Geheimnisvolle Gänge

Geologische Besonderheiten auf dem Bogenberg

Pressebild: Geheimnisvolle Gänge 
Bogen. (hn) Trotz Regens kamen kürzlich etwa 50 Mitglieder des Fördervereins für Kultur und Forschung Bogen-Oberalteich und des Flurl-Kreises Straubing zusammen, um geologische Besonderheiten auf dem Pilgerweg, in der Wallfahrtskirche und im Pfarrhofkeller Bogenberg kennenzulernen. Nach der Einführung, die Kreisheimatpfleger Hans Neueder vornahm, erläuterte Dr. Lehrberger vom Lehrstuhl für Ingenieursgeologie der TU München zunächst anhand von Karten die Entstehung und die geologische Bedeutung des Bogenberges.
Auf dem Weg zum Gipfelplateau gab Lehrberger an einigen markanten Stellen Hinweise auf die verschiedenen Gesteinsarten, insbesondere auf die für den Bogenberg typischen Winzergesteine, die aus dem Perlgneis bei einer Verwerfung der Erdkruste vor rund 250 Millionen Jahren entstanden sind. An dem anstehenden Felsen entlang des Pilgerweges ließ sich als charakteristisches Merkmal die „Schieferung“ erkennen. Der Weg führte auch vorbei an der kartografisch und vor Ort fassbaren Bogenberger „Silbergrube“, in der wohl im 19. Jahrhundert eine Zeit lang Bleiglanz abgebaut worden war.
Auf dem Gipfel des Bogenbergs angekommen, umrundete die Gruppe die spätgotische Wallfahrtskirche. Zu deren Bau verwendete man den hellen Kelheimer Kalkstein in Blöcken und Platten, den grünen Regensburger Sandstein und den gelblich-grauen Mettener Granit, deren Herkunft und Eigenschaften der Referent an bestimmten Architekturteilen erklärte. Dem romanischen Vorgängerbau ordnete Dr. Lehrberger zwei Bildwerke aus Naturstein zu, einen eingemauerten Stein mit Zopfmuster und einen Adler mit ausgebreiteten Flügeln. Dass am sechseckigen Kirchturm das Mauerwerk vom harten Regensburger Grünsandstein zum hellen Kelheimer Kalkstein auffällig wechselt, ist wohl auf eine Wetteroder Kriegskatastrophe zurückzuführen.
Im Kircheninneren beschränkte sich Dr. Lehrberger auf die Denkmalgesteine des Chores. Das romanische Marienbild aus Kalkstein stellt eine große Rarität dar. Als besonders kostbar bezeichnete der Referent den spätgotischen Taufstein, der wie die Albrechts-Tumba in der Straubinger Karmelitenkirche aus dem sehr begehrten „Adneter Scheck“ angefertigt wurde, einer besonderen Steinsorte von rotgrauer Farbe mit weißen Kalkspatadern. Daneben ging er auf viele weitere Details ein.
Im letzten Teil der geologischen Wanderung besichtigten die Teilnehmer den ehemaligen Kellerraum mit einem mittelalterlichen Brunnen und die geheimnisvollen Gänge unter dem Pfarrhofgebäude. Sie wurden erst im Jahre 1980 wieder entdeckt und danach wissenschaftlich untersucht. Während der Zweck dieser sogenannten „Schrazellöcher“ oder „Erdställe“ noch immer umstritten ist, konnte hier Dr. Lehrberger tief im Inneren des Bogenberges die mühevolle Arbeit erklären, mit der die Stollen im Mittelalter „unter Tage“ vorangetrieben worden sind.

Zeitungsbericht: Geheimnisvolle Gänge