Ein gelungener Abend


Pressebild zum Liederabend von Barbara Hesse-Bachmaier und Stanislav Rosenberg Der Liederabend im Kulturforum Oberalteich mit Barbara Hesse-Bachmaier und Stanislav Rosenberg begeisterte die Zuhörer. (Foto: erö)

Drei primäre Wünsche darf der Besucher eines Liederabends haben: Die Sängerin, der Sänger soll eine gute, geschulte Stimme besitzen! sie/er soll mit klarer Artikulation die Texte sinnvoll ausdeuten und der Pianist soll mit der Sängerin, dem Sänger künstlerisch in Einklang stehen! Diese Wünsche haben Barbara Hesse-Bachmaier und Stanislav Rosenberg mehr als voll erfüllt.

Der überaus feinfühlig modulationsfähige Mezzosopran von Barbara Hesse-Bachmaier glänzte durch reine, schöne Klangfarben in allen Dynamikschattierungen von piano bis forte. Besonders gefiel der wohldurchdachte Umgang der Künstlerin mit expressiven Fortepassagen. Gerade hierdurch konnten weitreichende Spannungsbögen erzeugt werden; die den Textinhalt der Lieder miterlebbar machten. Über die Artikulation der Sängerin gibt es nur eine Aussage: Präzise und klar verständlich, selbst bei Texten, die keinesfalls geläufig sind, beispielsweise auch in bayerischer Sprache. All dies ist bei einem Liedabend zwar nicht selbstverständlich, doch darf es das verwöhnte Publikum im Kulturforum Oberalteich erwarten.

Was jedoch diesen Abend so außergewöhnlich machte, war das Programm: „Von Mäusen, Margeriten und einem Schneewind“ hieß das Thema des Abends. Da waren aus „Schelmenlieder“ op. 71 von Joseph Haas (1879 bis 1960) „Ich bin schon siebenhundert Jahr“, „Im Februar“ und „Die gute alte Rumpelkuh“ zu hören oder von Carl Mansker (geb. 1943) nach uralten Texten „Der kreißende Berg“, der letztendlich nur ein Mäuslein gebar, „Die Maus in der Fleischbrühe“ und „Der Fuchs und die Maus“. Tiergeschichten nach Gedichten von Wilhelm Busch, „Ein weißes Kätzchen“, „Es flog einmal ein muntres Fliegel“, „Es sitzt ein Vogel auf dem Leim“. Lassen sich solche, lustig erscheinenden Texte, auch wenn man ihren oftmals doppelten Sinn miteinbezieht, überhaupt ernsthaft singen, wird sich mancher fragen? Ohne Einschränkung: ja! Natürlich gehört zu einem Liederabend ein dem künstlerischen Potenzial der Sängerin ebenbürtiger Pianist. Stanislav Rosenberg aus Odessa zeigte sich als höchst einfühlsamer Liedbegleiter, der mit den künstlerischen Intentionen von Barbara Hesse-Bachmeier in vollem Einklang stand. Seine pianistische Extraklasse stellte Stanislav Rosenberg in seinen Solovorträgen der „Elegie“ aus „Morceaux de Fantaisie“ op. 3 von Sergeij Rachmaninoff, ein bezauberndes lyrisch-romantisches Stück, der Bearbeitung des Walzers „An der schönen blauen Donau“ durch Adolf Schulz-Evler, der kunstvollen Bearbeitung für Klavier des bekannten „Säbeltanzes“ von Aaram Katchturian und einer interessanten, weit über das Original hinausgehenden Bearbeitung der „Barcarole“ von Offenbach in besonderem Maße heraus. Ein, im positivsten Sinne des Wortes, außergewöhnlicher Lieder- und Klavierabend im gut besuchten Kulturforum Oberalteich!

Theodor Auer

 Zeitungsbericht: Liederabend mit Barbara Hesse-Bachmaier und Stanislav Rosenberg