Höchste Leistung

Oberalteich: Jugendorchester musiziert

Ostbayerisches Jugendorchester Das Ostbayerische Jugendorchester gastierte in der Barockkirche. Foto: erö

Apotheose des Tanzes bezeichnete Richard Wagner Beethovens 7. Sinfonie. Tatsächlich ist diese Sinfonie durchzogen mit schwungvollen Rhythmen. Dies darf jedoch nicht verwechselt werden mit einer Suite, einer Folge von Tänzen. Vielmehr hat Beethoven die Gedanken des Rhythmusesin eine höhere Ebene transformiert, sie wie der Name Apotheose sagt, verklärt. Wie in der 5. Sinfonie, die von der Thematik das krasse Gegenteil zur 7. darstellt, beherrscht das Hauptthema den ganzen ersten Satz, nur fehlt hier alles Tragische, alles Schicksalhafte, es ist ein beschwingtes, übermütiges Thema, dessen mitreißende Wirkung nicht zuletzt der 6/8 Rhythmus erzeugt. Das Ostbayerische Jugendorchester unter der Leitung von Prof. Walter Schreiber zeigte eine großartige, absolut professionelle Leistung, Beethovens anspruchsvolle Sinfonie nicht nur zu spielen, sie mit Geist und Leben zu erfüllen. Vergleichbar mit einem Brillantring dessen wertvollster, größter Diamant in der Mitte platziert ist, befindet sich auch bei Beethovens 7. der geistige Mittelpunkt im 2. Satz, eingerahmt zwischen die extrovertierte Energie des 1. und 3. vor allem aber des Finalsatzes. Fast düster und behutsam beginnt in den Celli dieser zweite Satz, die anderen Instrumente gesellen sich dazu, kumulieren in leidenschaftlicher Erregung, bis durch die Töne eines Fagotts alles wieder zur Ruhe kommt. Wunderbar wie das Orchester diesen Satz mit höchstem Feingefühl auf ausdrucksvollste Weise ausarbeitete!

Es ist ein Fehler, sich durch das Wort Jugendorchester zu Vorurteilen hinreißen zu lassen. Die jungen Musiker spielen auf extrem hohem Niveau mit äußerster Exaktheit im Zusammenspiel und in den Einsätzen, vergessen dabei aber nicht die Gesamtheit der Sätze, die Stimmungsbögen im Auge zu behalten. Virtuosität verbunden mit Wohlklang waren in der Interpretation des Konzertes in h-Moll für vier Violinen, RV 580 von Antonio Vivaldi durch die fabelhaften Solisten Jinlu Li, Johanna Fante, Lea Pommer, Maximilian Berger in vollendeter Weise verbunden. Das Orchester hielt sich angemessen in der Lautstärke vornehm zurück, auf dass die subtile Kunst der Solisten in vollem Glanz erstrahlen konnte.

Walter Schreiber eröffnete das Konzert in der voll besetzten Klosterkirche von Oberalteich mit Beethovens Ouvertüre zu Goethes Schauspiel „Egmont“. Es war zu Goethes Zeiten üblich bei Theaterstücken eine eigens dafür komponierte, Bühnenmusik aufzuführen. Das Schauspiel Egmont wird kaum mehr aufgeführt, Beethovens Musik hierzu ist nach wie vor ein „Publikumsrenner“. Die Handlung darf an dieser Stelle ganz kurz zusammen gefasst werden: Es geht um den Kampf um Freiheit. Graf Egmont kämpft gegen die spanische Besetzung der Niederlande. Er selbst wird als Hochverräter liquidiert, eine Unsitt, die auch heute in vielen Ländern zu beobachten ist, sein Freiheitsgedanke jedoch siegt! Beethoven fasst das Geschehen in knapp zehn Minuten zusammen: Niedergeschlagenheit, Not in der Einleitung, dann blitzt die Hoffnung auf Freiheit auf. Der Kampf wiegt hin und her, doch unaufhaltsam der Sieg der Freiheit. Eindrucksvoll schildern Walter Schreiber mit seinem Ostbayerischen Jugendorchester mit ihrer Interpretation das Geschehen in Beethovens Musik. Das Orchester schenkte dem Publikum einen höchst eindrucksvollen Konzertnachmittag, die Besucher bedankten sich mit großem Applaus und Standing Ovations. Angesichts der Leistung des Orchesters war der eigentlich unübliche, provinziell wirkende Applaus zwischen den einzelnen Sätzen der Sinfonie durchaus verständlich.


Theodor Auer

pdfZeitungsbericht: Höchste Leistung