Programm begeisterte die Zuhörer

Oberalteich: Swing&Klassik-Schlossensemble spielte im Kulturforum

Svenja Kruse mti dem Schlossensemble Fahren nach einem Konzert die Besucher mit dem Gefühl nach Hause, einen schönen Abend erlebt zu haben, spielt neben der künstlerischen Leistung auch die Gestaltung des Programms eine entscheidende Rolle. Ist dies bei abendfüllenden Werken kein Problem, so kann aus einer Ansammlung kurzer Stücke schnell wüstes Durcheinander aus Sicht der Hörer entstehen. Das Swing&Klassik-Schlossensemble ließ dieser Problematik während des gesamten Konzerts im Kulturforum Oberalteich keinen Platz. Drei Komponenten schweißten die Vielzahl der Programmpunkte zusammen: Das gemeinsame Thema „Liebe“, die Aufeinanderfolge der Kompositionen, pendelnd zwischen intimer Poesie und Expressivität, gar manches Mal auch mit zwinkerndem Auge, und die kurzen, charmanten Einführungen durch die Sopranistin des Abends, Sevenja Kruse. Eine wirklich großartige Violinistin zählt zum Swing&Klassik-Schlossensemble: Heike Fischer. Im allbekannten Menuett von Luigi Boccherini zeigte Heike Fischer ihre schwungvolle Seite, große Klasse der „Second Waltz“ von Dimitri Schostakovich. Unerlässlich bei einem Gesangsabend ist die Klavierbegleitung. Gefühlvoll ging Eberhard Geyer auf die Interpretationskunst von Svenja Kruse ein. Im „Türkischen Marsch“ von Wolfgang Amadeus Mozart konnte Eberhard Geyer als Solist seine Fingerfertigkeit unter Beweis stellen.

Musical, Swing, ohne Percussion kaum vorstellbar. Gerhard Putz bildete, nie aufdringlich, mit seinem Schlagzeug die rhythmische Grundlage. Unverzichtbare Säule des Musiklebens, Werner Güntner mit seinem virtuosen Kontrabassspiel. Das Publikum im Kulturforum durfte Werner Güntner auch als Komponisten feiern. Sein „Ständchen in D“ passte mit seiner anheimelnden, doch auch beschwingten Melodie treffend zum Thema des Abends „Liebe“. Die Gesangskunst von Svenja Kruse überzeugte nicht nur durch die Klarheit ihrer Sopranstimme, vielmehr setzte sie die Qualitäten ihrer Stimme in der gesamten Bandbreite des Ausdrucks wohlüberlegt, den Texten entsprechend, ein, so dass die Künstlerin das Thema „Liebe“ in vielerlei Facetten glaubhaft „rüberzubringen“ vermochte. Wie weit sind kompositorisch und vor allem die Gefühlswelt betreffend die Arie des Cherubino aus „Figaros Hochzeit“ von Mozart vom sehnsuchtsvoll-romantischen „Lied an den Mond“ aus Antonin Dvoraks „Rusalka“ entfernt. Ob Puccinis Arie „O mio babbino caro“ oder Charles Gounods „Juwelenarie“, die die liebeerweckende Wirkung kostbarer Geschenke bei manchen Damen besingt – in all der Breite dieser Stilrichtungen zeigte sich Svenja Kruse als souveräne Interpretin, die ihre Stimme perfekt den jeweiligen Musikstilen anzupassen vermochte. Diese große gesangliche Anpassungsfähigkeit dehnte Svenja Kruse bis in das Musical- und Swingfach aus sowie Songs aus den 20er- und 30er Jahren. „Alle Männer sind Verbrecher“ oder „Kann denn Liebe Sünde sein“ sein hier nur als Beispiele erwähnt. Nicht zuletzt machten das Zusammenspiel der Instrumentalisten untereinander und ihre gefühlvolle Begleitung der Sopranistin das Konzert im Kulturforum zu einem Abend, von dem die Besucher auf der Nachhausefahrt sagen konnten: Wirklich schön war’s.

Theodor Auer
pdfZeitungsbericht: Programm begeisterte die Zuhörer