Veit-Höser-Ensemble begeisterte die Zuhörer

Oberalteich: Konzert in Klosterkirche

Pressebild Veit-Hoeser-Ensemble Das Veit-Höser-Ensemble trug im Kulturforum in Oberalteich Chormusik der Renaissance vor. (Foto: erö)

Heinrich Schütz (1585-1672), Giovanni Palestrina (1525-1594), Jacob Arcadelt (1505-1568), diese alten Meister der Renaissance-Musik kennt jeder, jedenfalls einige Kompositionen von ihnen. Aber Pierre Certon (1500-1572), Juan Del Uncina (1468-1529), Marco Ingegneri (1545-1592), da ist schon vertieftes Musikgeschichtswissen gefordert.

Das bekannte Veit-Höser-Ensemble unter der Leitung von Michael Kovacs erfüllte den herrlichen Kirchenraum der Klosterkirche Oberalteich mit A-cappella-Werken dieser und anderer Komponisten des 16. Jahrhunderts mit ebenso herrlichem Gesang. Einmal mehr stellten Michael Kovacs, Tenor, Martina Kovacs, Sopran, Wolfgang Neumeier, Bass, und Svenja Neumeier, Alt, ihre hohe Gesangskunst unter Beweis. Keineswegs geht es bei der Interpretation der Musik der Renaissance ausschließlich um die Schönheit, die Strahlkraft der Stimmen, wie bei Musik beispielsweise des 19. Jahrhunderts. Vielmehr geht es hier um Klarheit der Stimmen und äußerste Präzision, vor allem bezüglich der Einsätze.

In dem komplizierten polyphonen Geflecht, Palestrinas „Sicut servus, desiderat ad fontes“ sei hier als Beispiel genannt, genügt ein einziger verpasster Einsatz, um das ganze Werk zu „kippen“, die Architektur zum Einstürzen zu bringen. Natürlich passiert das einem so aufeinander abgestimmten, aufeinander hörenden Ensemble wie dem „Veit-Höser- Ensemble“ nie. Für den Hörer höchst angenehm, da den harmonischen Fluss nicht störend, ist die perfekt aneinander angeglichene Lautstärke dieses Ensembles. Nichts stört bei dieser Art reiner A-cappella- Musik mehr als das „Vorpreschen“ einer Stimme, wie man es leider oft bei anderen „Alte Musik“- Gruppierungen erleben muss. Musik des 16. Jahrhunderts bis hinein ins 17. Jahrhundert ist die Apotheose der polyphonen Harmonie. An diese Prämisse hielt sich das Veit-Höser-Ensemble mit seiner Interpretationskunst.

Aus zwei Teilen setzte sich das Programm des vom Förderverein für Kultur und Forschung Bogen-Oberalteich veranstalteten Konzerts zusammen: einem Teil mit geistlicher Renaissance-Musik, das „Halleluja“ von Heinrich Schütz, „Christus factus est“ von Felice Anerio, „Also hat Gott die Welt geliebt“ von Melchior Franck, ein „Ave Maria“ des Sängers an der Sixtinischen Kapelle in Rom, Jacob Arcadelt, seien hier genannt, und einem weltlichen Teil. Arcadelt leitete mit einem Werk voller „Swing“, um es modern auszudrücken, „Margot labourez les vignes“ zum weltlichen Teil des Konzertes über. „Innsbruck, ich muss dich lassen“ ist kein Stück der „volkstümlichen Musik“ unserer Tage, sondern stammt aus dem späten 15. Jahrhundert von Heinrich Isaac. „Of all the birds that i do know“ von John Bartlet (um 1610) vertrat die englische Madrigalkunst. Reicher, absolut gerechtfertigter Applaus belohnte das „Veit-Höser-Ensemble“ für seine Kunst des polyphonen Gesangs aus der Renaissance.

Theodor Auer

 Zeitungsbericht: Veit-Hoeser-Ensemble