Höchstes Niveau

Sopranistin Andrea Oswald am Klavier Gerold Huber Hochkultivierter Liedgesang und Klavierbegleitung auf höchstem künstlerischen Niveau. Die Besucher im voll besetzten Saal des Kulturforums Oberalteich konnten einen Liederabend mit Andrea Oswald, Sopran, und Gerold Huber jun., Klavier, erleben, dessen gesangliche Qualität und das Niveau der Klavierbegleitung Maßstäbe, keineswegs nur auf unsere Region bezogen, setzte. Das Wort „Klavierbegleitung“ entspricht zwar allgemeiner Terminologie, Gerold Huber jedoch war weit mehr als „Begleitung“; sein Klavierspiel war geistvolle musikalische Konversation mit den Liedtexten, zeitgleich ging Gerold Huber jun. in einfühlsamster Weise auf die interpretatorischen Intentionen von Andrea Oswald ein. Einmal mehr wurde Huber seinem Ruf als international gefragter Liedbegleiter gerecht!

Mit hoch empfindsamer, auf den Text eingehender Gesangskunst, aus vergangenen Konzerten ohnehin schon bekannt, sang Andrea Oswald anspruchsvollste Lieder, die ein weites Feld emotionaler Welten abdeckten. Den inneren Geist der Lieder, der mehr im musikalischen Bereich, als im Text lebt, diesen den Hörern zu vermitteln, sie die Lieder nicht nur hören, sondern miterleben lassen, das ist eine wesentliche Facette der Kunst von Andrea Oswald. Keine Frage, dass dies gepaart ist mit höchst wandlungsfähiger, in allen relevanten Tonlagen wunderschön klingender Stimme, die selbst am Ende des Konzertes keine Spur von Ermüdung zeigte. Zart, lyrischgefühlvoll, aber auch expressivkraftvoll, die große Palette gesanglichen Ausdrucks vereint Andrea Oswald. Wie könnte die Sängerin sonst im Musikstil so weit auseinanderliegende Kompositionen wie von John Dowland, der im 16. bis Anfang des 17. Jahrhunderts in England vor allem melancholisch angehauchte Musik komponierte, mit spanisch-feuriger, trotzdem sehr melodiöser Musik von Fernando Obradors (1897 bis 1945) in einem einzigen Konzertabend verbinden. „Zdes’‘ khorosho“, Sergei Rachmaninow, da denkt man mehr an seine beiden Klavierkonzerte als an romantische Lieder: „Hier ist es schön, sieh in der Ferne glüht wie Feuer der Fluß“ erinnert mehr an Franz Schubert als an „russische Seele“! Schubert war es, der mit seinen Liedern durch das Programm führte. Welche Breite an Empfindungen und welche Tiefe deckte er in seinem riesigen Liedschaffen ab! In den elf Schubert-Liedern, aufgeteilt in Blöcken über den Konzertabend, vermittelten Andrea Oswald und Gerold Huber jun. einen Ausschnitt der enormen Ausdruckwelt Franz Schuberts.

Einen besonderen Leckerbissen offerierten die beiden Künstler: Lieder von Claude Debussy! Geradezu prädestiniert erschien die Stimme von Andrea Oswald für diese, mehr erfühlbare als erfahrbare Musik mit ihren tiefen Impressionen, die ein Höchstmaß an Gesangskultur verlangt! Ganz im Stile Debussys, wie man ihn aus seinen Werken für Klaviersolo kennt, die Begleitung der Lieder, die Debussy offenbar als tragende Säule seiner Lieder betrachtete. Mit großem Applaus bedankte sich das Publikum für einen Liederabend auf höchster künstlerischer Ebene.

Theodor Auer

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