Frisch, dynamisch, ausdrucksstark

Oberalteich: Neujahrskonzert

Gerold Huber mit Andrea Oswald „Empfangen Sie Mozarts Geist aus Haydns Händen“, mit diesem Auftrag wurde der junge Beethoven zur Vervollkommnung seiner Kunst nach Wien gesandt. Diesen Geist Mozarts und auch Haydns spürt man deutlich im Konzert für Klavier und Orchester B-Dur op. 19. Nicht ganz richtig wird dieses Werk als 2. Klavierkonzert Beethovens bezeichnet, obwohl es vor dem ersten entstand, in welchem die „Beethoven’sche Handschrift wesentlich deutlicher akzentuiert ist. Gerold Huber jun. interpretierte das B-Dur-Konzert in frisch-fröhlicher Art, wie es dem Charakter dieser Komposition angemessen ist.

Dem langsamen Satz, dem Adagio, in welchem bereits schemenhaft der spätere Beethoven erkennbar ist, gab Gerold Huber kein erdrückendes Gewicht, sondern stellte auch diesen Satz in Zusammenhang mit den munteren Charakteren des Anfangs- und Schlusssatzes. Es entstand so, wie von einem Weltklasse-Pianisten nicht anders zu erwarten, ein Klavierkonzert „aus einem Stück“. Das weder den Werdegang des frühen Beethoven noch dessen kompositorische Eigenständigkeit leugnete. Das Niederbayerische Kammerorchester unter der Leitung von Gerold Huber sen. folgte den Intentionen des Pianisten in einfühlsamer Weise. Die Besucher des Neujahrskonzertes des Fördervereins für Kultur und Forschung Bogen-Oberalteich erlebten dieses musikalische Ereignis im ausverkauften Saal des Kulturforums Oberalteich.

Wann hört der Musikfreund schon ein Konzert für Marimba und Orchester? Im Neujahrskonzert war dieses außergewöhnliche, aus Afrika stammende, später nach Mittelamerika gekommene Instrument zu hören: aufeinander abgestimmte Holzplatten, deren Ton durch Resonanzröhren verstärkt wird. An den, in den ersten Takten exotisch wirkenden Klang gewöhnt sich der Hörer sehr schnell und entdeckt den besonderen Reiz dieses Instrumentes. Spielt ein Meister des Marimbaphons, wie Christian Janker, lassen sich sogar schnelle Läufe wie auf einem Klavier verwirklichen, ebenso große dynamische Sprünge von zart hingehauchten Klängen bis zu Fortissimo-Attacken.

Unter den seltenen Kompositionen für dieses Instrument stichst das Konzert für Marimba und Orchester von Emmanuel Séjouné (*1961) vor allem wegen seiner Expressivität gepaart mit Melodik hervor. Das Niederbayerische Kammerorchester bildete einen fein differenzierten Streicherklang-Teppisch auf dem, mal Feuerblitzen gleich, Christian Janker das Marimbaphon aufleuchten ließ, mal, wie auf Meereswogen gleitend, zart mit den Streichern kommunizierte. Erinnerten einige Takte dieses Werkes an das bekannte Gitarrenkonzert „Aranjuez“ von Rodrigo, so waren auch ganz neue, faszinierende Klangkombinationen zu hören, wie begleitet von den Violinen, Cello- Pizzicati, in welche das Marimbaphon einfühlsam einstimmte.

Zu einem Neujahrskonzert gehört auch die „Fledermaus“ von Johann Strauß, Sohn! Die bekannte Sopranistin Andrea Oswald beschenkte das Publikum mit dem bekannten, spöttisch gemeinten Lied aus der Fledermaus „Mein Herr Marquis“. Genauso wie es Johann Strauß beabsichtigt hatte, sang Andrea Oswald diese Arie auch, inklusive schelmischer Mimik.

Nach einem Ausflug zu Carl Maria von Webers Oper „Der Freischütz“ mit „Kommt ein schlanker Bursch gegangen“, hatte Andrea Oswald einen besonderen Leckerbissen parat: die Arie der Pamina „Ach, ich fühl es“ aus der „Zauberflöte“. Hätte Mozart Andrea Oswald gekannt, hätte er diese Arie sicher für sie geschrieben! Stimmliche Qualität, Ausdruck, ja inneres Miterleben des Textes stimmten perfekt überein. Andrea Oswald, Christian Janker, Gerold Huber junior, Gerold Huber senior, das Niederbayerische Kammerorchester, kann es einen schöneren Einstieg in das neue Jahr geben?


Theodor Auer

pdfZeitungsbericht: Frisch, dynamisch, ausdrucksstark