Genuss der Extraklasse

Benefizkonzert des ostbayerischen Jugendorchester Bild: Das Ostbayerische Jugendorchester gastierte am Sonntag in der Oberalteicher Barockkirche. (Foto: erö)

Mit zwei Dingen hat Felix Mendelssohn-Bartholdy die Welt beschenkt: 1829 die erste Wiederaufführung von Bachs Matthäus-Passion. Johann Sebastian Bach war zu dieser Zeit eigentlich nur noch Fachkreisen ein Begriff. Mit dieser „Wieder-Uraufführung in Berlin leitete der damals erst 20-jährige eine Bach-Renaissance ein, die bis heute ungebrochen anhält. Zum anderen schuf er selbst Werke, die tief den Geist der Romantik atmen und vom Konzertleben nicht wegzudenken sind.

Felix Mendelssohn-Bartholdy war nicht der große Musik-Revolutionär, der das Gebäude der Harmonie ins Wanken brachte, weitreichende Neuerungen in die Musik einführte. Dies wollte er auch gar nicht; Er wollte schöne, ins Ohr gehende Musik auf hohem Niveau schreiben, das Publikum mit entspannten Konzertstunden mit Wohlklang beglücken. Dies gelang ihm vor 170 Jahren ebenso gut wie dem Ostbayerischen Jugendorchester im Konzert in der Barockkirche Oberalteich am Sonntagnachmittag. Einer der ganz großen Brillanten der Violinkonzert-Literatur stand auf dem Programm: Felix Mendelssohn-Bartholdys Konzert e-Moll. Die, trotz ihres jugendlichen Alters von 15 Jahren fantastisch spielende Violinistin Anne Maria Wehrmeyer ließ mit dem Ostbayerischen Jugendorchester unter der Leitung von Hermann Seitz dieses Violinkonzert zu einem Genuss der Extraklasse werden. Wie es der erste Satz dieses Violinkonzertes verlangt, spielte Anne Maria Wehrmeyer mit ausdrucksvoller Anmut. Die Kadenz am Ende dieses ersten Satzes zeigte eine technisch hochversierte, virtuose Violinistin.

Im Andante ließ die junge Künstlerin wunderschönen, seidigen Geigenton erklingen, der die Herzen der Besucher in der Klosterbasilika tief berührte. Anne Maria Wehrmeyer, eine Violinsolistin, die nicht durch „Show-Effekte“, sondern durch Können und Ausdruck überzeugte. Das Ostbayerische Jugendorchester erwies sich als idealer Partner von Anne Maria Wehrmeyer, mit lautstärkemäßig zurückgenommenen Forti übertönten weder die Bläser noch die Streicher die Solistin, dies gepaart mit präzisen Einsätzen. In der „Athalia-Ouvertüre“, ebenfalls von Mendelssohn-Bartholdy, überraschte das Ostbayerische Jugendorchester vor allem durch überaus feindosierte Progression der Dynamik, so dass stets Raum für Steigerungen blieb, von denen dieses Werk lebt. Leise, geheimnisvoll beginnt ein interessantes Stück neuerer Zeit von Charles E. Ives „The Unanswered Question“. Ein Kirchenraum füllendes Zwiegespräch zwischen Solo-Trompete, platziert in der Kirchenmitte auf der Kanzel und der Bläsergruppe im Altarraum, begleitet von dezenten, langanhaltenden Klängen der Streicher. Hermann Seitz ließ in seiner Tempi-Gestaltung der Musik Zeit zu atmen, den romantischen Melodientraum sich zu entfalten. Die Nußknacker-Suite von Peter Tschaikowsky und die Schubert-Zugabe legten hiervon besonders Zeugnis ab. Eine Passacaglia von Georg Friedrich Händel, gespielt von Anne Maria Wehrmeyer und ihrem Bruder am Cello, als besonderes „Zugabe-Schmankerl“.


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