Neujahrskonzert


Zeitungsbild Neujahrskonzert des Niederbayerischen Kammerorchesters 
NEUJAHRSKONZERT. In Oberalteich fand wieder das traditionelle Neujahrskonzert statt. – Bild: Die Sopranistin Magdalena Hinterdobler gestaltete das Neujahrskonzert unter der Leitung von Olivier Tardy mit. (Foto: erö)

Präzisest eingehaltene Tempi, bis ins kleinste Detail durchdachte Phrasierung, feinste, dafür umso aussagekräftigere Dynamikabstufungen und eine Anschlagtechnik, von der nicht mehr von „Technik“, vielmehr von Anschlagkultur zu sprechen ist, dies alles hat einen Namen: Martin Rasch! Möchte jemand ein Werk hören wie es im Notentext steht und darüber hinaus das Nichtnotierbare, den Geist der Komposition, erleben, kommt er um diesen Pianisten nicht herum. Martin Rasch spielt alle Werke aus seinem umfangreichen Repertoire, das von Bach bis in die Moderne reicht, mit einer inneren Selbstverständlichkeit und Logik, welche spektakuläre „Showeffekte“, undifferenzierten Tastendonner nicht nötig hat. Er ist Denker und Diener des Werkes und biegt es nicht nach eigenem Gusto zurecht. So auch im 2. Klavierkonzert op. 21 von Frederic Chopin, welches im Neujahrskonzert des Fördervereins für Kultur und Forschung Bogen-Oberalteich im vollbesetzten Saal erklang.

Chopins Klavierkonzerte sind nicht vergleichbar mit denen Mozarts oder Beethovens, die im Grunde in ihren Klavierkonzerten symphonische Werke mit obligatem Klavier schufen. Chopin ging einen anderen Weg, bei seinen beiden Klavierkonzerten liegt die Betonung auf „Klavier“, die orchestrale Begleitung tritt demgegenüber zurück. So sind die Anforderungen an den Pianisten entsprechend hoch. Lyrischer Zauber geht von Chopins f-Moll-Konzert aus, verbunden mit vollendetem Formgefühl. Brillanz in den beiden Ecksätzen, tief schürfende Poesie im Mittelsatz, dem Larghetto. Martin Rasch führte diese Gegensätze meisterhaft, einander bedingend zusammen, keine Passage, kein Takt wurde aus dem Zusammenhang gerissen. Das Niederbayerische Kammerorchester unter der Leitung von Olivier Tardy folgte den Intentionen des Pianisten mit großem Feingefühl.

Mit der Konzertarie mit konzertierendem Klavier KV 505 konnten das Niederbayerische Kammerorchester und Martin Rasch einmal mehr ihr künstlerisches Potenzial unter Beweis stellen. Diese Konzertarie ist die einzige dieser Gattung, für die Mozart einen ausführlichen Klavierpart schuf. Eine Konzertarie bedarf natürlich einer Sängerin: Mit Magdalena Hinterdobler fand das Kulturforum Oberalteich eine Sopranistin, die diese anspruchsvolle Arie mit Leben erfüllte. Ihre Kompetenz im Fach Mozart bewies Magdalena Hinterdobler in den Arien der Fiordiligi „Temerari... Come scoglio“ aus „Cosi fan tutte“, wohl Mozarts gesanglich schönster Oper. Die Stimme Magdalena Hinterdoblers, klar und sehr klangschön mit großer Ausdruckskraft. Dies zeigte sich auch in einem amerikanischen Lied aus der „Vor-Jazzzeit“ von Victor Herbert (kennt den hierzulande jemand?), „Art is calling for me“; operettenstilmäßig mit kessem Charakter.

Ein Neujahrskonzert ohne Polka? Geht nicht! Also spielte das Niederbayerische Kammerorchester unter Olivier Tardy von Johann Strauß (Sohn) die bekannte „Annen-Polka“ und ein kurzes Stück von Leo Delibes aus dem Ballett Sylvia, „Pizzicato“, wie der Name schon aussagt, mit gezupften Saiten der Streichinstrumente. Wie jedes Jahr, wieder ein Neujahrskonzert in gekonnter Mixtur aus beschwingt Leichtem und hoher Kunst, offeriert von hervorragenden Künstlern!

Theodor Auer

 Zeitungsbericht: Neujahrskonzert 2012