu verzeichnen gewesen, darunter Armspiralen, Nadeln und andere Bronzegegenstände aus der frühen Bronzezeit. Auch Gräber mit reichen Grabbeigaben für Frauen und Männer seien gefunden worden. In einem Urnengräberfeld fanden sich Grabbeigaben wie Beigefäße oder Pfeilspitzen. Ein Zeitsprung in die zweite Hälfte des 2. Jahrhunderts nach Christus: Völlig überraschend sei man an der Geländekante des Pfingstberges auf Gräben gestoßen, wo sich römische Kniefibeln, Münzen und Töpferwaren fanden. Kiesaufschüttungen wiesen auf den Teil einer römischen Straße hin als Verbindung zum Hinterland. Ebenso überraschend waren die 22 Töpferöfen mit römischer Keramik und Fehlbränden. Auf dem Plateau gab es dann Funde rechteckiger Grabenanlagen mit Palisaden, die ein großes Areal umfriedeten. Zweifellos eine Siedlung von Menschen der Münchshöfener Kultur. Auch unberaubte Körpergräber, reich mit Beigaben ausgestattet, seien entdeckt worden.

Damit müsse die Ortsgeschichte von Salching neu geschrieben werden, sagte Husty mit einem Dank an die Gemeinde Salching. Auf dem Kinderspielplatz, unter dem womöglich noch eine Menge weiterer unentdeckter Funde schlummern, sei eine Infotafel errichtet worden. Auch habe die Gemeinde einige der bronzezeitlichen Funde restaurieren lassen.

In der anschließenden Diskussion blieben noch viele Fragen offen.


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„Der Förderverein ist ein Kulturmotor“

Jahresversammlung in Oberalteich – Konzerte, Vorträge, Exkursionen

Mitgliederversammlung 2016 Bild links: Förderverein Kultur Bogen: Der neu gewählte Vorstand mit dem scheidenden Zweiten Vorsitzenden Siegfried Späth (Fünfter von links), die neue stellvertretende Vorsitzende Tatjana Daller (Vierte von links) mit stellvertretende Landrat Ferry Eckl (links) und Bürgermeister Franz Schedlbauer (rechts). (Foto: erö)

Bogen/Oberalteich. (erö) Seit seiner Gründung 1995 sei der Förderverein für Kultur und Forschung ein Kulturmotor in Bogen und damit ein wichtiger Standortfaktor für die Stadt, hat Bürgermeister Franz Schedlbauer im Rahmen der Jahresversammlung des Fördervereins im historischen Stadel in Oberalteich betont. Auch Neuwahlen standen an: Dr. Dionys Daller wurde als Vorsitzender ebenso im Amt bestätigt wie Dr. Martin Kreuzer als Kassier, Angela Günzkofer als Schriftführerin sowie Franz Xaver Gilch und Willi Bugl als Kassenprüfer. Der langjährige stellvertretende Vorsitzende Siegfried Späth legte nach 20 Jahren sein Amt nieder, seine Nachfolgerin ist Tatjana Daller.

Die Jahresversammlung begann mit einer musikalischen Einstimmung von Dionys Daller und der Mondscheinsonate von Beethoven. Anschließend stellte Daller Projekte vor, die der Förderverein im kommenden Jahr verwirklichen will. So ist am 11. Mai eine Konzertmatinee für junge Leute mit dem Pianisten Alexander Maria Wagner geplant. Er wird Popmusik und Klavierstücke aus verschiedenen Epochen und ihre Unterschiede vorstellen.

Der Förderverein werde weiterhin die Kreisarchäologie und das Kreismuseum auf dem Bogenberg unterstützen und sich an der Sanierung der ehemaligen Feuerwehrgarage finanziell beteiligen. Mit kostenlosen Eintrittskarten für Veranstaltungen im Kulturforum will man die Bogener Tafel unterstützen, und sich mit der Bereitstellung von zweisprachigen Lehrbüchern in deutsch-arabisch an der Integration von syrischen Flüchtlingen beteiligen. Auch habe der Förderverein den ersten Oberalteicher Kulturförderpreis für junge Leute ausgelobt. Anmeldungen seien noch bis Ende April möglich.

Daller verabschiedete seinen Stellvertreter Siegfried Späth, der maßgeblich an der Sanierung des Salzstadels und der Gründung des Kulturfördervereins beteiligt war. Späth habe immer hinter dem Verein gestanden und seine Kanzlei stets für die Belange des Vereins geöffnet, betonte Daller. Daller sprach auch in eigener Sache: nach zehn Jahren Vorsitz werde er dieses Amt nur noch drei Jahre übernehmen.

Traditionell gibt es bei der Hauptversammlung auch einen kulturellen Beitrag von Kreisheimatpfleger und Vorstandsmitglied Hans Neueder. Er stellte zwölf berühmte Bogener Bürger aus dem 19. und beginnenden 20. Jahrhundert vor. Die Reihe reicht unter anderm von den Bürgermeistern Pacher und Günther über den Bezirksamtmann und Gründer des Heimatmuseums Josef Nibler, den königlichen Bezirksarzt von Bogen Julius Mayr, den Bierbrauer und Reichstagsabgenordneten Bruckmaier sowie den Apothekersohn und Kapuzinerpater Borgias Fleischmann.

Weihnachtskonzert als Höhepunkt

Mit einem kurzen Rückblick erinnerte Tatjana Daller an die Höhepunkte im vergangenen Vereinsjahr: das Benefiz-Weihnachtskonzert mit „Ostbayern Brass“ in der Klosterkirche, das Neujahrskonzert des Niederbayerischen Kammerorchesters und das Konzert zum Valentinstag mit Steffi Denk und Friends. Der Erlös aus dem Benefizkonzert sowie Spenden, auch aus dem Verein, in Höhe von 3300 Euro kommt einmal der Aktion „Freude durch Helfen“ (1000 Euro), der Asylhilfe Bogen (800 Euro) und kulturellen Programmen von Justland Bogen für unbegleitete, jugendliche Flüchtlinge (1500 Euro) zugute.

2016: Ausstellungen,Konzerte und vieles mehr

Der Ausblick 2016 bietet eine Menge Veranstaltungen: Am 17. März findet das Frühlingskonzert des Veit-Höser-Gymnasiums mit Doris Köppel und Werken von Edvard Grieg statt. Gleichzeitig zeigt die Fachschaft Kunst eine Ausstellung. Bereits am 2. März steht ein Vortrag von Dr. Ludwig Husty über Ausgrabungen in Salching auf dem Programm. Anfang April wird Professorin Anne Beer von der Uni Regensburg über die Ergebnisse der internationalen Projektarbeiten zu baulichen Veränderungen der Klosteranlage Oberalteich und ihre Nutzung referieren. Am 30. April stellt Kreisheimatpfleger Hans Neueder auf einer Exkursion nach Welchenberg Raritäten aus der Umgebung vor. Am 29. Mai werden die Musikerinnen Anne Maria Wehrmeyer (Violine) und Anastasia Zorina (Klavier) auftreten.

Nach der Sommerpause stehen im September ein Konzert des Ostbayerischen Jugendorchesters sowie im Oktober ein Benefizkonzert Jazz-Klavier und Gesang mit Louis Berra und Partnerin Katy Göllner auf dem Programm. Nicht fehlen darf eine Exkursion zur Bayerischen Landesausstellung „Bier in Bayern“ in Aldersbach. Über „Winterliche Brauchkultur“ spricht im November Professor Dr. Daniel Drascek von der Uni Regensburg. Ende November gastiert das Martin-Rasch-Trio im Kulturforum, und am 6. Januar findet wieder das Neujahrskonzert mit dem Ostbayerischen Kammerorchester statt.

Eine positive Bilanz zeigte der Kassenbericht von Dr. Martin Kreuzer. Die Vereinskasse sei gut gefüllt. Nach den Neuwahlen dankte Bogens Bürgermeister Franz Schedlbauer dem scheidenden Zweiten Vorsitzenden Siegfried Späth für 20 Jahre Engagement. Von einem Mitglied wurde angeregt, im Winterhalbjahr Themenvorträge beispielsweise zu Reformation oder Historie anzubieten. Dafür werden interessierte Personen gesucht.


pdfZeitungsbericht: Der Förderverein ist ein Kulturmotor

Mal frech, mal verrucht

Oberalteich: Steffi Denk und Flexible Friends waren im Kulturforum zu Gast

Steffi Denk und Flexible Friends Passend zum Valentinstag war was Programm von Steffi Denk am Sonntag: „Alles Liebe – oder was?“. (Foto: erö)

(erö) Mitreißend wie eh und je haben sich Steffi Denk und Flexible Friends am Valentinstag im Kulturforum Bogen-Oberalteich mit ihrem Programm „Alles Liebe – oder was?“ präsentiert. Steffi Denk überzeugte mit ihrer faszinierenden Jazz-Stimme, ihrem Charme, ihrer Keckheit und ihrer Komik.

Ein Showtalent mit wunderbarer Stimme. Unvergleichlich war auch die perfekte Interaktion zwischen der Sängerin und ihrer Band, den „flexiblen Freunde“ Martin „Möpl“ Jungmayer (Saxophon, Gesang), Markus Fritsch (Bass, Gesang), Michael „Scotty“ Gottwald (Schlagzeug) und Norbert Ziegler (Piano, Trompete, Gesang). „Sind Sie verliebt?“ und „Sagen Sie Ja zur Liebe!“ empfahl Steffi Denk zu Beginn und versprach einen Abend mit Swing und Soul, mal in Englisch, mal in Deutsch, aber auch mal mit rauchiger Stimme als russische Barsängerin. Steffi Denk präsentierte sich als Stimmungskanone, plauderte mit ihrem Publikum, improvisierte eine kleine Chorprobe mit der Band und wie nebenbei entstand ein mitreißender Song.

Ein ungetrübtes Vergnügen war es, als Steffi Denk alte Schlager auskramte: Trude Herrs „Morgens bin ich immer müde“, so richtig schön verrucht, oder Katherina Valentes freches „Ipitipitipso“. Und noch ein Lied an die Liebe, der Cole Porter-Song „Sei mal verliebt“, bekannt durch Hildegard Knef. Möpl Jungmayer spielte den Animateur und ließ sich sogar zu einem Überraschungstanz auf der Bühne überreden, um dann, schmachtend mit dem Sax, den Song „What the world needs now“ anzustimmen.

Dazwischen gab es bemerkenswerte Soli von Möpl Jungmayer auf Bariton- und Tenorsaxophon, wunderschöne Improvisationen von Norbert Ziegler auf dem Piano, Rasantes von Markus Fritsch am Bass und Scotty Gottwald am Schlagzeug. Auch leise Töne waren zu hören, als Steffi ihrem Tonmeister Thomas ein extra Lied widmete.

So bereiteten Steffi Denk und ihre Flexible Friends dem begeisterten Publikum einen wunderschönen Abend voller Überraschungen mit Musik, die einfach glücklich macht. Von Tatjana Daller vom Förderverein gab es abschließend noch Veranstaltungsinfos: Am Mittwoch, 2. März, findet ein Vortrag von Kreisarchäologe Dr. Ludwig Husty zu Ausgrabungen am Pfingstberg in Salching statt; am Donnerstag, 17. März, veranstaltet das Veit-Höser-Gymnasiums sein Frühjahrskonzert. Beide Veranstaltungen sind im Kulturforum.


pdfZeitungsbericht: Mal frech, mal verrucht

Förderverein spendete insgesamt 3300 Euro

Spendenübergabe Januar 2016 Bogen. (dw) Seit 25 Jahren schon hat es sich der Förderverein Kultur und Forschung Bogen-Oberalteich nicht nur zur Aufgabe gemacht, mit vielfältigen Veranstaltungen die Öffentlichkeit zu beeindrucken, sondern ebenso aus sozialer Verantwortung heraus entsprechende Institutionen fördernd zu unterstützen.

So geschehen am Mittwoch im Pfarrheim in Bogen, wo Vereinsvorsitzender Dr. Dyonis Daller an gleich drei Einrichtungen Spendenschecks in Gesamthöhe von 3300 Euro überreichte. Der Betrag setzt sich zusammen aus dem Erlös des von der Gruppe Ostbayern-Brass im Kulturforum gehaltenen Advents-Benefizkonzertes und sei zusätzlich aus der Vereinskasse dank sonstiger Gewinnerträge auf die Gesamtsumme aufgestockt worden, erläuterte der Vorsitzende. Von der Asylhilfe Bogen bekam deren Initiatorin Anita Karl 800 Euro. Freuen durfte sich die Chefin der Geschäftsstelle der Bogener Zeitung, Claudia Sprenger, die im Namen der Tagblatt-Aktion „Freude durch Helfen“ 1000 Euro entgegennahm. Und das Justlandprojekt „Wohnen für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge“, zuständig für die Rundumbetreuung dieser Altersgruppen, die zu einem Teil in der ehemaligen Schreinerwerkstatt gegenüber der Grundschule untergebracht sind, vertraten Erziehungswissenschaftlerin Anna Gsänger und Erzieherin Theresa Heinrich, die mit 1500 Euro überrascht wurden.

Auf dem Foto überreicht Dr. Dyonis Daller (3.v.r.) Schecks in Höhe von 1500 Euro an Justland-Wohnen, vertreten durch Anna Gsänger, Flüchtlingsbub Jounes und Theresa Heinrich, einen Scheck in Höhe von 1000 Euro an Claudia Sprenger und einen weiteren für 800 Euro an Anita Karl ( von links). Mit im Bild ist Brass-Musiker Richard Stadler (2.v.r.).


pdfZeitungsbericht: Förederverein spendet insgesamt 3000 Euro

Riesenbeifall und zwei Zugaben

Oberalteich: Neujahrskonzert

Neujahrskonzert mit dem niederbayerischen Kammerorchester Bild links: Ein großartiges Neujahrskonzert unter dem Motto „Spanische Nacht“ bot das Niederbayerische Kammerorchester unter der Leitung von Gerold Huber sen. im Kulturforum Oberalteich. (Fotos: erö)

Feuer und Melancholie, Wildheit und verträumte Sinnlichkeit, dies sind die Bausteine spanischer Folklore. George Bizet, Maurice Ravel, Isaac Albeniz überhöhten diese Elemente, schufen daraus, was zu ihrer Zeit und auch heute als typisch spanische Musik empfunden wird. Dies, obwohl sie keine Spanier waren. Bizet, Schöpfer der weltbekannten, in spanischem Milieu spielenden Oper Carmen, die in Musik und Libretto all das beinhaltet, was als „spanisch“ empfunden wird, war nie in seinem Leben in Spanien, ganz abgesehen davon, dass diese Oper in französischer Sprache geschrieben wurde. Mit der berühmten „Carmen-Suite“, einer Folge musikalischer Szenen aus dieser Oper, beschenkte das Niederbayerische Kammerorchester zum neuen Jahr die Besucher des Konzertes des Fördervereins für Kultur und Forschung Bogen-Oberalteich im voll besetzten Saal des Kulturforums in Oberalteich. Wer Gerold Huber sen., Gründer des Niederbayerischen Kammerorchesters und Dirigent dieses Konzertes, kennt, weiß, dass dieser große Musiker nicht einfach diese Suite „herunterspielen“ lässt, vielmehr hob er dieses Werk durch spannungsgeladene, einfallsreiche und durchdachte Interpretation auf eine Ebene, die weit über das hinausgeht, was gemeinhin unter „Carmen-Suite“ verstanden wird. Die Bearbeitung durch den russischen Komponisten Rodion Schtschedrin, der den Orchesterpart durch Schlaginstrumente bereicherte, schenkte aufrüttelnden Glanz. Sicher wäre George Bizet über das neue Werkverständnis ebenso begeistert gewesen wie der Rezensent und das Publikum. Neben dem in Musikkreisen allseits bekannten hohen Niveau des Niederbayerischen Kammerorchesters verdient das Schlagwerk-Ensemble „Danubius“, Stephan Weber, Laura Schwellensattl, Daniel Seulen, Wolfram Zacher, ob seiner Präzision und gefühlvollen, aussagekräftigen Spielkunst auf seinen Schlaginstrumenten höchste Anerkennung. Das Ensemble „Danubius“ erlag nicht der Versuchung, auf seinen Instrumenten einfach „loszudreschen“, weil dies vielleicht durch das Wort „spanisch“ suggeriert wird, vielmehr behandelten die Musiker ihre Instrumente mit größter Behutsamkeit und feinst abgestimmter Dynamik.

Augustin Wiedemann Bild rechts: Gitarrist Augustin Wiedemann spielte das Solo im Konzert für Gitarre und Orchester von Moreno Torroba.

Ein besonderes Highlight war die bekannte und hervorragende Pianistin Susanne Anatchkova. Als Tochter von Gerold Huber vermochte sie die schöpferischen Intentionen ihres Vaters, der vier Werke in kongenialer Weise für Klavier und Orchester bearbeitete, mit ihrer Klavierkunst nicht nur mitreißend nachzuempfinden, sondern den Werken von Manuel Infante, Maurice Ravel, Moreno Torroba, Isaac Albeniz besondere Strahlkraft zu verleihen. Faszinierend, mit welchem Tempo und welcher Fingerfertigkeit Susanne Anatchkova spanisches Kolorit auf den Flügel zauberte. Klavier solo zu Beginn von „Asturia“ von Isaac Albeniz, dann wie Blitze die Einsätze des Orchesters, bis Streicherklang Ruhe in das Werk einkehren ließ. Augustin Wiedemann weckte mit seinem Gitarrenspiel in der Sonatina für Gitarre und Orchester von Moreno Torroba Erinnerungen an das bekannte Concierto de Aranjuez von Rodrigo. Besonders schön, wellenartig-verträumt, das Andante mit der Solo-Passage für Gitarre. Zu einem großen, temperamentvollen Fest lud Gerold Huber mit seiner Bearbeitung Maurice Ravels „Feria“ ein. Stefan Mutz, Flöte, Fritz Menzel, Viola, und Fred Flassig, Violoncello, Solisten dieses Werkes, sorgten für ekstatische spanische Lebensfreude in diesem Konzert.

Kein Wunder, dass die Besucher durch Riesenbeifall zwei Zugaben forderten! Der Förderverein Kultur und Forschung Bogen-Oberalteich ließ mit seiner „Spanischen Nacht“ fantastischer Musik jenseits allbekannter „Walzer-Glückseligkeit“ 2016 niveauvoll beginnen!

Theodor Auer

pdfZeitungsbericht: Riesenbeifall und zwei Zugaben