„Ich lade gern mir Gäste ein“

Oberalteich: Andrea Höcht-Willén im Kulturforum

Operettenabend mit Andrea Höcht-Willén Sopranistin Andrea Höcht-Willén und Pianist Fritz Schwinghammer bereiteten dem Publikum im Kulturforum einen heiteren Operettenabend. Foto: Theodor Auer

„Ich lade gern mir Gäste ein“! Andrea Höcht-Willén hatte in das Kulturforum Bogen-Oberalteich einen illustren Kreis von Gästen eingeladen. Alte Bekannte waren dabei, von denen man immer wieder gern hört, aber auch einige, an die man kaum denkt, die aber trotzdem durch ihren Esprit, ihre fachliche Kompetenz überzeugten.
Sie alle boten dem Publikum einen vergnüglichen, entspannten Abend. Einige Namen der Gästeliste: Franz Lehár, Robert Stolz, Cole Porter, Leonard Bernstein, Kurt Weill. Die Kunst der Mezzosopranistin Höcht-Willén und ihres Begleiters am Klavier, Fritz Schwinghammers, erweckte die Lieder und Songs dieses exquisiten Kreises wieder zum Leben.

Der Abend im voll besetzten Saal des Kulturforums war eine Wanderung zwischen ernster und gehobener Unterhaltungsmusik. Wie bei guter Küche, die gekonnte Mischung und Dosierung der Gewürze macht’s. So reichte das Programm von Filmmusik aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts über amerikanische Songs bis zur Operette Franz Lehárs.

Besinnlich begann das Konzert mit zwei Liedern, passend zu Anfang November, „Allerseelen“ und „Morgen“ von Richard Strauss. Mit schönem, weichem Klavieranschlag spielte Fritz Schwinghammer die Klavierfassung „Glückwunsch“ op. 28 Nr. 1 von Erich Wolfgang Korngold. Diese Komposition sang als Zugabe Andrea Höcht-Willén in der Originalversion.
Die nicht mehr ganz Jungen unter uns werden sich noch an Caterina Valente erinnern. Eines ihrer Standardlieder war „O mein Papa“. Ohne Übertreibung darf man sagen, dass die Interpretation durch Andrea Höcht-Willén sowohl gesanglich als auch in emotionalem Ausdruck den Star Valente weit in den Schatten stellte.

An der Grenze Oper/Operette darf „Giuditta“ angesiedelt werden. Einsame Klasse mit starker Ausdruckskraft war aus dieser Lehár-Operette das Lied „Meine Lippen sie küssen so heiß“ in der Gesangskunst von Höcht-Willén. Hier konnte die Sängerin ihre enormen Möglichkeiten nicht nur die Stimme betreffend, sondern auch in intensiver Emotion voll zur Geltung bringen!
Beim bekannten „Vilja-Lied“ aus Franz Lehárs „Lustiger Witwe“ war auch das Publikum zum teilweisen Mitsingen gefordert. Ein Emanzen-Song, drücken wir es vornehmer aus, selbstbewussten Damen auf den Leib geschrieben. „Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre, ich gehöre nur mir“ aus der Mitte des 20. Jahrhunderts zeigte eine andere Facette der Mezzosopranistin.
Mit „Foolish Heart“, dem einfältigen Herzen, und mit „Surabaya Johnny“, der in diesem Song gar nicht gut wegkommt, war Kurt Weill im Kulturforum vertreten.
Keine Frage, auch dieses Genre beherrscht Höcht-Willén ebenso perfekt wie die Lieder von Cole Porter.
Ob Richard Strauss, Franz Lehár, Kurt Weill, Leonard Bernstein mit „It must be so“ aus dem Musical „Candide“, die Klavierbegleitung durch Fritz Schwinghammer war stets vornehm zurückhaltend, der Pianist ging einfühlsam und mit großer Exaktheit auf die Intentionen der Sängerin ein.

Ein Abend in Oberalteich, der ohne jede Einschränkung Freude und Vergnügen bereitete, was auch aus dem großen Applaus ablesbar war.


Theodor Auer


pdfZeitungsbericht: Ich lade gern mir Gäste ein