Ein Abend voller Poesie

Oberalteich: Friedrich Hirschl las

Friedrich Hirschl Friedrich Hirschl bei der Lesung im Kulturforum Oberalteich. Foto: spe

Thomas Späth, Vorsitzender des Vereins für Kultur und Forschung Oberalteich, stellte am Samstag den Dichter Friedrich Hirschl aus Passau dem Auditorium als einen Poeten vor, der viele Preise erhalten habe wie den Kulturpreis der Stadt Passau und dort auch einen hohen Bekanntheitsgrad hat. Seine Gedichte spürten dem Rhythmus der Natur nach.

Damit hatte er gewiss auch recht und der Hörerschaft wurde dies alsbald deutlich vor Augen geführt, als Hirschl mit dem Gedicht „Herbstfeuer“ begann, sein Empfinden den Zuhörern zu zeigen und sie auf die Wahrnehmung der Jahreszeit einzustimmen. Der Band „Stilles Theater“ zeigt Bilder und Szenen, die mit leicht gezeichneten Metaphern in Sprache übersetzt werden.

Die Natur als Thema

Die Natur ist das beherrschende Thema in vielen seiner Gedichte. Sie kann ihre ganze Macht entfesseln und ihre dramatischen Register ziehen wie ein Schauspieler, um danach wieder auf Distanz zu dem eschehenen zu gehen, eben wie ein Regisseur. Und in einem „stillen Theater“ entwickelt er Alltagsszenen und Gegebenheiten, die jeder immer wieder auch selber erlebt, erlebt hat oder erleben kann.

Staunend steht Hirschl vor dem täglich wechselnden Bühnenbild. Er schildert die Phänomene der Natur mit sensibler Beobachtungsgabe und zärtlichen Worten. Viel Kraft verbirgt sich in den knappen Gedichten, aber auch Nachdenklichkeit und feiner Humor. Zwischenmenschliche Begegnungen spart Hirschl nicht aus: Jegliches Leben ist eingebettet in den Rhythmus der Natur; auch wir Menschen sind Statisten in diesem Theater.

Kein Gedicht in dem unaufgeregten Band von Hirschl, der mit „Stilles Theater“ einen passenden Titel trägt, ist länger als eine Seite, meistens sind es nur wenige Zeilen. Die Gedichte sind fast alle nach dem gleichen Muster gesetzt: Eine Situation wird thematisiert, die dann in eine hauchdünne Transzendierung mündet, die meist etwas Spielerisches und nicht Tiefschürfendes umreißt, die Interpretation aber offenlässt, ja geradezu dazu herausfordert.

Dass das nicht gleich klar zu deuten ist, daran fand der Dichter auch zunehmend Gefallen und korrespondierte mit den Zuhörern: „Was meinen Sie, worum es sich hier handelt?“ Und was könnte einen Dichter mehr beflügeln, als in einen Dialog mit den Zuhörern einzutreten, so war es auch hier der Fall.

„Insel inmitten von Schienen“

„Eisenfresser“ und „Obstsegen“ – diese Gedichte konnten die Hörer dann auch in ihrer Aussage und Diktion erkennen. Hirschl ist eifriger und fleißiger Bahnfahrer, das war auch der Grund, dass er zum Gedicht „Bahnsteig“ kam, diesen als „Insel inmitten von Schienen“ wahrnahm und so den Zauber, der damit verbunden ist, zu buchstabieren begann. Eine eigenwillige Verdichtung gelingt dadurch dem Dichter, er bleibt sehr nahe am Augenblick, am Eindruck. Dadurch entwickelt er eine unwillkürliche Tiefe und Ernsthaftigkeit, auf die sich der Zuhörer instinktiv verlassen kann. Das weiß auch der Autor. Das Gedicht, das vom frischen Schnee handelt, ist ein gutes Beispiel. Obwohl diese Miniaturen kein großes poetisches Potenzial generieren, gelingt ihnen gerade durch ihre Schlichtheit, ihre kurze Darbietung eine eigenwillige Verdichtung.

Zuhörern, denen bislang der Zugang zur Lyrik nicht besonders leicht fiel, haben durch die Gedichte von Friedrich Hirschl eine neue Dimension entdeckt und dieses literarische Fenster neu öffnen können. Gewiss ist aber durch den Band „Stilles Theater“ einem größeren Publikum ein neuer Zugang zur unermesslichen Freude an der Schöpfung und am Leben eröffnet worden.


(spe)


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