Ausdrucksstark mit der Stimme

Oberalteich: Arcis-Vokalisten begeistern mit ihren Liedern
Pressebild Arcis-Vokalisten 
Die „Arcis-Vokalisten“ begeisterten das Publikum im Kulturforum Oberalteich mit einem umfangreichen Repertoire. (Foto: erö)

Wir binden Dir den Jungfernkranz; Bei Männern, welche Liebe fühlen; Gefangenenchor aus Nabucco, da denkt jeder an ein Potpourri beliebter Opernmelodien, seit Jugendjahren oft gehört, bis ins Detail bekannt, fast zum Mitsingen, würde die Stimme ausreichen. Wer glaubte, das Programm der „Romantischen Sommernacht“ mit den „Arcis-Vokalisten“ im Kulturforum Oberalteich erschöpfe sich in einem Reigen bekannter Opern-Highlights, gar das Repertoire dieser Münchener Chorformation reiche nicht über Bekanntes hinaus, irrte gewaltig! Die Bedeutung der großen Publikumsmagnete der Opernwelt soll keinesfalls herabgespielt werden, vor allem nicht, wenn sie von absoluten Könnern der Singkunst dargebracht werden, doch es gibt gerade im Chorgesang noch ganz andere Ebenen. Hierzu gehört das Liedschaffen des 16. und 17. Jahrhunderts in all seiner Vielfalt.

Das brauchen nicht hochgeistige, in schwierigster Polyphonie geschriebene Werke der Kirchenmusik sein, einfach anmutende Lieder von Liebe und Begebenheiten des Alltags, mal gefühlvoll, mal keck und nicht ganz ernst gemeint, fordern einen Chor zu hohen Leistungen bezüglich Stimmbildung, Artikulation, perfektes Zeitgefühl in den Einsätzen heraus. All diese Voraussetzungen erfüllten die Arcis-Sängerinnen und Sänger mit großer Bravour, waren es nun deutsche Texte wie „Jungfrau, dein schön Gestalt“ von Hans Leo Hassler (1564 – 1612) oder die englischen Lieder von Hasslers Zeitgenossen John Farmer und Thomas Morley mit einem Stück, in welchem eine Frau mit den vier Jahreszeiten, welche alle in ihrem Herzen sind, verglichen wird: „April is in my mistress face.“ Neckisch und lustig „Der Floh“ von Erasmus Widmann (1572–1634). Ein Höhepunkt des Abends im voll besetzten Saal des Kulturforums waren zweifelsfrei die „Liebesliederwalzer“ von Johannes Brahms. Walzer mit denen Brahms die Herzen der Wiener eroberte, ganz im Stil seiner Zeit, voll Gefühl, Miniaturgemälde in Farben und Lichtgebung der Malerei der Romantik entsprechend. Begleitet wurde der Chor von Mirjam von Kirschten und Heiko Stralendorf am Klavier. Einfühlsam, mit größter Exaktheit auf den Chor eingehend, dessen Interpretation ausdruckstark untermalend begleiteten die Künstler den Chor.

Magdalene Hinterdobler, als hervorragende Sopranistin bekannt, war ein weiteres Highlight dieser „Romantischen Sommernacht“, des Fördervereins für Kultur und Forschung Bogen-Oberalteich. Besonders gefiel bei den Brahms-Liedern die, in Dynamik und Tongebung äußerst sensible interpretatorische Gestaltung durch die junge Sängerin, die einmal mit ihrer klaren, mehr zum Lyrisch-Weichen tendierenden Stimme begeisterte. Hinterdobler singt die Lieder und Arien nicht nur, sie verleiht ihnen durch Mimik und Gestik Leben!

Eine „Romantische Sommernacht“ ist natürlich keine todernste Angelegenheit. Die „Kantatenprobe“ aus „Zar und Zimmermann“ von Albert Lorzing zeigte die humorvoll- komödiantische Seite des Arcis-Chores und dessen Leiter und Gründer, Professor Thomas Gropper, der auch als Bariton fungierte und den aufgeblasenen Bürgermeister aus dieser Oper trefflich sang und spielte. Ein Abend mit Chor und Soli, welcher trotz der enormen Spannweite des Programms von Thomas Morley bis zu Guiseppe Verdis Nabucco-Gefangenenchor aufgrund der hohen musikalischen Qualität der Solisten und des Chores zu einem Ganzen verschmolz, das den Hörern rundum Vergnügen bereitete. Wer den Arcis-Chor hören will, kann im Radio, Bayern–Klassik, am Donnerstag nach 14 Uhr diesen Chor in einer berühmten Bach-Kantate hören.

Theodor Auer

 Zeitungsbericht: Arcis-Vokalisten