Wertvolle steinerne Kulturgüter

Oberalteich: Interessante Führung durch die Klosteranlage

Pressebild zum Vortrag von Dr. Lehrberger 
Dr. Gerhard Lehrberger von der TU München informierte über die Bau- und Denkmalgesteine der Klosteranlage Oberalteich. (Foto: hn)


(hn) Am Mittwoch führte der Förderverein für Kultur und Forschung Bogen-Oberalteich zusammen mit dem Flurl-Kreis Straubing eine erfolgreiche Veranstaltung durch. Über 70 Teilnehmer verfolgten die Erklärungen des Referenten Dr. Gerhard Lehrberger von der TU München zu den Bau- und Denkmalgesteinen der Klosteranlage Oberalteich.

Nach einer theoretischen Einführung über die Entstehung der Gesteine, ihr Vorkommen in Bayern und ihr Alter begann der Rundgang durch die Klosteranlage im Dauerausstellungsraum des Kulturforums. Die dort aufgestellten gotischen Grabplatten erinnern an mehrere verstorbene Äbte des 15. Jahrhunderts. Die mächtigen Kalksteine stammen aus Adnet bei Hallein/ Salzburg. Sie werden deshalb auch Adneter Marmor genannt und kamen auf dem Wasserweg über die Salzach, den Inn und die Donau nach Oberalteich, wo sie in der Bildhauerwerkstatt des Klosters fertiggestellt wurden. Dr. Lehrberger erklärte die typischen Merkmale dieses Gesteins, das seit Jahrhunderten bis heute sehr beliebt ist.

Am Fischertor machte der Referent auf den Bayerwaldgranit des Torbogens aufmerksam und auf das Reliefwappen von 1543 aus Sandstein. Auch für die ältesten vorhandenen Bauelemente der Kirche – Grundmauer an der Südwestecke und spätgotisches Portal am Westchor – wurde Mettener Granit beziehungsweise Kalkstein verwendet. In der Seelenkapelle begegnete an den Grabdenkmälern des 16. Jahrhunderts Adneter Marmor.

Für die von Abt Höser aufwändig gestaltete Vorhalle, ihre künstlerisch hochwertigen Schmuckformen, wurde Granit und Regensburger/Kelheimer Sandstein verwendet. Dr. Lehrberger bezeichnete den guten Zustand des Sandsteins als sehr selten. Im Inneren der Vorhalle erregten der romanische Taufstein aus Granit, die zahlreichen Grabtafeln aus Solnhofener Plattenkalk und die Kriegergedächtnistafel mit lithographischen Elementen große Aufmerksamkeit. In der Kirche wurden fünf Denkmäler besprochen. Bei den drei gleich gestalteten Weihwasserbecken (um 1740) im Westteil des Kircheninneren hob Lehrberger die bewusst gewählte Zusammensetzung von rötlichen und grauen Gesteinen hervor. Am Gründergrabmal fand sich die Kombination einer Adneter Marmor-Grabplatte von 1418 mit einem hölzernen Unterbau, der den Marmorstein nachahmt. Das Wandepitaphium des Abtes Veit Höser, wurde mit roten Kalksteinen, mit weißem Stuck und sogar mit Schiefer angefertigt: Ein wertvolles Denkmal aus der Renaissance. Großes Staunen gab es bei der Erläuterung der Kanzel, dessen granitene Aufgangstreppe auf das Jahr 1630 zurückgeht. Der spätere barocke Korpus besteht dagegen aus Sandstein, die Dekorelemente, die vier Evangelisten und Gottvater, aus ursprünglich bunt gefasstem Ton. Dr. Lehrberger beendete seine Führung an der so genannten „hangenden Stiege“. Die breite Treppe wurde aus breiten Granitstufen frei tragend konstruiert, ein kostspieliges Meisterwerk der Handwerkskunst aus dem Jahre 1630.

Im Namen der Vorstandschaft des Fördervereines und der Teilnehmer bedankte sich Kreisheimatpfleger Hans Neueder bei Dr. Gerhard Lehrberger mit zwei Präsenten und wies darauf hin, dass er am 29. September eine ähnliche Veranstaltung auf den Bogenberg führen wird.


 Zeitungsbericht: Wertvolle steinerne Kulturgüter