Festlich, schwungvoll und fröhlich

Oberalteich: Neujahrskonzert

Neujahrskonzert Bild 1: Die Pianistin Susanne Antchkova begeisterte mit dem Konzert von Grieg. (Fotos: erö)

„Und immer wieder geht die Sonne auf“, lautet eine Zeile eines alten Schlagers. Besonders zum Jahreswechsel mag dieser Satz Grund geben, nicht von Zukunftssorgen geplagt das neue Jahr zu beginnen, sondern fröhlich, mit Schwung und auch festlich.

Festlich, schwungvoll, fröhlich – diese drei Wörter umschreiben am Besten das Neujahrskonzert des Fördervereins für Kultur und Forschung Bogen-Oberalteich im, natürlich, voll besetzten Kulturforum. Es war keine nur Stimmung heischende Folge beliebter Melodien im Dreiviertel-Takt, vielmehr ein Programm anspruchsvoller Musik, ein gekonnter Mix aus Mitreißendem, immer wieder gern Gehörtem und Kompositionen, die selten auf mitteleuropäischen Podien zu erleben sind.

Edvard Griegs Klavierkonzert in a-Moll gehört zu jenen Werken, die, völlig zu unrecht, seit Jahrzehnten ein Schattendasein führen. Dabei hat dieses einzige Konzert für Klavier und Orchester, ein Frühwerk des norwegischen Meisters, ziemlich alles, um Publikumserfolg zu sein: eingängige Melodien mit mitreißendem Elan, das beliebte Lokalkolorit des Nordens, überraschende kompositorische Einfälle, alles nicht in hochkompliziertem Aufbau, sondern auch für den weniger intensiv hörenden Musikfreund verständlich, nachvollziehbar.

Was würde eine schöne Komposition nützen, könnte der Interpret am Klavier technisch nicht mithalten oder würde an der Intention des Werkes vorbeispielen. Mit Susanne Anatchkova hatte der Förderverein für Kultur und Forschung eine Solistin gewonnen, die Edvard Griegs Klavierkonzert so spielte wie es dem Charakter dieses Werkes entsprach: kraftvoll zupackend mit strahlendem Klavierklang, der an einem norwegischen Tanz angelehnte erste Satz, die lyrischen Passagen des zweiten Satzes gefühlvoll auslebend, den dritten Satz, die Perle des Werkes, mit ihren Stimmungswechseln mit brillantem Anschlag erblühen lassend. Genauso und nicht anders stellt man sich die Interpretation dieses Klavierkonzertes vor!

Das Niederbayerische Kammerorchester unter der Leitung von Olivier Tardy war adäquater Partner der Solistin. Durch maßvolle Lautstärke und Dynamik wurde Susanne Anatchkova durch das Orchester nicht „an die Wand gedrückt“, vielmehr ließ dieses hervorragende Orchester genügend Freiraum für den Solopart.

Neujahrskonzert 2 Bild 2: Andrea Oswald sang Charmantes aus Wien.

Andrea Oswald, Musikliebhabern bestens in Erinnerung durch ihre Auftritte in Straubing, erfüllte im Neujahrskonzert in Oberalteich die in sie gesetzten, durchaus hochgespannten Erwartungen voll und ganz. Einmal mehr glänzte die junge Dame mit ihrer Kunst, blitzschnell von lyrisch-sinnlicher Tonfarbe zu strahlender Expressivität zu wechseln. Weiche Stimmgebung im Grundcharakter, aber auch die Fähigkeit, Fortesteigerungen in höchsten Tönen mit absolut klarer Stimme zu singen, das zeichnet Andrea Oswald vor allem aus.

Begeistert Andrea Oswald sonst vor allem als einfühlsame Sopranistin im Fach des Kunstliedes, so zeigte sie im Neujahrskonzert ihr Können als Opern- und Operettensängerin. „Ah! Je veux vivre“ aus Charles Gounods „Roméo et Juliette“, Giacomo Puccinis „O mio babbino caro“ aus dessen Oper „Gianni Schicchi“, aber auch das allbekannte „Mein Herr Marquis“ aus der Fledermaus von Johann Strauß oder das kecke „Ich bin die Christl von der Post“ aus dem Vogelhändler von Carl Zeller zeigte nur einen Teil der künstlerischen Bandbreite von Andra Oswald und bewies ihre Kompetenz auch im sogenannten „leichten“ Chambre.

Das beliebte „Pizzicato“ – wie der Name sagt „gezupfte“ Stück – von Leo Delibes, die „Tritsch-Tratsch-Polka“ von Johann Strauß mit Wiener Charme gespielt vom Niederbayerischen Kammerorchester rundete ein Neujahrskonzert ab, zu dem die Attribute „fröhlich, schwungvoll, festlich“ bestens passten.

Theodor Auer

pdfZeitungsbericht: Neujahrskonzert