Wundersame Arztsprechstunde

Oberalteich: Heilsame Unterhaltung mit „Dr. Jazz“ im Kulturforum

Pressebild Dr. Jazz 
Bild: „Dr. Jazz“ bereitete dem begeisterten Publikum eine zauberhafte Abendsprechstunde. (Foto: erö)

(erö) Ihre Erkennungsmelodie ist King Olivers „Hello doctor give me jazz“ und ihre Musik ist zweifelsohne heilsam: Die „Musikalische Abendsprechstunde“ der bekannten Straubinger Jazzband „Dr. Jazz“ im Kulturforum Oberalteich war ein echtes Highlight zum Abschluss der Saison. So eine swingende „Ärztesprechstunde“ sollte man sich öfter gönnen. Gut gegen Alltagsstress und Schlechtwetter-Blues. Siegfried Späth vom Förderverein für Kultur und Forschung definierte denn auch „Dr. Jazz“ als „Band voll Leben, Kraft, Geist und Elan …“ und traf damit ins Schwarze.

Die Band, die 2009 ihren 25. Geburtstag auch mit einem Konzert in Oberalteich feierte, hat nichts von ihrem Schwung und ihrer Spielfreude verloren. Jazz, Swing und Blues aus mehr als 80 Jahren brachten von der ersten Minute an Stimmung und gutes Feeling in den Saal. Die Besetzung war bekannt mit Dr. Helmut Münich (Bandleader/Klarinette), Dr. Andreas Promesberger (Posaune/Moderation), Dr. Fritz Vogt (Banjo/Gitarre), Dr. Max Kanzelsberger (Piano), Werner Güntner (Bass), Klaus Kohlmeier (Drums) und Günter Kraus, diesmal nur am Mischpult. Für Waldi Altmann hatte Edi Wanske vom Landshuter Dixieland-Stammtisch den Trompetenpart übernommen (auch Gesang und Flügelhorn). Und schon ging es los mit schmelzendem Blues, schwermütig wie New Orleans selbst, mit fetzigem Jazz und Dixie. „Der muss schnell und laut gespielt und in B-Dur geschrieben sein“, meinte Andreas Promesberger, der amüsant durch das Programm führte und zu jedem Song eine kleine Geschichte wusste. Erinnerungen wurden wach an die Altmeister Duke Ellington und Louis Armstrong, an karibische – durch das Banjo von Fritz Vogt – und afrikanische Musiktradition. Mit „Midnight in Moscow„ oder „Black Eyes“ wurde zu einem Ausflug nach Russland eingeladen. Keiner der bekannten Songs fehlte, nicht „When you’re smiling“, „Ice cream, juice cream“ oder das rührende „Carry me back to old virginy“.

Auch großartige Soli von Klarinette, Trompete, Posaune und Bass waren geboten: Improvisationen, in denen sich die Musiker selbst ausdrücken. Edi Wanske präsentierte sich ebenfalls als eifriger Solist und sang mit tiefer Bassstimme Louis Armstrongs größten Hit „What a wonderful world“.

Das Repertoire der Band ist abwechslungsreich, ihr Temperament und Können sind mitreißend wie eh und je. Zum Schluss gab’s noch zwei Betthupferl: Das zauberhafte Wiegenlied „Schlafe mein Prinzchen schlaf ein“, das Mozart zugeschrieben wird, und Brahms „Guten Abend, gut’ Nacht“, als Dixie ganz besonders hinreißend.

Nur mit Bedauern trennte sich das Publikum von den Musikern und sparte nicht mit Beifall.

pdfZeitungsbericht: Wundersame Abendsprechstunde