Kunstvoll „chopinisiert“

Klaviershow mit Andre Hartmann Bild: André Hartmann erwies sich nicht nur als Klaviervirtuose, sondern auch als Politikerdouble, hier von Angela Merkel. (Foto: erö)

Bach, Mozart, alle haben geklaut, von Frédérik Chopin! Das Manko der Logik dieser Theorie, dass Chopin erst 60 Jahre nach Johann Sebastian Bach und 20 Jahre nach dem Tod von Wolfgang Amadeus Mozart geboren wurde, die älteren also kaum vom Nachgeborenen abschreiben konnten, tangiert einen großen Geist nur peripher. Oder war der Sachverhalt umgekehrt, hat Chopin in die Notenblätter der großen Kollegen rübergeschielt? Vielleicht aber auch entspricht keines von beiden der Realität, schließlich haben wir Fasching und André Hartmann ist für seinen geistvollen Humor bekannt! Wie kaum ein anderer versteht er es, die Großen der Musik zu „chopinisieren“, wenige Takte deren Originalkompositionen anzuspielen und dann im Stile Chopins weiter zu verarbeiten, im Verlaufe der Stücke immer wieder den „echten“ Beethoven oder Mozart durchscheinen zu lassen – und doch hat der Hörer den Eindruck, tatsächliche Werke von Frédérik Chopin zu hören. Nein, André Hartmann verfügt nicht über unveröffentlichte Chopin – Manuskripte, er entdeckte weder auf Pariser Dachböden verstaubte Original – Notenblätter, noch von Meerwasser zerfressene Fragmente Chopins in dessen letztem Urlaubsdomizil auf Mallorca, André Hartmann schuf in seinem Konzert im Saal des Kulturforums Oberalteich in kunstvollster Weise einen „neuen“ Chopin!

Folgt man dem augenzwinkernden Geschichtsunterricht von André Hartmann, stammt das berühmte „Yesterday“, dem C-Dur Prelude aus dessen „Wohltemperiertem Klavier“. Orff, Hindemith, Mozart, aber auch Grönemeier und Heino haben nach der Sichtweise André Hartmanns die berühmten „Regentropfen“ von Chopin in ihre Kompositionen und Songs eingebaut. Wie würden das Chopin – Prelude Alt Bundeskanzler Schröder, Angela Merkel oder Edmund Stoiber spielen? Natürlich in der Weise wie sie reden! André Hartmann zeigte es am Flügel. Wer hat „An der schönen blauen Donau“ komponiert? Natürlich Johann Strauß, oder war es doch auch wieder Chopin? Fragen Sie Hartmann!

Mit etwas langen Kabaretteinlagen, André Hartmann spielt ja auf dem „Nockherberg“ Politiker wie Edmund Stoiber, Altkanzler Gerhard Schröder und Münchens Oberbürgermeister Christian Ude, lockerte er das Programm auf. Vielleicht hätte sich gar mancher Musikfreund im gut besuchten Kulturforum Oberalteich ein etwas kürzeres „Politikerderblecken“, dafür länger angespielten André Hartmann – Chopin gewünscht, schließlich ist der Künstler ein wirklich guter Pianist! Musikgeschichtsbücher müssen nicht unbedingt neu geschrieben werden, die Musikwissenschaft ist nicht auf dem Kopf gestellt, aber ein niveauvolles Faschings – Musik – Kabarett war der „etwas andré Chopin“ von André Hartmann auf jeden Fall!

Theodor Auer

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