Ensemble der Superlative

Oberalteich: „Opus 4“ konzertierte

Posaunenquartett Opus 4 Ein Ensemble der Superlative, ein anspruchsvolles Programm, Instrumente, welche die großartige Akustik der Klosterkirche Oberalteich voll zur Geltung bringen. So lässt sich das Weihnachtskonzert des Fördervereins für Kultur und Forschung Bogen – Oberalteich kurz und treffend zusammenfassen.

Vor 28 Jahren wurde die Gruppe „Opus 4“ gegründet. Vier Posaunisten des Leipziger Gewandhausorchesters, Jörg Richter, Gründer und Leiter von „Opus 4“, 22 Jahre Mitglied des Blechbläserensembles des weltweit berühmten Trompetenvirtuosen Prof. Ludwig Güttler, Dirk Lehmann, Tenorposaune, Stephan Meiner, ebenfalls Tenorposaune, und Honza Gimaletdinow, trotz des schwierigen Namens ein echter Dresdner, Bassposaune, haben gemeinsames Posaunenspiel auf eine neue Ebene gehoben. Die absolute Präzision ihrer Intonation, der Einsätze, besonders in polyphonen Sätzen, und ihre weiche, trotzdem prägnante Anblastechnik setzen neue Maßstäbe. Bewegten sich die Intrada, Gloria und Exultent caeli von Claudio Monteverdi noch im üblichen Posaunenkunstrahmen, so strahlte in Johann Sebastian Bachs BWV 230 „Lobet den Herrn, alle Heiden“ die volle Spielkunst des Ensembles „Opus 4“ auf.

Kaum für möglich zu halten, wie auch mit Posaunen die kontrapunktische Architektur sauber durchhörbar ohne jegliches Vermischen und Verwischen der Stimmen dargestellt werden kann! Giovanni Gabrieli, Mitglied der Münchner Hofkapelle, dann Domorganist in San Marco, Venedig, baute die baulichen Gegebenheiten des Innenraums des Markusdoms und dessen Akustik gewissermaßen in viele seiner Kompositionen ein. Die Akustik der Klosterkirche in Oberalteich kam der „Canzona Seconda“ Gabrielis in großartiger Art entgegen, sodass dieses relativ kurze Werk ein weiterer „Diamant“ im Programm war. Äußerst interessant war die Gestaltung dieses Weihnachtskonzertes: Bekannte Advents- und Weihnachtsstücke aus der Sichtweise verschiedener bedeutender Komponisten wurden nebeneinandergestellt. So das in Köln entstandene „Es ist ein Ros entsprungen“ in Bearbeitungen von Michael Praetorius (1571–1621) und Melchior Vulpius (1560–1650) oder „Nun kommt der Heiden Heiland“ aus der Sicht- und Komponierweise von Johann Sebastian Bach, die wohl bekannteste Version, Johann Hermann Schein und Andreas Raselius.

Die hohe Zeit der Renaissance bis zum Frühbarock schritt „Opus 4“ mit Josquin des Pres (1440–1521), Jacobus Clemens non papa, der sich so nannte, um nicht mit dem gleichnamigen Papst Clemens verwechselt zu werden, Hans Leo Hassler und Thomas Selle (1599–1663) ab. Die Werke dieser Meister wurden unter Mitwirkung eines Originalnachbaus einer Barockposaune mit ihrem überaus transparenten Ton gespielt. „Vom Himmel hoch da komm ich her“ stellte das Ensemble „Opus 4“ in der Choralbearbeitung von Johann Sebastian Bach, arrangiert für vier Posaunen, in Zusammenhang mit der Sichtweise von Michael Praetorius und Johann Hermann Schein. Man braucht nicht zu erwähnen, dass die vier Posaunisten unabhängig von den Eigenheiten, Komponiermethoden und Schaffenszeiten der Komponisten und der Stile alle Werke auf gleich hohem, also auf dem höchstem Niveau spielten.

Weihnachten ist ein Fest der Gemeinsamkeit, so hatte Dr. Dionys Daller, der Vorsitzende des Fördervereins für Kultur und Forschung, Neubürger Bogens aus fernen Ländern aber auch alle anderen Bürger eingeladen, abendländische Musik hautnah zu erleben. Sicher werden diese Menschen von diesem Konzert ebenso begeistert gewesen sein wie die übrigen zahlreichen Besucher in der Klosterkirche.

Theodor Auer

pdfZeitungsbericht: Weihnachtskonzert mit OPUS 4