Presseberichte 2019

Mit freundlicher Unterstützung des Straubinger Tagblattes und den Autoren der einzelnen Texte stellen wir Ihnen in dieser Rubrik Presseberichte unserer Veranstaltungen zur Verfügung.

Diese Berichte stehen zur Verfügung:


Ausgefeilte Mischung

Neujahrskonzert 2019 

Bild 1 (erö): Ein Höhepunkt war das Stück „Rebound“ mit Rudi Bauer, Percussion.

Der Begriff „Neujahrskonzert“ ist seit Jahrzehnten durch die Wiener Philharmoniker Synonym für Walzer der Strauß-Dynastie. Höhergestellte musikalische Ansprüche in anderen Städten werden durch Sinfonien oder Klavierkonzerte befriedigt. Das „Niederbayerische Kammerorchester“ unter der Leitung von Gerold Huber wagte beim Neujahrskonzert des Fördervereins für Kultur und Forschung Bogen-Oberalteich Besonderes: eine ausgefeilte Mischung von Musikstücken, wie sie unterschiedlicher kaum sein können! Keineswegs war das Programm wild zusammengewürfelt, die verbindende Klammer lautete: mit Elan und Freude in das neue Jahr zu gehen!

Mitreißende Musik zog die Besucher im voll besetzten Saal des Kulturforums Oberalteich in den Bann, riss sie mit in einem Strudel voller Energie. Mit dem Allegro aus dem Konzert d-Moll für Klavier und Orchester BWV 1052 eröffnete Susanne Anatchkova am Flügel mit dem Niederbayerischen Kammerorchester den Abend. Johann Sebastian Bach hatte dieses Konzert für das, damals „state of the art“-Tasteninstrument, Cembalo geschrieben. Susanne Anatchkova ging mit ihrer Klavierkunst auf dem Flügel voll auf die Anschlagcharakteristik eines Cembalos ein, arbeitete jedoch mit ausgeklügelter Phrasierung ansonsten leicht überhörbare Feinheiten der Komposition heraus.

Ursprünglich hatte einer der bekanntesten Komponisten des 20. Jahrhunderts, Darius Milhaud, „Scaramouche“ für zwei Klaviere und Orchester komponiert. Die von ihm selbst stammende Bearbeitung, in welcher die Klaviere durch ein Altsaxofon ersetzt wurden, ist eindrucksvoller als das Original, vor allem wenn sie von einem Saxofonkünstler 1. Ranges, Valentin Huber, interpretiert wurde. Zwei Sätze aus diesem Werk, „Modéré“ und „Brazileira“, interpretierte Huber mit äußerst klarem Ton und großer musikalischer Ausdruckskraft und ließ die kantilenen Melodielinien durch den Saal schweben. Wunderschön der Zusammenklang von Altsaxofon und der Flöte von Stefan Mutz. Frisch und frech darf der „Hochzeitskuchen, Wedding-Cake“ für Klavier und Orchester von Camille Saint-Saens bezeichnet werden. Genau dieser Prämisse entsprechend spielten Susanne Anatchkova und das Niederbayerische Kammerorchester dieses Werk. Alexander Goedike (1877 – 1957) muss nicht jeder kennen, doch ist seine Konzertetüde op. 76 für Trompete und Kammerorchester ein kompositorisches Juwel, vor allem aufgrund des Trompetenparts, den Siegfried Hirtreiter mit reinstem Trompetenton und größer Präzision, dabei aber höchst ausdrucksstark spielte. Rudi Bauer präsentierte einen Leckerbissen der besonderen Art: Percussion vom Feinsten in „Rebound“, 2. Teil von Iannis Xenakis! Rudi Bauer entlockte seinem grandiosen Spiel auf den Schlaginstrumenten ungeheure Spannung und schier unvorstellbare Energie. Echt Spitzenklasse!

Neujahrskonzert 2019 

Bild 2 (erö): Ein großes Talent ist der junge Trompeter Tobias Krieger.

Eine große Zukunft prophezeite Gerold Huber einem jungen Ausnahmekünstler auf der Barocktrompete: Tobias Krieger! Mit erst 18 Jahren kann Krieger den international bekannten Trompetenkünstlern durchaus das Wasser reichen. Dies bewies er im Konzert Nr. 3 in D-Dur für Trompete, Streicher und Basso continuo des frühbarocken Komponisten Johann Wilhelm Hertel. Mit welch strahlender Brillanz erfüllte Krieger den Saal des Kulturforums!

Die Schönheit, den Reiz des Einfachen ließ das Streichorchester in der Serenade op. 7 von Gabriel Pierné atmen. Unter dem Eindruck eines sprachlich und inhaltlich fürchterlichen Gedichtes komponierte Camille Saint-Saens seinen „Danse macabre, poème symphonique“ für Klavier und Orchester. Ob der Komponist dies wirklich ernst gemeint hat? Doch auch hier glänzten Susanne Anatchkova und das Niederbayerische Kammerorchester mit großer Virtuosität. Auch wer es nicht für möglich hält, „Star Wars“ hat auch einen Platz in einem seriösen Konzert! Der Hörer braucht ja nicht an den Raumschiff-abknallen-Schmarrn zu denken, sondern kann auf die vorhandenen musikalischen Strukturen achten. Gespielt wurde jedenfalls „Star Wars“ vom Niederbayerischen Kammerorchester mit großer Präzision und großer Energie! In seiner Vielfalt, in der hohen Qualität der Interpretation in allen Programmpunkten ein wunderbarer Start in 2019!


Theodor Auer

Zeitungsbericht: Ausgefeilte Mischung