Cello-Leidenschaft

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Celli ohne Unterstützung anderer Instrumente waren in Oberalteich zu hören. (Foto: erö)

Bilden Celli das Fundament eines Orchesters, unentbehrlich, um den Klangraum eines sinfonischen Werkes in all seinen Darbietungen auszuschöpfen, so tritt das Cello wie seine Vorgänger, wenn auch nicht allzu häufig, seit Jahrhunderten auch als Soloinstrument auf. Überragendes Beispiel hierfür sind die sechs Cellosonaten von Johann Sebastian Bach, mit denen er die spieltechnischen Grenzen dieses Instrumentes auslotete, dies, das ist bei Bach selbstverständlich, unter der Prämisse der melodischen Klangschönheit. Zum Cello, eingebunden im Orchesterapparat oder als Soloinstrument, gesellte sich seit einigen Jahrzehnten das Cello-Ensemble, Vereinigungen von Künstlern, welche Konzerte ausschließlich mit Celli bestreiten, ohne Unterstützung anderer Instrumente wie Violinen oder Violas. Seit Langem bekannt sind die „12 Cellisten der Berliner Philharmoniker“, die bei ihrer Gründung für mächtig Ärger sorgten, taten sie dies doch ohne Genehmigung ihres „Chefs“, Herbert von Karajan.

Ganz und gar nicht ohne Erlaubnis ihres Chefs, Professor Julius Berger, ja sogar auf dessen Initiative hin, taten sich Studenten des Leopold- Mozart-Zentrums der Universität Augsburg zusammen zum mittlerweile international renommierten „Ensemble Cello Passionato“. Es war nicht nur der anheimelnde, wie auf Wolken schwebende Klang der Celli, es war, und dies vor allem, das künstlerisch und technisch extrem hohe Potenzial dieser vier Cellisten, Jakob Roters, Alessandro Sica, Italien, Daniel Claret, Spanien, Edward King, Neuseeland. Durch Übernahme unterschiedlicher Aufgaben innerhalb des Ensembles konnten die vier Künstler eine enorm breite Klangpalette im Saal des Kulturforums Oberalteich erzeugen. Manifestiert wurde dies durch die große Spannweite des Programms, von Barock, Romantik, Spätromantik bis zur Gegenwart.

Es existieren relativ wenige Originalkompositionen für Cello-Ensembles, so waren fast alle gespielten Werke natürlich Bearbeitungen, was jedoch keinesfalls als Manko zu verstehen ist. Im Gegenteil eröffneten sich für den Hörer durchaus neue Einblicke in die Strukturen der Kompositionen und deren innerer Schönheit. Die Sarabande aus der 6. Cellosuite von Johann Sebastian Bach sei hier in der Version für vier Celli statt eines Soloinstrumentes als Beispiel genannt. Ein romantisch- cantilenes Stück – das „Morceaux de Salon“ von G. Goltermann. Nach langsamen Eingangstakten sich zu rasantem Tempo steigernd – das Konzert C-Dur für vier Violoncelli von Georg Philipp Telemann, ursprünglich komponiert für vier Violinen und Basso continuo. Eine Gedankenassoziation: Die zeitgenössische Komposition „Terra Aria“ von G. Solima erinnerte – maßgeblich durch das fantastische Spiel der „Cello Passionato“ – an bewegtes, aus der Erde sprudelndes Wasser.

Wie schön klingt doch das „Notturno, Andante tranquillo“ aus dem „Sommernachtstraum“ von Mendelssohn- Bartholdy, besonders wenn es vom weichen Klang der Celli gespielt wird. In den musikalischen Kosmos von Richard Wagner führten die „Cello passionato“ die Besucher in Kulturforum Oberalteich mit Motiven aus „Parsifal“. Welche Ausdruckskraft vermochten die vier Künstler dieser, eigentlich ja für Großorchester geschriebenen Musik mit ihren Celli zu entlocken! Der „Ungarische Tanz Nr. 5“ von Johannes Brahms, das Concerto Grosso, op. 3 Nr. 11 von Antonio Vivaldi, ein Ausflug in das Amerika Anfang des 20. Jahrhunderts mit „Fragmenten“ von George Gershwin und ein Werk von Astor Piazolla zeigten, welch große Ausdrucksbreite ein ausschließlich aus Celli bestehendes Ensemble erreichen kann, wenn es aus absoluten Könnern ihres Faches, wie den „Cello passionato“ besteht.

Theodor Auer

 Zeitungsbericht: Konzert mit Cello Passionato