Riesenbeifall und zwei Zugaben

Oberalteich: Neujahrskonzert

Neujahrskonzert mit dem niederbayerischen Kammerorchester Bild links: Ein großartiges Neujahrskonzert unter dem Motto „Spanische Nacht“ bot das Niederbayerische Kammerorchester unter der Leitung von Gerold Huber sen. im Kulturforum Oberalteich. (Fotos: erö)

Feuer und Melancholie, Wildheit und verträumte Sinnlichkeit, dies sind die Bausteine spanischer Folklore. George Bizet, Maurice Ravel, Isaac Albeniz überhöhten diese Elemente, schufen daraus, was zu ihrer Zeit und auch heute als typisch spanische Musik empfunden wird. Dies, obwohl sie keine Spanier waren. Bizet, Schöpfer der weltbekannten, in spanischem Milieu spielenden Oper Carmen, die in Musik und Libretto all das beinhaltet, was als „spanisch“ empfunden wird, war nie in seinem Leben in Spanien, ganz abgesehen davon, dass diese Oper in französischer Sprache geschrieben wurde. Mit der berühmten „Carmen-Suite“, einer Folge musikalischer Szenen aus dieser Oper, beschenkte das Niederbayerische Kammerorchester zum neuen Jahr die Besucher des Konzertes des Fördervereins für Kultur und Forschung Bogen-Oberalteich im voll besetzten Saal des Kulturforums in Oberalteich. Wer Gerold Huber sen., Gründer des Niederbayerischen Kammerorchesters und Dirigent dieses Konzertes, kennt, weiß, dass dieser große Musiker nicht einfach diese Suite „herunterspielen“ lässt, vielmehr hob er dieses Werk durch spannungsgeladene, einfallsreiche und durchdachte Interpretation auf eine Ebene, die weit über das hinausgeht, was gemeinhin unter „Carmen-Suite“ verstanden wird. Die Bearbeitung durch den russischen Komponisten Rodion Schtschedrin, der den Orchesterpart durch Schlaginstrumente bereicherte, schenkte aufrüttelnden Glanz. Sicher wäre George Bizet über das neue Werkverständnis ebenso begeistert gewesen wie der Rezensent und das Publikum. Neben dem in Musikkreisen allseits bekannten hohen Niveau des Niederbayerischen Kammerorchesters verdient das Schlagwerk-Ensemble „Danubius“, Stephan Weber, Laura Schwellensattl, Daniel Seulen, Wolfram Zacher, ob seiner Präzision und gefühlvollen, aussagekräftigen Spielkunst auf seinen Schlaginstrumenten höchste Anerkennung. Das Ensemble „Danubius“ erlag nicht der Versuchung, auf seinen Instrumenten einfach „loszudreschen“, weil dies vielleicht durch das Wort „spanisch“ suggeriert wird, vielmehr behandelten die Musiker ihre Instrumente mit größter Behutsamkeit und feinst abgestimmter Dynamik.

Augustin Wiedemann Bild rechts: Gitarrist Augustin Wiedemann spielte das Solo im Konzert für Gitarre und Orchester von Moreno Torroba.

Ein besonderes Highlight war die bekannte und hervorragende Pianistin Susanne Anatchkova. Als Tochter von Gerold Huber vermochte sie die schöpferischen Intentionen ihres Vaters, der vier Werke in kongenialer Weise für Klavier und Orchester bearbeitete, mit ihrer Klavierkunst nicht nur mitreißend nachzuempfinden, sondern den Werken von Manuel Infante, Maurice Ravel, Moreno Torroba, Isaac Albeniz besondere Strahlkraft zu verleihen. Faszinierend, mit welchem Tempo und welcher Fingerfertigkeit Susanne Anatchkova spanisches Kolorit auf den Flügel zauberte. Klavier solo zu Beginn von „Asturia“ von Isaac Albeniz, dann wie Blitze die Einsätze des Orchesters, bis Streicherklang Ruhe in das Werk einkehren ließ. Augustin Wiedemann weckte mit seinem Gitarrenspiel in der Sonatina für Gitarre und Orchester von Moreno Torroba Erinnerungen an das bekannte Concierto de Aranjuez von Rodrigo. Besonders schön, wellenartig-verträumt, das Andante mit der Solo-Passage für Gitarre. Zu einem großen, temperamentvollen Fest lud Gerold Huber mit seiner Bearbeitung Maurice Ravels „Feria“ ein. Stefan Mutz, Flöte, Fritz Menzel, Viola, und Fred Flassig, Violoncello, Solisten dieses Werkes, sorgten für ekstatische spanische Lebensfreude in diesem Konzert.

Kein Wunder, dass die Besucher durch Riesenbeifall zwei Zugaben forderten! Der Förderverein Kultur und Forschung Bogen-Oberalteich ließ mit seiner „Spanischen Nacht“ fantastischer Musik jenseits allbekannter „Walzer-Glückseligkeit“ 2016 niveauvoll beginnen!

Theodor Auer

pdfZeitungsbericht: Riesenbeifall und zwei Zugaben