Die Grafen von Bogen in Böhmen

Vortrag von Historiker Dr. Frantisek Kubú im Kulturforum

Vortrag - Die Grafen von Bogen
Historiker Dr. Kubú aus Böhmen sprach über die Grafen von Bogen in Böhmen.
 
(ho) Mit dem Wirken der Grafen von Bogen beschäftigte sich in einem Vortrag im Kulturforum Oberalteich der Historiker Dr. Frantisek Kubú. Dr. Kubú ging auf die wichtige Rolle der Grafen von Bogen im 12. und 13. Jahrhundert für die böhmische Geschichte ein, auf einem Gebiet, das bisher aus politischen Gründen noch wenig erforscht ist. Erst nach der Wende habe dieses Forschungsgebiet mehr unter die Lupe genommen werden dürfen.

Das Wirken der Grafen von Bogen in Böhmen sei ein umstrittenes Thema der Geschichtsschreibung. Die Bogener Grafen haben die Entwicklung des böhmischen Staates auf dem Höhepunkt ihrer Macht stark beeinflusst, aber Umfang und Bedeutung des Bogener Besitzes in Böhmen seien bis heute noch unklar, so der Historiker. Die geschichtlichen Quellen, sagte er, seien sehr spärlich und unzuverlässig. Heute werde angenommen, dass die Grafen von Bogen seit dem 12. Jahrhundert mit der Kolonisation des Böhmerwaldes angefangen haben, grenzte er doch unmittelbar an ihr Herrschaftsgebiet – zwischen den Städten Neuern und Winterberg sei das gewesen. Aber die Meinungen der deutschen und tschechischen Historiker gingen zum Teil weit auseinander, so Kubú.

Enge Verbindungen mit Böhmen

Der böhmische Herzog Bretoslav hatte 1094 Luitgard aus Bayern, die Schwester des Grafen Albert, geheiratet. 1124 heiratete Friedrich IV. von Bogen die älteste Tochter des Herzogs Vladislev I. Die wichtigste Verbindung der Premysliden und der Grafen von Bogen sei eindeutig die Ehe des Bogener Grafen Albert IV. mit Ludmilla gewesen, denn Ludmilla hatte hochrangige Verwandte. Ihre Mutter war die Tochter des ungarischen Königs Geisa II., ihre Großmutter stammte aus dem Hause der Babenberger. Mit dieser Heirat seien die Bogener noch näher in Verbindung mit der herrschenden mitteleuropäischen Aristokratie getreten.


Schüttenhofen war der Mittelpunkt

Nach dem Tode von Albert heiratete die junge Witwe Ludmilla in zweiter Ehe um 1204 den bayerischen Herzog Ludwig I. In der Folgezeit waren die Grafen von Bogen in verschiedene Kriege in Böhmen verwickelt.

Sicherer Mittelpunkt des Besitzes der Grafen von Bogen in Böhmen seien der Ort Schüttenhofen und etliche Dörfer rund herum gewesen, während andere Burgen und Orte erst nach dem Aussterben der Grafen von Bogen im Jahre 1242 entstanden seien. Das Bogener Erbe habe Herzog Otto II. von Bayern übernommen. Damit hatten die guten Beziehungen geendet; denn auch die Böhmen erhoben Anspruch auf die Besitztümer der Bogener Grafen. Bis 1271 konnte sich der bayerische Herzog den Besitz von Schüttenhofen mindestens theoretisch noch erhalten. Bayern hat später auf die Rechte in Schüttenhofen verzichtet. Dafür erhoben die Böhmen keine Ansprüche mehr auf das Gebiet zwischen Donau und Böhmerwald.

Als Zeuge des Wirkens der Grafen von Bogen in Böhmen blieb ein Kranz kleiner Kirchen rund um Schüttenhofen erhalten. Die Kirche in Albrechtsried, die dem Kloster in Windberg gehörte, war bis 1803 im Besitz von Windberg. Für die genauere Erforschung des Bogener Besitzes fehlen die Quellen, sagte Dr. Kubú. Hierbei müssten andere Quellen der Geschichtsschreibung helfen, wie Archäologie, Kunst- und Baugeschichte, Burgenforschung und Numismatik.


 Zeitungsbericht: Vortrag - Die Grafen von Bogen in Boehmen