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Zahlreich waren die Besucher, die sich von Abt Hermann Josef Kugler durch die Klosterkirche führen ließen.

Ein Kleinod kirchlicher Kunst

Die Klosterkirche Windberg ist eine Weihnachtskirche

Die Kloster- und Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt Windberg gehört unbestritten zu den Kleinoden kirchlicher Kunst in unserer Region, wie Dr. Dionys Daller, Vorsitzender des Fördervereins für Kultur und Forschung Oberalteich, treffend bemerkte. Welche Schätze und Kostbarkeiten die Kirche jedoch im Einzelnen birgt, erschließt sich dem Betrachter erst durch eine eingehende Führung. So auch den zahlreichen Besuchern, die der Einladung des Fördervereins gefolgt waren und sich von Abt Hermann Josef Kugler in die Geschichte der Klosterkirche und des Ordens der Prämonstratenser einführen ließen. Nur wenige Dokumente gebe es über die Gründung von Kloster und Kirche, so Abt Herman Josef. Belegt sei die Weihe von Altären durch eine Urkunde von 1142. Zu dieser Zeit habe in Windberg eine kleine Priestergemeinschaft bestanden, die für das Seelenheil der Grafen von Bogen gebetet und Verwaltungsarbeit für ihn verrichtet habe. Später schloss sich dieser Priestergemeinschaft der von Norbert von Xanten um 1120 gegründete Orden der Prämonstratenser an. Abt war Gebhard von Edenburg (1141 bis 1191), der hier eine bedeutende Schreibschule gründete. Der gut erhaltene romanische Kirchenbau aus dem 12. Jahrhundert besitzt zwei bemerkenswerte Portale, das Hauptportal ziert eine Marienfigur mit Apfel und Jesuskind als Symbol der „neuen Eva“, eingerahmt von dem knienden Kirchenstifter Graf Albrecht und der „Mutter Kirche“. Zahlreiche Umgestaltungen musste das Kircheninnere erfahren, berichtete Abt Hermann Josef. Von der Gotik sei nur noch das Gewölbe geblieben, das im Rahmen der Barockisierung im 18. Jahrhundert unter Abt Strehling mit Fresken versehen wurde. Dieser Abt gestaltete den Kircheninnenraum als „Tempel für Maria, die Königin der Sterne“ und, weitergehend, für Jesus Christus den „Stern aus Jakobs Stamm“. Die eindrucksvollen Darstellungen der Deckenfresken mit Szenen aus der Weihnachtsgeschichte weisen darauf hin, dass die Marienkirche eine „Weihnachtskirche“ ist, sagte Abt Hermann Josef. Die kleineren Seitenfresken verewigen Heilige und Selige aus dem Orden.

Eine kunstgeschichtliche Kostbarkeit sind die vier Seitenaltäre von Mathias Obermayr. Sie erzählen bildlich die Geschichte der Heiligen und sind wie eine Bühne mit Kulissen, Bühnenbild und Figuren gestaltet, berichtete Abt Hermann Josef. Er machte auf viele unbekannte Details aufmerksam: Was der Blitz auf das Rad und die vielen Bücher auf dem Altar der heiligen Katharina bedeuten und warum am Altar des heiligen Sabinus ein Ochse an einer Säule hervorlugt. Sehr bemerkenswert auch das reich mit Intarsien eingelegte Chorgestühl, das wie die reich verzierten Schränke der Sakristei von dem Laienbruder Fortunatus Simon stammt. Eine Kostbarkeit ist der romanische Taufbrunnen, in dem die Kinder in früherer Zeit ganz untergetaucht wurden. Abschließend führte Abt Hermann Josef die Besucher in den Kapitelsaal des Klosters, früher ein Versammlungsraum, wo täglich ein Kapitel der Ordensregel des Augustinus verlesen wurde und die Wahl des Abtes stattfand. Die Deckenfresken mit der Übergabe der Ordensregel an den heiligen Norbert weisen noch heute darauf hin. Kaum vorstellbar, dass hier einmal der Sudkessel einer Brauerei stand. Denn nach der Säkularisation verfiel das Kloster, und in den Räumen war zeitweise eine Brauerei untergebracht. Erst 1923 kamen die Prämonstratenser nach Windberg zurück und führen heute eine Ordensgemeinschaft mit 20 Brüdern. Der Orden ist in der Jugendbildung aktiv, betreut sechs Pfarreien und arbeitet in den Sonderbereichen der Seelsorge in Gefängnis, Bundespolizei und Militär.

Elisabeth Röhn