blechschaden-2011 Faschingsmäßig kostümiert präsentierte sich „Blechschaden“ im Kulturforum Oberalteich. (Foto: erö)

Kunst in jeder Richtung

Oberalteich: „Blechschaden“-Konzert

Manche Menschen sieht man gern kommen, manche sieht man noch lieber gehen! Bob Ross, der kleine Schotte mit dem großen Humor und sein Orchester gehören zweifelsfrei zu der ersten Kategorie. Bereits zum dritten Mal erfreuten die Blechbläser aus den Reihen der Münchner Philharmoniker die Besucher im ausverkauften Kulturforum Oberalteich.

Der große Besucherandrang verwundert nicht, ist doch die Gruppe um Bob Ross mit dem Namen „Blechschaden“ seit 27 Jahren Synonym für erstklassige Interpretation, verpackt in augenzwinkernden Witz und launigen Spaß. Keinesfalls darf man „Blechschaden“ mit dem Begriff Faschingsband abqualifizieren. Tummeln sich doch in diesem Genre oftmals Pseudomusiker, die ihr mangelndes Können durch billigen Klamauk zu vertuschen suchen. Bob Ross und seine Blechbläser plus Schlagzeug stellen hier das genaue Gegenteil dar: Exaktheit in den Einsätzen, sauberste Intonation, klarster Bläserton und Virtuosität an den Instrumenten, wie man sie von Mitgliedern der Münchner Philharmoniker erwarten darf, verbunden mit doch recht mutigen Arrangements. Wer käme schon auf die Idee, Bachs „Superhit“, die Toccata in D-Moll für Orgel mit Blechblasinstrumenten und Schlagzeug zu spielen? Was dabei herauskam, war kein billiger Scherz, sondern eine beeindruckende neue Sichtweise außerhalb eingefahrener Hörgewohnheiten. Zu welch leisen, schmelzenden Klängen Trompeten fähig sind, zeigte das berühmte Adagio, eigentlich für Streicher komponiert, von Albinoni, das sich allmählich, wohldosiert zu Fortelautstärke, steigerte. Auch sehr kurze Notenwerte lassen sich auf Blechblasinstrumenten verwirklichen, wie in der „Pizzicato Polka“ von Johann Strauß oder im berühmten „Hummelflug“ von Rimski-Korsakow.Sehr behutsam, den Charakter des Werkes nicht zerstörend, spielte „Blechschaden“ die Canzona Septimi Toni, „der Sepp und der Toni“ vom Venezianer Gabrieli in der Übersetzung von Bob Ross. Der Weise kommt aus lichten Bergeshöhen zum Volk herab, einem Sonnenaufgang gleich, und verkündet seine Lehren: Bombastisch und strahlend beginnt Richard Strauß seine symphonische Dichtung „Also sprach Zarathustra“. Ebenso sonnengleißend die Interpretation durch Bob Ross und seine Mannen. Dietrich Buxtehude, der große Meister aus Lübeck, Vorbild für viele Orgelwerke des jungen Johann Sebastian Bach, geht nahtlos über in ein englisches Volkslied, „Pink Panther“ in einem „Zwiefachen“, Duke Ellington mit „Caravan“ gibt John Lennon und Paul McCartney im „Norwegian Wood“ die Hand, dazwischen ein Tango.

Dass solche Zusammenstellungen Sinn machen, so abenteuerlich sie auch sein mögen, kann nur in der Kunst von „Blechschaden“ liegen, die in jeder Stilrichtung von Barock, Romantik, Volksmusik, Blues und Big Band zu Hause sind. Verständlich, dass „Blechschaden“ erst nach vier Zugaben vom Publikum freigegeben wurde!

Theodor Auer
 Zeitungsbericht: Faschingskonzert mit Blechschaden