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Prof. Alois Schmid

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"Die wittelsbachische Antwort auf Martin Luther: Bayern wird ein katholischer Konfessionsstaat" Vortrag von und mit Prof. Alois Schmid

Ensemble der Superlative

Oberalteich: „Opus 4“ konzertierte

Posaunenquartett Opus 4 Ein Ensemble der Superlative, ein anspruchsvolles Programm, Instrumente, welche die großartige Akustik der Klosterkirche Oberalteich voll zur Geltung bringen. So lässt sich das Weihnachtskonzert des Fördervereins für Kultur und Forschung Bogen – Oberalteich kurz und treffend zusammenfassen.

Vor 28 Jahren wurde die Gruppe „Opus 4“ gegründet. Vier Posaunisten des Leipziger Gewandhausorchesters, Jörg Richter, Gründer und Leiter von „Opus 4“, 22 Jahre Mitglied des Blechbläserensembles des weltweit berühmten Trompetenvirtuosen Prof. Ludwig Güttler, Dirk Lehmann, Tenorposaune, Stephan Meiner, ebenfalls Tenorposaune, und Honza Gimaletdinow, trotz des schwierigen Namens ein echter Dresdner, Bassposaune, haben gemeinsames Posaunenspiel auf eine neue Ebene gehoben. Die absolute Präzision ihrer Intonation, der Einsätze, besonders in polyphonen Sätzen, und ihre weiche, trotzdem prägnante Anblastechnik setzen neue Maßstäbe. Bewegten sich die Intrada, Gloria und Exultent caeli von Claudio Monteverdi noch im üblichen Posaunenkunstrahmen, so strahlte in Johann Sebastian Bachs BWV 230 „Lobet den Herrn, alle Heiden“ die volle Spielkunst des Ensembles „Opus 4“ auf.

Kaum für möglich zu halten, wie auch mit Posaunen die kontrapunktische Architektur sauber durchhörbar ohne jegliches Vermischen und Verwischen der Stimmen dargestellt werden kann! Giovanni Gabrieli, Mitglied der Münchner Hofkapelle, dann Domorganist in San Marco, Venedig, baute die baulichen Gegebenheiten des Innenraums des Markusdoms und dessen Akustik gewissermaßen in viele seiner Kompositionen ein. Die Akustik der Klosterkirche in Oberalteich kam der „Canzona Seconda“ Gabrielis in großartiger Art entgegen, sodass dieses relativ kurze Werk ein weiterer „Diamant“ im Programm war. Äußerst interessant war die Gestaltung dieses Weihnachtskonzertes: Bekannte Advents- und Weihnachtsstücke aus der Sichtweise verschiedener bedeutender Komponisten wurden nebeneinandergestellt. So das in Köln entstandene „Es ist ein Ros entsprungen“ in Bearbeitungen von Michael Praetorius (1571–1621) und Melchior Vulpius (1560–1650) oder „Nun kommt der Heiden Heiland“ aus der Sicht- und Komponierweise von Johann Sebastian Bach, die wohl bekannteste Version, Johann Hermann Schein und Andreas Raselius.

Die hohe Zeit der Renaissance bis zum Frühbarock schritt „Opus 4“ mit Josquin des Pres (1440–1521), Jacobus Clemens non papa, der sich so nannte, um nicht mit dem gleichnamigen Papst Clemens verwechselt zu werden, Hans Leo Hassler und Thomas Selle (1599–1663) ab. Die Werke dieser Meister wurden unter Mitwirkung eines Originalnachbaus einer Barockposaune mit ihrem überaus transparenten Ton gespielt. „Vom Himmel hoch da komm ich her“ stellte das Ensemble „Opus 4“ in der Choralbearbeitung von Johann Sebastian Bach, arrangiert für vier Posaunen, in Zusammenhang mit der Sichtweise von Michael Praetorius und Johann Hermann Schein. Man braucht nicht zu erwähnen, dass die vier Posaunisten unabhängig von den Eigenheiten, Komponiermethoden und Schaffenszeiten der Komponisten und der Stile alle Werke auf gleich hohem, also auf dem höchstem Niveau spielten.

Weihnachten ist ein Fest der Gemeinsamkeit, so hatte Dr. Dionys Daller, der Vorsitzende des Fördervereins für Kultur und Forschung, Neubürger Bogens aus fernen Ländern aber auch alle anderen Bürger eingeladen, abendländische Musik hautnah zu erleben. Sicher werden diese Menschen von diesem Konzert ebenso begeistert gewesen sein wie die übrigen zahlreichen Besucher in der Klosterkirche.

Theodor Auer

pdfZeitungsbericht: Weihnachtskonzert mit OPUS 4

Kinderchor Niederwinkling entführte in den Dschungel

Pressebild Musical Dschungelbuch1 Pressebild: Musical Dschungelbuch2 

Niederwinkling. Begeisterten Applaus gab’s für den Kinderchor Niederwinkling unter der Leitung von Kathrin und Thomas Stoiber für die Aufführung des Musicals „Dschungelbuch“. Neben den musikalischen Darbietungen überzeugten auch die farbenprächtigen, fantasievollen Kostüme der Darsteller bei der Aufführung am Sonntagnachmittag im bestens gefüllten Kulturforum Oberalteich. (Fotos: erö)

„Dschungelbuch“ im Kulturforum Oberalteich

Wölfe, Affen, ein Panther, ein Tiger, Springböcke, eine grüne Schlange, ein Bär und andere Tiere, dies ist kein Bericht über neue Tiere im Straubinger Tierpark, auch kein Preisrätsel, welche Tiere in welchem Kontinent leben. Erwähne ich nun auch noch die Namen der „Viecherl“, Bagheera, Shir Kan, Kaa, Balu, weiß jeder, dass der Roman, der Film, das Musical „Dschungelbuch“ gemeint ist. Bis zum letzten Platz war am Sonntagnachmittag der Saal des Kulturforums Oberalteich mit Publikum quer durch alle Altersgruppen gefüllt. Daran war sicher nicht der freie Eintritt schuld, vielmehr die seit Jahrzehnten ungebrochene Begeisterung für die Geschichte des kleinen Mogli, der ausgesetzt im Urwald von den Wölfen und den anderen Tieren aufgenommen und für das Leben fit gemacht wird. Kathrin und Thomas Stoiber studierten mit dem Kinderchor Niederwinkling dieses Musical in vielen Proben ein. Die Mühen bezogen sich nicht nur auf die Soli- und Chorstücke, sondern auch auf die fantasievolle Kostümierung der Kinder. Die, doch ansonsten recht nüchtern wirkende Bühne im Kulturforum verwandelten Kathrin und Thomas Stoiber mit ihren Mitarbeitern in einen „echten“ Dschungel mit Bäumen, Strickleiter, Büschen, effektvoll eingetaucht in rotes, blaues, grünes Licht. Die Handlung, kindgerecht auf eine Stunde gerafft, trotzdem flüssig, mit logischem Ablauf. Die Begeisterung der Kinder zeigte sich in den wirklich hervorragenden gesanglichen Leistungen, vor allem in den Solopartien, aber auch der durch das gesamte Stück stets gegenwärtige Chor überzeugte durch seinen schwungvollen, lebendigen Gesang. Mit klarer, deutlicher, fast möchte man sagen professioneller Aussprache führte ein Mitglied des Kinderchores Niederwinkling durch die Handlung. Braucht man für ein Musical unbedingt ein ganzes Orchester? Klavierbegleitung, gekonnt gespielt, genügte vollständig! Mama, Papa, Oma, Opa, Geschwister und Freunde im Publikum konnten mit Recht stolz auf ihre Kleinen sein. Was der Kinderchor Niederwinkling auf die Beine stellte, war wirklich toll!

Theodor Auer

pdfZeitungsbericht: Musical Dschungelbuch

Die Spuren von Römern und Christen

Oberalteich: Schüler stellten im Kulturforum die Stadt Trier vor
Pressebild: Die Spuren der Roemer 
Bild: Auf den Spuren des alten Trier wandelten die Schüler der Q12 des VHG. Im Kulturforum Oberalteich stellten sie die Geschichte der Stadt vor.

(erö) Mit einer perfekten Präsentation stellten kürzlich 16 Mädchen und Buben der Klasse Q12 des Veit-Höser-Gymnasiums Bogen im Kulturforum Oberalteich ihre Informationsfahrt nach „Trier – auf den Spuren von Römern und Christen“ vor. „Ein spannender Abend erwartet sie“, versprach Dr. Dionys Daller, Vorsitzender des Fördervereins für Kultur und Forschung, der einen Teil der Reise gesponsert hat. Dieses Projekt sei für die Schüler ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Abitur, so Daller. Sogenannte P-(Projekt) Seminare seien mit dem G8 neu eingeführt worden und dienten den 11. und 12. Klassen zur Berufsorientierung, erläuterten zwei Schülerinnen zu Beginn. Die Klasse Q11 habe sich für die Stadt Trier entschieden und das Projekt in drei Gruppen nach Sehenswürdigkeiten, Organisation und Unterkunft durchgeführt.

Begleitet von den Lehrerinnen Stephanie Reiner und Cordula Nutischer organisierten die jungen Leute routiniert die siebenstündige Busfahrt nach Trier sowie die Unterbringung in einer Jugendherberge. Für die Besichtigung von Trier, neben Neuss die älteste Stadt Deutschlands, hatte man sich in nur fünf Tagen ein Mammutprogramm vorgenommen.

Trier sei bereits zur Römerzeit eine sehr reiche Stadt gewesen mit vielen noch erhaltenen Baudenkmälern. Aber auch aus christlicher Zeit besitze Trier eine Vielfalt von sehenswerten Gebäuden. Mit Kartenmaterial und geschichtlichen Daten, mit ausgezeichneten Bildern von historischen Gebäuden machten die Schülerinnen und Schüler den Werdegang und die Geschichte von Trier deutlich, erzählten von der Römerzeit, von den Ottonen und Saliern, von der spätmittelalterlichen Blüte der Stadt und ihrem Niedergang durch Zerstörung und zahlreiche Kriege. Berichtet wurde vom Weinbau der Moselstadt, von Universität, Fachhochschule und Kunstakademie. Einen großen Raum nahm die Beschreibung der Sehenswürdigkeiten ein vom malerischen Hauptmarkt mit Petersbrunnen und Sankt-Gangolf-Kirche bis hin zum Trierer Dom, der ältesten Kirche in Deutschland. Geschichtliche Hintergründe, Legenden und ausgezeichnete Bilder ergänzten die Wortbeiträge. Im Rheinischen Landesmuseum unternahmen die jungen Leute eine Zeitreise in das römische Trier, besuchten die Ruinen des Amphitheaters und der römischen Thermen und genossen von der berühmten Porta Nigra den Blick auf die moderne Stadt. Skurriles wie der Alte Moselkran, ein rundes Gebäude mit langem Arm, der Wohnturm des wehrhaften Dreikönigenhaus, das Rote Haus oder die „Steipe“, ein spätgotisches Fest- und Versammlungshaus der Trierer Ratsherren, wurden neben vielen anderen Denkmälern detailliert beschrieben und vorgestellt. Dass in Trier das Geburtshaus von Karl Marx steht, heute ein Museum, war wohl nicht allen Zuhörern bekannt.

Für ihren Vortrag erhielten die Schüler nicht nur viel verdienten Beifall, sondern auch ein großes Lob von ihren Lehrerinnen, – „souverän präsentiert!“ – von Dr. Daller und Schulleiter Helmut Dietl. Besonders lobend erwähnt wurde Veronika Fleischmann für ihre Powerpoint-Präsentation. Der Vorschlag von Daller, im nächsten Jahr P-Seminare von sämtlichen Gymnasien öffentlich zu präsentieren, fand große Zustimmung.


pdfZeitungsbericht: Die Spuren der Römer und Christen

„Oper to go“ im Kulturforum

Oberalteich: Die Hochzeit des Figaro mal anders
Oper to go 
Eine Szene aus der Hochzeit des Figaro. (Foto: erö)

Da habe ich aber Glück gehabt! Meinen Verstand konnte ich auch nach dem Opernabend im Kulturforum Oberalteich behalten, hoffe ich jedenfalls! „Oper to go – 4 Frauen singen und spielen Sie um den Verstand“, stand auf dem Programm. „La nozze di Figaro“, die Hochzeit des Figaro, neben der „Zauberflöte“ wohl die berühmteste Oper Mozarts, brachten Michaela Brandl, Sopran, Monika Ehlscheidt, ebenfalls Sopran, Denise Felsecker, Mezzosopran und Elisabeth Thöni am Klavier auf die Bühne des Kulturforums. Wo blieb aber die männliche Hauptrolle, der Figaro, wo der Schwerenöter Graf Almaviva? Man musste das Programmheft sorgfältig lesen, die ganze Überschrift lautete: „Die Hochzeit des Figaro … mal anders“! Der Nachsatz „mal anders“ war der Schlüssel zu diesem Opernabend. Es war sehr vieles ganz anders: Statt Orchester Klavierbegleitung. Gut, bei Korrepetition ist das allgemeine Praxis, noch dazu, da Elisabeth Thöni eine hervorragende Klavierbegleitung war, aber Arienanleihen aus ganz anderen Opern mit völlig anderen Stilrichtungen, alles quer Beet durcheinander. Halt, stimmt nicht! Kein Durcheinander nach dem Motto „the best of …“ aus dieser und jener Oper, sondern logisch in die leicht veränderte Handlung von „La nozze di Figaro“ integriert. Wer diese Oper ausreichend kennt, wird es sich kaum vorstellen können, wie sich Humperdincks Duett „Abendsegen“ aus Hänsel und Gretel, „Près de remparts de Séville“, die allgemein bekannte Arie aus Bizets „Carmen“, „Meine Lippen, sie küssen so heiß“ aus Lehàrs Giuditta, Hoffmanns Erzählungen, das berühmte Duett „Barcarole“, „Ich lade mir gern Gäste ein“, das Trinklied des Fürsten Orlovski aus der Fledermaus von Johann Strauß und noch einige mehr in Mozarts „Figaro“ einbauen lassen. Die Gruppe „Oper to go“, Elisabeth Thöni, Denise Felsecker, Monika Ehlscheidt, Michaela Brandl, schaffte in ihrer Fassung der Mozart-Oper dieses schier Unmögliche in wirklich herzerfrischender Weise mit komödiantischem Esprit. Als „Dankeschön“ für den großen Applaus spendierten „Oper to go“ noch das Terzett der Hofdamen der „Königin der Nacht“ aus Mozarts Zauberflöte. Die vier attraktiven Damen „Oper to go“ bewiesen einmal mehr, dass es auch ohne Männer geht, sogar in der Oper!

Theodor Auer

Zeitungsbericht: Oper to go im Kulturforum

Geheimnisvolle Gänge

Geologische Besonderheiten auf dem Bogenberg

Pressebild: Geheimnisvolle Gänge 
Bogen. (hn) Trotz Regens kamen kürzlich etwa 50 Mitglieder des Fördervereins für Kultur und Forschung Bogen-Oberalteich und des Flurl-Kreises Straubing zusammen, um geologische Besonderheiten auf dem Pilgerweg, in der Wallfahrtskirche und im Pfarrhofkeller Bogenberg kennenzulernen. Nach der Einführung, die Kreisheimatpfleger Hans Neueder vornahm, erläuterte Dr. Lehrberger vom Lehrstuhl für Ingenieursgeologie der TU München zunächst anhand von Karten die Entstehung und die geologische Bedeutung des Bogenberges.
Auf dem Weg zum Gipfelplateau gab Lehrberger an einigen markanten Stellen Hinweise auf die verschiedenen Gesteinsarten, insbesondere auf die für den Bogenberg typischen Winzergesteine, die aus dem Perlgneis bei einer Verwerfung der Erdkruste vor rund 250 Millionen Jahren entstanden sind. An dem anstehenden Felsen entlang des Pilgerweges ließ sich als charakteristisches Merkmal die „Schieferung“ erkennen. Der Weg führte auch vorbei an der kartografisch und vor Ort fassbaren Bogenberger „Silbergrube“, in der wohl im 19. Jahrhundert eine Zeit lang Bleiglanz abgebaut worden war.
Auf dem Gipfel des Bogenbergs angekommen, umrundete die Gruppe die spätgotische Wallfahrtskirche. Zu deren Bau verwendete man den hellen Kelheimer Kalkstein in Blöcken und Platten, den grünen Regensburger Sandstein und den gelblich-grauen Mettener Granit, deren Herkunft und Eigenschaften der Referent an bestimmten Architekturteilen erklärte. Dem romanischen Vorgängerbau ordnete Dr. Lehrberger zwei Bildwerke aus Naturstein zu, einen eingemauerten Stein mit Zopfmuster und einen Adler mit ausgebreiteten Flügeln. Dass am sechseckigen Kirchturm das Mauerwerk vom harten Regensburger Grünsandstein zum hellen Kelheimer Kalkstein auffällig wechselt, ist wohl auf eine Wetteroder Kriegskatastrophe zurückzuführen.
Im Kircheninneren beschränkte sich Dr. Lehrberger auf die Denkmalgesteine des Chores. Das romanische Marienbild aus Kalkstein stellt eine große Rarität dar. Als besonders kostbar bezeichnete der Referent den spätgotischen Taufstein, der wie die Albrechts-Tumba in der Straubinger Karmelitenkirche aus dem sehr begehrten „Adneter Scheck“ angefertigt wurde, einer besonderen Steinsorte von rotgrauer Farbe mit weißen Kalkspatadern. Daneben ging er auf viele weitere Details ein.
Im letzten Teil der geologischen Wanderung besichtigten die Teilnehmer den ehemaligen Kellerraum mit einem mittelalterlichen Brunnen und die geheimnisvollen Gänge unter dem Pfarrhofgebäude. Sie wurden erst im Jahre 1980 wieder entdeckt und danach wissenschaftlich untersucht. Während der Zweck dieser sogenannten „Schrazellöcher“ oder „Erdställe“ noch immer umstritten ist, konnte hier Dr. Lehrberger tief im Inneren des Bogenberges die mühevolle Arbeit erklären, mit der die Stollen im Mittelalter „unter Tage“ vorangetrieben worden sind.

Zeitungsbericht: Geheimnisvolle Gänge

Feinsinniger Humor


pressebild-andre-hartmann André Hartmann trat im Kulturforum auf. (Foto: erö)

Chopin, Münchens Oberbürgermeister Christian Ude, Johann Sebastian Bach, Altbundeskanzler Schröder, Mozart, Kanzlerin Angela Merkel, Biene Maja: Wer findet zu diesen Namen einen gemeinsamen Nenner? Die Antwort lautet ganz einfach: André Hartmann! Noch nie gehört? Doch! Wer den Starkbier-Anstich auf dem Nockerberg seit Jahren verfolgt, kennt André Hartmann in der Maske als Christian Ude oder früher als Gerhard Schröder, deren Sprache, Mimik und Gestik er treffend imitierte.

Wenn André Hartmann, als Auflockerung diese und andere Politiker wie Horst Seehofer oder Edmund Stoiber in ihren sprachlichen Eigenheiten und ihrem Gehabe auf die Schippe nahm, so zeigte sich in der Veranstaltung im Rahmen Bluval-Festivals im Kulturforum ein ganz anderer André Hartmann: Ein Künstler voll Esprit und tiefgreifendem musiktheoretischem Wissen um den persönlichen Komponierstil der großen Meister. Was wollen Sie gerne hören? Die Zurufe aus dem Publikum nahm André Hartmann auf, spielte am Flügel einige Originaltakte und ging dann nahtlos über, das betreffende Musikstück zu „chopanisieren“. Aus einem „Abba-Song“ oder aus „Yellow Submarine“ von den Beatles und vielen anderen Evergreens wurden „echte“ Chopin Nocturne, Berceuse, Mazurken – und das alles aus dem Stegreif! Ein ganz besonderes künstlerisches „Schmankerl“ war die „Biene Maja“. Ausgehend von Karell Gotts Liedchen zur gleichnamigen Zeichentrickserie erläuterte André Hartmann, wer diese Melodie verarbeitet hat, oder wie er sich ausdrückte, wer von wem „geklaut“ hat: Mozart von Bach, Beethoven von Mozart, Chopin von Beethoven, alle waren, natürlich nur fiktiv, Fans der „Biene Maja-Melodie“. Wie witzig unterbreitete André Hartmann diese „Erkenntnisse“ dem begeisterten Publikum! Wie kunstvoll baute er diese kleine Melodie in die ureigensten Personalstile Bachs, Mozarts, Beethovens, Chopins ein! Feinsinniger Humor auf hohem Niveau!

Theodor Auer

 Zeitungsbericht: André Hartmann

Vielseitige Orgel

Bogenberg: Andrzej Mielewczyk spielte

Jazz trifft Romantik, Barock Musik unserer Zeit; nicht viele Instrumente decken eine so große Vielfalt an Stilrichtungen ab wie die Orgel. Was jedoch nicht heißen soll, dass jede Orgel für jede Art Musik geeignet ist. Erinnert sei an dieser Stelle an die grundverschiedenen Orgeln süddeutscher, französischer, manchmal auch einer Mischung aus beiden, oder nordmitteldeutscher Klangcharakteristik. Die Orgel der Wallfahrtskirche auf dem Bogenberg gilt unter Kennern als sehr vielseitiges Instrument. Andrzej Mielewczyk aus Berlin hat dies beim Orgelkonzert im Rahmen des diesjährigen Orgelzyklus durch sein vielschichtiges Programm unter Beweis gestellt.

Hier war der Orgel-Großmeister Johann Sebastian Bach ebenso vertreten wie Vertreter der Epoche der Romantik, Alexandre Guilmant und Stanislaw Moniuszko oder Komponisten der Gegenwart, Zsolt Gárdonyi und Walter Kraft. Doch nicht die Vielseitigkeit eines Instrumentes mit seinen Klangcharakteristika ist allein ausschlaggebend, welche Stilrichtungen spielbar sind, an erster Stelle steht das Können des Organisten, seine Fähigkeit, sich im Kosmos der Musikstile der Jahrhunderte sicher zu bewegen.

Andrzej Mielewczyk erwies sich, angefangen von der Orgelmusik des Barock bis zur Gegenwart gleichermaßen kompetent. Natürlich profitierten die Kompositionen von Alexandre Guilmant, die III. Sonate c-Moll op. 56 und die „Zwei Choralvorspiele“ in d-Moll und F-Dur von Stanislaw Moniuszko mit ihren gefühlsbetonten Kompositionen stark von der Ausdruckskraft des Spiels von Andrzej Mielewczyk. Selten schafft es eine zeitgenössische Komposition die Beliebtheitsskala sowohl von Interpreten als auch der Hörer so hoch zu klettern wie die „Mozart Changes“ des Deutsch-Ungarn Zsolt Gárdonyi, Professor in Würzburg.

Ja, es ist tatsächlich möglich, auf einer Orgel „jazzig“ zu spielen! Der Titel „Mozart Changes“ rührt sowohl von dem, bei Jazz-Musikern gebräuchlichen Ausdruck „change“ für Akkordwechsel, doch weist er auch auf das „change = wechseln“ einer originalen Mozartkomposition in die Musiksprache des Jazz. Andrzej Mielewczyk erwies sich in diesem Konzert als Meister des Kontrapunktes: Sowohl in der Fuge des Orgelkonzertes nach Vivaldi in d-Moll von Johann Sebastian Bach als auch in der Fuga aus der III. Sonate op. 56 von Alexandre Guilmant löste der Organist das komplizierte Geflecht der Stimmen durch sein Spiel durchhörbar – ja – durchschaubar auf. Sein Können in der großen Kunst der Improvisation zeigte Andrzej Mielewczyk als glanzvollen Schluss und Höhepunkt des Konzertes.

Das letzte Konzert der diesjährigen Orgelmusikreihe auf dem Bogenberg ist am 30. September, 17 Uhr mit drei Preisträgern des Bundeswettbewerbs „Jugend musiziert“.

Theodor Auer

 Zeiitungsbericht: Vielseitige Orgel

Maßstäbe gesetzt

Bogenberg: „Ensemble 4“ an der Orgel

Vierhändiges Klavierspiel an einem oder zwei Instrumenten hört der Musikfreund durchaus häufig, Klavierliteratur für das Spiel mit vier Händen ist ebenfalls nicht rar. Ganz anders ist die Situation beim vierhändigen Orgelspiel: Sehr wenige Orgelduos gibt es weltweit, auch Kompositionen für vierhändiges – und bei der Orgel natürlich auch vierfüßiges Orgelspiel sind, von Transkriptionen einmal abgesehen, dünn gesät. Eines dieser wenigen Ensembles ist in Straubing: das „Ensemble 4“ (sprich vier Fuß), Kathinka und Stefan Frank. Als Initiatoren des Orgelsommers auf dem Bogenberg, in welchem bereits eine Reihe international renommierter Interpreten auftrat, gaben die beiden Künstler nun selbst ein durchaus maßstabsetzendes Konzert in der gut besuchten Wallfahrtskirche.

Vierhändiges, vierfüßiges Orgelspiel wirft, wie Kathinka Frank einleitend ausführte, nicht einfach zu lösende Probleme auf. Der schmale, nur vier Oktaven umfassende Spieltisch, die, nur für einen Organisten konzipierte Orgelbank sind noch die am leichtesten zu lösenden Schwierigkeiten. Ein Organist schaut nicht auf die Pedale, er weiß, quasi automatisch, wo die Füße, die zu den Noten gehörenden Pedale sind. Nun, beim Duospiel nicht mehr in der Mitte sitzend, erscheinen die Pedale nicht mehr am „rechten“, eingeübten Platz, was natürlich stetes Umdenken erfordert. Demgegenüber stehen ungeahnte Möglichkeiten der Melodieführung, der Ausarbeitung der Themen, der Kombination von Klangfarben.

Die gespielten Werke waren, mit Ausnahme eines, von Mozart eigenhändig für Orgel transkribierten, ursprünglich für Streichquartett geschriebenen Adagio und Fuge, KV 546, Originalkompositionen für Orgel zu vier Händen, stilmäßig der Romantik und gemäßigten Moderne zuzuordnen. Hauptwerk des Spätnachmittages auf dem Bogenberg war eine umfangreiche, überaus differenzierte Komposition von Gustav Adolph Merkel (1827 – 1885). Den drei Sätzen sind der Psalm 42 im ersten und dritten Satz und der bekannte Psalm 23, „Der Herr ist mein Hirte“, im zweiten Satz, dem Adagio, zugrunde gelegt. Gustav Adolph Merkels Orgelsonate d-Moll op. 30 ist keine, wie angesichts ihrer Entstehungszeit eigentlich zu vermuten, Programmmusik, vielmehr fängt Merkel die durch die alttestamentalischen Texte initiierten Stimmungen überaus feinfühlig und differenziert ein. Ein weiteres, interessantes Werk waren die „Drei Skizzen“ von Andreas Willscher (geboren 1955).

Allgemein bekannt ist, dass bestimmten Klängen bestimmte Farben zugeordnet werden können. Es gibt sogar Musiker, welche diese „gehörten“ Farben sehen.

Andreas Willscher bezeichnete in seinen „Drei Skizzen“ die Farbkombinationen Gelb – Türkis – Schwarz, Grau – Silber – Blau und Grün – Gold – Orange. Das feinabgestimmte Spiel von Kathinka und Stefan Frank an der Rieger-Orgel ließ die Farben dezent, nie plakativ aufleuchten. Geheimnisvoll aus den Tiefen emporsteigend „The Emerald Isle“ von Charles Callahan (geboren 1951). Rasche Tempi des ersten Satzes gehen in einem melodiösen, bedächtigen Gesang bezwingender Schönheit über: die beiden Sätze der „Double Fantaisie“ von Jean Langlais (1907 bis 1991).

Kathinka und Stefan Frank zeigten große Orgelkunst. Die, bei Orgelduospiel so wichtige Präzision der Einsätze, die Aufteilung der Bereiche während der Stücke und die, keinesfalls nur musikalisch zu verstehende Harmonie der beiden Künstler ließen dieses Orgelkonzert zu einem, die Seele berührenden Erlebnis werden.

Theodor Auer

 Zeitungsbericht: Orgelkonzert mit Orgelduo Ensemble 4 Fuss

Ausdrucksstark mit der Stimme

Oberalteich: Arcis-Vokalisten begeistern mit ihren Liedern
Pressebild Arcis-Vokalisten 
Die „Arcis-Vokalisten“ begeisterten das Publikum im Kulturforum Oberalteich mit einem umfangreichen Repertoire. (Foto: erö)

Wir binden Dir den Jungfernkranz; Bei Männern, welche Liebe fühlen; Gefangenenchor aus Nabucco, da denkt jeder an ein Potpourri beliebter Opernmelodien, seit Jugendjahren oft gehört, bis ins Detail bekannt, fast zum Mitsingen, würde die Stimme ausreichen. Wer glaubte, das Programm der „Romantischen Sommernacht“ mit den „Arcis-Vokalisten“ im Kulturforum Oberalteich erschöpfe sich in einem Reigen bekannter Opern-Highlights, gar das Repertoire dieser Münchener Chorformation reiche nicht über Bekanntes hinaus, irrte gewaltig! Die Bedeutung der großen Publikumsmagnete der Opernwelt soll keinesfalls herabgespielt werden, vor allem nicht, wenn sie von absoluten Könnern der Singkunst dargebracht werden, doch es gibt gerade im Chorgesang noch ganz andere Ebenen. Hierzu gehört das Liedschaffen des 16. und 17. Jahrhunderts in all seiner Vielfalt.

Das brauchen nicht hochgeistige, in schwierigster Polyphonie geschriebene Werke der Kirchenmusik sein, einfach anmutende Lieder von Liebe und Begebenheiten des Alltags, mal gefühlvoll, mal keck und nicht ganz ernst gemeint, fordern einen Chor zu hohen Leistungen bezüglich Stimmbildung, Artikulation, perfektes Zeitgefühl in den Einsätzen heraus. All diese Voraussetzungen erfüllten die Arcis-Sängerinnen und Sänger mit großer Bravour, waren es nun deutsche Texte wie „Jungfrau, dein schön Gestalt“ von Hans Leo Hassler (1564 – 1612) oder die englischen Lieder von Hasslers Zeitgenossen John Farmer und Thomas Morley mit einem Stück, in welchem eine Frau mit den vier Jahreszeiten, welche alle in ihrem Herzen sind, verglichen wird: „April is in my mistress face.“ Neckisch und lustig „Der Floh“ von Erasmus Widmann (1572–1634). Ein Höhepunkt des Abends im voll besetzten Saal des Kulturforums waren zweifelsfrei die „Liebesliederwalzer“ von Johannes Brahms. Walzer mit denen Brahms die Herzen der Wiener eroberte, ganz im Stil seiner Zeit, voll Gefühl, Miniaturgemälde in Farben und Lichtgebung der Malerei der Romantik entsprechend. Begleitet wurde der Chor von Mirjam von Kirschten und Heiko Stralendorf am Klavier. Einfühlsam, mit größter Exaktheit auf den Chor eingehend, dessen Interpretation ausdruckstark untermalend begleiteten die Künstler den Chor.

Magdalene Hinterdobler, als hervorragende Sopranistin bekannt, war ein weiteres Highlight dieser „Romantischen Sommernacht“, des Fördervereins für Kultur und Forschung Bogen-Oberalteich. Besonders gefiel bei den Brahms-Liedern die, in Dynamik und Tongebung äußerst sensible interpretatorische Gestaltung durch die junge Sängerin, die einmal mit ihrer klaren, mehr zum Lyrisch-Weichen tendierenden Stimme begeisterte. Hinterdobler singt die Lieder und Arien nicht nur, sie verleiht ihnen durch Mimik und Gestik Leben!

Eine „Romantische Sommernacht“ ist natürlich keine todernste Angelegenheit. Die „Kantatenprobe“ aus „Zar und Zimmermann“ von Albert Lorzing zeigte die humorvoll- komödiantische Seite des Arcis-Chores und dessen Leiter und Gründer, Professor Thomas Gropper, der auch als Bariton fungierte und den aufgeblasenen Bürgermeister aus dieser Oper trefflich sang und spielte. Ein Abend mit Chor und Soli, welcher trotz der enormen Spannweite des Programms von Thomas Morley bis zu Guiseppe Verdis Nabucco-Gefangenenchor aufgrund der hohen musikalischen Qualität der Solisten und des Chores zu einem Ganzen verschmolz, das den Hörern rundum Vergnügen bereitete. Wer den Arcis-Chor hören will, kann im Radio, Bayern–Klassik, am Donnerstag nach 14 Uhr diesen Chor in einer berühmten Bach-Kantate hören.

Theodor Auer

 Zeitungsbericht: Arcis-Vokalisten

Phänomenales Spiel

Bogenberg: Orgelkonzert mit Oreni

Vor sechs Jahren erstaunte Paolo Oreni am Bogenberg mit einem musikalisch, wie technisch frappierend, überzeugendem Konzert. Trotzdem kamen diesmal nur knapp 40 Zuhörer in die Wallfahrtskirche, um sich von diesem phänomenalen Orgelspiel mitreißen zu lassen.

Nach der kurzen und doch wesentlichen Einführung durch Stefan Frank begann das Programm mit der Orgelbearbeitung des Händelschen Konzerts op 7/4 durch Jean Guillou. Oreni war Schüler von Guillou. Von ihm bekam Oreni offenbar auch diese elementar ausbrechende künstlerische Kraft eingeimpft. Die Zungen-Register der Rieger-Orgel bei dieser exklusiven Händel-Transkription solistisch oder kombiniert ein Fest. Klanglich eingedickt, aber filigran und leichtfüßig gespielt kam dieser französische Händel daher. Eine durchaus faszinierende Begegnung. Vergleichbar damit, wenn einen die Frau oder Freundin mit einem modisch ungewöhnlichen Kleid überrascht: der Inhalt bleibt ja der Gleiche.

Dann der Mittel- und vorläufige Höhepunkt des Konzerts. Franz Liszts Fantasie und Fuge über „Ad nos, ad salutarem undam“. Das Orgel-Gegenstück zur großen h-moll Klaviersonate. Dauer: 30 Minuten. 765 Takte auf 49 Seiten verteilt. Mit so abgrundtiefem finsterem Klang wie zu Beginn hab ich diese Orgel noch nie gehört. Und was dann folgte, war absolut grandios, vielleicht sogar unvergleichlich. Oreni spielt stets auswendig und registiert ohne Unterstützung selbst. Er hat nicht nur die Noten im Kopf, sondern auch alle Registerwechsel: beim Liszt dürften es an die Hundert gewesen sein. Orenis Spiel wirkt dabei stets frisch, wie aus dem Moment heraus improvisiert. Bei wahnwitzig schnellen Passagen scheint er sich geradezu selbst überholen zu wollen. Dabei legte er manche Manual-Passagen ins Pedal, darunter ein viele Takte langer Sechzehntellauf. Wenn die Kamera nicht die herumwirbelnden zwei Füße gezeigt hätte, man hätte seinen Ohren nicht getraut.

Quasi als Erholung folgte das vielgestaltig virtuose Allegro aus der 6. Orgelsymphonie von Widor. Zum endgültigen Höhepunkt wurde die freie Improvisation. Stefan Frank hatte, passend zum EMFinale am selben Abend, die italienische Nationalhymne vorgeschlagen. Paolo Oreni war sich aber bewusst, dass er in einer Marien-Kirche spielte und begann mit dem Salve Regina (Gotteslob Nr. 570). Dieses tauchte in der Mitte der gut zehnminütigen Improvisation besänftigend wieder auf. Die italienische Hymne wurde auch mal in bitonale (zwei Tonarten gleichzeitig) Regionen entführt.

Im Verlauf steigerte sich Orenis virtuose Improvisationskunst und Registrierkunst ins Unermessliche. Was die Augen sahen (KameraÜbertragung) und die Ohren hörten, konnte das Hirn mit all seiner Erfahrung schier nicht mehr fassen. Irgendwann tauchte dann auch noch die deutsche Nationalhymne auf. Und das Ende: ein letztes, sanftes Zitieren des Salve Regina und ein zärtlich streichelnder Harfenakkord zum Schluss. Stürmischer Applaus. Paolo Oreni bedankte sich nicht nur beim Publikum, sondern – völlig ungewöhnlich – auch bei der Orgel.

Hoffen wir, dass Oreni in sechs Jahren wieder kommt: zu einem weiteren extrem außergewöhnlichen Musikfest.

Kristian Kuhnle

 Zeitungsbericht: Orgelkonzert mit Paolo Oreni

Pianistinnen aus dem Leopold-Mozart-Zentrum

Oberalteich: klassisch-romantisches Programm

Der Förderverein für Kultur und Forschung Oberalteich veranstaltete am Samstag ein gut besuchtes Konzert mit zwei koreanischen Studentinnen des Leopold-Mozart-Zentrums Augsburg.

Saerom Hong eröffnete das Konzert mit der Sonate C-Dur Op. 53 („Waldstein“) von Ludwig van Beethoven. Im Allegro con brio des ersten Satzes gelang es der Künstlerin, den großen Bogen des Hauptsatzes darzustellen, nichts wirkte übertrieben, virtuose Elemente in beinahe förmlichen Rahmen im Wechsel mit ausdrucksvoll lyrischen Passagen zur Einheit geformt. Nach der minimalistischen, beinahe mystischen Einführung in den 3. Satz zeigte sie auch hier gestalterische Kraft, jederzeit den technischen Herausforderungen gewachsen, im Prestissimo Sicherheit in den Vordergrund stellend.

Ji Eun Yun interpretierte im Anschluss Liszts berühmte H-Moll Sonate, in Form eines Rezitativs in einem Satz komponiert. Gefürchtete technische Hürden machten es schwer, die großartige Architektur des Werkes zu vermitteln. Eindrücklich kraftvolle Akkordpassagen im Wechsel mit improvisatorischen Rezitativen, teils spektakulär inszeniert. Zurückhaltende Tempi bei den sonst so faszinierenden Oktavenpassagen zeigten durchaus Grenzen auf, was jedoch im Rahmen dieser Veranstaltung, die auch zur Förderung der Aufführungspraxis junger Künstler dienen soll, nicht als zu negative Kritik missverstanden werden darf.

 Zeitungsbericht: Musikstudenten stellen sich vor

Improvisation mit großem Einfallsreichtum

Helmut Binder, Organist in Bregenz, Vorarlberg, offerierte anlässlich des Orgelzyklus’ in der Wallfahrtskirche auf dem Bogenberg ein sehr außergewöhnliches Konzert. Initiiert wurde dieser Zyklus von Stefan Frank in Zusammenarbeit mit dem Verein für Kultur und Forschung Bogen-Oberalteich. Wie im vergangenen Jahr, waren auch heuer bisher namhafte Organisten zu Gast, die nachhaltigen Eindruck ihrer Kunst bei den Besuchern hinterließen. Aus dem Rahmen des Üblichen fiel das Konzert von Helmut Binder durch die interessante Programmauswahl. Fernab vom „Mainstream“ üblicher Orgelkonzerte spezialisierte sich der Künstler an diesem Spätnachmittag auf dem Bogenberg auf unbekannte Werke von, zum Teil wenigstens außerhalb des engeren Kreises von Orgelenthusiasten, kaum bekannten Komponisten.

Natürlich fehlten auch allgemein bekannte Meister wie Siegfried Karg-Elert nicht, doch lenkte Helmut Binder den Blick der Konzertbesucher besonders auf Pretiosen, die kaum jemand je gehört hatte: Ein überaus reizvolles Werk von Nicolas Jaques Lemmens (1823-1881) mit dem Titel „Der Sturm“, Große Fantasie. Wie aus den Lebensdaten ersichtlich, ist es ein Werk der Romantik; ein Stimmungsbild eines herannahenden Sturmes. Leise, allmählich immer lauter werdend, die Tempi steigernd, baut sich das Unwetter auf, heulend und brausend in tiefen Pedalbässen bricht der Sturm los. Friedvolle Ruhe kehrt ein, ein leises melodiöses Nachklingen. Eine Naturschilderung, oder wie so oft in der Epoche der Romantik eine Allegorie über das Leben?

Zerrissen, kaum auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen, Siegfried Karg-Elerts „Kaleidoskop op. 144“, trotzdem fügt sich alles am Schluss zu einem Ganzen zusammen! Ein ruhiges Stück mit durchschaubaren Strukturen, vielleicht gerade deshalb reizvoll „Det Hellige Kors“ aus den „Dänischen Choralvorspielen“ von Anton Heiller (1923 bis 1979). Josef Rheinbergers Toccata aus der 14. Orgelsonate op. 165 und das lebhafte, freudestrahlende „Gaudeamus Igitur“ von Marco Enrico Bossi führten zum Höhepunkt des Konzerts auf dem Bogenberg: Eine eigene Improvisation über das bekannte Kirchenlied „Freudig erheben wir unser Gebet zu dir“. Dieses Thema hat Schubert in seiner Klaviersonate D. 960 op. posth. verarbeitet. Assoziiert man im Alltagsleben das Wort „Improvisieren“ mit Begriffen wie Unvollkommenheit, ohne Vorbereitung gemacht, so stellt die Improvisation in der Musik eine extrem hohe Stufe künstlerischen Könnens dar. Aus dem Stegreif nimmt der Organist ein eigenes oder auch fremdes Thema auf, umspielt, verändert es, fügt eigene Ideen hinzu, verknüpft sie mit der Grundmelodie, lässt diese immer wieder, teils in entfernteren Tonarten, aufleuchten und führt, sofern er alles im Kopf behalten hat, zu einem alles einschließenden Ende. Helmut Binder erfüllte mit seiner Improvisation all diese Forderungen mit großem Einfallsreichtum, Überraschungseffekten, die ohne jeglichen Bruch ineinander übergingen und führte die Gesamtheit der Ideen, eingebettet in die Grundmelodie, zu einem grandiosen Schluss.

 Zeitungsbericht: Orgelkonzert mit Helmut Binder

Ein facettenreicher Orgelnachmittag

Köthen, wer denkt da nicht an Johann Sebastian Bach, an sein dortiges Wirken - und an seine „Brandenburgischen Konzerte“! Kein Wunder, dass es in dieser Stadt einen Bachwettbewerb gibt. Eine Preisträgerin dieses und weiterer Wettbewerbe, besonders des Orgelwettbewerbes der Bach-Gesellschaft Wiesbaden und des Internationalen Musikwettbewerbes der ARD, war Gast im Rahmen des Internationalen Orgelzyklus in der Wallfahrtskirche auf dem Bogenberg: Anna-Victoria Baltrusch. Als Preisträgerin bei Bach-Wettbwerben eröffnete die erste 23-jährige Organistin das Konzert welches Stefan Frank in Zusammenarbeit mit dem Verein für Kultur und Forschung Bogen-Oberalteich organisiert hat, natürlich mit Bach: Der Fantasie und Fuge g-moll BWV 542.

Die weit ausladende Fantasie steckt voll, nicht nur für die damalige Zeit, kühner Harmonik. Es hat den Anschein, Bach testete hier die Grenzen des musikalisch machbaren, für das Publikum zumutbaren aus. Nicht der schlanke, bis ins kleinste Detail durchhörbare nordmitteldeutsche Orgelklang für welchen Bach komponierte, stellt das Ideal für die Rieger-Orgel auf dem Bogenberg dar, sondern der volle, überaus farbenfrohe Klang süddeutsch-französischen Typus. Wasjedoch keineswegs heißen soll, Bach, Buxtehude und die anderen protestantischen Kirchenmusiker ließen sich nicht adäquat auf dieser Orgel spielen. Mit einer so großartigen Künstlerin wie Anna-Victoria Baltrusch klingen Werke dieser Meister phänomenal! Trotzdem, mit César Franck, dem Meister der Klangfarben ist die Rieger-Orgel voll in ihrem Element.

Die „Trois piéces“ hat César Franck für eine Cavaille-Coll-Orgel geschrieben. Dieser, wohl berühmteste französische Orgelbauer forderte durch seine innovativen Orgeln, die das Klangspektrum eines Großorchesters abschreiten können, Komponisten geradezu heraus, für diese klanglich nie dagewesenen Instrumente zu schreiben. So strotzt geradezu die „Fantaisie A-Dur“ aus diesen „Trois piéces“ vor Klangfarbenreichtum. Anna-Victoria Baltrusch verstand, durch wohlüberlegte Registerwahl ein überaus farbenprächtiges Klanggemälde zu zaubern. Die wuchtige Einleitung wird von flirrenden, zarten Tönen beantwortet; ein Geflecht in welchem große architektonische Ordnung herrscht, sich ins Fortissimo steigernd um dann piano zu versinken.

Fröhlich, leichtfüßig auf- und abschreitend das Allegro non molto aus der Sonate Nr. IV von Franz Xaver Schnitzer, der eine Generation vor Johann Sebastian Bach lebte. An eine Pastorale mit Vogelstimmen erinnernd, das bezaubernde Andante dieser Sonate. Nach dem Präludium e-Moll von Dietrich Buxtehude hörten die Besucher des Konzertes in der Wallfahrtskirche auf dem Bogenberg ganze neue, bislang ungehörte Töne auf einer Orgel: Sechs, stark von orientalischer Musik inspirierte Sätze des zeitgenössischen libanesischen, in Paris lebenden Komponisten Naji Hakim. Den Titel „Arabesques“ tragen diese Stücke nicht zu unrecht! Kaum zu glauben, wie gut diese Musik auf einer abendländischen Orgel darstellbar ist! So bot Anna-Victoria Baltrusch einen überaus facettenreichen Orgelnachmittag und stellte ihr großes Können und ihr Feingefühl für die Klangweiten der Orgel unter Beweis.

Theodor Auer

 Zeitungsbericht: Preisträgerkontzert mit Anna-Victoria Baltrusch

Vornehme Zurückhaltung

Oberalteich: Junge Pianistin spielte
Pressebild Anna Radchenko 
Die Pianistin Anna Radchenko zeigte im Kulturforum ihr Können am Klavier. (Foto: erö)

Die 7. Sonate von Ludwig van Beethoven trägt einen Kern des Missverstehens in sich. Nicht zuletzt aufgrund der Widmung an eine Schülerin, zu der er in Leidenschaft entbrannte, jedoch wegen des Standesunterschiedes, sie war eine Comtesse, für ihn unerreichbar war. Eben diese Widmung wurde und wird nicht allzu selten von Pianisten zum Anlass genommen, diese Sonate als Ganzes als eine Art emotionales Liebesgedicht zu deuten. Zweifellos enthält dieses Werk, vor allem im 4. Satz Elemente schwärmerischen Verliebtseins, aber diese „Grande Sonate“, wie sie Beethoven selbst bezeichnete, beinhaltet weit mehr: Wesentliche Teile sind ein Vorgriff, mehr als nur eine Vorahnung, auf die Romantik, ein Bruch mit der klassischen Welt Joseph Haydns, stattdessen elementare Eruptionen, kraftvolle Akkorde, eingebettet in sanfter Lyrik, ausufernd, trotzdem ein untrennbares Ganzes bildend.

Anna Radchenko, Absolventin des Staatlichen Konservatoriums Moskau, nunmehr Studentin für „Master of Music“ bei Professor Ulrich Schwarz, Leopold-Mozart- Zentrum der Universität Augsburg, erlag nicht der Versuchung, wie zahlreiche andere Pianisten, bei dem 1. Satz dieser Klaviersonate op 10.3 jegliche Contenance zu vergessen, vielmehr ermöglichte ihre vornehme Zurückhaltung besonders die Anschlagstärke der Akkorde betreffend, feinste Facetten herauszuarbeiten. Den 2. Satz, das „Largo con grand espressione“ missdeutete die Künstlerin, trotz ihrer Jugend nicht als verträumtes Liebeslied, sondern erkannte die Intention dieses Satzes, grenzenlose Einsamkeit, Einkehr in das eigene Innerste.

Anna Radchenko eröffnete den Klavierabend im Kulturforum Oberalteich mit zwei Sonaten, K. 87 und K. 377 von Scarlatti. Gerne werden Scarlatti-Stücke zur Eröffnung eines Klavierkonzertes gespielt, nicht nur zum Einspielen, sondern leider auch manchmal damit die Pianisten gleich zu Beginn ihre Fingerfertigkeit mit viel zu raschem Tempo zeigen können. Einen ganz anderen Scarlatti führte die junge Dame aus Moskau den Besuchern der Veranstaltung des Vereins für Kultur und Forschung Bogen- Oberalteich vor Augen, den Scarlatti der cantilenen Melodien, sinnlich und klangschön. Das Hauptaugenmerk scheint Anna Radchenko nicht primär auf Virtuosität, mehr auf gefühlvollen Ausdruck zu legen. Eine Schiene, auf der sie voll im Trend der Zeit liegt.

Unbestreitbar hält Frédéric Chopins Sonate h-Moll, op 59 keinen Vergleich zu Beethovens op. 10.3 stand, doch enthält Chopins Sonate eine Fülle schöner Einfälle und fordert einiges an technischem Können und die Fähigkeit, weite Melodienbögen in ihrem Zusammenhang zu erfassen. Anna Radchenko spielte diese Chopin-Sonate mit Esprit und sehr schönem Anschlag. Noch besser gefiel allerdings ihre Interpretation des bekannten „Fantasie-Impromtu cis-Moll op. 59“.

Franz Liszt bearbeitete eine Anzahl von Kompositionen anderer Komponisten für Klavier. „Highlights“ aus bekannten Werken für Orchester oder auch aus Opern wurden hierdurch in die kleineren Salons, gar in die eigenen vier Wände gebracht. Anna Radchenko spielte Franz Liszts Rossini Bearbeitungen „La ragatta veneziana“ und „Pastorella dell´alphi“. Bezaubernd schön die Franz Liszts Klaviertranskription, die Konzertparaphrase aus „Rigoletto“.

Mit drei Zugaben, darunter auch Debussy verabschiedete sich eine junge Künstlerin von der, wenn sie die für sie richtigen Wege der Musik einschlägt, sicher noch viel zu hören sein wird.

Theodor Auer

 Zeitungsbericht: Klavierkonzert mit Anna Radchenko

Wertvolle steinerne Kulturgüter

Oberalteich: Interessante Führung durch die Klosteranlage

Pressebild zum Vortrag von Dr. Lehrberger 
Dr. Gerhard Lehrberger von der TU München informierte über die Bau- und Denkmalgesteine der Klosteranlage Oberalteich. (Foto: hn)


(hn) Am Mittwoch führte der Förderverein für Kultur und Forschung Bogen-Oberalteich zusammen mit dem Flurl-Kreis Straubing eine erfolgreiche Veranstaltung durch. Über 70 Teilnehmer verfolgten die Erklärungen des Referenten Dr. Gerhard Lehrberger von der TU München zu den Bau- und Denkmalgesteinen der Klosteranlage Oberalteich.

Nach einer theoretischen Einführung über die Entstehung der Gesteine, ihr Vorkommen in Bayern und ihr Alter begann der Rundgang durch die Klosteranlage im Dauerausstellungsraum des Kulturforums. Die dort aufgestellten gotischen Grabplatten erinnern an mehrere verstorbene Äbte des 15. Jahrhunderts. Die mächtigen Kalksteine stammen aus Adnet bei Hallein/ Salzburg. Sie werden deshalb auch Adneter Marmor genannt und kamen auf dem Wasserweg über die Salzach, den Inn und die Donau nach Oberalteich, wo sie in der Bildhauerwerkstatt des Klosters fertiggestellt wurden. Dr. Lehrberger erklärte die typischen Merkmale dieses Gesteins, das seit Jahrhunderten bis heute sehr beliebt ist.

Am Fischertor machte der Referent auf den Bayerwaldgranit des Torbogens aufmerksam und auf das Reliefwappen von 1543 aus Sandstein. Auch für die ältesten vorhandenen Bauelemente der Kirche – Grundmauer an der Südwestecke und spätgotisches Portal am Westchor – wurde Mettener Granit beziehungsweise Kalkstein verwendet. In der Seelenkapelle begegnete an den Grabdenkmälern des 16. Jahrhunderts Adneter Marmor.

Für die von Abt Höser aufwändig gestaltete Vorhalle, ihre künstlerisch hochwertigen Schmuckformen, wurde Granit und Regensburger/Kelheimer Sandstein verwendet. Dr. Lehrberger bezeichnete den guten Zustand des Sandsteins als sehr selten. Im Inneren der Vorhalle erregten der romanische Taufstein aus Granit, die zahlreichen Grabtafeln aus Solnhofener Plattenkalk und die Kriegergedächtnistafel mit lithographischen Elementen große Aufmerksamkeit. In der Kirche wurden fünf Denkmäler besprochen. Bei den drei gleich gestalteten Weihwasserbecken (um 1740) im Westteil des Kircheninneren hob Lehrberger die bewusst gewählte Zusammensetzung von rötlichen und grauen Gesteinen hervor. Am Gründergrabmal fand sich die Kombination einer Adneter Marmor-Grabplatte von 1418 mit einem hölzernen Unterbau, der den Marmorstein nachahmt. Das Wandepitaphium des Abtes Veit Höser, wurde mit roten Kalksteinen, mit weißem Stuck und sogar mit Schiefer angefertigt: Ein wertvolles Denkmal aus der Renaissance. Großes Staunen gab es bei der Erläuterung der Kanzel, dessen granitene Aufgangstreppe auf das Jahr 1630 zurückgeht. Der spätere barocke Korpus besteht dagegen aus Sandstein, die Dekorelemente, die vier Evangelisten und Gottvater, aus ursprünglich bunt gefasstem Ton. Dr. Lehrberger beendete seine Führung an der so genannten „hangenden Stiege“. Die breite Treppe wurde aus breiten Granitstufen frei tragend konstruiert, ein kostspieliges Meisterwerk der Handwerkskunst aus dem Jahre 1630.

Im Namen der Vorstandschaft des Fördervereines und der Teilnehmer bedankte sich Kreisheimatpfleger Hans Neueder bei Dr. Gerhard Lehrberger mit zwei Präsenten und wies darauf hin, dass er am 29. September eine ähnliche Veranstaltung auf den Bogenberg führen wird.


 Zeitungsbericht: Wertvolle steinerne Kulturgüter

Cello-Leidenschaft

Pressebild Cello Passionata-21042012 
Celli ohne Unterstützung anderer Instrumente waren in Oberalteich zu hören. (Foto: erö)

Bilden Celli das Fundament eines Orchesters, unentbehrlich, um den Klangraum eines sinfonischen Werkes in all seinen Darbietungen auszuschöpfen, so tritt das Cello wie seine Vorgänger, wenn auch nicht allzu häufig, seit Jahrhunderten auch als Soloinstrument auf. Überragendes Beispiel hierfür sind die sechs Cellosonaten von Johann Sebastian Bach, mit denen er die spieltechnischen Grenzen dieses Instrumentes auslotete, dies, das ist bei Bach selbstverständlich, unter der Prämisse der melodischen Klangschönheit. Zum Cello, eingebunden im Orchesterapparat oder als Soloinstrument, gesellte sich seit einigen Jahrzehnten das Cello-Ensemble, Vereinigungen von Künstlern, welche Konzerte ausschließlich mit Celli bestreiten, ohne Unterstützung anderer Instrumente wie Violinen oder Violas. Seit Langem bekannt sind die „12 Cellisten der Berliner Philharmoniker“, die bei ihrer Gründung für mächtig Ärger sorgten, taten sie dies doch ohne Genehmigung ihres „Chefs“, Herbert von Karajan.

Ganz und gar nicht ohne Erlaubnis ihres Chefs, Professor Julius Berger, ja sogar auf dessen Initiative hin, taten sich Studenten des Leopold- Mozart-Zentrums der Universität Augsburg zusammen zum mittlerweile international renommierten „Ensemble Cello Passionato“. Es war nicht nur der anheimelnde, wie auf Wolken schwebende Klang der Celli, es war, und dies vor allem, das künstlerisch und technisch extrem hohe Potenzial dieser vier Cellisten, Jakob Roters, Alessandro Sica, Italien, Daniel Claret, Spanien, Edward King, Neuseeland. Durch Übernahme unterschiedlicher Aufgaben innerhalb des Ensembles konnten die vier Künstler eine enorm breite Klangpalette im Saal des Kulturforums Oberalteich erzeugen. Manifestiert wurde dies durch die große Spannweite des Programms, von Barock, Romantik, Spätromantik bis zur Gegenwart.

Es existieren relativ wenige Originalkompositionen für Cello-Ensembles, so waren fast alle gespielten Werke natürlich Bearbeitungen, was jedoch keinesfalls als Manko zu verstehen ist. Im Gegenteil eröffneten sich für den Hörer durchaus neue Einblicke in die Strukturen der Kompositionen und deren innerer Schönheit. Die Sarabande aus der 6. Cellosuite von Johann Sebastian Bach sei hier in der Version für vier Celli statt eines Soloinstrumentes als Beispiel genannt. Ein romantisch- cantilenes Stück – das „Morceaux de Salon“ von G. Goltermann. Nach langsamen Eingangstakten sich zu rasantem Tempo steigernd – das Konzert C-Dur für vier Violoncelli von Georg Philipp Telemann, ursprünglich komponiert für vier Violinen und Basso continuo. Eine Gedankenassoziation: Die zeitgenössische Komposition „Terra Aria“ von G. Solima erinnerte – maßgeblich durch das fantastische Spiel der „Cello Passionato“ – an bewegtes, aus der Erde sprudelndes Wasser.

Wie schön klingt doch das „Notturno, Andante tranquillo“ aus dem „Sommernachtstraum“ von Mendelssohn- Bartholdy, besonders wenn es vom weichen Klang der Celli gespielt wird. In den musikalischen Kosmos von Richard Wagner führten die „Cello passionato“ die Besucher in Kulturforum Oberalteich mit Motiven aus „Parsifal“. Welche Ausdruckskraft vermochten die vier Künstler dieser, eigentlich ja für Großorchester geschriebenen Musik mit ihren Celli zu entlocken! Der „Ungarische Tanz Nr. 5“ von Johannes Brahms, das Concerto Grosso, op. 3 Nr. 11 von Antonio Vivaldi, ein Ausflug in das Amerika Anfang des 20. Jahrhunderts mit „Fragmenten“ von George Gershwin und ein Werk von Astor Piazolla zeigten, welch große Ausdrucksbreite ein ausschließlich aus Celli bestehendes Ensemble erreichen kann, wenn es aus absoluten Könnern ihres Faches, wie den „Cello passionato“ besteht.

Theodor Auer

 Zeitungsbericht: Konzert mit Cello Passionato

Konzert zum Frühlingserwachen

Bogen: Viel Applaus für VGH-Schulorchester – Kunst auf der Galerie

Pressebild 1 zum Fruehlingskonzert des VHG Bild 1: Viel Spaß gab es beim Orchesterkanon beim Konzert des Schulorchesters des Veit-Höser-Gymnasiums. (Fotos: erö)

(erö) „Etwas Musik hat jeder im Blut“ – unter diesem Motto stand das Frühlingskonzert des großen Schulorchesters des Veit-Höser-Gymnasiums (VHG) unter der Leitung von Doris Köppel im Kulturforum Oberalteich.

Der märchenhafte erste Teil war Engelbert Humperdincks Oper „Hänsel und Gretel“ gewidmet und wurde als kleines Theaterspiel mit Magdalena Daller und Herbert Graf als Sprecher inszeniert. Bunte Bilder aus der Fachschaft Kunst, eigens für das Märchen gezeichnet und auf die große Leinwand hinter dem Orchester projiziert, untermalten die Musik. Ins Kulturforum eingeladen hatte der Förderverein für Kultur und Forschung Oberalteich, dessen Vertreterin Tatjana Daller die jungen Musiker und zahlreichen Gäste begrüßte und auf die Verwendung der Spenden hinwies: Sie seien für Notenmaterial und Musikinstrumente bestimmt. Sebastian Pleischl, im Orchester aktiv als begabter Trompeter, versprach einen unterhaltsamen Abend, erläuterte die Programmpunkte und ermunterte das gespannte Publikum: „Sie dürfen heute mitmachen.“ So wurde der Abend wieder zu einer echten Frühlingsfreude für Zuhörer und Musiker. (siehe auch nebenstehende Musikkritik von Theo Auer). Im Obergeschoss des Kulturforums hatten die Kunsterzieher Eva Tyroller-Köstlbacher und Edgar Stein eine Auswahl herausragender Schülerarbeiten aus verschiedenen Jahrgangsstufen ausgestellt.

Pressebild 2 zum Frühlingskonzert des VHG Bild 2: Auch mit Körpereinsatz und bunten Röhren wurde Musik gemacht.

Ein märchenhaftes Konzert nannte es auch Oberstudiendirektor Helmut Dietl und würdigte die jungen Musiker und ihre Dirigentin. „Ihr habt mehr als nur etwas Musik im Blut“. Mit dem Frühling erwachten auch die Kreativabteilungen Kunst, Musik, Orchester und Tanz zu neuem Leben und präsentierten sich der Öffentlichkeit, so Dietl. Diese Kreativabteilungen seien an einem naturwissenschaftlichen und sprachlichen Gymnasium sehr wichtig: Davon profitierten auch die anderen Fachbereiche. Besonders beeindruckend sei die Verbindung von Musik und bildender Kunst, die nicht zuletzt den Auftrag habe, Botschaften wie beispielsweise die Warnung vor zu viel Alkohol zu vermitteln, sagte Dietl. Mit Bedauern gab er bekannt, dass acht Abiturienten das Schulorchester verlassen werden: Veronika Binder, Sabine Daffner, Magdalena Daller, Herbert Graf, Sascha Hanko, Sebastian Pleischl, Gregor Simmich und Thomas Swoboda.

Pressebild 3 zum Frühlingskonzert des VHG Bild 3: Lustig: Die Stadt der Zukunft von Thomas Genau (Klasse 7c). Parallel zum Konzert gab es auch eine Kunstausstellung.

Hatten sich die Konzertbesucher schon während der Märchenoper über die phantasievollen und kreativen Bilder zu „Hänsel und Gretel“ gefreut, so war die Überraschung über die „Kunst auf der Galerie“ ebenso groß. Da war einmal die Plakataktion „Gegen das Komasaufen“ mit sehenswerten, sehr beeindruckenden Schülerarbeiten. Die Schüler hatten sich auch mit Themen der Zukunft auseinandergesetzt. Da ging es um das Zusammenleben von mehreren Generationen in einem Haus, um den Wunschberuf, um die Stadt der Zukunft, um künftige Energien. Aber auch um Traditionelles wie Architektur im Bauhausstil. Hier hatten Schülerinnen und Schüler aus der 12. Klasse interessante Modelle gebaut. Im P-Seminar Kunst mit Eva Tyroller-Köstlbacher entstanden wunderschöne Stabpuppen: Ein zartes Schneewittchen neben einer dürren Hexe, ein Rotkäppchen mit Wolf oder federleichte Gespenster mit Maske.

Zum guten Schluss gab es für jeden jungen Musiker eine Blume, für Dirigentin Doris Köppel einen großen Blumenstrauß und für alle Mitwirkenden ganz viel Beifall.


Einfach toll!
Bogen: VHG-Frühlingskonzert

„Mittwoch nachmittags sind unsere schönsten Unterrichtsstunden, da ist die Probe unseres Schulorchesters mit Frau Köppel!“ Dies sagte eine Schülerin des Veit-Höser-Gymnasiums unter dem Beifall der Orchestermitglieder. Ein größeres Kompliment kann einer Lehrkraft kaum gemacht werden! „Schönste Unterrichtsstunden“ sind jedoch nicht gleichbedeutend mit Lernerfolg. Wer, wie der Rezensent, dieses Schulorchester seit vielen Jahren, natürlich in wechselnden Besetzungen, kennt, weiß, dass beim alljährlichen Frühlingskonzert im Kulturforum Oberalteich anspruchsvolles Programm auf immer wieder von Neuem überraschend hoher Musizierkunst geboten wird.

Als Hauptthema stand dieses Jahr Engelbert Humperdincks Oper „Hänsel und Gretel“ auf dem Programm. Natürlich nicht als Oper, sondern in einer Bearbeitung für Orchester von G. Buchner. Es passte nicht zum Stil des Veit-Höser-Gymnasiums, würden die für Orchester arrangierten Arien und Duette dieser Oper lediglich der Reihe nach „runtergespielt“. Die Schüler, darunter auch alle Abiturienten, vermochten diese Oper auch ohne Sänger, ohne Opernkulisse so zu inszenieren, dass sich bei den Besuchern das Gefühl einstellte, in einer wirklichen Oper zu sein. Reizend und kunstvoll gemalte Bilder wurden auf die Leinwand projiziert, eine Schülerin und ein Schüler erzählten zwischen den einzelnen Sätzen in Kurzform die allbekannte Geschichte von „Hänsel und Gretel“. Vielversprechend war bereits der Beginn des Abends im Kulturforum Oberalteich: In Gruppen aufgeteilt, den gesamten Saal, quasi als Klangwolke füllend, spielten die jungen Musiker das „Andante festivo“ von Sibelius. Die Interpretation der Ouvertüre zu „Der Barbier von Sevilla“ von Rossini durch das Schulorchester des Veit-Höser-Gymnasiums überzeugte durch sehr gutes Zusammenspiel der Instrumente und sinnvolle, aufeinander abgestimmte Aufteilung der Instrumentengruppen.

Mitmachen war angesagt! „Etwas Musik hat jeder im Blut“: Durch das Klatschen und Patschen auf die Oberschenkel kam Leben in das Publikum, erinnerte ein wenig an Carl Orffs „Schulwerk“. Was dort das Xylofon war, ersetzten bei diesem Konzert die Boomwhackers, Kunststoffröhren unterschiedlicher Länge und damit natürlich auch unterschiedlicher Tonhöhe, welche durch das Schlagen Rhythmus ins Blut zaubern. Sehr lebendig und auch präzise dargeboten „Canticum“, „Lord of Dance“, Alley Cat. Ein Schüler hatte sogar einen eigenen Text für den Orchesterkanon geschrieben!

Viele Schüler waren bei diesem Konzert mit Sonderaufgaben betraut, (dirigieren, Texte vortragen usw.); unmöglich alle namentlich zu erwähnen, doch eines muss gesagt werden: Ausnahmslos alle brachten große Leistung und waren einfach „toll“! 100 Jahre seit der „Titanic“, ein neuer 3-D-Film zu diesem Thema steht auch in den Startlöchern, Grund genug, das Publikum mit Filmmusik aus „Titanic“ zu entlassen. Natürlich nicht ohne, durch großen Beifall geforderte Zugabe: „Liberty bells“, die Freiheitsglocken! Ein Konzertabend, an dem alle Akteure und das Publikum den Begriff „Freude an und mit Musik“ aufs Neue erleben durften.

Theodor Auer

 Zeitungsbericht: Frühlingskonzert des Schulorchesters des VHG

Ein gelungener Abend


Pressebild zum Liederabend von Barbara Hesse-Bachmaier und Stanislav Rosenberg Der Liederabend im Kulturforum Oberalteich mit Barbara Hesse-Bachmaier und Stanislav Rosenberg begeisterte die Zuhörer. (Foto: erö)

Drei primäre Wünsche darf der Besucher eines Liederabends haben: Die Sängerin, der Sänger soll eine gute, geschulte Stimme besitzen! sie/er soll mit klarer Artikulation die Texte sinnvoll ausdeuten und der Pianist soll mit der Sängerin, dem Sänger künstlerisch in Einklang stehen! Diese Wünsche haben Barbara Hesse-Bachmaier und Stanislav Rosenberg mehr als voll erfüllt.

Der überaus feinfühlig modulationsfähige Mezzosopran von Barbara Hesse-Bachmaier glänzte durch reine, schöne Klangfarben in allen Dynamikschattierungen von piano bis forte. Besonders gefiel der wohldurchdachte Umgang der Künstlerin mit expressiven Fortepassagen. Gerade hierdurch konnten weitreichende Spannungsbögen erzeugt werden; die den Textinhalt der Lieder miterlebbar machten. Über die Artikulation der Sängerin gibt es nur eine Aussage: Präzise und klar verständlich, selbst bei Texten, die keinesfalls geläufig sind, beispielsweise auch in bayerischer Sprache. All dies ist bei einem Liedabend zwar nicht selbstverständlich, doch darf es das verwöhnte Publikum im Kulturforum Oberalteich erwarten.

Was jedoch diesen Abend so außergewöhnlich machte, war das Programm: „Von Mäusen, Margeriten und einem Schneewind“ hieß das Thema des Abends. Da waren aus „Schelmenlieder“ op. 71 von Joseph Haas (1879 bis 1960) „Ich bin schon siebenhundert Jahr“, „Im Februar“ und „Die gute alte Rumpelkuh“ zu hören oder von Carl Mansker (geb. 1943) nach uralten Texten „Der kreißende Berg“, der letztendlich nur ein Mäuslein gebar, „Die Maus in der Fleischbrühe“ und „Der Fuchs und die Maus“. Tiergeschichten nach Gedichten von Wilhelm Busch, „Ein weißes Kätzchen“, „Es flog einmal ein muntres Fliegel“, „Es sitzt ein Vogel auf dem Leim“. Lassen sich solche, lustig erscheinenden Texte, auch wenn man ihren oftmals doppelten Sinn miteinbezieht, überhaupt ernsthaft singen, wird sich mancher fragen? Ohne Einschränkung: ja! Natürlich gehört zu einem Liederabend ein dem künstlerischen Potenzial der Sängerin ebenbürtiger Pianist. Stanislav Rosenberg aus Odessa zeigte sich als höchst einfühlsamer Liedbegleiter, der mit den künstlerischen Intentionen von Barbara Hesse-Bachmeier in vollem Einklang stand. Seine pianistische Extraklasse stellte Stanislav Rosenberg in seinen Solovorträgen der „Elegie“ aus „Morceaux de Fantaisie“ op. 3 von Sergeij Rachmaninoff, ein bezauberndes lyrisch-romantisches Stück, der Bearbeitung des Walzers „An der schönen blauen Donau“ durch Adolf Schulz-Evler, der kunstvollen Bearbeitung für Klavier des bekannten „Säbeltanzes“ von Aaram Katchturian und einer interessanten, weit über das Original hinausgehenden Bearbeitung der „Barcarole“ von Offenbach in besonderem Maße heraus. Ein, im positivsten Sinne des Wortes, außergewöhnlicher Lieder- und Klavierabend im gut besuchten Kulturforum Oberalteich!

Theodor Auer

 Zeitungsbericht: Liederabend mit Barbara Hesse-Bachmaier und Stanislav Rosenberg

Neue Klangkombinationen

Oberalteich: „Fletz-Musik“ im Kulturforum
Pressebild Fletz-Musik 
„Fletz-Musik“ ertönte im Kulturforum. (Foto: erö)

Harfe, da denkt man an symphonische Konzerte oder Kammermusik; Hackbrett gehört zur Volksmusik und Kontrabass zu Jazz. Doch so einfach ist die Zuordnung nicht! Diese drei Instrumente gemeinsam erzeugen neue, interessante Klangkombinationen, die in ihrer Vielseitigkeit interpretatorischer Fantasie ungeahnten Raum geben. Ulrike Richter, Harfe; Markus Märkl, Konzerthackbrett; Ulli Schmutzer, Kontrabass, boten den Besuchern im Kulturforum Oberalteich einen Abend mit Musik an, welche man, angesichts dieser Instrumente, kaum denken würde: Filmmusik! Lässt sich diese, meist für Großorchester geschriebene Musik überhaupt in Dreierbesetzung adäquat wiedergeben, noch dazu mit diesen, für dieses Genre außergewöhnlichen Instrumenten? Antwort: Wenn jemand diese Instrumente so hervorragend beherrscht, ihnen Ausdruck und Gefühl verleiht wie Ulrike Richter, Markus Märkl und Ulli Schmutzer auf jeden Fall und ohne Einschränkung! Ja, man darf sogar so weit gehen, zu behaupten, dass bei einigen Filmen wie beispielsweise „Alexis Sorbas“ mit Antony Quinn oder „Der Exorzist“ die Interpretation durch die Gruppe „Fletz“ mitreißender und, besonders bei „Der Exorzist“ tiefer „unter die Haut“ gehender ist, als die Originalmusik bei der ja die Musik durch das Leinwandgeschehen überlagert wird.

Die „Fletz“ spielten jedoch nicht die Filmmusiken zu bekannten Filmen wie „La Strada“, „Manhattan Murder Mystery“, „Forest Gump“, „Summertime“, „Le Chocolat“ u. a. als reinen Konzertabend. Auf der Leinwand waren Sequenzen dieser Filme, kunstvoll geschnitten, hautnah mitzuerleben. Die drei Musiker gestalteten ihre Interpretationen, erfreulich frei gingen sie in ihrem Spiel durch Tempi, Pharsierung, Rhythmus und Dynamik auf die gezeigten kurzen Filmausschnitte nahezu perfekt ein und schufen so eine Einheit aus Bildern und Musik. Besucher, die einen Teil dieser Filme nicht kannten, führte Markus Märkl in kurzen Sätzen in das betreffende Filmgeschehen ein, so dass auch diese Besucher ein ganzheitliches Film-Musikerlebnis hatten. „Take five“, diese jedem bekannte Jazznummer von Dave Brubeck, geschrieben für Altsaxofon, und das Jazzquintett auf Harfe, Hackbrett und Kontrabass zu dem Film mit Woody Allen „Manhattan Murder Mystery“, geht das überhaupt? Mit dem musikalischen Können der „Fletz“ absolut „Ja“.

Theodor Auer

 Zeitungsbericht: Neue Klangkombinationen - Fletz-Musik

Ein Eckpfeiler in der kulturellen Landschaft

Förderverein Kultur und Forschung mit Kulturpreis der Sparkassenstiftung ausgezeichnet

Verleihung Kulturpreis 2011
Sie freuten sich mit Kulturvereinsvorsitzendem Dr. Dionys Daller (4. von links) über die Auszeichnung: OB Markus Pannermayr (Straubing), Vorstandsmitglied Dr. Martin Kreuzer, Bürgermeister Franz Schedlbauer (Bogen), Landrat Alfred Reisinger und Walter Strohmaier, Vorstandsvorsitzender Sparkasse Niederbayern-Mitte. (Fotos: erö)


Bogen/Oberalteich.(erö) Einen Botschafter der Kultur für die Stadt Bogen und den gesamten Landkreis Straubing-Bogen nannte Landrat Alfred Reisinger den Förderverein für Kultur und Forschung Bogen/Oberalteich, der jetzt mit dem Kulturpreis 2011 der Sparkassenstiftung der Sparkasse Niederbayern-Mitte ausgezeichnet wurde. „Der Förderverein hat einen entscheidenden Anteil an dem großen, kulturellen Angebot in unserer Region, wohnort- und bürgernah“, sagte Reisinger.

Der Kulturpreis wird seit 1996 ausgelobt und ist mit 5 000 Euro dotiert. Die Preisverleihung fand im Kulturforum Oberalteich im Rahmen der Mitgliederversammlung statt und wurde von den Bogener AH-Sängern mit der mundartlichen „Gratulations-Are“ umrahmt. Doch zunächst gedachte man mit einer Schweigeminute des kürzlich verstorbenen Dr. Rudolf Gehles, Vorsitzender des Fördervereins von 1998 bis 2009. „Er war ein außergewöhnlicher Mensch, der mit großer Kraft und Ausdauer zum Erfolg des Fördervereins beigetragen hat“, betonte Vorsitzender Dr. Dionys Daller.

Stilvoll begann die Mitgliederversammlung mit kurzen Musikstücken, gespielt von Christina und Magdalena Daller (Violine und Cello) und Fabian Ruperti am Klavier. Auch die Kultur fehlte nicht: Mit einem Kurzvortrag führte Kreisheimatpfleger Hans Neueder in die wundersame Welt des Regensburger Miniaturmalers Berthold Furthmeyr (1450 bis 1505) ein, der auch Handschriften aus einem Oberalteicher Missale mit seinen kunstvollen Buchmalereien verzierte. Ein Kunstband über den Buchmaler werde im Herbst erscheinen und vorgestellt, so Neueder.

 

Die Bogener AH-Saenger gratulierten mit der „Niederbaierischn Are“.  In seiner sehr lebendigen Laudatio ging Herbert Schedlbauer, Mitglied im Förderverein, auf die Anfänge des Fördervereins ein. Er zitierte zunächst einen Text von Max Lachner aus dem Jahr 1949, der noch von bröckelnden Torbögen und verfallenen Klosterhöfen des ehemaligen Klosters erzählt und den Wunsch äußert, dies alles nicht dem Verfall preiszugeben. Durch die zielstrebigen Aktivitäten des damaligen Stadtrates Siegfried Späth sei es gelungen, Anfang der 90er-Jahre einen Förderverein zu gründen, nicht nur für die Erhaltung der Klosteranlagen, sondern auch für eine angemessene Nutzung der Gebäude, berichtete Schedlbauer. Mit der Wahl der ersten Vorstandschaft im November 1995 hätten sich Leistungsträger gefunden wie Siegfried Späth als Impuls- und Ideengeber, Angela Günzkofer (heute Schriftführerin), den Schriftführern Alexander Muthmann und Lorle Holzner. Nicht zu vergessen Karl Bauer als Schatzmeister (heute Martin Kreuzer) und Hans Wührl, der als Abteilungsleiter des Baureferats der Regierung von Niederbayern bei der Beschaffung von Zuschüssen ein wertvoller Ratgeber war.

 

Unvergessen die Verdienste von Pfarrer Hans Trimpl, der einen notwendigen Gebäudetausch ermöglichte und die Restaurierung des Obermeyersaals mit kirchlichen Mitteln betreute. Die Einweihung fand im April 1998 im ehemaligen Getreidespeicher unter dem damaligen Bürgermeister Elmar Eckl statt mit der Maßgabe, die reiche Geschichte Bogens und Oberalteichs wieder in das allgemeine Bewusstsein zu rücken. Zu erwähnen seien auch der frühere Kreisarchäologe Karl Böhm und sein Nachfolger Dr. Ludwig Husty und nicht zuletzt Kreisheimatpfleger Hans Neueder.

Dr. Gehles: Gewinnende Mitmenschlichkeit

Besonders würdigte Schedlbauer die Verdienste Dr. Rudolf Gehles, der die Anfangsaktivitäten zu einem vielfältigen Kulturprogramm im alten Getreidespeicher aber auch in der barocken Kirche nebenan ausgeweitet habe. „Damit hat der Förderverein neben anspruchsvollen Inhalten auch ein formgebendes Profil erhalten, das unter anderem durch Gehles treffende Rhetorik und seine gewinnende Mitmenschlichkeit immer deutlicher Gestalt annahm“, betonte Schedlbauer. So komme Gehles ein wichtiger Anteil an der Preisverleihung zu. Heute gewährleisteten Dr. Dionys und Tatjana Daller mit der übrigen Vorstandschaft die Fortentwicklung des Vereins.

Auch als Eckpfeiler in der kulturellen Landschaft sei der Förderverein zu sehen und stehe mit seinen 365 Mitgliedern auf einem stabilen Fundament, meinte Landrat Reisinger. Das vielfältige Programm auf hohem Niveau trage klar die Handschrift des Vereins. Dank des großen Geschichts- und Heimatbewusstseins stelle der Verein die historische Vergangenheit und Bedeutung der Region in den Mittelpunkt und wecke das Interesse an ihrer reichen Geschichte und Tradition. Mit dem Kulturpreis 2011 solle aber auch der ehrenamtliche Einsatz vieler Kulturbegeisterter und ganz besonders von Dr. Rudolf Gehles gewürdigt werden, so Reisinger.

„Wissen, was wir an dem Kulturverein haben“

Auch Bogens Bürgermeister Franz Schedlbauer gratulierte: „Wir wissen, was wir an dem Kulturverein haben. Mit ihm, der Stadt und den Sponsoren werden wir weiterhin Kultur möglich machen.“ Die Sparkasse fühle sich der Region und besonders dem Kulturförderverein sehr verbunden als verlässlicher Partner in Bezug auf die Förderung von Kultur, betonte Walter Strohmaier, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Niederbayern-Mitte.

Dieser Preis sei auch als Ausdruck der Wertschätzung des Fördervereins zu sehen, meinte Vorsitzender Dionys Daller.

 Zeitungsbericht: Ein Eckpfeiler in der kulturellen Landschaft

Eine spannende Zeitreise

Bogenberg: Archäologie-Ausstellung im Kreismuseum

Pressebild: Führung archaeologische Sammlung 
Auf eine spannende Zeitreise nahm Kreisarchäologe Dr. Ludwig Husty die Besucher im Kreismuseum mit. (Foto: erö)

(erö) „Entdeckt – Neues aus der Archäologie im Landkreis Straubing-Bogen 2006 bis 2011“ heißt eine Sonderausstellung im Kreismuseum auf dem Bogenberg, die noch bis Ende Mai zu sehen ist. Kürzlich hatte der Förderverein für Kultur und Forschung Bogen-Oberalteich zu einer Sonderführung mit dem Kreisarchäologen Dr. Ludwig Husty eingeladen und trotz des widrigen Wetters kamen zahlreiche interessierte Besucher. Im Landkreis Straubing-Bogen seien über 2 300 archäologische Fundpunkte bekannt, wovon einige von überregionaler Bedeutung seien und auch nicht selten qualitätvolle Beigaben erbracht haben, erklärte Husty. „Menschen müssen hier schon vor Jahrtausenden gern und gut gelebt haben“. Husty, seit 2006 Kreisarchäologe im Landkreis Straubing-Bogen, machte für die Besucher eine jahrtausendealte, vielfältige Siedlungsgeschichte im Landkreis lebendig. Neben den Erkenntnissen aus Ausgrabungen, die meist durch Bautätigkeiten hervorgerufen werden, erläuterte Husty auch Methoden wie die Luftbildarchäologie oder die Magnometermessung zum Auffinden und Aufspüren von Bodendenkmälern. Der spektakuläre Fund eines Grabes aus der späten Bronzezeit, etwa 1 200 vor Christus, das im Labertal entdeckt wurde, wurde ebenso spannend und verständlich erläutert wie die ersten Ergebnisse aus dem Münchshöfener Grabenwerk bei Riedling aus der Zeit um 4 300/4 200 vor Christus. Auf kurzweilige Art unternahm Dr. Ludwig Husty mit den aufmerksam zuhörenden und staunenden Besuchern eine spannende Zeitreise in die Tausende Jahre alte Geschichte des Landkreises Straubing-Bogen. Die Sonderausstellung ist noch bis Ende Mai zu sehen, Öffnungszeiten jeden Sonntag von 13 bis 16 Uhr.


 Zeitungsbericht: Führung durch die archaeologische Sonderausstellung

Neujahrskonzert


Zeitungsbild Neujahrskonzert des Niederbayerischen Kammerorchesters 
NEUJAHRSKONZERT. In Oberalteich fand wieder das traditionelle Neujahrskonzert statt. – Bild: Die Sopranistin Magdalena Hinterdobler gestaltete das Neujahrskonzert unter der Leitung von Olivier Tardy mit. (Foto: erö)

Präzisest eingehaltene Tempi, bis ins kleinste Detail durchdachte Phrasierung, feinste, dafür umso aussagekräftigere Dynamikabstufungen und eine Anschlagtechnik, von der nicht mehr von „Technik“, vielmehr von Anschlagkultur zu sprechen ist, dies alles hat einen Namen: Martin Rasch! Möchte jemand ein Werk hören wie es im Notentext steht und darüber hinaus das Nichtnotierbare, den Geist der Komposition, erleben, kommt er um diesen Pianisten nicht herum. Martin Rasch spielt alle Werke aus seinem umfangreichen Repertoire, das von Bach bis in die Moderne reicht, mit einer inneren Selbstverständlichkeit und Logik, welche spektakuläre „Showeffekte“, undifferenzierten Tastendonner nicht nötig hat. Er ist Denker und Diener des Werkes und biegt es nicht nach eigenem Gusto zurecht. So auch im 2. Klavierkonzert op. 21 von Frederic Chopin, welches im Neujahrskonzert des Fördervereins für Kultur und Forschung Bogen-Oberalteich im vollbesetzten Saal erklang.

Chopins Klavierkonzerte sind nicht vergleichbar mit denen Mozarts oder Beethovens, die im Grunde in ihren Klavierkonzerten symphonische Werke mit obligatem Klavier schufen. Chopin ging einen anderen Weg, bei seinen beiden Klavierkonzerten liegt die Betonung auf „Klavier“, die orchestrale Begleitung tritt demgegenüber zurück. So sind die Anforderungen an den Pianisten entsprechend hoch. Lyrischer Zauber geht von Chopins f-Moll-Konzert aus, verbunden mit vollendetem Formgefühl. Brillanz in den beiden Ecksätzen, tief schürfende Poesie im Mittelsatz, dem Larghetto. Martin Rasch führte diese Gegensätze meisterhaft, einander bedingend zusammen, keine Passage, kein Takt wurde aus dem Zusammenhang gerissen. Das Niederbayerische Kammerorchester unter der Leitung von Olivier Tardy folgte den Intentionen des Pianisten mit großem Feingefühl.

Mit der Konzertarie mit konzertierendem Klavier KV 505 konnten das Niederbayerische Kammerorchester und Martin Rasch einmal mehr ihr künstlerisches Potenzial unter Beweis stellen. Diese Konzertarie ist die einzige dieser Gattung, für die Mozart einen ausführlichen Klavierpart schuf. Eine Konzertarie bedarf natürlich einer Sängerin: Mit Magdalena Hinterdobler fand das Kulturforum Oberalteich eine Sopranistin, die diese anspruchsvolle Arie mit Leben erfüllte. Ihre Kompetenz im Fach Mozart bewies Magdalena Hinterdobler in den Arien der Fiordiligi „Temerari... Come scoglio“ aus „Cosi fan tutte“, wohl Mozarts gesanglich schönster Oper. Die Stimme Magdalena Hinterdoblers, klar und sehr klangschön mit großer Ausdruckskraft. Dies zeigte sich auch in einem amerikanischen Lied aus der „Vor-Jazzzeit“ von Victor Herbert (kennt den hierzulande jemand?), „Art is calling for me“; operettenstilmäßig mit kessem Charakter.

Ein Neujahrskonzert ohne Polka? Geht nicht! Also spielte das Niederbayerische Kammerorchester unter Olivier Tardy von Johann Strauß (Sohn) die bekannte „Annen-Polka“ und ein kurzes Stück von Leo Delibes aus dem Ballett Sylvia, „Pizzicato“, wie der Name schon aussagt, mit gezupften Saiten der Streichinstrumente. Wie jedes Jahr, wieder ein Neujahrskonzert in gekonnter Mixtur aus beschwingt Leichtem und hoher Kunst, offeriert von hervorragenden Künstlern!

Theodor Auer

 Zeitungsbericht: Neujahrskonzert 2012