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Eine ganz starke Weibsperson

Oberalteich: Ein Abend mit „Reiderweiberhias“ rund um Emerenz Meier

Reiderweiberhias Die Gruppe trat im Kulturforum in Bogen auf, von links Irene Bock (Hackbrett), Rita Brunner (Zither) und Andreas Wenger (Ziehharmonika). Foto: Edmund Speiseder

Es war politisches Kabarett oder ein Abend mit wunderbarer Volksmusik, es war auch eine Lesung aus Emerenz Meiers Werk im Einklang mit autobiografischer Geschichtenerzählerei. Dabei standen das Leben und die Herausforderungen, denen Emerenz Meier getrotzt hat, im Mittelpunkt.

Am Freitag hatte das Trio „Reiderweiberhias“ mit einer frechen musikalischen Lesung in einem – unter Coronabedingungen – gut gefüllten Saal einen großartigen kulturellen Auftritt. Vielfach hörte man die Besucher sagen: „Schön, dass wir wieder Kultur erfahren, der Musik zuhören dürfen und dies bei einem ansprechenden Programm.“ Das war auch gleichzeitig vom Veranstalter ein Auftakt für ein neues kulturelles Leben in den Räumen des Kulturforums.

Frauen haben es noch immer schwer

Im Mittelpunkt stand Emerenz Meier, die am 3. Oktober 1874 in Schiefweg bei Waldkirchen geboren wurde und im Jahr 1928 am 28. Februar in Chicago starb. In der Begrüßung im Namen des Vereins für Forschung und Kultur Bogen erinnerte Vorsitzender Dr. Thomas Späth dran, dass Frauen es heute immer noch schwer haben, in der Gesellschaft eine Stimme zu haben.
Das sei auch Anlass gewesen, Emerenz Meier und deren literarisches Schaffen in den Mittelpunkt zu setzen. „Reiderweiberhias“ aus der Hallertau verstand es brillant, dem harten Leben der Autorin, die zeitlebens um Anerkennung ihres literarischen Schaffens bemüht war, Aufmerksamkeit zu schenken. Das Rollenverständnis von Mann und Frau, das bis in die Gegenwart unser Denken und Handeln oft beeinflusst, war „augenzwinkernd“ allgegenwärtig.

Hätte Schiller Pfannen waschen müssen...

In dem Gedicht „Stoßseufzer“ der Emerenz, das Reiderweiber vertont vortrug, kommt die Frauenthematik bestens zum Tragen. „Hätt der Goethe Suppen schmalzen, Klöße salzen, der Schiller Pfannen waschen müssen, der Heine nähn, was er zerrissen, Stuben scheuern, Wanzen morden; ach die Herren, all sie wären keine großen Dichter worden!“
Es ist ein Abend voller Tiefgang, aber auch zum Lachen und Schmunzeln und um die Ecke zu denken. Geschickt gelingt es der Gruppe, die autobiografischen Gegebenheiten der Rita Brunner und ihrer Schwester Irene Bock, die „ziemlich unkontrolliert in Kienhöfe, mitten in der Holledau“, aufgewachsen sind, mit dem Leben der Emerenz in Szene zu setzen. Der Hof heißt „Reiderhof“ und die Frauen nennen sich Reiderweiber. Der Hias ist die männliche Ergänzung der Gruppe und heißt in Wirklichkeit Andreas Wenger.
Was sehr beeindruckt, sind die Texte Emerenz Meiers, jener „ganz starken Weibsperson“ aus dem Bayerischen Wald, wie sie Rita Brunner betitelt. „Die Emerenz, die war halt net so wie die anderen Frauen“, sagt Rita Brunner. „Jeder möchte individuell sein, aber wehe, oane is anders!“, fügt sie dem noch hinzu.
Eine besondere Affinität zur Volksmusik ist nicht nötig, um das, was „Reiderweiberhias“ musikalisch zaubert, großartig zu finden. Allein schon deshalb, weil da drei Musik machen, die ganz offensichtlich jede Menge Spaß dran haben. Mit Quetschn, Zither, Hackbrett, Geige und vor allem mit viel Gesang gibt’s Schmissiges, Lustiges, auch mal Melancholisches. Musik, die nach genau jener Freiheit klingt, die die Reiderweiber in ihrer Kindheit selbst erlebt haben.

Das „Mitsingen“ erfolgte stumm

Und im Schwenk zur Kindheit und Lebenswirklichkeit der Emerenz Meier vor gut hundert Jahren haben sich Gemeinsamkeiten in den Strukturen wiederfinden können. Als gutes Zeichen der Stimmigkeit dieses abendlichen Musikerlebnisses ist es zu werten, dass die Zuhörer dieser Musiksitzweil bei den Liedern, die „Reiderweiberhias“ fürs Mitsingen gedacht hat, auch alle mitsangen – „der Corona geschuldet nur angedeutet, also stumm“, wie es auch die Ansage von Rita Brunner forderte. (spe)


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