In ferne Welten entführt

Oberalteich: Märchennachmittag mit Elfriede Gazis
Pressebild Elfriede Gazin mit Fletz-Musik 
Bild: Elfriede Gazis und die Gruppe „Fletz-Musik“ gestalteten einen märchenhaften Nachmittag. (Foto: erö)

(erö) Was kann es Schöneres geben an einem kalten Winternachmittag als eine Märchenstunde für Jung und Alt zu heiterer Musik. Zu dieser ungewöhnlichen Veranstaltung hatte am Wochenende der Förderverein für Kultur und Forschung in das Kulturforum Oberalteich eingeladen. „Lassen Sie heute die Fantasie spielen und Ihre eigenen Bilder spinnen“, empfahl zu Beginn Fördervereinsvorsitzender Dr. Dionys Daller. Elfriede Gazis, 2005 preisgekrönte Märchenerzählerin, ist in Märchen aus aller Welt zu Hause. Die Gruppe „Fletz-Musik“ mit Harfe, Hackbrett und Bass, drei Instrumente, die hervorragend miteinander harmonisieren, machte den Anfang und nahm die Zuhörer mit einem heiteren Musikritt in die Märchenwelten mit. Eingehüllt in ein glitzerndes Schultertuch und mit schwerem Silberschmuck um den Hals zog Gazis die Zuhörer in ihren Bann, erzählte vom pfiffigen Nasreddin Hodscha, von zwei Hunden, die in einem Tempel voller Spiegel ganz unterschiedliche Welten entdeckten, und nahm dem traurigen Andersen-Märchen vom „Mädchen mit den Schwefelhölzern“ durch eine behutsame Umgestaltung den schmerzhaften Stachel.

Geschickt unterbrach die Erzählerin das Märchen vom Flaschengeist an der spannendsten Stelle und befragte ihr ganz junges Publikum: „Würdet ihr den Geist wieder aus der Flasche lassen?“ Wunderbar, wie „Fletz-Musik“ diese Märchenwelt untermalte und die Erzählfäden miteinander verwob. Da erklangen zur Geschichte der Musikanten aus Irland sanft melancholische irische Weisen zum nächtlichen Tanz der Feen. Da kratzte der Bass, als der Fiedler zur Belohnung für sein schlechtes Spiel den Buckel seines Kameraden erhielt. Da schrien die Saiten des Bassspielers gleichsam auf bei der Schilderung des grausamen Chan, der den Boten der Unglücksnachricht mit dem Tod bedrohte, und heiterer Sirtaki untermalte die Geschichte vom armen Mann aus Griechenland, der mit geschenkten Groschen auch seine Fröhlichkeit verlor.

Die Märchen von Gazis enden gut und meist mit einer kleinen Belehrung oder einer pfiffigen Pointe. Ganz entzückend wurde es, als Elfriede Gazis in ihrer „Muttersprache“ Bayerisch von den dummen Riesen Willi und Gustl und ihren schlauen Riesenfrauen erzählte und, als kleine Zugabe vom klugen Hodscha, der gegen alle Sorgen ein Mittelchen wusste. Dazu gab es von „Fletz-Musik“ ein virtuoses Finale mit Anklängen von Banjo und Ragtime.

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