Ein Zuckerl


Pressebild Ostbayerisches Jugendorchester 
Das „Ostbayerische Jugendorchester“ begeisterte die Zuhörer in der Barockkirche Oberalteich. (Foto: erö)

„Ich glaube“, so der Komponist des Werkes Schöpfungslied, Nikolaus Brass, „dass es gesellschaftlich nach wie vor das herrschende Verhalten ist, zu separieren, auszuschließen. Die Strukturen sind nach wie vor exklusive. Man will homogene Gruppen bilden und mit denen vorankommen. Für eine gedeihliche gesellschaftliche Zukunft könnte das Prinzip der Inklusion viel bewirken.“ Im Konzert des Ostbayerischen Jugendorchesters wurde diese „Inklusion“ modellhaft verwirklicht: Im „Schöpfungslied“ von Nikolaus Brass, eine Anlehnung an den „Sonnengesang“ des Franz von Asissi wirkte der Chor der Cabrini-Schule, eine Einrichtung für geistig behinderte Jugendliche in Offenstetten bei Abensberg mit. Das Ergebnis war keineswegs nur respektabel, vielmehr eine Leistung, die gar manchem Laienchor zur Ehre gereicht hätte. Der Orchesterpart wurde souverän vom Ostbayerischen Jugendorchester unter Leitung von Hermann Seitz gestaltet.

In der Zusammenarbeit dieses Orchesters mit dem Chor der Cabrini-Schule wurden Brücken gebaut zwischen Menschen mit unterschiedlichem Lebensbedingungen. Wie antwortete doch vor Jahrzehnten ein international renommierter Facharzt auf einen arroganten Kommentar eines Ignoranten: „In unserer Einrichtung befinden sich nur Kranke, dieVerrückten laufen draußen rum“! Wie recht er doch hatte! Bildete das „Schöpfungslied“ von Nikolaus Brass den geistigen Mittelpunkt des Konzertes in der sehr gut besuchten Klosterkirche in Oberalteich, so war das musikalische Kernstück des Ostbayerischen Jugendorchesters die Sinfonie Nr. 104 von Joseph Haydn, die letzte der sogenannten „Londoner Sinfonien“, die Haydn während seines Triumphalen Aufenthalts in England komponierte. In dieser Sinfonie verband Haydn melodische Volkstümlichkeit mit Ausblicken auf die sinfonische Zukunft, wie sie später bei Beethoven zur vollen Blüte emporwuchs. Mit satten Klangfarben, nicht überschnellem Tempi interpretierte das Ostbayerische Jugendorchester unter Hermann Seitz dieses Werk, ganz im Sinne des Komponisten.

Das Präludium Nr. 4 aus dem „Wohltemperierten Klavier“. Wie wunderschön und geistvoll klingt diese Komposition von Johann Sebastian Bach auf dem Cembalo oder dem Klavier. Johann Joseph Abert (1832 - 1915), wird schon gewusst haben was er tat, als er dieses Werk für Holz- und Blechbläser und Streicher „romantisierte“. Es war halt damals Mode! Das Ostbayerische Jugendorchester jedenfalls vermochte auch dieser Bearbeitung durch seine Musizierkunst klangschöne Aspekte abzugewinnen.

Ein ganz besonderes „Zuckerl“ offerierte dieses Orchester mit einem Lieblingsstück für jedes Publikum auf der ganzen Welt, dem 2. Satz, das Largo aus Antonin Dvoraks „Sinfonie aus der neuen Welt“. Das Englishhorn-Solo wurde äußerst gefühlvoll, „zu Herzen gehend“ intoniert und eingerahmt vom hervorragend, mit Elan gespielten Ostbayerischen Jugendorchester. Besonders gefielen die Übergänge von den verträumten Englishhorn Passagen zu den beschwingten Orchesterparts. Brücken gebaut hat das Ostbayerische Jugendorchester nicht nur zu dem Cabrini-Chor aus Offenstetten, sondern auch zu den Herzen des Publikums. Der langanhaltende Applaus war mehr als gerechtfertigt.

Theodor Auer

 Zeitungsbericht: Ostbayerisches Jugendorchester