Kinder in die Handlung einbezogen

Oberalteich:„Zauberflöte“ für Kinder

Zauberflöte für Kinder Der Vogelfänger Papageno hat seine Papagena gefunden. Foto: erö

„Wisst ihr denn, wer ich bin“, fragte ein Schauspieler in Vogelkostüm ins Publikum? Die Antwort „Papa“ hatte er zwar nicht erwartet, aber die erste Hälfte des Namens stimmte jedenfalls: „Papageno!“ Schon weiß jeder, dass es sich nur um Mozarts Oper „Die Zauberflöte“ handeln kann. Im Kulturforum Oberalteich war diese wohl bekannteste Oper in kindgerechter Aufbereitung zu hören, vor allem aber zu sehen. Professor Thomas Gropper studierte dieses, im ersten Blick als Märchenoper zu bezeichnende Stück mit der „Jungen Oper München“ und deren „Arcis-Vokalisten“ in einer Kurzversion ein. Mit Kunstgriffen im Libretto brachte Thomas Gropper fast alle bekannten Arien und Duette in nur einer Stunde Spieldauer unter, trotzdem blieb die Handlung auch für Kinder nachvollziehbar, wurde in der Logik nicht auseinandergerissen.

Sitzt in großen Opernhäusern das erwachsene Publikum wie „Ölgötzen“ auf seinen Plätzen und lässt das Geschehen auf der Bühne bis auf die Gesangskünste der Operdiven mehr oder weniger emotionslos über sich ergehen, so war die Aufführung im Kulturforum wirklich, im besten Sinne des Wortes, lebendiges Theater.

Die jungen Besucher wurden voll in die Handlung integriert. „Zu Hilfe, zu Hilfe, sonst bin ich verloren“ singt Prinz Tamino zu Beginn. Drei Damen, Abgesandte der Königin der Nacht, töten die Riesenschlange, die Tamino verfolgt. Nicht so in Oberalteich: Das Ungeheuer, in dessen Körper Luftballons sind, wird von Kindern „fertig gemacht“. Papageno, der sich so sehr „ein Mädchen oder Weibchen“ wünscht, fragt das Publikum, wie er seine Papagena finden könnte, ein Vorschlag eines kleinen Mädchens: „durch Kochen“ findet keine Zustimmung, da läuft sie ja noch weiter weg! Natürlich ist die „sternflammende Königin“, die Königin der Nacht, die Böse, Sarastro, der Führer der Tempelpriester der Erleuchteten, welcher die Tochter der Königin der Nacht entführt hat, ist der Gute. So ist es auch im Original-Libretto des in Straubing geborenen Emanuel Schickaneder. Die wahren Charaktere, die Mozart nur in seiner Musik ausgedrückt hat, dass die „sternflammende Königin“ gar nicht so böse ist, Sarastro auch nicht unbedingt der Gute ist; diese will ja nur ihre Tochter aus den Fängen einer Sekte befreien, würden kindliche Auffassungsgabe überfordern.

Dass ein Großorchester nicht unbedingt erforderlich ist, zeigte eine sehr gute Pianistin, die einer Korrepetition angelehnt, die Musiknummern vortrefflich begleitete. So bleibt die Zauberflöte in der Interpretation der „Jungen Oper München“ mit deren „Arcis-Vokalisten“ das, was sie schon immer war, eine Märchenoper, wunderschön inszeniert für Kinder und junggebliebene Erwachsene.


Theodor Auer

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