Presseberichte 2019

Mit freundlicher Unterstützung des Straubinger Tagblattes und den Autoren der einzelnen Texte stellen wir Ihnen in dieser Rubrik Presseberichte unserer Veranstaltungen zur Verfügung.

Diese Berichte stehen zur Verfügung:


Konzert ließ aufhorchen

Ostbayerisches Jugendorchester Ein glanzvolles Konzert bot das Ostbayerische Jugendsymphonieorchester in der barocken Pfarrkirche von Oberalteich. Foto: erö

„Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“, so ein Sprichwort. Die 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven aufzuführen, ist tatsächlich ein Wagnis. Nicht nur Fallstricke spieltechnischer Art birgt dieses monumentale Werk in großer Zahl, auch bieten eine Vielzahl von Einspielungen weltbekannter Orchester über viele Jahrzehnte hinweg oftmals nicht ganz faire Vergleichsmöglichkeiten. Gegen diese Orchester interpretatorisch anzukämpfen, haben auch Berufsmusiker einen schweren Stand, vor allem wenn sie nicht imitieren, sondern die eigenen Gedanken verwirklichen wollen. So ist allein schon die Tatsache begrüßenswert, dass sich das Ostbayerische Jugendorchester in der Barockkirche in Oberalteich dieser Herausforderung stellte.

Leider wird Beethovens Neunte von der Allgemeinheit auf den letzten Satz, den Chorsatz aus Schillers „Ode an die Freude“,der auch Eingang in die europäische Hymne fand, reduziert. Und in oft katastrophaler Weise selbst in der Werbung missbraucht. Die wahren Schätze der 9. Sinfonie liegen jedoch in den drei vorangehenden Sätzen.

So ließ das Ostbayerische Jugendorchester bereits im 1. Satz, dem Allegro majestoso, aufhorchen: Prof. Walter Schreiber baute mit seinem Orchester ein, in sich geschlossenes Gemälde auf, ohne diesen Satz durch untergeordnete Aspekte zerfasern zu lassen. Die unabdingliche Detailtreue fügte sich bruchlos in die Gesamtheit der musikalischen Aussage ein. Die ausgewogenen Dynamiksprünge waren nicht, auf oberflächliche Wirkung bedachter Selbstzweck, vielmehr wohldosierter Motor der Kolossalität des 1. Satzes, dessen Bezeichnung „majestoso“ Prof. Walter Schreiber alle Bedeutung verlieh.

Nebenbei bemerkt: Von Ignoranten wird dieser 1. Satz manchmal als Schilderung eines Gewitters bezeichnet. In Wirklichkeit betrachtet dieser Satz jedoch das Existenzielle des Menschen. Den inneren und äußeren Bedrohungen steht der 3. Satz, das Adagio molto e cantabile gegenüber: Friedvoll, Hoffnung ausstrahlend entführt das Ostbayerische Jugendorchester das Publikum der voll besetzten Basilika von Oberalteich in eine andere Welt. Abweichend von der üblichen Sonatenform, schnell – langsam – schnell wählt Beethoven in den ersten beiden Sätzen schnell – schnell und dann erst im dritten Satz das langsame Adagio-Tempo.

Durch den großen Sprung des cantilenen Adagio zum Finale steigert der Komponist dessen Wirkung. Das Thema „Freude schöner Götterfunken“ (wobei strittig ist, ob Schiller nicht statt „Freude“ „Freiheit“ gemeint hat, dies aber wegen der Zensur nicht wagte) wird zunächst orchestral gespielt. Bedrohliche Stimmung des 1. Satzes keimt wieder auf, bis die Bassstimme verkündet: „O Freunde, nicht diese Töne, sondern lasst uns angenehmere anstimmen und freudenvollere.“

Der Chamer Chor „Lehra & Mehra“ mit den Solisten Sopran, Alt, Tenor und Bass, einstudiert durch Andreas Ernst, überraschte nicht nur durch die hohe Qualität der Frauen- und Männerstimmen, sondern besonders durch deren wohldurchdachte Differenziertheit und sehr deutliche Artikulation.

Die gefährliche Klippe dieses Satzes, die Doppelfuge mit den Themen „Seid umschlungen Millionen“ und dem Eingangsthema „Freude schöner Götterfunken“ meisterten die „Lehra & Mehra“ und die Solisten grandios mit klarer Verfolgbarkeit der Architektur des Stimmengeflechtes. Selten hörte man so großen Applaus in der Barockkirche von Oberalteich, ob der fantastischen Leistung des Ostbayerischen Jugendorchesters unter der Leitung von Prof. Walter Schreiber und des Chores „Lehra & Mehra“ mit seinen Solisten.


Theodor Auer

pdfZeitungsbericht: Konzert ließ aufhorchen

Kulturforum Bogen-Oberalteich: „Utopia 1919“

Utopia Das Ensemble Zeitsprung unter der Leitung von Johannes X. Schachtner mit Sprecher Stefan Hunstein und Sängerin Florence Losseau. Foto: erö

Einen großartigen Konzertabend mit zeitgenössischer Musik erlebten die Besucher am Donnerstag im Kulturforum Bogen-Oberalteich. (siehe Rezension von Stefan Rimek im Feuilletonteil). Veranstalter war der Förderverein für Kultur und Forschung Bogen-Oberalteich in Zusammenarbeit mit den Konzertfreunden Straubing.

Das Konzert „Utopia 1919: Dichterrepublik“ zum 100. Jahrestag der Ausrufung der Bayerischen Räterepublik entstand in Kooperation mit dem aDevantgarde Festival München 2019. Auf dem Programm standen Werke junger Komponisten wie Helga Pogatschar, Jan Müller-Wieland, Johannes X. Schachtner und Bernhard Weidner. Es spielte das Ensemble Zeitsprung unter der Gesamtleitung von Johannes X. Schachtner, Solistin war die Mezzosopranistin Florence Losseau, als Erzähler und Sprecher wirkte der Schauspieler Stefan Hunstein.

Mit der Komposition „Biester“ für Schallplattenspieler, Sprecher, Gesang und Ensemble erinnerte Helga Pogatschar an „100 Jahre Frauenwahlrecht“; das Requiem „Engel über Verdun“, Komposition Jan Müller-Wieland, machte das Grauen des Stellungskrieges in Verdun nach Texten von Ernst Toller deutlich, und Autor Norbert Niemann setzte sichmit einem Text von Oskar Maria Graf unter dem Titel „Politisch-Lied im Scheißhaus“ (Komponist Johannes X. Schachtner) auseinander.

Die Komposition „Die kühle Luft der Freiheit“ von Bernhard Weidner für Sprecher, Singstimme und Ensemble wurde unterlegt mit Textpassagen aus den Schriften Gustav Landauers.

Der schlichte Saal im Salzstadel der ehemaligen Klosteranlage gab den passenden Rahmen für diese ungewöhnliche, einzigartige Musik.

(erö)


pdfZeitungsbericht: Konzert mit Erzähler

Klang und Farbe“

Oberalteich: Die Welt menschlicher Wahrnehmung

Klang und Farbe Foto (erö): Bürgermeister Franz Schedlbauer mit der Pianistin Anna Radchenko, dem Künstler Philipp Grieb, Dr. Christoph Günther und Dr. Olaf Sommerfeld vom Kulturförderverein Bogen-Oberalteich (von rechts) beim Rundgang durch die Kunstausstellung.

Die Stadt Bogen und der Förderverein für Kultur und Forschung Bogen-Oberalteich haben die Bevölkerung zu einem kulturellen Ereignis willkommen geheißen: der Verbindung der Malerei mit der Musik. Es ging im Kulturforum dabei nicht etwa um eine wissenschaftliche Abhandlung über das Thema Synästhesie, also die Fähigkeit mancher Menschen, Töne als Farben zu sehen oder Bilder als Musik zu erleben.

Die Pianistin Anna Radchenko und der Kunstmaler Philipp Grieb stiegen tiefer in die Welt menschlicher Wahrnehmung ein. Sie ließen die Musik Chopins, Liszts, Debussys und Skrjabins durch die Malerei in neuer Farb- und Formenpracht erstrahlen.

Grieb bezeichnet seine Bilder gerne als „visuelle Kompositionen“. Er verstärkt die Aussagekraft seiner Bilder durch Variieren der Proportionen und der Farbtöne. Die Kunst von Radchenko arbeitet die großen Zusammenhänge innerhalb der Kompositionen heraus, sodass sie als ein Ganzes wahrgenommen werden können. Gegenständlichkeit löst sich beim Impressionismus im Schemhaften auf. Dies musikalisch darzustellen, gelang der Pianistin. Die Ausstellung war gut besucht.


Theodor Auer


pdfZeitungsbericht: Klang und Farbe

Poetry-Slam und Kindernachmittag

Jahresversammlung des Kulturfördervereins – Programm vorgestellt

Schülerinnen des VHG Foto (erö): Schülerinnen des Veit-Höser-Gymnasiums gestalteten den Abend mit Musik.

Oberalteich. (erö) „Wir wollen den Verein zur Förderung von Kultur und Forschung Bogen-Oberalteich weiter fördern und etwas umstrukturieren“, betonte Vorsitzender Dr. Thomas Späth zu Beginn der Jahresversammlung im Kulturforum Oberalteich. Die 2018 neu gewählte Vorstandschaft habe sich Zeit für die Programmgestaltung genommen, viel diskutiert und erste Kontakte zu anderen Kulturvereinen wie den Konzertfreunden Straubing und zu Künstlern geknüpft.

Der Termin für die nächsten kulturellen Veranstaltungen steht bereits fest: Am Sonntag, 5. Mai, wird es ein Konzert mit der Pianistin Anna Radchenko zur Vernissage mit Bildern von Philipp Grieb geben, verbunden mit einem Vortrag von Hans Neueder. Am Sonntag, 19. Mai, ist ein Geocaching auf dem Bogenberg geplant. Zur Einstimmung und Gestaltung des Abends waren vier Schülerinnen des Veit-Höser-Gymnasiums zu Gast und gaben mit Cello und Violine zu Klavierbegleitung ein kleines Konzert. Die neue Vorstandschaft setze bei der Programmgestaltung und Organisation vermehrt auf die Mitsprache und Mitwirkung der Mitglieder, betonte Späth.

Sechs Konzerte geplant

Für die zweite Jahreshälfte 2019 seien sechs Konzerte und drei Kulturveranstaltungen vorgesehen. Als familienfreundliche Veranstaltung sind ein Kindernachmittag und ein Operettenabend geplant, eine gemeinsame Veranstaltung mit den Konzertfreunden Straubing ist für den 25. Juli in Planung. Dafür haben Landkreis und Stadt Bogen bereits ihre Unterstützung zugesagt, so Späth.

Beibehalten werden das Neujahrskonzert und das Konzert des Ostbayerischen Jugendorchesters, und zu Beginn der ersten Jahreshälfte 2020 wird es einen Kultur-Workshop mit Mitgliedern geben. Gedacht ist auch an eine Lesung mit dem Passauer Schriftsteller Friedrich Hirschl, an eine Buchvorstellung von Helmut Erwert mit seinem neuen Buch „Schicksalstage“ sowie an einen Vortrag des Kreisarchäologen Dr. Ludwig Husty.

Der Kassenbericht von Wolfgang Hofmeister wies einen kleinen Gewinn auf, und Kassenprüfer Dr. Martin Kreuzer bescheinigte Wolfgang Hofmeister eine korrekt geführte Kasse.

Vorträge und Exkursionen

Der Förderverein hat zurzeit 306 Mitglieder. In der folgenden Diskussion wurden bei dem Treffen weitere Vorschläge zur Programmgestaltung gemacht.

Fest steht: Konzerte, Vorträge und Exkursionen werden Schwerpunkte des Programmes sein. Aber auch ein Poetry-Slam, ein Konzert mit dem Reservistenorchester oder Gegenwartsforschung seien denkbar, meinten Mitglieder.

Doris Köppel, die Leiterin des Schulorchesters des Veit-Höser-Gymnasiums und Vereinsmitglied, erinnerte an das traditionelle Frühlingskonzert des Orchesters mit Kunstausstellung im Kulturforum. Dieses wird am Donnerstag, 11. April, stattfinden.



pdfZeitungsbericht: Poetry-Slam und Kindernachmittag

Ausgefeilte Mischung

Neujahrskonzert 2019 

Bild 1 (erö): Ein Höhepunkt war das Stück „Rebound“ mit Rudi Bauer, Percussion.

Der Begriff „Neujahrskonzert“ ist seit Jahrzehnten durch die Wiener Philharmoniker Synonym für Walzer der Strauß-Dynastie. Höhergestellte musikalische Ansprüche in anderen Städten werden durch Sinfonien oder Klavierkonzerte befriedigt. Das „Niederbayerische Kammerorchester“ unter der Leitung von Gerold Huber wagte beim Neujahrskonzert des Fördervereins für Kultur und Forschung Bogen-Oberalteich Besonderes: eine ausgefeilte Mischung von Musikstücken, wie sie unterschiedlicher kaum sein können! Keineswegs war das Programm wild zusammengewürfelt, die verbindende Klammer lautete: mit Elan und Freude in das neue Jahr zu gehen!

Mitreißende Musik zog die Besucher im voll besetzten Saal des Kulturforums Oberalteich in den Bann, riss sie mit in einem Strudel voller Energie. Mit dem Allegro aus dem Konzert d-Moll für Klavier und Orchester BWV 1052 eröffnete Susanne Anatchkova am Flügel mit dem Niederbayerischen Kammerorchester den Abend. Johann Sebastian Bach hatte dieses Konzert für das, damals „state of the art“-Tasteninstrument, Cembalo geschrieben. Susanne Anatchkova ging mit ihrer Klavierkunst auf dem Flügel voll auf die Anschlagcharakteristik eines Cembalos ein, arbeitete jedoch mit ausgeklügelter Phrasierung ansonsten leicht überhörbare Feinheiten der Komposition heraus.

Ursprünglich hatte einer der bekanntesten Komponisten des 20. Jahrhunderts, Darius Milhaud, „Scaramouche“ für zwei Klaviere und Orchester komponiert. Die von ihm selbst stammende Bearbeitung, in welcher die Klaviere durch ein Altsaxofon ersetzt wurden, ist eindrucksvoller als das Original, vor allem wenn sie von einem Saxofonkünstler 1. Ranges, Valentin Huber, interpretiert wurde. Zwei Sätze aus diesem Werk, „Modéré“ und „Brazileira“, interpretierte Huber mit äußerst klarem Ton und großer musikalischer Ausdruckskraft und ließ die kantilenen Melodielinien durch den Saal schweben. Wunderschön der Zusammenklang von Altsaxofon und der Flöte von Stefan Mutz. Frisch und frech darf der „Hochzeitskuchen, Wedding-Cake“ für Klavier und Orchester von Camille Saint-Saens bezeichnet werden. Genau dieser Prämisse entsprechend spielten Susanne Anatchkova und das Niederbayerische Kammerorchester dieses Werk. Alexander Goedike (1877 – 1957) muss nicht jeder kennen, doch ist seine Konzertetüde op. 76 für Trompete und Kammerorchester ein kompositorisches Juwel, vor allem aufgrund des Trompetenparts, den Siegfried Hirtreiter mit reinstem Trompetenton und größer Präzision, dabei aber höchst ausdrucksstark spielte. Rudi Bauer präsentierte einen Leckerbissen der besonderen Art: Percussion vom Feinsten in „Rebound“, 2. Teil von Iannis Xenakis! Rudi Bauer entlockte seinem grandiosen Spiel auf den Schlaginstrumenten ungeheure Spannung und schier unvorstellbare Energie. Echt Spitzenklasse!

Neujahrskonzert 2019 

Bild 2 (erö): Ein großes Talent ist der junge Trompeter Tobias Krieger.

Eine große Zukunft prophezeite Gerold Huber einem jungen Ausnahmekünstler auf der Barocktrompete: Tobias Krieger! Mit erst 18 Jahren kann Krieger den international bekannten Trompetenkünstlern durchaus das Wasser reichen. Dies bewies er im Konzert Nr. 3 in D-Dur für Trompete, Streicher und Basso continuo des frühbarocken Komponisten Johann Wilhelm Hertel. Mit welch strahlender Brillanz erfüllte Krieger den Saal des Kulturforums!

Die Schönheit, den Reiz des Einfachen ließ das Streichorchester in der Serenade op. 7 von Gabriel Pierné atmen. Unter dem Eindruck eines sprachlich und inhaltlich fürchterlichen Gedichtes komponierte Camille Saint-Saens seinen „Danse macabre, poème symphonique“ für Klavier und Orchester. Ob der Komponist dies wirklich ernst gemeint hat? Doch auch hier glänzten Susanne Anatchkova und das Niederbayerische Kammerorchester mit großer Virtuosität. Auch wer es nicht für möglich hält, „Star Wars“ hat auch einen Platz in einem seriösen Konzert! Der Hörer braucht ja nicht an den Raumschiff-abknallen-Schmarrn zu denken, sondern kann auf die vorhandenen musikalischen Strukturen achten. Gespielt wurde jedenfalls „Star Wars“ vom Niederbayerischen Kammerorchester mit großer Präzision und großer Energie! In seiner Vielfalt, in der hohen Qualität der Interpretation in allen Programmpunkten ein wunderbarer Start in 2019!


Theodor Auer

Zeitungsbericht: Ausgefeilte Mischung