Ein Kaiser mit „Janusgesicht“

Alois Schmid über den Kaiser Ludwig der Bayer

Pressebild zum Vortrag Kaiser Ludwig der Bayer Bild: Professor Dr. Alois Schmid, der Vorsitzende der Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, bei seinem Vortrag. (Foto: hn)

Oberalteich. (hn) Vor einem sehr großen und interessierten Zuhörerkreis referierte im Kulturforum Oberalteich Professor Dr. Alois Schmid, der Vorsitzende der Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, über Ludwig den Bayer, den ersten Kaiser aus dem Hause Wittelsbach.

Ludwig der Bayer, dessen Lebenszeit in die Umbruchphase des Spätmittelalters fiel, wird noch heute von der Geschichtsforschung zwiespältig als „Janusgesicht“ beurteilt. Professor Schmid betrachtete die Persönlichkeit und die Regierungszeit Ludwigs in fünf Aktionsfeldern, als Herzog, König, Kaiser und in seinem Verhältnis zu Kirche und Kunst. Als Landesherr im Teilherzogtum Bayern-München und etwas später im Gesamtherzogtum zeige sich ein Wesenszug Ludwigs, nämlich die Konzentrierung der Kräfte für die Landeseinheit. Ludwig konnte seine Stammlande ausweiten. Die Mark Brandenburg, die Grafschaft Tirol und die Herrschaften an der Nordsee waren bedeutende Zugewinne für seine Hausmacht. Im Jahre 1314, und endgültig nach dem Erfolg in der Schlacht bei Mühldorf, wurde Ludwig römischdeutscher König. Als Oberhaupt eines Reiches, das keine Hauptstadt kannte, konzentrierte er seine Aktivitäten im Süden und förderte besonders die Städte und das Bürgertum in München, Nürnberg und Regensburg.

Obwohl der Papst seit 1309 in Avignon residierte, bemühte sich Ludwig, die Kaiserkrone in Rom zu erhalten, was ihm tatsächlich mit Hilfe eines Gegenpapstes und der Unterstützung des römischen Volkes im Jahre 1328 gelang. Seit dieser Zeit musste sich Kaiser Ludwig mit Ketzerprozessen und päpstlichen Ansprüchen auf die Vorherrschaft im Reich und in Europa auseinandersetzen. Ludwig wurde zum unerbittlichen Gegner des Papsttums und wies jede Einflussnahme auf seine Herrschaft von außen zurück.

Der Kaiser intensivierte die Bemühungen um seine Selbstdarstellung. Sichtbare Zeichen dafür waren etwa der Adler, den er als imperiales Symbol gebrauchte, und die Kunst, in der er sich bewusst als demütiger Förderer der von der Gottesmutter repräsentierten Kirche darstellen ließ. Der Deutsche Orden half ihm dabei, das Reich nach Osten auszudehnen. Alle diese Unternehmungen führte Kaiser Ludwig als rigoroser Hausmachtpolitiker, oft rücksichtslos und stets in Feindschaft zur Papstkurie. Der Wittelsbacher Kaiser Ludwig der Bayer scheiterte letztlich, er wurde im Jahre 1346 abgewählt, König Karl IV. kam an die Macht. Am 11. Oktober 1347 ist Ludwig der Bayer gestorben.

Am Schluss seines Vortrages charakterisierte Professor Schmid Kaiser Ludwig als ungewöhnlich erfolgreichen Heerführer, der seine politischen Chancen erkannt und ausgenützt habe, der von den neuen Bildungsidealen der aufziehenden Renaissance selbst gänzlich unberührt war, der aber auch angeregt von den geistigen Kapazitäten, die ihn umgaben, zukunftsweisende Impulse in seiner Kirchen- und Kulturpolitik zu geben vermochte. Professor Schmid beantwortete schließlich noch zahlreiche Fragen der Zuhörer.

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