Konzert an Rieger-Orgel

Raymond O'Donnell 

Die Freunde der Orgelmusik auf dem Bogenberg feierten mit dem Förderverein für Kultur und Forschung Bogen-Oberalteich dieses Jubiläum mit dem Konzert eines Meisterinterpreten aus Irland. Raymond O'Donell ist neben seiner Lehrtätigkeit Organist an der Kathedrale von Galway. Das höchst anspruchsvolle Programm umfasste Werke von Hindemith, Liszt, Bach und Howells. Strahlender, selten gehörter Glanzpunkt war die "Evocation de la Chapelle Sixtine" von Franz Liszt.

Musik, ursprünglich ausschließlich zur Verwendung in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan bestimmt, daher nie vervielfältigt, kopierte sie Mozart aus dem Gedächtnis, nachdem er sie nur einmal gehört hatte. Teile dieser Niederschrift setzte Liszt in Verbindung mit anderen Kompositionen für die Sixtinische Kapelle in seine eigene Musiksprache um. Aus mystischem Dunkel lässt in zartester Spielweise O'Donell das wunderbare Flötenmotiv in himmlische Sphären aufsteigen. Lebhaft, aneinandergereiht kurze Motive, die alsbald von einem zweiten Thema abgelöst werden, der 1. Satz aus Paul Hindemiths Sonate Nr. 1 Tastend, suchend, könnte man diesen Satz auffassen. Traumlandschaften, schemenhaft aus weiter Ferne, fast schwermütig, der 2. Satz. Raymond O'Donell verliert den rechten Pfad, erweckt nie den Eindruck, sich in den langsamen Tempi zu verlieren, den Zusammenhang außer Acht zu lassen. "Die Füße des Organisten, endlich befreit von der Tyrannei des Basses, bringen nun selbst das Thema zum Erklingen, genauso exakt und genauso makellos wie mit den Händen". So fasste die Grande Dame des Orgelspiels, Marie Claire Alain, eine der Lehrerinnen von Raymond O'Donell die sechs Triosonaten von Johann Sebastian Bach zusammen. Die Interpretation von O'Donell der c-Moll-Triosonate von Johann Sebastian Bach ließ sowohl in der Manual- als auch in der Pedalkunst keine Wünsche offen.

Wie es sich Bach sicher vorgestellt hatte und praktizierte, war kein spieltechnischer Unterschied zwischen Pedal- und Manualarbeit festzustellen. Ein anspruchsvolles, auf höchstem interpretatorischen Niveau angesiedeltes Orgelkonzert in der Wallfahrtskirche auf dem Bogenberg.

Theodor Auer