Nächste Veranstaltung

Utopia

zum Programm ...

Reihe "Zeitgenössische Musik" Sommer 2019

Donnerstag, 25. Juli 2019, 20.00 Uhr
Kulturforum Oberalteich

Utopia 

Reihe "Zeitgenössische Musik" - "Utopia 1919: Dichterrepublik"

Konzert zum 100. Jahrestag der Ausrufung der Bayerischen Räterepublik
in Kooperation mit dem aDevantgarde Festival München 2019

Florence Losseau, Mezzosopran
Stefan Hunstein, Sprecher
Ensemble Zeitsprung
Leitung: Johannes X. Schachtner
Einführung und Moderation: Markus Schmitt

Helga Pogatschar *1966, Biester (2019)
Jan Müller-Wieland *1966, Ein Engel über Verdun (2019)
Johannes X. Schachtner *1985, Politisch Lied: Im Scheißhaus (2019)
Bernhard Weidner *1965, Die kühle Luft der Freiheit (2019)

Utopia 1919: Dichterrepublik
Am 7. April 1919 wurde in München die Bayerische Räterepublik ausgerufen, deren Ziel es war, den Idealen eines libertären Sozialismus zu folgen: Gerechtigkeit, Mitbestimmung, Gemeinsinn, Pazifismus, erfülltes Leben des einzelnen Menschen in der Gemeinschaft. Vordenker hierfür waren Literaten, Intellektuelle und Künstler, die in einer Art politischer Ausnahmesituation nun zugleich zu politisch Handelnden wurden, unter ihnen Gustav Landauer, Ernst Toller oder Erich Mühsam. Nach nur knapp einer Woche und nach einem abgewendeten militärischen Beseitigungsversuch durch Truppen der Exilregierung in Bamberg wurde die Räterepublik in München von kommunistischen Revolutionären übernommen. Deren Ausprägung des Rätegedankens wurde anschließend Ende April 1919 ein blutiges Ende durch die sogenannten „weißen Truppen“ gemacht.
Im Anschluss an die Novemberrevolution Ende 1918 und die Ermordung des sozialistischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner hatte sich im Frühjahr 1919 für einige aktiv Beteiligte eine Situation ergeben, in der sie ihr künstlerisch-intellektuelles Wollen mit ihrem politischen Handeln in Übereinstimmung bringen wollten, sich diese beiden Pole wie in einem Spannungsfeld berührten und es zu einer Entladung kam. Dieser Aspekt soll Ansatzpunkt sein für die Form des „Gedenkens“ im Rahmen eines Konzerts – und zwar konkret aus den Blickwinkeln der Gedankenwelt und des Handelns maßgeblicher Protagonisten der Bayerischen Räterepublik: ihren Visionen, ihren Grenzgängen, ihrem Scheitern. (Nicht wenige Beteiligte bezahlten ihr Engagement unmittelbar oder in der Folge mit dem Leben.) Eine ästhetische Auseinandersetzung mit ihren Texten, ihren Themen – die heute immer noch Aktualität besitzen! –, ihren Persönlichkeiten, ihrem Ende. Musikalische Porträts im weitesten Sinne als Hintergrund für eine allgemeinere Debatte, deren Fragestellung per se mitschwingen wird, nämlich der Debatte um „Kunst und Politik“.
Vier Aufträge für ca. 15-minütige Kompositionen, die sich mit der Thematik befassen, gingen an Jan Müller-Wieland, Helga Pogatschar, Johannes X. Schachtner und Bernhard Weidner. Texte von Ernst Toller vertonte dabei Müller-Wieland in einer Komposition für Singstimme und Ensemble, während Weidner Textpassagen aus den Schriften Gustav Landauers seinem Stück für Sprecher, Singstimme und Ensemble zugrunde legte.
Die Autorin Nora Gomringer und der Autor Norbert Niemann wurden beauftragt, neue Texte für Kompositionen für Sprecher und Ensemble zu schreiben. Sie widmen sich den Themenbereichen Frauen in der Räterepublik (Text: Gomringer, Musik: Pogatschar) und der Rolle von Oskar Maria Graf (Text: Niemann, Musik: Schachtner).

Florence Losseau - Mezzosopran
Florence Losseau sang seit ihrem neunten Lebensjahr im Kinderchor des Staatstheaters am Gärtnerplatz. Sie studierte an der Hochschule für Musik und Theater München. 2014 wurde sie Mitglied der Theaterakademie August Everding und studierte Gesang bei Prof. Michelle Breedt. Darauf aufbauend studierte sie im Master Liedgestaltung bei Donald Sulzen, Tobias Truniger, Fritz Schwinghammer und Céline Dutilly.
Sie besuchte Meisterkurse u.a. bei Axel Bauni, Helmut Deutsch und Angelika Kirchschlager. Ihr Operndebut gab sie 2011, seit der Spielzeit 2018/19 ist sie Mitglied des Oberösterreichischen Opernstudios des Landestheaters Linz, dort singt sie u.a. Annio in „La clemenza di Tito“ von Mozart und die dritte Magd in „Elektra“ von Strauss.
Seit Herbst 2015 ist Losseau Stipendiatin der Christl und Klaus Haack Stiftung. Sie gewann 2017 den 2. Preis des Paula Salomon-Lindberg-Wettbewerbs an der Universität der Künste in Berlin. Im Juni 2018 war sie bei der „LiederWerkstatt“ des Kissinger Sommers mit Uraufführungen von Manfred Trojahn, Fabien Lévy und Annette Schlünz zu hören. Beim renommierten Wettbewerb „Das Lied“ in Heidelberg wurde sie 2019 Finalistin. Sie gewann den ersten Preis des Operettenwettbewerbs 2019 in Linz. Am 6. November wird Florence Losseau im Brucknerhaus in Linz bei einem Liederabend mit Jan Philip Schulze am Klavier zu erleben sein.


Stefan Hunstein - Sprecher
Stefan Hunstein wurde 1957 in Kassel geboren. Er studierte Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart. Nach Engagements in Freiburg (1983-1986) und Bochum (1986-1990), wo er vor allem mit der Regisseurin Andrea Breth zusammenarbeitete, kam er 1990 in das Ensemble der Münchner Kammerspiele zu Dieter Dorn. 2001 wechselte er an das Bayerische Staatsschauspiel. Seit 2003 ist Stefan Hunstein Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.
Er ist als Fernseh- und Kinoschauspieler bekannt und ein namhafter Rezitator, u.a. der Texte Thomas Bernhards.
Er ist Träger des Deutschen Photopreises (1991) und gestaltete als Fotokünstler zahlreiche Einzelausstellungen in mehreren Ländern Europas. Zwischen 2010 und 2015 war er wieder Ensemblemitglied der Münchner Kammerspiele. Zur Zeit arbeitet er am Schauspielhaus Bochum und am Wiener Burgtheater.


Johannes X. Schachtner - Komponist, Dirigent
Johannes X. Schachtner (*1985) arbeitet nach seinem Studium in den Fächern Komposition und Orchesterdirigieren in München (u.a. bei Prof. Bruno Weil und Prof. Jan Müller-Wieland) und Stipendienaufenthalten in Bamberg und Paris als freischaffender Dirigent und Komponist. Er leitete am Pult Orchester wie die Münchner Symphoniker oder die Bayerische Kammerphilharmonie sowie zahlreiche Ensembles im Bereich der Neuen Musik. Musiktheaterproduktionen führten ihn u.a. ans Vorarlberger Landestheater oder zur Münchener Biennale. Er ist u.a. musikalischer Leiter des Jugendensemble für Neue Musik, Bayern (JU[MB]LE).
Sein umfangreiches kompositorisches Werk wird von international renommierten Solisten wie Salome Kammer, Matthias Höfs, Lena Neudauer, Julia Fischer oder dem Dirigent Ulf Schirmer aufgeführt und er erhielt zahlreiche Aufträge, etwa von der Münchener Biennale oder dem Leopold- Mozart-Wettbewerb 2015. 2019 wird beim Kronberg Academy Festival zusammen mit der Kremerata Baltica ein Doppelkonzert zur Uraufführung gelangen. Für sein Schaffen, das auf zahlreichen CDs dokumentiert ist, wurde Johannes X. Schachtner vielfach bei Wettbewerben ausgezeichnet. Er erhielt u.a. den Musikförderpreis der Landeshauptstadt München und den bayerischen Kunstförderpreis. Im Juni 2019 erscheint seine dritte Portrait-CD „Sammelsurium – Musik für Blech und Tasten“, die in Koproduktion mit dem BR entstand.


Ensemble Zeitsprung

Ensemble Zeitsprung „Das Ensemble Zeitsprung ist bereit für internationalen Status“, kommentierte die Londoner Gramophone die letzte CD des Ensembles. Das Ensemble prägt seit Jahren nachhaltig die Musikszene seiner Heimatstadt München; 2006 vom Dirigenten Markus Elsner gegründet, spielte es bis heute mehr als 100 Konzerte in Deutschland, Österreich, Luxemburg und der Ukraine.
Zahlreiche Kompositionen wurden in dieser Zeit durch das Ensemble initiiert und uraufgeführt. Entscheidende Entwicklungen in der zeitgenössischen Musik entstehen – davon sind die Ensemblemitglieder überzeugt – im Zusammenwirken von Komponist und Interpret. Insofern versteht sich das Ensemble Zeitsprung vor allem als flexibles „Instrument“ für Komponisten von heute. Dazu gehört ästhetische Offenheit, Spaß am Experiment und die Bereitschaft, Grenzen des Instrumental- und Ensemblespiels ständig neu auszutesten.
Das Ensemble arbeitete mit herausragenden Künstlern zusammen wie dem Dirigenten Peter Hirsch, dem Bratscher Richard O’Neill, der Altistin Noa Frenkel oder dem Sheng-Virtuosen Wu Wei. Gemeinsame Projekte wurden mit dem via-nova-chor München, dem Berliner Sonar Quartett und dem Quasars Ensemble aus Bratislava realisiert.
Seit 2011 gibt es eine regelmäßige Kooperation mit den Tagen der Neuen Musik Bamberg. Mitschnitte verschiedener Rundfunk- und Fernsehanstalten dokumentieren die Arbeit des Ensembles, CDs erschienen bei Thorofon und NEOS.

Autoren und Komponisten

Nora Gomringer (*1980), Schweizerin und Deutsche, lebt in Bamberg. Sie schreibt, vertont, erklärt, souffliert und liebt Gedichte. Alle Mündlichkeit kommt bei ihr aus dem Schriftlichen und dem Erlauschten. Sie fördert im Auftrag des Freistaates Bayern Künstlerinnen und Künstler internationaler Herkunft. Dies tut sie im Internationalen Künstlerhaus Villa Concordia. Und mit Hingabe. www.nora-gomringer.de

Helga Pogatschar (*1966), in München lebende Komponistin, verwirklichte zahlreiche multimediale Musiktheater-Projekte und arbeitet international mit Tanztruppen und Videokünstlern zusammen. Sie war Stipendiatin am internationalen Künstlerhaus Villa Concordia in Bamberg und erhielt u.a. den Förderpreis der Landeshauptstadt München sowie eine Einladung zur 13. münchener biennale 2012 (Internationales Festival für neues Musiktheater). www.helgapogatschar.de

Jan Müller-Wieland (*1966) ist Professor für Komposition an der Hochschule für Musik und Theater München. Er studierte Kontrabass bei Willi Beyer, Komposition bei Friedhelm Döhl, Hans Werner Henze, Oliver Knussen sowie Dirigieren bei Günter Behrens und Seiji Ozawa. Von 1993 bis 2007 lebte er freischaffend in Berlin. Zahlreiche Spitzenorchester und Ensembles dirigierte er. Für die Ruhrtriennale 2018 entstand zuletzt halbabendfüllend MARIA – EINE VERTREIBUNG für Soli, Sprecher/in, Chor und Orchester. Zur Zeit arbeitet er für die NDR-Radiophilharmonie an GOTTESSPUR für großes Orchester, Elektronik und Fagott im Wechsel mit Kontrafagott als Solo (als „Moby Dick“).

Norbert Niemann, geboren am 20. Mai 1961 in Landau an der Isar, studierte Germanistik, Musikwissenschaft sowie Geschichte und lebt als Schriftsteller am Chiemsee und in München. Er veröffentlichte bislang die Romane „Wie man’s nimmt“ (1998), „Schule der Gewalt“ (2001), „Willkommen neue Träume“ (2008) und „Die Einzigen“ (2014). Er schreibt darüberhinaus Essays und Texte für Musik – u.a.: „Politisches Lied“ (UA München 2011), „Musicophilia“ (nach Oliver Sacks, UA München 2012) – und ist als Herausgeber tätig. An Auszeichnungen erhielt er bislang u.a. den Ingeborg-Bachmann-Preis (1997), den Clemens-Brentano-Preis (1999) und den Carl-Amery-Preis (2015) sowie u.a. das Stipendium Internationales Künstlerhaus Villa Concordia, Bamberg (2009/2010) und das Stipendium des Deutschen Literaturfonds (2017). Derzeit ist er Writer in Residence an der Aston University Birmingham.

Bernhard Weidner (*1965) lebt als Komponist in München. Die Erkundung des eigenen inneren Klangerlebens steht stets im Zentrum seiner kompositorischen Arbeit. In vielen seiner Stücken nimmt er – als Ausdruck des Respekts und der Nähe – bewusst Bezug auf Werke der musikalischen Tradition. Ebenso spielen für Weidner beim Komponieren außermusikalische Bezüge (insbesondere literarische Vorlagen) immer wieder eine große Rolle. http://www.bernhardweidner.de



Eintrittspreise:
Erwachsene 25,00 EUR
Schüler / Studenten: 12,00 EUR
Ermäßigung für Mitglieder: 2,00 EUR

Sonntag, 28. Juli 2019, 18.00 Uhr
Rittersaal Straubing

Utopia 

Reihe "Zeitgenössische Musik"

Münchner Gamelanensemble "Cara Bali"
András Varsanyi, Leitung und Moderation
Susanne Anatchkova, Klavier

Claude Debussy 1862-1918, Pagodes aus "Estampes" (1903), Movement aus "Image" (1905)
Colin McPhee 1900-1964, aus "Balinese Ceremonial Music" (1934 - 1938)
Leopold Godowsky 1870-1938, Gamelan aus der "Java Suite" (1925)
Maurice Ravel 1875-1937, Jeux d'eau (1901)
Wolfgang Zoubek 1945-2007, Kidung jagat
György Ligeti 1923-2006, Zauberlehrling aus "Études pour piano" (1988 - 94)
Steve Reich *1936, piano counterpoint for piano and tape (arr.Vincent Corver) aus "six pianos" (1990)

Einflüsse fernöstlicher Gamelan-Musik auf die Moderne des Westens
Münchner Gamelanensemble 
Die indonesische Gamelanmusik hatte Anfang des 20. Jahrhunderts einen großen Einfluß auf westliche Komponisten von Claude Debussy bis Steve Reich und György Ligeti. Als 1889 Claude Debussy bei der Pariser Weltausstellung zum ersten Mal die fremdartigen Klänge eines javanischen Gamelanorchesters hörte war er schwer beeindruckt. Einige seiner bezaubernden Klavierkompositionen stehen unter dem direkten Einfluß dieser hochkultivierten, ostasiatischen Musik wie zum Beispiel "Pagodes" und "Prelude".
Das bekannte Münchner Gamelanensemble "Cara bali" mit seinem Leiter und Gründer Dr. András Varsanyi konnte glücklicherweise für das Konzert in Straubing gewonnen werden. Die ca.19 Gamelanmusiker spielen auf javanischen Originalinstrumenten, die der Sammlung des Münchner Instrumentenmuseums entstammen, die prachtvollen Kompositionen der javanischen Hofmusik.
Die Pianistin Susanne Anatchkova trägt von Gamelan angeregte Klavierkompositionen vor, die mit Debussy beginnend über die berauschende Java-Suite von Godowsky bis zu Ligetis irrwitzigen Klavieretüden reichen.

Susanne Anatchkova - Pianistin
Susanne Anatchkova stammt aus einer niederbayerischen Musikerfamilie. Sie studierte künstlerisches Hauptfach Klavier an der Musikhochschule in München bei Prof. Friedemann Berger. Sie ist regelmäßig Solistin bei den „Europäischen Wochen“ Passau und beim Musikfestival „musique en l’ile“, Paris.
Susanne Anatchkova ist immer wieder im Klassiksender B4 des Bayerischen Rundfunks mit Solowerken zu hören. 2010 erfolgte eine Gesamteinspielung der Klavieretüden von Pascal Dusapín mit dem BR. Susanne Anatchkova trat als Solistin wiederholt in der Akademie der Schönen Künste in der Residenz München (mit Klavieretüden von Chopin, Ligeti und Dusapin), im Münchner Gasteig und im Rahmen der Akademie für Neue Musik München auf. Sie konzertierte als Solistin u. a. mit dem Münchner Kammerorchester, dem Niederbayerischen Symphonieorchester bzw. Kammerorchester, dem Regensburger Kammerorchester, der Camerata sinfonica (bestehend aus Mitgliedern des Regensburger Kammerorchesters und der Münchner Staatsoper) und dem Regensburger Uni-Symphonieorchester.
Im Herbst 2008 stellte sie den von ihr konzipierten und produzierten Film „Im Prestissimo klavieretüden, eine musikalische zeitreise“ dem Publikum vor. Der Film wurde bereits mehrmals in ganzer Länge von ARD alpha ausgestrahlt.
Große Erfolge hatte Susanne Anatchkova mit der Interpretation der großen klassischen und romantischen Klavierkonzerte von Beethoven, Chopin, Tschaikowski, Grieg und Saint Saens. Im Herbst 2013 nahm Susanne Anatchkova Werke von Eric Satie für den Kinofilm „Alles inklusive“ von Doris Dörrie auf.



Eintrittspreise:
€ 25,- / Erm. 12,-
siehe Jahresprogramm pdfKonzertfreunde Straubing

Bilder wurden zur Verfügung gestellt von Konzertfreunde Straubing e.V.