Trompeten-Zeit

Oberalteich: Ostbayern Brass

Ostbayern-Brass 2017 Zu festlichen Zeiten ist eine Instrumentengruppe unabdingbar: Die Trompete! Dies bereits in ferner Vergangenheit. Auf ägyptischen Wandmalereien zieht eine, meist weibliche, Bläsergruppe vor dem Pharao her; Fürstenhöfe seit dem Altertum über Mittelalter und Renaissance ließen für ihre Feste Trompeten-Kompositionen schreiben, desgleichen tat die Kirche, um die hohen Feste, Weihnachten, Ostern, Pfingsten in besonderer Weise hervorzuheben, ihnen feierlichen Glanz zu verleihen. Für jeden Sonntag im Jahr komponierte Johann Sebastian Bach Kantaten, Trompetenbegleitung behielt er jedoch für die hohen Feiertage vor. So sind Trompetenklänge bis heute obligatorisch für die Weihnachtszeit.

Besonders festlich – feierliche Trompetenmusik konnten die Hörer in der voll besetzten Klosterkirche Oberalteich hören. Das fünfköpfige Ensemble mit dem Namen „Ostbayern Brass“, bestehend aus Dominik Glöbl, Trompete, Christian Striegl, Trompete, Komposition und Arrangements, Michael Wallner, Euphonium, Franz Eisenschink, Richard Stadler, Tuba beschenkten das Publikum im Benefizkonzert des Vereins Kultur und Forschung Bogen-Oberalteich nicht nur mit weihnachtlichen Klängen, sie gaben bekannten Stücken durch gekonnte, ja raffinierte Arrangements ihre ganz persönliche Note.

Wer hat schon „Es ist ein Ros entsprungen“, das alte, im 16. Jahrhundert in Köln entstandene Lied mit „jazzigem Touch“ gehört? Oder die humorvolle Version von „Süßer die Glocken nie klingen“ (ob damit die Kassenglocken der Geschäfte gemeint sind?). Ob daraus etwas werden kann: Der altbayerische Andachtsjodler gemixt mit „Heitschi- Bum-Beitschi“? Niemand soll nun denken, es handelte sich bei diesem Konzert um Verballhornung alter Weisen, im Gegenteil, die Stücke wurden durch geschickte Arrangements aus dem rein volkslied-kinderliedhaften auf höhere, interessantere Ebene gehoben, so auch die auf Bassfundament aufgebaute Bearbeitung des allbekannten „Maria durch den Dornwald ging“. Weihnachtsstücke hinter sich lassend wandten sich die Ostbayern Brass auch anspruchsvollen Kompositionen wie gleich zu Beginn einem Madrigal von Heinrich Schütz zu. Das romantisch-melodische „Denn er hat seinen Engeln befohlen“ von Mendelssohn-Bartholdy strahlte besinnliche Ruhe aus, nicht zuletzt durch die hohe Spielkunst der Bläser.

In allen Stücken, besonders auch in Georg Friedrich Händels „Tochter Zion“ aus dem Oratorium „Judas Makkabäus“ brillierten die Ostbayern Brass mit höchster Genauigkeit im Zusammenspiel und den Einsätzen, was mit Blechblasinstrumenten alles andere als selbstverständlich ist. Mit vier die Gefühlswelt der Zuhörer sehr ansprechenden Eigenkompositionen, für jeden Adventssonntag eine, zeigten die Ostbayern Brass ihre schöpferische Gestaltungskraft und bewiesen neben ihrer interpretatorischen auch ihre kompositorische Kompetenz. Kein Wunder, dass das Publikum drei Zugaben einforderte!


Theodor Auer

pdfZeitungsbericht: Trompeten-Zeit