Siedler schon in der Jungsteinzeit

Oberalteich: Kreisarchäologe Dr. Husty über den Salchinger Pfingstberg

Salchinger Pfingsberg (erö) Hochinteressant und spannend war der Vortrag von Kreisarchäologe Dr. Ludwig Husty im Kulturforum Oberalteich. Er referierte eine Stunde lang frei über „25000 Jahre Kulturgeschichte am Salchinger Pfingstberg“.

Veranstalter war der Förderverein für Kultur und Forschung Bogen-Oberalteich. Vorstandsmitglied Hans Neueder informierte vorab über die nächsten Veranstaltungen: am Donnerstag, 17. März, Frühlingskonzert des Veit-Höser-Gymnasiums; am Samstag, 30. April, Exkursion nach Welchenberg „Raritäten“; am 11. Mai Vortrag von Professorin Anne Beer über die Ergebnisse der Projektarbeiten zu möglichen baulichen Veränderungen der historischen Klosteranlage Oberalteich und deren Nutzung.

Der Salchinger Pfingstberg gehört zu den wenigen Plätzen im Landkreis, an denen durch Funde die Anwesenheit unserer Vorfahren im Landkreis Straubing-Bogen bis in die Jungsteinzeit zurückverfolgt werden können, sagte Husty. Er malte zunächst ein Bild von der letzten Eiszeit, als die Gletscher von Norden weit nach Süden reichten und die Landschaft von einer Tundra mit Permafrostboden bedeckt war. Unwirtliche Lebensbedingungen für die damaligen Menschen, die als Jäger auf riesigen Entfernungen in Altbayern unterwegs gewesen seien, so Husty. Mit der Sesshaftwerdung der Menschen ab dem Neolithikum sei eine Siedlungsdynamik entstanden, von der bis heute viele Bodendenkmäler zeugten.

Husty schilderte die Schwierigkeiten der archäologischen Ausgrabungen in dem Neubaugebiet in Salching. Die Hinterlassenschaften der jungpaläolithischen Station hätten vermutlich durch die starke Erosion sehr abgenommen. Zwei Siedlungsschwerpunkte galt es zu untersuchen: einmal am Fuß und zum anderen auf dem Hochplateau des Pfingstberges. 500 Funde seien zu verzeichnen gewesen, darunter Armspiralen, Nadeln und andere Bronzegegenstände aus der frühen Bronzezeit. Auch Gräber mit reichen Grabbeigaben für Frauen und Männer seien gefunden worden. In einem Urnengräberfeld fanden sich Grabbeigaben wie Beigefäße oder Pfeilspitzen. Ein Zeitsprung in die zweite Hälfte des 2. Jahrhunderts nach Christus: Völlig überraschend sei man an der Geländekante des Pfingstberges auf Gräben gestoßen, wo sich römische Kniefibeln, Münzen und Töpferwaren fanden. Kiesaufschüttungen wiesen auf den Teil einer römischen Straße hin als Verbindung zum Hinterland. Ebenso überraschend waren die 22 Töpferöfen mit römischer Keramik und Fehlbränden. Auf dem Plateau gab es dann Funde rechteckiger Grabenanlagen mit Palisaden, die ein großes Areal umfriedeten. Zweifellos eine Siedlung von Menschen der Münchshöfener Kultur. Auch unberaubte Körpergräber, reich mit Beigaben ausgestattet, seien entdeckt worden.

Damit müsse die Ortsgeschichte von Salching neu geschrieben werden, sagte Husty mit einem Dank an die Gemeinde Salching. Auf dem Kinderspielplatz, unter dem womöglich noch eine Menge weiterer unentdeckter Funde schlummern, sei eine Infotafel errichtet worden. Auch habe die Gemeinde einige der bronzezeitlichen Funde restaurieren lassen.

In der anschließenden Diskussion blieben noch viele Fragen offen.


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